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Marktentwicklung: Heizöl (CN 27101967) — 2015–2025

Einführung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 27101967 – Heizöle aus Erdöl oder bituminösen Mineralien mit einem Schwefelgehalt von mehr als 0,5 Gewichtsprozent – im Zeitraum von 2015 bis 2025. Obwohl der Berichtszeitraum formal 2015–2025 umfasst, liegen vollständige Handelsdaten für dieses Produkt erst ab dem Jahr 2020 vor (Übersicht des Dashboards). Die Analyse konzentriert sich daher auf die sechs Beobachtungsjahre 2020 bis 2025. In diesem Zeitraum war die EU insgesamt Nettoexporteur von Schwefel-Heizöl: Der Handelsbilanzüberschuss lag 2020 bei rund 2,23 Mrd. EUR und belief sich 2025 auf etwa 1,83 Mrd. EUR. Die Daten zeigen drei zentrale Dynamiken: einen drastischen Rückgang der Handelsvolumina bei gleichzeitigem Preisanstieg, eine geopolitisch bedingte Neuausrichtung der Lieferantenstruktur sowie eine zunehmende Marktkonzentration mit regionalen Verschiebungen innerhalb der EU.


1. Mengenrückgang und Preisanstieg – Die strukturelle Verschiebung des EU-Heizölhandels

Die EU exportiert signifikant weniger Heizölvolumina als noch 2020

Die exportierten Mengen der EU sind im Beobachtungszeitraum erheblich gesunken: von 12,77 Mio. Tonnen (2020) auf 5,48 Mio. Tonnen (2025), was einem Rückgang von 57,1 % entspricht (Handelsübersicht). Der Höchstwert im Beobachtungszeitraum lag bei 16,25 Mio. Tonnen (vermutlich im Jahr 2022). Die Importmengen entwickelten sich ähnlich: von 2,81 Mio. Tonnen (2020) auf 1,53 Mio. Tonnen (2025), ein Rückgang von 45,6 %. Der Höchstwert der Importe betrug 2,92 Mio. Tonnen.

Steigende Preise konnten den Mengenrückgang bei den Exportwerten nur teilweise kompensieren

Der Einheitswert der Exporte stieg von 231 EUR/t (2020) auf 457 EUR/t (2025), ein Anstieg von 97,7 % (Handelsübersicht). Der Höchstpreis lag bei 539 EUR/t. Trotz dieser Verdopplung sank der Exportwert insgesamt um 15,2 % – von 2,95 Mrd. EUR (2020) auf 2,50 Mrd. EUR (2025). Der Höchstwert lag bei 5,02 Mrd. EUR (vermutlich 2022, als die Energiepreise infolge des Ukraine-Krieges ihren Höhepunkt erreichten). Bei den Importen war die Preisdynamik ähnlich: Der Einheitswert erhöhte sich von 258 EUR/t auf 442 EUR/t (+71,5 %), mit einem Spitzenwert von 572 EUR/t. Der Importwert sank dennoch um 6,8 % auf 677 Mio. EUR (2025), nach einem Höchstwert von 1,67 Mrd. EUR.

Kennzahl 2020 2025 (oder Höchstwert) Veränderung
Exportwert 2,95 Mrd. EUR 2,50 Mrd. EUR −15,2 %
Exportmenge 12,77 Mio. t 5,48 Mio. t −57,1 %
Exportpreis 231 EUR/t 457 EUR/t +97,7 %
Importwert 726 Mio. EUR 677 Mio. EUR −6,8 %
Importmenge 2,81 Mio. t 1,53 Mio. t −45,6 %
Importpreis 258 EUR/t 442 EUR/t +71,5 %
Handelsbilanz 2,23 Mrd. EUR 1,83 Mrd. EUR −17,9 %

Die Daten spiegeln den kombinierten Effekt von Energiekrise und Energiewende wider

Die beobachtete Kombination aus sinkenden Volumina und steigenden Preisen lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Der massive Preisanstieg im Jahr 2022 ist klar mit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und der darauf folgenden globalen Energiekrise verbunden. Der anschließende Preisrückgang – bei gleichzeitig weiter fallenden Volumina – deutet darauf hin, dass der Rückgang nicht nur konjunkturell bedingt ist, sondern auch eine strukturelle Komponente besitzt: Die europäische Energiewende, der verstärkte Ausbau erneuerbarer Energien und Wärmepumpen sowie regulatorische Maßnahmen (z. B. CO₂-Bepreisung) dürften die langfristige Nachfrage nach Schwefel-Heizöl nachhaltig reduzieren.


2. Geopolitische Neuausrichtung – Vom russischen Lieferanten zum diversifizierten Partnernetzwerk

Der russische Heizölimport ist faktisch zum Erliegen gekommen

Die dramatischste Veränderung auf der Importseite betrifft die Russische Föderation: Der Importwert sank von 122,6 Mio. EUR (2020) auf lediglich 128.375 EUR (2025), was einem Rückgang von 99,9 % entspricht (Top-Partner nach Wert). Dies ist eine direkte Folge der EU-Sanktionen gegen russische Energieexporte nach dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022. Der Koeffizient der Variation (CV) der russischen Importe liegt bei 0,98, was die extreme Schwankung dieses Handelsstroms unterstreicht (Volatilitätsanalyse).

Die Türkei, Israel und Kanada sind zu wichtigen neuen Lieferanten aufgestiegen

Die Lücke, die durch den Wegfall russischer Lieferungen entstand, wurde teilweise durch neue Handelspartner gefüllt:

Partnerland Importwert 2020 Importwert 2025 Veränderung
Türkei 3,6 Mio. EUR 238,4 Mio. EUR +6.533,6 %
Israel 8,4 Mio. EUR 74,7 Mio. EUR +791,2 %
Kanada 29,0 Mio. EUR 126,9 Mio. EUR +337,0 %
Vereinigtes Königreich 168,6 Mio. EUR 90,5 Mio. EUR −46,3 %
USA 35,3 Mio. EUR 7,5 Mio. EUR −78,7 %
Russland 122,6 Mio. EUR 0,1 Mio. EUR −99,9 %

Quelle: Top-Partner nach Wert

Der spektakuläre Anstieg der türkischen Lieferungen (+6.533,6 %) ist bemerkenswert: Die Türkei stieg von einem marginalen Lieferanten zum zweitwichtigsten Importpartner der EU auf. Israel (+791,2 %) und Kanada (+337,0 %) entwickelten sich ebenfalls zu nennenswerten Quellen. Gleichzeitig sanken die Importe aus dem Vereinigten Königreich um 46,3 % und aus den USA um 78,7 %. Der Import aus den Vereinigten Arabischen Emirten verzeichnete einen dramatischen Einbruch: ein als „Supply-Shock" identifiziertes Ereignis mit einer Abnormalität von 5,7 und einem Rückgang von 99,1 % im Jahr 2025 (Shocks).

Auch die Exportziele der EU haben sich verschoben

Auf der Exportseite verlagerten sich die Handelsströme ebenfalls. Gibraltar verzeichnete ein Wachstum von 73,9 % (von 196,6 Mio. EUR auf 341,7 Mio. EUR), was teilweise mit Umschlagaktivitäten und bunkering-Tätigkeiten zusammenhängen dürfte. Marokko (+139,3 %) und Singapur (+75,3 %) gewannen ebenfalls an Bedeutung, während Saudi-Arabien als Exportziel um 85,8 % einbrach (Top-Partner nach Wert). Die USA blieben ein stabiler Abnehmer mit einem Exportwert von 291,1 Mio. EUR (+64,2 %). Preischocks bei den USA-Handelsströmen im Jahr 2022 (Abnormalität von 4,4 bei Exporten und 4,3 bei Importen) unterstreichen die allgemeine Preisvolatilität in der Energiekrise (Shocks).


3. Zunehmende Marktkonzentration und regionale Verlagerung innerhalb der EU

Die Niederlande bleiben das Herzstück des EU-Heizölexports, verlieren aber an Gewicht

Die Niederlande sind mit Abstand der größte Exporteur innerhalb der EU: 2025 exportierten sie Heizöl im Wert von 1,24 Mrd. EUR, was einem Rückgang von 21,1 % gegenüber 2020 entspricht (Top-Berichter nach Wert). Der Hafen von Rotterdam als größtes europäisches Raffinerie- und Logistikzentrum erklärt diese dominante Position. Gleichzeitig gewinnen südeuropäische Mitgliedstaaten an Bedeutung:

EU-Mitgliedstaat Export 2020 Export 2025 Veränderung
Niederlande 1.571 Mio. EUR 1.240 Mio. EUR −21,1 %
Griechenland 255 Mio. EUR 584 Mio. EUR +128,6 %
Italien 161 Mio. EUR 498 Mio. EUR +208,7 %
Spanien 398 Mio. EUR 8 Mio. EUR −98,0 %
Schweden 304 Mio. EUR 3 Mio. EUR −99,0 %
Litauen 95 Mio. EUR 1,5 Mio. EUR −98,4 %

Quelle: Top-Berichter nach Wert

Griechenland und Italien haben ihre Exporte deutlich ausgebaut, während Spanien, Schweden und Litauen ihre Exporte nahezu vollständig eingestellt haben. Die Spezialisierungsdaten für 2025 bestätigen diese Verschiebung: Griechenland (RSCA: 0,91, RCA: 20,4) und Kroatien (RSCA: 0,85, RCA: 12,0) weisen die höchsten komparativen Vorteile auf, gefolgt von Malta (RSCA: 0,98, RCA: 104,4 – bei allerdings sehr kleinen Volumina) (Spezialisierung).

Auf der Importseite hat sich die Nachfrage in Richtung Südeuropa verschoben

Innerhalb der EU verschob sich die Importnachfrage ebenfalls nach Süden:

EU-Mitgliedstaat Import 2020 Import 2025 Veränderung
Niederlande 208 Mio. EUR 93 Mio. EUR −55,3 %
Frankreich 182 Mio. EUR 225 Mio. EUR +23,7 %
Italien 22 Mio. EUR 120 Mio. EUR +452,2 %
Spanien 14 Mio. EUR 71 Mio. EUR +418,7 %
Belgien 73 Mio. EUR 2,4 Mio. EUR −96,8 %
Estland 33 Mio. EUR 0,1 Mio. EUR −99,6 %

Quelle: Top-Berichter nach Wert

Italien und Spanien haben ihre Importe massiv gesteigert, was auf steigende Nachfrage in diesen Märkten oder veränderte Raffineriestrukturen hindeuten könnte. Estland, das zuvor russisches Heizöl importierte, brach nahezu vollständig weg (−99,6 %) – ein klares Spiegelbild der Sanktionswirkung. Belgien verlor ebenfalls stark (−96,8 %).

Die Marktkonzentration hat sowohl bei Importen als auch bei Exporten zugenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.549 (2020) auf 2.026 (2025), was einem Anstieg von 30,8 % entspricht (Konzentrationsanalyse). Der HHI von 2.026 liegt bereits im Bereich einer mäßig konzentrierten Marktstruktur. Für Exporte stieg der HHI von 1.021 auf 1.194 (+16,9 %). Die zunehmende Konzentration auf der Importseite spiegelt den Wegfall Russlands als diversifizierenden Lieferanten wider: An die Stelle mehrerer gleichwertiger Quellen trat eine stärkere Fokussierung auf wenige Hauptlieferanten. Die Volatilitätsdaten bestätigen diese Instabilität: Norwegen (CV: 1,61), Ägypten (CV: 1,03) und Brasilien (CV: 0,99) weisen als Importpartner besonders hohe Schwankungen auf (Volatilitätsanalyse).


Fazit

Die Handelsentwicklung der EU mit Schwefel-Heizöl (CN 27101967) im Zeitraum 2020–2025 ist von drei übereinandergreifenden Dynamiken geprägt. Erstens führte die Kombination aus der Energiekrise 2022 und der langfristigen europäischen Dekarbonisierungsagenda zu einem drastischen Rückgang der Handelsvolumina – um über 57 % bei den Exporten und über 45 % bei den Importen –, der durch Preissteigerungen von bis zu 98 % nur teilweise kompensiert werden konnte. Zweitens hat die geopolitische Zäsur des Ukraine-Krieges die Importstruktur der EU grundlegend verändert: Russland als einst wichtiger Lieferant wurde vollständig verdrängt und durch neue Quellen wie die Türkei, Israel und Kanada ersetzt. Drittens verschiebt sich die europäische Handelslandschaft räffinerieseitig nach Süden: Griechenland und Italien gewinnen sowohl im Export als auch im Import an Gewicht, während etablierte Handelsakteure wie Belgien, Estland und Schweden stark an Bedeutung verloren haben. Die zunehmende Konzentration des Importmarktes (HHI-Anstieg um 31 %) birgt Risiken für die Versorgungssicherheit und unterstreicht die Notwendigkeit einer weiteren Diversifizierung der Lieferketten. Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass der Markt für Schwefel-Heizöl in der EU in einer Phase des strukturellen Wandels befindet, in der geopolitische Schocks und klimapolitische Rahmenbedingungen die traditionellen Handelsmuster nachhaltig umgestalten.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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