Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Aluminiumstangen und Profile (CN 760429) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 760429 umfasst Stangen („Stäbe") und Vollprofile aus Aluminiumlegierungen, die nicht anderweitig genannt werden — darunter sowohl Stäbe (76042910) als auch Vollprofile (76042990). Das Produkt ist ein Grundwerkstoff der aluminiumverarbeitenden Industrie mit Anwendungen im Bauwesen, in der Automobilindustrie, im Maschinenbau und im Energiesektor. Im Zeitraum von 2015 bis 2025 hat sich der EU-Handel mit diesen Produkten durch drei prägende Entwicklungen gewandelt: einen konjunkturellen und geopolitischen Schock im Jahr 2022, eine gravierende Neuausrichtung der Handelspartner und eine signifikante Preissteigerung, die den Handelswert überproportional anhob. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken auf Basis verfügbarer EU-Handels- und Produktionsdaten.


1. Von der Krise zur Erholung: Handelsvolumen, -werte und -preise im Zeitverlauf

1.1 Exportwachstum bei moderater Mengenentwicklung

Die EU-Exporte von CN 760429 verzeichneten im Betrachtungszeitraum ein beachtliches Wertwachstum. Der Exportwert stieg von 937,6 Mio. EUR (2015) auf 1.347,9 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 43,8 % entspricht. Das Exportvolumen wuchs hingegen lediglich von 183.602 t auf 207.908 t (+13,2 %). Dieses deutliche Auseinanderklaffen von Wert- und Mengenwachstum spiegelt den starken Preisanstieg wider: Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 5.106 EUR/t auf 6.482 EUR/t (+26,9 %). Besonders auffällig war der Exportpreishöchststand von 7.057 EUR/t, der im Umfeld der Energiekrise 2022 erreicht wurde. Der Exportwert erreichte mit 1.491,6 Mio. EUR in 2022 seinen historischen Höchststand, bevor er sich 2023 auf 1.299,3 Mio. EUR und 2025 auf 1.347,9 Mio. EUR stabilisierte.

1.2 Importpreisexplosion trotz rückläufiger Mengen

Noch dramatischer war die Preisentwicklung bei den Importen. Der durchschnittliche Importpreis verdreifachte sich nahezu: von 3.100 EUR/t (2015) auf 4.870 EUR/t (2025), ein Anstieg von 57,1 %. Parallel dazu sank das Importvolumen um 26,7 % — von 313.924 t auf 229.957 t. Dennoch stieg der Importwert insgesamt um 15,1 % von 973,2 Mio. EUR auf 1.119,9 Mio. EUR, da die Preissteigerung den Mengenrückgang mehr als kompensierte. Der Importwert kulminierte 2022 mit 1.919,8 Mio. EUR — dem mit Abstand höchsten Wert im gesamten Zeitraum. Dieser Spitzenwert stand im Zusammenhang mit der globalen Energiekrise, die Aluminium verteuerte, sowie mit einem temporären Nachfrageschub in der EU.

1.3 Die Rolle des Schockjahres 2022

Das Jahr 2022 markierte einen Wendepunkt: Sowohl Import- als auch Exportwerte erreichten Rekordhöchststände. Der Importwert schnellte auf 1.919,8 Mio. EUR, der Exportwert auf 1.491,6 Mio. EUR. Erst 2023 normalisierten sich die Werte wieder. Die Preisentwicklung bestätigt die These eines energiegetriebenen Preisschocks: Die Exportpreise sprangen bei mehreren Hauptpartnern sprunghaft an — bei Exporten nach Großbritannien um 42,0 %, nach Israel um 61,6 % und nach Norwegen um 36,0 %. Diese Preisschocks traten jeweils im Zentrum 2022 auf und wurden als abnormal eingestuft.

Kennzahl 2015 2020 2022 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mio. EUR) 937,6 1.491,6 1.347,9 +43,8 %
Exportvolumen (t) 183.602 213.634 207.908 +13,2 %
Exportpreis (EUR/t) 5.106 6.482 +26,9 %
Importwert (Mio. EUR) 973,2 1.919,8 1.119,9 +15,1 %
Importvolumen (t) 313.924 229.957 −26,7 %
Importpreis (EUR/t) 3.100 4.870 +57,1 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −35,7 +228,1 +739,7 %

Quellen: Übersicht, Volatilität/Schocks


2. Strukturelle Neuausrichtung der Handelspartner

2.1 Der Aufstieg der Türkei zum dominanten Importlieferanten

Die gravierendste partnerschaftliche Verschiebung im EU-Handel mit CN 760429 ist der Aufstieg der Türkei. Der Importwert aus der Türkei stieg von 201,5 Mio. EUR (2015) auf 604,3 Mio. EUR (2025) — ein Anstieg von 199,9 %. Damit stellte die Türkei 2025 über die Hälfte des gesamten EU-Importwerts. Gleichzeitig erhöhten sich die EU-Exporte in die Türkei von 14,5 Mio. EUR auf 35,0 Mio. EUR (+141,9 %), was auf eine vertiefte wechselseitige Handelsverflechtung hindeutet. Die Türkei profitiert dabei von ihrer geografischen Nähe zur EU, vergleichsweise niedrigeren Energiekosten sowie einer expandierenden Aluminiumproduktion.

2.2 Das vollständige Verschwinden Russlands als Handelspartner

Die Importe aus der Russischen Föderation sanken von 78,8 Mio. EUR (2015) auf praktisch null — lediglich 34.262 EUR verblieben 2025 (Rückgang von −100 %). Diese Entwicklung ist eindeutig mit den ab 2022 verhängten EU-Sanktionen gegen Russland infolge des Angriffskriegs gegen die Ukraine zu erklären. Die Abhängigkeit von russischem Aluminium war zuvor erheblich gewesen — der Höchstwert lag bei 126,9 Mio. EUR. Die Eliminierung dieses Lieferanten trug zur oben beschriebenen Konzentration der Importe bei.

2.3 Rückgang chinesischer Importe

Die Importe aus China fielen von 176,0 Mio. EUR (2015) auf 74,2 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 57,8 %. Dies steht im Einklang mit der verstärkten EU-Handelsschutzpolitik gegenüber China, einschließlich Antidumpingzöllen und der zunehmenden politischen Sensibilität gegenüber chinesischen Exporten in strategischen Industriegütern. Parallel dazu sanken auch die Importe aus der Schweiz (−40,6 %) und Norwegen (−31,6 %).

2.4 Wachstum der Exportmärkte: Osteuropa und Israel

Auf der Exportseite wuchsen mehrere Märkte besonders dynamisch:

Exportpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 342,3 376,5 +10,0 %
Schweiz 142,6 195,5 +37,1 %
USA 97,6 156,6 +60,4 %
Norwegen 38,8 68,3 +75,9 %
Serbien 13,8 49,5 +259,5 %
Israel 6,3 57,2 +802,3 %
Türkei 14,5 35,0 +141,9 %

Quelle: Top-Partner nach Exportwert

Serbien und Israel stachen besonders hervor: Serbiens Importe aus der EU verfünffachten sich, Israels Importe verneunfachten sich nahezu. Diese Dynamik spiegelt sowohl die wachsende industrielle Nachfrage in diesen Ländern als auch eine strategische Diversifizierung der EU-Exportmärkte wider.

2.5 Zunehmende Importkonzentration bei diversifizierten Exporten

Die Konzentrationsentwicklung verlief bei Im- und Exporten gegenläufig. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe verdoppelte sich nahezu: von 1.387 (2015) auf 3.120 (2025) — ein Anstieg von 125,0 %. Ein HHI über 2.500 gilt als hoch konzentriert, was bedeutet, dass die EU-Importe zunehmend von wenigen Lieferanten — insbesondere der Türkei — abhängig sind. Umgekehrt sank der Export-HHI von 1.747 auf 1.229 (−29,6 %), was eine Diversifizierung der Absatzmärkte signalisiert.


3. Strukturelle Autonomie und segmentale Dynamik der EU

3.1 Die EU als Nettoexporteur — mit Schwankungen

Die Netto-Importabhängigkeit war über den gesamten Zeitraum überwiegend negativ, was bedeutet, dass die EU Nettoexporteur war. 2015 lag der Wert bei −3,1 %, 2025 bei −1,7 %. Allerdings schwankte die Kennzahl erheblich: Der niedrigste Wert (maximale Exportposition) betrug −3,7 %, der höchste (maximale Importabhängigkeit) +3,6 %. Letzterer wurde vermutlich 2022 erreicht, als die Importe temporär stark anstiegen. Die positive Spitze markierte eine kurze Phase, in der die EU für dieses Produkt Nettoimporteur war — ein bemerkenswerter Ausreißer, der sich unmittelbar aus dem energiebedingten Preisschock und der gestiegenen Nachfrage ergab.

3.2 Steigende Exportneigung und Handelsintensität

Zwei Kennzahlen verdeutlichen die zunehmende Verflechtung der EU mit Drittmärkten:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Handelsintensität 17,3 % 24,4 % +41,4 %
Exportneigung 10,8 % 14,6 % +35,5 %
Netto-Importabhängigkeit −3,0 % −1,7 % +45,3 %

Quelle: Handelsintensität, Exportneigung, Netto-Importabhängigkeit

Die Handelsintensität — der Anteil von Im- und Exporten an der gesamten Wertschöpfung — erreichte mit 24,4 % nahezu ihren Höchststand im Betrachtungszeitraum (Maximum: 25,6 %). Die Exportneigung (Produktionsanteil, der exportiert wird) stieg von 10,8 % auf 14,6 %. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass die EU-Aluminiumindustrie trotz (oder gerade wegen) der Krisenjahre stärker exportorientiert agiert als zu Beginn des Jahrzehnts.

3.3 Segmentanalyse: Vollprofile dominieren, Stäbe schrumpfen

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt eine divergente Entwicklung der beiden Teilprodukte:

Importe — Volumenentwicklung (in Tonnen):

Segment 2015 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Vollprofile (76042990) 177.997 292.024 199.180 +11,9 %
Stäbe (76042910) 135.927 74.463 30.773 −77,4 %

Exporte — Volumenentwicklung (in Tonnen):

Segment 2015 2025 Veränderung
Vollprofile (76042990) 137.509 139.624 +1,5 %
Stäbe (76042910) 46.093 68.284 +48,1 %

Quelle: Produktsegment-Vergleich

Der dramatischste Befund betrifft die Importe von Stäben (76042910): Diese fielen von 135.927 t auf 30.773 t — ein Rückgang von fast 80 %. Die Stäbeimporte waren bereits 2016 auf unter 60.000 t eingebrochen und erholten sich nie nachhaltig. Demgegenüber blieben die Importe von Vollprofilen weitgehend stabil (+11,9 %), wenn auch der Peak von 2022 (292.024 t) nicht gehalten werden konnte. Bei den Exporten hingegen wuchsen Stäbeexporte deutlich (+48,1 %), während Vollprofile stagnierten. Dies könnte auf eine Verlagerung der EU-Produktion hin zu höherwertigen Vollprofilen hindeuten, die stärker im Inland verbleiben, während Stäbe zunehmend exportiert werden.

Die EU-Produktion von CN 760429 wuchs im gleichen Zeitraum moderat: Die Produktionsmenge stieg von 2,76 Mrd. kg auf 2,84 Mrd. kg (+3,0 %), der Produktionswert hingegen von 9,74 Mrd. EUR auf 13,41 Mrd. EUR (+37,7 %). Das Preisniveau der inländischen Produktion spiegelt somit die gleiche Inflation wider, die auch im Außenhandel beobachtet wird.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit Aluminiumstangen und Vollprofilen (CN 760429) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei Dimensionen grundlegend gewandelt. Erstens sind die Handelspreise — sowohl bei Im- als auch bei Exporten — deutlich gestiegen, wobei der Importpreisanstieg (+57,1 %) den Exportpreisanstieg (+26,9 %) übertraf. Die Energiekrise 2022 fungierte als Katalysator und beschleunigte eine ohnehin stattfindende Aufwertungstendenz. Zweitens hat sich die geografische Struktur der Handelsbeziehungen gravierend verschoben: Die Türkei ist zum dominanten Importlieferanten aufgestiegen, Russland als Handelspartner vollständig entfallen, und die EU-Exporte haben sich stärker auf neue Märkte wie Serbien und Israel diversifiziert. Die Importkonzentration hat sich dabei jedoch verdoppelt — ein potenzielles strukturelles Risiko. Drittens ist die EU trotz der Krisenjahre Nettoexporteur geblieben, auch wenn die Handelsbilanz zwischenzeitlich ins Negative kippte. Die steigende Exportneigung und Handelsintensität deuten auf eine zunehmende Verflechtung der EU-Aluminiumindustrie mit globalen Märkten hin.

Die künftige Entwicklung wird wesentlich davon abhängen, ob sich das Preisniveau stabilisiert, wie sich die Handelsbeziehungen zur Türkei und zu China weiterentwickeln und ob die EU ihre Importkonzentration zugunsten einer breiteren Lieferbasis reduzieren kann.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.