Marktentwicklung: Aluminiumstangen und Profile (CN 7604) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für den Zolltarif 7604, der Aluminiumstangen, -stäbe und -profile (nicht anderweitig genannt) umfasst. Die EU ist sowohl ein bedeutender Exporteur als auch Importeur dieser Produkte, wobei sich das Handelsvolumen und die Handelspartner im betrachteten Zeitraum erheblich verändert haben. Die Daten zeigen eine zunehmende Wertschöpfung bei gleichzeitiger struktureller Verschiebung der Importquellen.
1. Wachstum des Handelswerts trotz stagnierender Mengen
Der EU-Handel mit Aluminiumstangen und Profilen verzeichnete im Zeitraum 2015–2025 ein deutliches Wertwachstum, das jedoch primär auf Preiseffekte zurückzuführen ist.
Exporte übertrafen die Importe in der Wertschöpfung
Die EU exportierte 2025 Aluminiumstangen und Profile im Wert von 2,02 Mrd. EUR, was einem Anstieg von 40,2% gegenüber 2015 entspricht. Die exportierte Menge stieg im gleichen Zeitraum lediglich um 8,5% von 283.980 t auf 308.041 t. Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich um 29,2% von 5.081 EUR/t auf 6.565 EUR/t.
Importe wuchsen stärker im Wert, die Mengen sanken leicht
Die EU-Importe stiegen im Wert um 52,9% von 1,31 Mrd. EUR auf 2,00 Mrd. EUR, während die importierte Menge leicht um 2,8% von 399.319 t auf 388.110 t sank. Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich um 57,3% von 3.269 EUR/t auf 5.141 EUR/t.
Die Handelsbilanz verschlechterte sich deutlich
Obwohl die EU im gesamten Zeitraum Nettoexporteur blieb (bis auf das Jahr 2022), verschlechterte sich die Handelsbilanz von einem Überschuss von 137,8 Mio. EUR im Jahr 2015 auf nur noch 27,4 Mio. EUR im Jahr 2025 (-80,1%). Im Jahr 2022 wurde mit -626,7 Mio. EUR sogar ein historisches Defizit verzeichnet.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 1,44 | 2,02 | +40,2% |
| Exportmenge (1.000 t) | 284,0 | 308,0 | +8,5% |
| Importwert (Mrd. EUR) | 1,31 | 2,00 | +52,9% |
| Importmenge (1.000 t) | 399,3 | 388,1 | -2,8% |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | 137,8 | 27,4 | -80,1% |
2. Dramatische Umstrukturierung der Importpartnerlandschaft
Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert, mit erheblichen geoökonomischen Implikationen.
Die Türkei wurde zum dominanten Importpartner
Der mit Abstand größte Wandel vollzog sich bei den Importen aus der Türkei, die von 276,4 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 954,8 Mio. EUR im Jahr 2025 stiegen (+245,4%). Die Türkei avancierte damit zum mit Abstand wichtigsten Importeur von Aluminiumstangen und Profilen in die EU. Auch der Handel mit Bosnien und Herzegovina (+90,0%) entwickelte sich dynamisch.
Russische Importe brachen vollständig ein
Die Importe aus Russland sanken von 79,2 Mio. EUR im Jahr 2015 auf praktisch null im Jahr 2025 (-100%). Dies ist eindeutig auf die Sanktionen nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts zurückzuführen.
China verlor an Bedeutung
Die Importe aus China sanken um 57,0% von 264,5 Mio. EUR auf 113,6 Mio. EUR. Die Schweiz blieb als Handelspartner relativ stabil (-1,2%).
Die Exportseite zeigt stabilere Partnerschaften
Die wichtigsten Exportziele der EU blieben im Zeitraum relativ konstant: Das Vereinigte Königreich (18,8% Wachstum), die Schweiz (+38,5%) und die Vereinigten Staaten (+59,9%) dominieren die Ausfuhren. Besonders auffällig ist das Wachstum der Exporte nach Israel (+264,9%) und Serbien (+167,7%).
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Türkei | 276,4 | 954,8 | +245,4% |
| China | 264,5 | 113,6 | -57,0% |
| Schweiz | 165,7 | 163,8 | -1,2% |
| Russland | 79,2 | 0,03 | -100,0% |
| Norwegen | 106,8 | 74,5 | -30,2% |
Die Importkonzentration hat sich verdoppelt
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe verdoppelte sich von 1.439 auf 2.927 (+103,3%), was auf eine zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet. Im Gegensatz dazu sank der HHI für Exporte leicht von 1.350 auf 1.140 (-15,6%), was auf eine leicht diversifizierte Exportstruktur hinweist.
3. Preisübertragungseffekte und Segmentverschiebungen
Die Aluminiumpreisentwicklung und eine veränderte Produktmischung prägten die Handelsdynamik der EU im betrachteten Zeitraum.
Massive Preisschocks im Jahr 2022
Die Daten zeigen signifikante Preisschocks im Jahr 2022, insbesondere bei Exporten. Die Exportpreise stiegen in diesem Jahr sprunghaft an: Für das Vereinigte Königreich (34,4% des Exportwerts) betrug der Preisanstieg 41,1%, für Norwegen 37,2% und für Marokko 40,0%. Diese Preisspitzen korrespondieren mit den globalen Aluminiumpreisanstiegen infolge der Energiekrise und des Ukraine-Konflikts.
Hohlprofile gewinnen an Bedeutung im Import
Bei der Produktsegmentaufschlüsselung zeigt sich, dass die Importe von Hohlprofilen aus Aluminiumlegierungen (CN 760421) von 60.750 t auf 139.527 t stiegen (+129,7%). Im Gegensatz dazu sanken die Importe von Vollprofilen (CN 760429) von 313.924 t auf 229.957 t (-26,8%). Die Importpreise für nichtlegiertes Aluminium (CN 760410) stiegen besonders stark von 4.389 EUR/t auf 11.546 EUR/t (+163%).
Exportpreise spiegeln höhere Wertschöpfung wider
Die Exportpreise lagen im gesamten Zeitraum deutlich über den Importpreisen: 2025 betrugen die Exportpreise 6.565 EUR/t gegenüber 5.141 EUR/t bei Importen. Die Exportpreise für nichtlegiertes Aluminium (CN 760410) erreichten 2025 mit 7.094 EUR/t den höchsten Wert im Zeitraum.
| Produktsegment | Importpreis 2015 (EUR/t) | Importpreis 2025 (EUR/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 760429 (Vollprofile) | 3.100 | 4.870 | +57,1% |
| 760421 (Hohlprofile) | 3.684 | 4.732 | +28,4% |
| 760410 (nichtlegiert) | 4.389 | 11.546 | +163,0% |
Schlussfolgerung
Der EU-Handel mit Aluminiumstangen und Profilen (CN 7604) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich transformiert. Obwohl die EU weiterhin Nettoexporteur ist, hat sich ihre Handelsbilanz deutlich verschlechtert. Die wichtigsten Entwicklungen sind:
- Wertgetriebenes Wachstum: Das Handelswachstum wurde primär durch Preissteigerungen angetrieben, während die Mengen weitgehend stagnierten.
- Geoökonomische Umstrukturierung: Die Türkei wurde zum dominanten Importpartner, während russische Importe aufgrund von Sanktionen vollständig wegfielen und chinesische Importe stark zurückgingen.
- Zunehmende Konzentration: Die Importkonzentration verdoppelte sich, was die Abhängigkeit der EU von weniger Lieferländern erhöhte.
- Preisvolatilität: Der Zeitraum 2022 war durch extreme Preisschocks gekennzeichnet, die sich in den Handelswerten niederschlugen.
Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit einer strategischen Aluminiumhandelspolitik der EU, insbesondere im Hinblick auf Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Aluminiumverarbeitung.