Marktentwicklung: Gasöl (CN 27101948) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Produkt Gasöl (CN 27101948 – Gasöl aus Erdöl oder bituminösen Mineralien, mit einem Schwefelgehalt von > 0,1 GHT) für den Zeitraum 2015 bis 2025. Basierend auf den bereitgestellten Handelsdaten werden die wesentlichen Trends im Handelsvolumen, in der geografischen Partnerschaftsstruktur sowie den Markt- und Preisdynamiken untersucht. Die Analyse konzentriert sich auf die außergewöhnlichen Veränderungen, insbesondere den drastischen Rückgang der Handelsvolumina und die sich stark verändernden Handelsbeziehungen. Weitere Details zur Produktdefinition finden Sie im Überblick.
I. Dramatischer Rückgang der Handelsvolumina und steigende Preise
Die Periode 2015–2025 ist von einem drastischen Rückgang der Handelsvolumina bei gleichzeitigem Anstieg der Einheitspreise geprägt.
Der Exporteinbruch fällt besonders stark aus
Der Exportwert sank von 2,45 Mrd. EUR (2015) auf 504 Mio. EUR (2025), was einem Rückgang von -79,4 % entspricht. Noch gravierender ist der Rückgang der exportierten Menge um -83,6 % (von 5,55 Mio. Tonnen auf 0,91 Mio. Tonnen). Diese Dynamik zeigt eine fundamentale Schwächung der EU als Exporteurin dieses spezifischen Gasöls. Die Exporte wurden vor allem in den traditionellen Partnerländern in Westafrika (z. B. Togo, Nigeria, Guinea) und dem Vereinigten Königreich stark zurückgefahren, wie die Daten der Handelspartner zeigen.
Auch die Importe verzeichnen einen deutlichen Rückgang
Der Importwert verringerte sich von 889 Mio. EUR auf 320 Mio. EUR (-64,0 %). Die importierte Menge fiel von 2,44 Mio. Tonnen auf 0,58 Mio. Tonnen (-76,1 %). Der Rückgang ist etwas geringer als bei den Exporten, was zu einer erheblichen Schrumpfung des Handelsbilanzüberschusses führte: von 1,56 Mrd. EUR auf nur noch 184 Mio. EUR (-88,2 %).
Die Einheitspreise sind trotz Mengenrückgang gestiegen
Trotz des rückläufigen Volumens sind die durchschnittlichen Exportpreise um 25,4 % (von 442 EUR/t auf 554 EUR/t) und die Importpreise um 50,9 % (von 364 EUR/t auf 550 EUR/t) gestiegen. Dies deutet auf ein globales Marktumfeld mit steigenden Rohstoffkosten oder Engpässen hin. Der Anstieg der Importpreise war dabei besonders stark, was die Kostensituation für EU-Importeure belastete.
II. Strukturelle Verschiebungen in der Handelspartnerschaft
Die Handelsstruktur der EU für dieses Gasöl hat sich im Beobachtungszeitraum grundlegend gewandelt, was sich in der Veränderung der Top-Partnerländer und einer zunehmenden Konzentration widerspiegelt.
Wichtige traditionelle Lieferanten verlieren stark an Bedeutung
Die ehemals wichtigsten Importquellen innerhalb des außereuropäischen Handels haben massiv an Volumen verloren. Besonders auffällig ist der fast vollständige Rückzug von Lieferungen aus Norwegen und Kanada (Rückgänge von -99,9 % bzw. -100 %). Der Anteil der Russischen Föderation sank ebenfalls drastisch um -88,5 %. Diese Entwicklung weist auf eine Diversifizierung weg von diesen traditionellen Lieferanten hin. Gleichzeitig tauchte 2025 mit der Türkei ein neuer, wenn auch im Datensatz punktuell auftretender, großer Lieferant auf.
Die EU als Exporteurin konzentriert sich auf weniger Zielmärkte
Auch bei den Exporten hat sich die Partnerschaftslandschaft verändert. Die Exportvolumina nach Togo, Nigeria und dem Vereinigten Königreich brachen um über -91 % ein. Gleichzeitig stiegen die Exporte in andere Staaten wie Gibraltar (+110,9 %) und insbesondere in Nachbarländer innerhalb der EU-Berichterstattung wie Frankreich und Schweden stark an (die Daten beziehen sich auf den Handel mit nicht-EU-Ländern, diese Zunahmen könnten auf Re-Exporte oder Umwegen hindeuten). Eine vollständige Übersicht der wichtigsten Exportziele bietet die Analyse der Handelspartner nach Wert.
Der Markt wird zunehmend konzentrierter
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg um 21,8 % von 3.904 auf 4.757, was auf eine stärkere Konzentration der Importe bei wenigen Partnern hindeutet. Noch deutlicher ist der Anstieg bei den Exporten: Der HHI verdoppelte sich fast auf 2.275 (+93,5 %). Die Konzentrationsanalyse zeigt, dass sowohl Importe als auch Exporte auf weniger Handelspartner verteilt sind als zu Beginn des Zeitraums.
III. Geopolitische Schocks und erhöhte Volatilität prägen die späte Periode
Die letzten Jahre des Beobachtungszeitraums sind von außergewöhnlicher Preisvolatilität und markanten Handelsschocks gekennzeichnet, die die bereits bestehenden Trends verstärkten.
Hohe Preisschwankungen bei Schlüsselpartnern
Die Volatilität (gemessen am Variationskoeffizienten) der Handelswerte war bei mehreren Partnern besonders hoch. Beim Import weisen Kanada (CV: 2,80) und die Türkei (CV: 1,91) die höchsten Schwankungen auf. Bei den Exporten waren die Werte nach Ghana (1,26), Guinea (1,12) und Gibraltar (1,04) am instabilsten. Diese hohe Volatilität spiegelt wider, dass der Handel mit diesen Partnern von starken jährlichen Schwankungen geprägt war.
Der Ukraine-Krieg 2022 verursachte massive Preisschocks
Das Jahr 2022 war durch massive, durch den Ukraine-Krieg ausgelöste Preisschocks gekennzeichnet. Der Haupt-Schock-Ereignisse zufolge stiegen die Importpreise von Gasöl aus den USA im Jahr 2022 um sensationelle 631 % an. Dieser extreme Preisanstieg korreliert mit dem globalen Energieschock nach dem russischen Überfall. Gleichzeitig stiegen die Exportpreise in das Vereinigte Königreich um 153 % und nach Nigeria um 160 %. Diese Schocks führten zu den beobachteten Rekordpreisen (Exportpreise: 940 EUR/t, Importpreise: 943 EUR/t) und verstärkten den ohnehin schon stattfindenden Mengenrückgang, da hohe Preise die Nachfrage dämpften.
Die Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten variiert stark
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt eine heterogene Situation innerhalb der EU. Schweden, Spanien und Griechenland weisen hohe Werte für den Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) auf, was bedeutet, dass sie in diesem Produkt relativ spezialisiert sind. Im Gegensatz dazu haben Länder wie Rumänien und Polen einen stark negativen RSCA, sie sind reine Nettoimporteure und in diesem Produkt nicht spezialisiert. Dies verdeutlicht, dass die Auswirkungen der beobachteten Handelsentwicklung nicht gleichmäßig über die EU verteilt sind.
Fazit
Die Analyse des EU-Handels mit Gasöl (CN 27101948) von 2015 bis 2025 offenbart einen Markt im tiefgreifenden Wandel. Der dominierende Trend ist der massive Rückgang der Handelsvolumina – sowohl bei Exporten als auch bei Importen – bei gleichzeitigem starkem Anstieg der Einheitspreise. Diese Entwicklung wurde durch zwei Hauptfaktoren angetrieben: erstens eine geopolitisch bedingte Neuordnung der Handelspartnerschaften, weg von traditionellen Lieferanten wie Russland und Norwegen, und zweitens den globalen Energieschock des Jahres 2022, der extreme Preisspitzen und eine erhöhte Volatilität verursachte. Der Markt ist konzentrierter geworden, und die Position der EU als Nettoexporteurin hat sich erheblich abgeschwächt. Zukünftige Entwicklungen hängen maßgeblich von der globalen Energielage, geopolitischen Umbrüchen und der inneren Marktspezialisierung der EU-Mitgliedstaaten ab. Weitere aktuelle Trends können im allgemeinen Überblick eingesehen werden.