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Marktentwicklung: Aluminiumschrott (CN 7602) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollprodukt CN 7602 — Abfälle und Schrott aus Aluminium — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Aluminiumschrott ist ein zentraler Sekundärrohstoff für die europäische Aluminiumindustrie, dessen Bedeutung im Kontext der Kreislaufwirtschaft und der Rohstoffversorgungssicherheit stetig wächst. Der Datensatz umfasst den Drittlandshandel (Handel mit Nicht-EU-Staaten) auf Jahresbasis und ermöglicht sowohl eine quantitative als auch eine qualitative Bewertung der Marktentwicklung. Die vollständigen Daten und Visualisierungen sind auf dem EU Trade Dashboard einsehbar.


1. Vom Importeur zum Nettoexporteur: Die strukturelle Verschiebung der EU-Handelsströme

1.1 Exporte übersteigen Importe um ein Vielfaches

Die auffälligste Entwicklung im betrachteten Zeitraum ist der Wandel der EU von einer Position mit leichtem Exportüberschuss zu einer dominanten Nettoexporteur-Stellung. Der Nettoimportreliance-Indikator verschob sich von −15,5 % im Jahr 2015 auf −81,0 % im Jahr 2025 — ein Rückgang um 421,6 %. Negative Werte kennzeichnen Nettoexporte, sodass diese Entwicklung bedeutet, dass die EU inzwischen ein Vielfaches mehr Aluminiumschrott exportiert als sie importiert.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 847,5 Mio. 2.324,4 Mio. +174,3 %
Exportvolumen (t) 679.385 1.273.397 +87,4 %
Importwert (EUR) 599,9 Mio. 1.253,1 Mio. +108,9 %
Importvolumen (t) 465.295 652.350 +40,2 %
Handelsbilanz (EUR) +247,6 Mio. +1.071,3 Mio. +332,7 %

1.2 Preisentwicklung als Motor des Exportwertwachstums

Während das Exportvolumen um 87,4 % stieg, wuchs der Exportwert um 174,3 %. Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 1.247 EUR/t auf 1.825 EUR/t (+46,3 %). Auch auf der Importseite stiegen die Preise von 1.289 EUR/t auf 1.921 EUR/t (+49,0 %). Dies reflektiert die allgemeine Verteuerung von Aluminium als Rohstoff sowie eine zunehmende Qualitätsdifferenzierung im Schrotthandel.

1.3 Die Exportpropensität nähert sich 100 %

Die Exportpropensität — der Anteil der inländischen Produktion, der exportiert wird — stieg von 70,0 % auf 98,4 %. Die Handelsintensität lag 2025 bei nahezu 99 %. Dies zeigt, dass der EU-Aluminiumschrottmarkt vollständig in den globalen Handel eingebettet ist und praktisch die gesamte verfügbare Menge den Markt über Drittlandsexporte verlässt.


2. Diversifizierung der Handelsbeziehungen und neue Schwerpunkte

2.1 Asiatische Märkte als wichtigste Exportdestinationen

Die Hauptpartnerländer für EU-Exporte haben sich im Zeitraum stark verändert. Indien entwickelte sich zum mit Abstand wichtigsten Abnehmer:

Partnerland Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
Indien 193,3 Mio. 687,9 Mio. +255,9 %
Thailand 9,0 Mio. 280,9 Mio. +3.034,1 %
China 236,7 Mio. 234,5 Mio. −0,9 %
Türkei 16,1 Mio. 152,3 Mio. +845,3 %
Pakistan 34,3 Mio. 128,7 Mio. +275,8 %
Schweiz 77,9 Mio. 111,4 Mio. +43,1 %
Vereinigtes Königreich 136,6 Mio. 76,4 Mio. −44,1 %

Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg Thailands, dessen Importe aus der EU um über 3.000 % stiegen. Die Türkei (+845 %) und Pakistan (+276 %) verzeichneten ebenfalls außergewöhnliche Zuwächse. Diese Dynamik spiegelt den industriellen Aufbau von Schmelzkapazitäten in Süd- und Südostasien wider, wo kostengünstigere Energie und geringere regulatorische Hürden eine effizientere Verarbeitung von Aluminiumschrott ermöglichen.

2.2 Stabile Importquellen mit leichten Verschiebungen

Auf der Importseite dominieren traditionell die Schweiz und das Vereinigte Königreich:

Partnerland Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Schweiz 153,5 Mio. 246,7 Mio. +60,8 %
Vereinigtes Königreich 169,7 Mio. 216,0 Mio. +27,3 %
Australien 9,4 Mio. 59,4 Mio. +531,2 %
Israel 22,9 Mio. 70,8 Mio. +210,0 %
Norwegen 24,3 Mio. 71,0 Mio. +192,7 %
Vereinigte Staaten 26,5 Mio. 64,3 Mio. +142,3 %
Vereinigte Arabische Emirate 26,8 Mio. 21,5 Mio. −19,8 %

Die geografische Diversifikation der Importe hat zugenommen. Australien, das 2015 lediglich 9,4 Mio. EUR beisteuerte, kletterte auf 59,4 Mio. EUR. Die Schweiz und das Vereinigte Königreich bleiben die wichtigsten Lieferanten — begünstigt durch geografische Nähe und bestehende Recycling-Infrastruktur.

2.3 Abnehmende Konzentration, wachsende Diversität

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bestätigt die zunehmende Diversifizierung. Sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten ist der HHI deutlich gesunken:

Kennzahl HHI 2015 HHI 2025 Veränderung
Importe (nach Wert) 1.567 902 −42,5 %
Exporte (nach Wert) 1.734 1.352 −22,0 %

Ein HHI unter 1.500 gilt als Zeichen eines unkonzentrierten Marktes. Die Importseite hat diese Schwelle 2025 erreicht; die Exportseite bleibt mit 1.352 etwas konzentrierter — bedingt durch die dominante Stellung Indiens, das 2025 allein rund 30 % des EU-Exportwerts ausmachte.


3. Preisvolatilität, Schocks und die Rolle einzelner EU-Mitgliedstaaten

3.1 Preisvolatilität variiert stark nach Handelspartner

Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Unterschiede in der Preisentwicklung je nach Partnerland. Der Variationskoeffizient (CV) der Exportpreise reicht von 0,18 (Schweiz, sehr stabil) bis 1,13 (Malaysia, hochvolatil). Thailand weist ebenfalls einen CV von über 1,1 auf. Diese hohe Volatilität bei den südostasiatischen Partnern erklärt sich zum Teil durch die rasante Expansion des Handelsvolumens mit diesen Ländern.

3.2 Preispreisschocks im Jahr 2021

Im Jahr 2021 wurden mehrere signifikante Preispreisschocks identifiziert:

Handelspartner Handelsrichtung Preisschock (Shift %) Abnormalität Anteil am Gesamtwert
Vereinigtes Königreich Exporte +72,8 % 109,5 8,0 %
Indien Exporte +47,3 % 24,0 33,2 %
Marokko Importe +41,8 % 14,4 4,1 %

Diese Schocks fallen in das Jahr der post-pandemischen Erholung, in dem die globalen Rohstoffpreise stark anstiegen. Der Preisschock bei Exporten nach Indien ist besonders relevant, da Indien 2021 rund ein Drittel des gesamten EU-Exportwerts ausmachte.

3.3 Deutschland und Spanien als treibende EU-Staaten

Innerhalb der EU sind es vor allem Deutschland und Spanien, die den Aluminiumschrotthandel dominieren:

EU-Mitgliedstaat Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
Deutschland 224,6 Mio. 545,9 Mio. +143,1 %
Niederlande 144,8 Mio. 270,0 Mio. +86,4 %
Belgien 105,4 Mio. 273,8 Mio. +159,6 %
Spanien 57,7 Mio. 392,2 Mio. +579,6 %
Frankreich 99,6 Mio. 160,5 Mio. +61,1 %
Italien 44,8 Mio. 131,5 Mio. +193,7 %
Schweden 36,5 Mio. 71,2 Mio. +95,2 %

Spanien verzeichnete mit +580 % das stärkste Wachstum und stieg vom fünftgrößten zum zweitgrößten EU-Exporteur auf. Auf der Importseite zeigt sich ein bemerkenswerter Anstieg Griechenlands von 23,3 Mio. EUR auf 190,5 Mio. EUR (+716 %), was auf den Ausbau von Recyclingkapazitäten im Mittelmeerraum hindeuten könnte.

3.4 Inlandsproduktion unter Druck

Die EU-Produktion von Sekundärrohstoffen aus Aluminium (Prodcom 38.32.25.00) verzeichnete zwischen 2015 und 2025 nur ein moderates Mengenwachstum von 1.330 Mio. kg auf 1.500 Mio. kg (+12,8 %). Der Produktionswert sank hingegen von 2.560 Mio. EUR auf 2.200 Mio. EUR (−14,1 %). Dies deutet auf sinkende Preise oder eine Verschiebung hin zu niedrigerwertigen Schrottsorten innerhalb der EU-Produktion hin — ein Umstand, der die starke Exportorientierung teilweise erklären könnte.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Aluminiumschrott (CN 7602) hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental gewandelt. Die Europäische Union ist von einer Position mit moderatem Exportüberschuss zu einer ausgeprägten Nettoexportposition übergegangen, wobei sich die Handelsbilanz von +248 Mio. EUR auf über 1 Mrd. EUR verbesserte. Die Exporte haben sich sowohl mengen- als auch wertmäßig mehr als verdoppelt, getrieben durch die steigende globale Nachfrage nach Sekundärrohstoffen, insbesondere aus Asien. Gleichzeitig hat sich die Marktstruktur diversifiziert: Die Konzentration bei Handelspartnern ist deutlich gesunken, und neue Abnehmerländer wie Thailand und die Türkei sind zu signifikanten Handelspartnern aufgestiegen. Preispreisschocks, insbesondere im Zuge der post-pandemischen Rohstoffpreisentwicklung 2021, zeigen jedoch die Anfälligkeit des Marktes für externe Störungen. Die nahezu vollständige Exportorientierung der EU bei diesem Produkt (Exportpropensität 98,4 %) wirft strategische Fragen auf: Einerseits profitiert die EU vom globalen Bedarf an Recyclingrohstoffen, andererseits könnte die Abwanderung von Aluminiumschrott außerhalb der EU die inländische Kreislaufwirtschaft und Versorgungssicherheit der heimischen Aluminiumindustrie langfristig unter Druck setzen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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