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Marktentwicklung: Aluminiumfolie (CN 760719) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit dem Zollcode 760719 — Aluminiumfolien und -bänder ohne Unterlage, gewalzt und weitergehend bearbeitet, mit einer Dicke von ≤ 0,2 mm — im Zeitraum von 2015 bis 2025. Dieses Produktsegment umfasst sowohl Folien mit einer Dicke von 0,021 mm bis 0,2 mm (CN 76071990) als auch ultradünne Folien unter 0,021 mm (CN 76071910) und findet breite Anwendung in Verpackung, Wärmedämmung, technischen Applikationen und weiteren Industriebereichen.

Die EU ist in diesem Segment sowohl ein bedeutender Exporteur als auch Importeur, wobei sich über den Betrachtungszeitraum relevante strukturelle Veränderungen in den Handelsströmen, Preisniveaus und der geografischen Konzentration ergeben haben. Im Folgenden werden die wichtigsten Dynamiken anhand der verfügbaren Daten systematisch dargestellt und interpretiert.

Weitere Informationen zu Produktdefinition und Datenabdeckung finden sich im Überblick.


1. Volumenrückgang bei steigenden Preisen: Die Umkehr der Mengen-Preis-Dynamik

Die EU verliert trotz Wertsteigerung an Exportvolumen

Der auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist die Entkopplung von Handelswert und Handelsvolumen. Während die Exporte der EU in diesem Segment nominal um 13,7 % von 370 Mio. EUR (2015) auf 421 Mio. EUR (2025) stiegen, sank das exportierte Mengenvolumen um 5,4 % von 47.025 t auf 44.487 t. Dies bedeutet, dass die Wertsteigerung vollständig auf Preissteigerungen zurückzuführen ist: Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich um 20,1 % von 7.870 EUR/t auf 9.454 EUR/t.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 370.085.000 420.628.208 +13,7 %
Exportmenge (t) 47.025 44.487 −5,4 %
Exportpreis (EUR/t) 7.870 9.454 +20,1 %

Quelle: Handelsübersicht

Importseitig fällt der Mengenrückgang noch deutlicher aus

Auf der Importseite ist das Muster noch ausgeprägter: Der Importwert stieg um 13,4 % von 265 Mio. EUR auf 301 Mio. EUR, während die Importmenge sogar um 16,0 % von 49.532 t auf 41.587 t sank. Der Importpreis legte damit um 35,1 % zu — von 5.354 EUR/t auf 7.231 EUR/t. Die Preisdifferenz zwischen Importen und Exporten (Importpreis deutlich unter Exportpreis) ist dabei ein persistenter Strukturzug: 2025 lag der Exportpreis mit 9.454 EUR/t rund 31 % über dem Importpreis von 7.231 EUR/t, was auf die höhere Wertschöpfung der EU-Exporte (weiterbearbeitete Qualitäten, spezialisierte Anwendungen) hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 265.184.897 300.732.491 +13,4 %
Importmenge (t) 49.532 41.587 −16,0 %
Importpreis (EUR/t) 5.354 7.231 +35,1 %

Der Handelsbilanzüberschuss bleibt positiv, verliert aber an Substanz

Die EU weist über den gesamten Zeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo auf, der von 105 Mio. EUR (2015) auf 120 Mio. EUR (2025) stieg (+14,3 %). Allerdings nähert sich die Netto-Importabhängigkeit dem Nullpunkt: Der Wert verbesserte sich von −37,4 % auf −10,7 %, was bedeutet, dass die EU ihre historische Rolle als starker Nettoexporteur in diesem Segment zunehmend verliert. Gleichzeitig sank die Exportquote von 41,8 % auf 33,3 % (−20,3 %), was die relative Bedeutung des EU-Binnenmarktes im Vergleich zum Drittlandsgeschäft unterstreicht.


2. Geografische Neuausrichtung der Handelsströme: China als Motor der Importdynamik, Schweiz als Exportpartner Nr. 1

Chinas Importe in die EU haben sich fast verdoppelt

Die mit Abstand dynamischste Veränderung auf der Importseite zeigt sich bei China: Die Importe aus der Volksrepublik stiegen von 46 Mio. EUR (2015) auf 90 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg von 97,3 %. Damit hat China seine Position als wichtigster Einzellieferant der EU für Aluminiumfolie weiter ausgebaut. Diese Entwicklung spiegelt die generelle Wettbewerbsvorteile der chinesischen Aluminiumindustrie wider, die sowohl über günstige Rohstoff- und Energiekosten als auch über große Skaleneffekte verfügt.

Herkunftsland Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
China 45.640.342 90.068.937 +97,3 %
Schweiz 63.080.307 55.065.664 −12,7 %
Island 58.222.517 46.847.258 −19,5 %
Türkei 40.729.436 42.378.156 +4,0 %
Thailand 2.776 9.968.437 +358.964 %
Malaysia 5.034.636 16.529.623 +228,3 %

Quelle: Top-Partner nach Wert

Südostasiatische Lieferanten gewinnen rapide an Bedeutung

Neben China haben auch Thailand und Malaysia als Importquellen stark zugelegt. Thailand stieg von praktisch null (2.776 EUR in 2015) auf fast 10 Mio. EUR (2025), Malaysia von 5 Mio. EUR auf 17 Mio. EUR. Diese Entwicklung deutet auf eine Diversifizierung der asiatischen Lieferketten hin und könnte teilweise auch als Reaktion auf EU-Handelsmaßnahmen (z. B. Antidumpingzölle gegen China) interpretiert werden, die zu einer Verlagerung von Produktions- und Exportaktivitäten innerhalb Asiens geführt haben könnten.

Schweiz und Island verlieren als Lieferanten an Boden

Im Gegensatz zu den asiatischen Partnern verloren die europäischen Nachbarn Schweiz (−12,7 %) und Island (−19,5 %) an Importanteilen. Beide Länder profitieren zwar von der EFTA-Freihandelszone, konnten aber die wachsende asiatische Konkurrenz nicht vollständig kompensieren. Die Türkei hielt als Lieferant mit einem moderaten Plus von 4,0 % relativ stabil.

Exporte in die Schweiz haben sich mehr als verdreifacht

Auf der Exportseite ist die Schweiz mit Abstand der dynamischste Partner: Die EU-Exporte dorthin stiegen von 32 Mio. EUR auf 114 Mio. EUR (+255,1 %). Dieser enorme Anstieg könnte mit der engen wirtschaftlichen Integration, dem Re-Export-Charakter des Schweizer Marktes sowie der Nachfrage nach hochwertigen EU-Aluminiumfolien für die Schweizer Verpackungs- und Lebensmittelindustrie zusammenhängen.

Zielland Exportwert 2015 (EUR) Exportwert 2025 (EUR) Veränderung
Schweiz 32.023.913 113.731.914 +255,1 %
Türkei 12.453.418 25.298.683 +103,1 %
USA 21.187.412 28.507.483 +34,5 %
Marokko 11.586.949 20.972.633 +81,0 %
Algerien 12.198.547 19.267.291 +57,9 %
Großbritannien 42.995.063 28.083.494 −34,7 %

Nordafrika als strategischer Exportmarkt im Aufbau

Auch Marokko (+81 %) und Algerien (+58 %) entwickelten sich zu bedeutenden Abnehmern. Diese Dynamik passt in das Muster einer wachsenden industriellen Kooperation zwischen der EU und den Maghreb-Staaten, insbesondere in der Verpackungsindustrie. Im Gegensatz dazu verlor Großbritannien als Exportmarkt seit dem Brexit deutlich an Bedeutung (−34,7 %), was auf Handelshemmnisse und die Neuausrichtung der Lieferketten nach dem Austritt aus dem EU-Binnenmarkt hindeutet.

EU-interne Produzenten: Deutschland dominiert, neue Akteure treten auf

Innerhalb der EU ist Deutschland sowohl größter Exporteur (172 Mio. EUR, +10,4 %) als auch größter Importeur (88 Mio. EUR, +28,3 %). Italien und Frankreich folgen als wichtige Produzenten, verlieren aber als Exporteure leicht an Boden (Italien: −23,5 %; Frankreich: −20,1 %). Bemerkenswert ist der Aufstieg Kroatiens als Exporteur (+840 %), Griechenlands (+406 %), Spaniens (+615 %) und Österreichs (+129 %), was auf eine zunehmende regionale Diversifizierung der EU-Aluminiumfolienproduktion hindeutet.

Quelle: Top-Reporter nach Wert


3. Produktionswachstum, wachsende Exportkonzentration und Spezialisierungsmuster

Die EU-Produktion wächst — aber vor allem im Wert, nicht im Volumen

Die EU-Produktion von Aluminiumfolie (CN 760719) stieg im betrachteten Zeitraum: Das Produktionsvolumen erhöhte sich um 11,3 % von 943 Mio. kg auf 1.050 Mio. kg, der Produktionswert sogar um 33,1 % von 3,8 Mrd. EUR auf 5,0 Mrd. EUR. Auch hier bestätigt sich das Muster der Wertsteigerung bei moderater Mengenausweitung. Die EU-Produktion übersteigt das Exportvolumen bei Weitem, was den Binnenmarkt als Hauptabsatzmarkt unterstreicht.

Die Exportkonzentration hat sich erheblich verstärkt

Ein bemerkenswerter struktureller Wandel zeigt sich in der Konzentration der Exporte: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte nach Wert stieg von 541 auf 987 (+82,4 %). Dieser Anstieg um fast das Doppelte bedeutet, dass die EU-Exporte zunehmend auf wenige Zielländer konzentriert sind — allen voran die Schweiz, die 2025 allein einen erheblichen Teil der EU-Exporte absorbierte. Für Importe blieb der HHI mit einem Anstieg von 1.688 auf 1.746 (+3,4 %) relativ stabil, was auf eine gleichmäßigere Herkunftsstruktur der Importe hindeutet.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Exporte (Wert) 541 987 +82,4 %
HHI Exporte (Volumen) 606 1.034 +70,7 %
HHI Importe (Wert) 1.688 1.746 +3,4 %
HHI Importe (Volumen) 2.151 2.037 −5,3 %

Spezialisierungsmuster: Kroatien und Griechenland als Überraschung

Die Analyse der Spezialisierungsindizes (RSCA) für 2025 zeigt, dass neben den erwarteten großen Produzenten wie Deutschland (RSCA: 0,13) und Italien (RSCA: 0,51) auch kleinere Mitgliedstaaten eine hohe Spezialisierung aufweisen:

Land RSCA 2025 Anteil an EU-Produktion Anteil an EU-Exporten
Kroatien 0,935 12,2 % 0,4 %
Griechenland 0,868 9,6 % 0,7 %
Italien 0,509 24,6 % 8,0 %
Deutschland 0,134 27,7 % 21,2 %
Polen 0,088 7,9 % 6,6 %

Kroatien und Griechenland weisen trotz ihrer geringen absoluten Marktanteile eine hohe relative Spezialisierung auf, was auf Nischenproduktion oder regionale Fokussierung hindeutet. Deutschland und Italien dominieren sowohl in der Produktion als auch im Export absolut, sind aber als Teil einer breiter diversifizierten Industrie weniger spezialisiert.

Preisvolatilität zeigt sich vor allem bei Schwellenländern

Die Volatilitätsanalyse (Variationskoeffizient) der Handelswerte zeigt, dass die größten Schwankungen bei Importen aus den USA (CV: 1,15), Südkorea (CV: 1,33) und Japan (CV: 1,33) auftreten — allesamt Länder mit geringen Handelsvolumina, bei denen bereits kleine Veränderungen große prozentuale Ausschläge verursachen. Bei den etablierten Lieferanten wie China (CV: 0,22), Schweiz (CV: 0,18) und Island (CV: 0,12) ist die Volatilität deutlich geringer.

Auf der Exportseite sind die Preis-Schocks von 2022 bemerkenswert: Die Analyse der Anomalien identifiziert außergewöhnliche Preisanstiege bei Exporten nach Mexiko (Preissprung +28,8 %, Abnormalität: 14,0), Ukraine (+51,3 %, Abnormalität: 7,8) und Großbritannien (+45,4 %, Abnormalität: 6,4) im Jahr 2022. Diese Ereignisse fallen mit dem Beginn des Ukraine-Krieges und den damit verbundenen Energiepreisschocks sowie Lieferkettenstörungen zusammen, die sich global in den Aluminiummärkten niederschlugen.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Aluminiumfolie (CN 760719) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert:

  1. Preisdominanz über Volumen: Die Handelswertentwicklung wird zunehmend durch Preissteigerungen und nicht durch Mengenwachstum getrieben. Dies reflektiert sowohl gestiegene Rohstoff- und Energiekosten als auch eine Verschiebung hin zu hochwertigeren, weiterbearbeiteten Produkten mit höheren Einheitspreisen.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Die Importlandschaft verschiebt sich zugunsten asiatischer Lieferanten, insbesondere Chinas, während traditionelle europäische Partner wie Schweiz und Island an Boden verlieren. Gleichzeitig werden die Exportmärkte nach dem Brexit und im Zuge wachsender Nordafrika-Beziehungen neu ausgerichtet.

  3. Strukturelle Verwundbarkeit: Die zunehmende Konzentration der Exporte auf wenige Partnerländer — allen voran die Schweiz — birgt Risiken, sollte dieser Markt einbrechen. Die sinkende Exportquote und die Annäherung der Netto-Importabhängigkeit an Null deuten darauf hin, dass die EU ihre historische Stellung als Nettoexporteur in diesem Segment verliert.

  4. Regionale Differenzierung innerhalb der EU: Deutschland und Italien bleiben die dominierenden Produzenten und Exporteure, doch kleinere Mitgliedstaaten wie Kroatien und Griechenland gewinnen an Bedeutung, was auf eine vertiefte Arbeitsteilung innerhalb des EU-Binnenmarktes hindeutet.

Die Daten legen nahe, dass der EU-Markt für Aluminiumfolie in eine Phase der Reifung und Neuorientierung eingetreten ist, in der Wertschöpfung, Diversifizierung und strategische Handelspartnerschaften zentrale Erfolgsfaktoren darstellen.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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