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Marktentwicklung: Aluminiumfolie (CN 7607) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Warenbereich CN 7607 — Aluminiumfolie und dünne Aluminiumbänder (Dicke ≤ 0,2 mm) — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Produktgruppe umfasst drei Unterpositionen: gewalzte Folie ohne Unterlage (760711), weiterbearbeitete Folie ohne Unterlage (760719) sowie Folie auf Unterlage (760720). Die EU ist bei diesem Produkt sowohl ein bedeutender Exporteur als auch ein relevanter Importeur weltweit. Die im Beobachtungszeitraum zugänglichen Daten zeigen eine Reihe struktureller Verschiebungen, die sich auf Handelsströme, Preisentwicklungen, Lieferantenkonzentration und die strategische Autonomie der EU auswirken.

Die Datenquelle ist das Trade Dashboard der EU.


1. Volumenboom bei Importen trotz sinkender Exportmengen — ein struktureller Wandel

Der auffälligste Trend im gesamten Zeitraum ist die gegenläufige Entwicklung von Export- und Importmengen. Während die EU-Ausfuhren an Volumen verloren, stiegen die Einfuhren erheblich — was zu einer deutlichen Schrumpfung des Handelsüberschusses führte.

1.1 Exporte: Weniger Mengen, höhere Preise

Die EU exportierte 2015 noch 328.690 Tonnen Aluminiumfolie im Wert von rund 1,52 Mrd. EUR. Bis 2025 sank das Volumen auf 278.792 Tonnen (−15,2 %), doch der Wert stieg leicht auf 1,72 Mrd. EUR (+12,8 %). Der Grund liegt im deutlichen Preisanstieg: Der durchschnittliche Exportpreis kletterte von 4.639 EUR/t auf 6.172 EUR/t (+33,0 %). Die EU exportierte also weniger, aber teurer — ein Muster, das auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten oder auf gestiegene Inputkosten (insbesondere Energie- und Rohstoffpreise) hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportvolumen (t) 328.690 278.792 −15,2 %
Exportwert (EUR) 1.524.958.665 1.720.799.898 +12,8 %
Exportpreis (EUR/t) 4.639 6.172 +33,0 %

Quelle: Allgemeine Übersicht

1.2 Importe: Deutliches Mengen- und Wertwachstum

Die Einfuhren entwickelten sich dynamischer. Das Importvolumen stieg von 238.125 Tonnen (2015) auf 282.356 Tonnen (2025), ein Plus von 18,6 %. Noch stärker wuchs der Importwert von 898 Mio. EUR auf 1,31 Mrd. EUR (+45,8 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich von 3.773 EUR/t auf 4.638 EUR/t (+22,9 %). Bemerkenswert ist, dass die Importmenge 2025 erstmals fast das Exportvolumen erreichte — ein fundamentaler Wandel gegenüber 2015, als die EU noch deutlich mehr ausführte als einführte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (t) 238.125 282.356 +18,6 %
Importwert (EUR) 898.458.081 1.309.626.428 +45,8 %
Importpreis (EUR/t) 3.773 4.638 +22,9 %

1.3 Schrumpfender Handelsüberschuss

Der Handelsüberschuss der EU bei Aluminiumfolie fiel von 626,5 Mio. EUR (2015) auf 411,2 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang von 34,4 %. Im Tiefpunktjahr sank der Überschuss sogar auf nur noch 196,4 Mio. EUR. Die Nettoimportabhängigkeit verbesserte sich zwar nominal (von −37,4 % auf −10,7 %), doch dies spiegelt lediglich wider, dass die Exportüberschüsse schrumpften, nicht dass die EU unabhängiger wurde.


2. Türkiye und China dominieren die Importseite — neue regionale Dynamiken

Auf der Partnerseite zeigen sich erhebliche Verschiebungen. Während traditionelle Handelspartner an Bedeutung verloren, gewannen neue Akteure — insbesondere Türkiye — stark an Gewicht.

2.1 Türkiye: Aufstieg zum wichtigsten EU-Lieferanten

Der dramatischste Wandel auf der Importseite betrifft Türkiye. Die türkischen Exporte in die EU verdoppelten sich nahezu: von 176 Mio. EUR (2015) auf 365 Mio. EUR (2025), ein Plus von 107,6 %. Damit überholte Türkiye China als wichtigsten Aluminiumfolie-Lieferanten der EU. Die Wachstumsrate von 107,6 % übertrifft die aller anderen Hauptlieferanten bei weitem. Dies unterstreicht die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung zwischen der EU und der Türkei im Bereich der Aluminiumverarbeitung, möglicherweise begünstigt durch die Zollunion und niedrigere Energiekosten in der Türkei.

2.2 China: Stabiler, aber nicht wachsender Hauptlieferant

China blieb mit Importen von 266 Mio. EUR (2025) der zweitwichtigste Lieferant, doch das Wachstum fiel mit 13,5 % vergleichsweise moderat aus. Auffällig ist die hohe Schwankungsbreite: Der chinesische Importwert erreichte 2022 mit 508 Mio. EUR seinen Höchststand, bevor er wieder sank. Die Volatilitätsanalyse zeigt einen Variationskoeffizienten von 0,29 für China — vergleichsweise hoch, was auf eine volatile Handelsbeziehung hindeutet.

2.3 Südkorea: Extremes Wachstum von einer kleinen Basis

Südkorea verzeichnete das prozentual stärkste Wachstum aller Hauptlieferanten: von 27 Mio. EUR auf 91 Mio. EUR (+243,1 %). Allerdings ist das absolute Volumen noch klein. Der Variationskoeffizient von 0,46 ist der höchste unter den Top-Lieferanten, was auf eine noch instabile Handelsbeziehung schließen lässt.

2.4 Exportdestinationen: USA als stärkstes Wachstumsziel

Auf der Exportseite nahmen die USA eine Schlüsselrolle ein: Die EU-Ausfuhren in die USA stiegen von 169 Mio. EUR auf 376 Mio. EUR (+122,5 %). Die USA wurden damit zum wichtigsten Einzelabnehmer für EU-Aluminiumfolie. Die Schweiz verzeichnete ebenfalls starkes Wachstum (+55,8 %), während die Ausfuhren ins Vereinigte Königreich nach dem Brexit um 20,9 % sanken.

Die Koncentration der Handelspartner (HHI) auf der Exportseite stieg von 810 auf 1.117 (+37,9 %), was eine zunehmende Konzentration auf wenige Abnehmerländer — insbesondere die USA und die Schweiz — anzeigt. Dies birgt geopolitische Risiken, sollten Handelsbeziehungen gestört werden.

Partner (Importe) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Türkiye 175.985.598 365.371.838 +107,6 %
China 233.960.231 265.633.383 +13,5 %
Südkorea 26.620.460 91.323.073 +243,1 %
Vereinigtes Königreich 46.983.236 79.966.037 +70,2 %
Armenien 43.764.666 59.401.319 +35,7 %
Schweiz 136.066.736 110.749.351 −18,6 %
Norwegen 26.637.652 32.617.971 +22,5 %
Partner (Exporte) 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
USA 169.038.689 376.163.055 +122,5 %
Schweiz 213.650.257 332.777.433 +55,8 %
Vereinigtes Königreich 263.002.498 208.114.128 −20,9 %
Türkiye 76.863.819 115.481.049 +50,2 %
Algerien 32.756.883 54.211.224 +65,5 %
Serbien 27.518.594 35.127.244 +27,6 %
Mexiko 56.930.528 44.151.132 −22,4 %

Quelle: Top-Handelspartner


3. Produktsegmente, Preisentwicklung und Schocks — die Energiekrise 2022 als Wendepunkt

Die Daten zeigen, dass sich die drei Unterpositionen von CN 7607 sehr unterschiedlich entwickelten und dass externe Schocks — insbesondere die Energiekrise 2022 — den Markt nachhaltig prägten.

3.1 Produktsegment 760711 (gewalzte Folie): Das Rückgrat des Handels

Das Segment 760711 — einfache, nur gewalzte Aluminiumfolie ohne Unterlage — ist mengenmäßig das größte sowohl bei Importen als auch bei Exporten. Die EU importierte 2025 rund 178.532 Tonnen dieses Produkts (63 % der gesamten Importmenge). Der durchschnittliche Importpreis lag 2025 bei 3.988 EUR/t, der Exportpreis bei 4.422 EUR/t — das niedrigste aller drei Segmente. Dies ist plausibel, da einfache gewalzte Folie die geringste Wertschöpfung aufweist.

3.2 Produktsegment 760719 (weiterbearbeitete Folie): Höchste Preise, besonderes Importwachstum

Das Segment 760719 — gewalzte und weiterbearbeitete Folie — weist die höchsten Preise auf: Der Exportpreis lag 2025 bei 9.454 EUR/t, der Importpreis bei 7.231 EUR/t. Dieses Segment zeichnet sich durch eine bemerkenswerte Preisprämie gegenüber 760711 aus, was die höhere Wertschöpfung widerspiegelt. Interessanterweise sank das Importvolumen in diesem Segment von 49.532 Tonnen (2015) auf 41.587 Tonnen (2025), während die Importpreise stark stiegen — von 5.354 EUR/t auf 7.231 EUR/t (+35,1 %). Dies könnte auf eine Spezialisierung der EU auf hochwertige Folie hindeuten, während der Import einfacherer Varianten zunimmt.

3.3 Produktsegment 760720 (Folie auf Unterlage): Stabil wachsende Importe

Das Segment 760720 — Folie auf Unterlage — zeigt das stetigste Importwachstum: von 31.943 Tonnen auf 62.237 Tonnen (+94,8 %). Der Importwert stieg von 158 Mio. EUR auf 297 Mio. EUR. Dieses Segment wird hauptsächlich für Verpackungsanwendungen genutzt, und das starke Wachstum spiegelt möglicherweise die zunehmende Nachfrage nach Aluminiumfolie in der Lebensmittelverpackungsindustrie wider.

Segment Importmenge 2015 (t) Importmenge 2025 (t) Veränderung Exportpreis 2025 (EUR/t)
760711 (gewalzt) 156.650 178.532 +14,0 % 4.422
760719 (bearbeitet) 49.532 41.587 −16,0 % 9.454
760720 (auf Unterlage) 31.943 62.237 +94,8 % 7.823

Quelle: Produktsegmentvergleich

3.4 Der Preisschock 2022: Energiekrise und ihre Folgen

Das Jahr 2022 markiert eine klare Zäsur in der Preisentwicklung. Die Schockerkennung identifizierte drei signifikante Preisschocks, alle im Jahr 2022:

  • Exportpreise in die Türkei: Anomalie-Faktor 25,7, Preisanstieg von 40,3 %
  • Exportpreise in die Ukraine: Anomalie-Faktor 11,0, Preisanstieg von 44,7 %
  • Importpreise aus der Türkei: Anomalie-Faktor 5,2, Preisanstieg von 62,6 %

Diese Schocks fallen mit der Energiekrise zusammen, die durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst wurde. Aluminium ist ein energieintensives Produkt, und die stark gestiegene Energiepreise in Europa trieben sowohl die Produktionskosten als auch die Exportpreise in die Höhe. Der Anstieg der Importpreise aus der Türkei um 62,6 % zeigt, dass auch türkische Lieferanten von den global gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten betroffen waren. Die Exportpreise für Segment 760711 stiegen 2022 auf 4.769 EUR/t — ein Höchststand im gesamten Zeitraum.

3.5 Binnenmarktstruktur: Deutschland als Drehkreuz

Innerhalb der EU war Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelsakteur. Deutsche Unternehmen exportierten 2025 Aluminiumfolie im Wert von 637 Mio. EUR (37 % der EU-Ausfuhren) und importierten im Wert von 287 Mio. EUR. Italien folgte als zweitgrößter Exporteur (281 Mio. EUR) und drittgrößter Importeur (168 Mio. EUR). Auffällig ist das starke Wachstum polnischer Importe (+112 %) und spanischer Exporte (+97 %), was auf eine Verlagerung der Wertschöpfungskette innerhalb der EU hindeuten könnte.

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Griechenland (RSCA: 0,87), Kroatien (0,75) und Bulgarien (0,67) am stärksten auf Aluminiumfolie spezialisiert sind — allerdings auf kleinen Produktionsvolumina. Deutschland, der größte Produzent, weist hingegen eine negative Spezialisierung auf (RSCA: −0,94), was seine diversifizierte Industriebasis widerspiegelt.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Aluminiumfolie (CN 7607) hat sich zwischen 2015 und 2025 substanziell verändert. Die drei zentralen Erkenntnisse lauten:

Erstens vollzog sich ein struktureller Wandel von einem netto-exportorientierten zu einem zunehmend importabhängigen Markt. Der Handelsüberschuss schrumpfte um 34 %, und die Importmengen nähern sich den Exportmengen an. Die EU verlor insbesondere im Segment der einfachen gewalzten Folie (760711) an Boden, wo die Preisdifferenz zwischen Export- und Importpreis geringer ausfällt als in den hochwertigeren Segmenten.

Zweitens verschoben sich die Handelsströme geopolitisch. Türkiye wurde zum wichtigsten Importpartner, während die USA zum wichtigsten Exportziel aufstiegen. Gleichzeitig sank die Bedeutung des Vereinigten Königreichs als Exportmarkt nach dem Brexit. Die zunehmende Konzentration der Exporte auf wenige Zielmärkte (steigender HHI) birgt strategische Risiken.

Drittens hinterließ die Energiekrise 2022 nachhaltige Spuren in Form höherer Preisniveaus. Obwohl die Preise nach 2022 wieder sanken, blieben sie deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die EU-Produktion von Aluminiumfolie stieg zwar mengenmäßig um 11,3 % und wertmäßig um 33,1 %, doch der Preisanstieg war treibender Faktor — was die anhaltende Kostenbelastung durch Energiepreise widerspiegelt.

Für die Zukunft der europäischen Aluminiumfolie-Industrie ist die Frage entscheidend, ob die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit im Hochwertsegment (760719) halten kann und ob die zunehmende Importabhängigkeit im Volumengeschäft durch strategische Handelspolitik oder Produktionsinvestitionen kompensiert werden kann.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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