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Marktentwicklung: Aluminiumhohlprofile (CN 760421) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015–2025 für den Zollcode 760421, der Hohlprofile aus Aluminiumlegierungen, a.n.g. umfasst. Dieses Produkt fällt unter die übergeordnete Kategorie „Stangen (Stäbe) und Profile, aus Aluminium, a.n.g." (KN 7604) und wird dem PRODCOM-Code 24.42.22.50 zugeordnet. Die Analyse basiert auf jährlichen Handelsdaten der EU gegenüber Nicht-EU-Ländern und umfasst Exporte, Importe, Partnerländer, Marktstruktur sowie Volatilitätsindikatoren. Der Untersuchungszeitraum deckt elf Jahre ab und ermöglicht es, strukturelle Veränderungen, Schocks und langfristige Trends zu identifizieren.


1. Vom Nettexporteur zum Nettimporteur: Die strukturelle Wende im EU-Handel

1.1 Die EU weist 2025 erstmals ein deutliches Handelsdefizit auf

Der auffälligste Trend im untersuchten Zeitraum ist die fundamentale Umkehr der EU-Handelsbilanz bei Aluminiumhohlprofilen. Im Jahr 2015 verzeichnete die EU einen positiven Handelsbilanzüberschuss von rund 142 Mio. EUR. Bis 2025 verwandelte sich dieser in ein Defizit von rund –118 Mio. EUR – eine Veränderung von –182,8 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (EUR) 366,2 Mio. 542,3 Mio. +48,1 %
Importe (EUR) 223,8 Mio. 660,2 Mio. +195,0 %
Handelsbilanz (EUR) +142,4 Mio. –117,9 Mio. –182,8 %

Die Exporte sind zwar nominal um fast die Hälfte gestiegen, doch die Importe haben sich nahezu verdreifacht. Die EU hat in diesem Segment ihre Selbstversorgung verloren.

1.2 Das Mengenwachstum bei Importen übertrifft das Exportwachstum bei Weitem

Die Divergenz zwischen Import- und Exportentwicklung zeigt sich besonders eindrücklich im Volumenvergleich. Während die Exportmengen zwischen 2015 und 2025 nur um 13,9 % stiegen (von 71.563 auf 81.493 Tonnen), wuchsen die Importmengen um 129,7 % – von 60.750 auf 139.527 Tonnen. Damit importierte die EU 2025 rund 71 % mehr Aluminiumhohlprofile als sie exportierte.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportvolumen (t) 71.563 81.493 +13,9 %
Importvolumen (t) 60.750 139.527 +129,7 %
Exportpreis (EUR/t) 5.117 6.655 +30,1 %
Importpreis (EUR/t) 3.684 4.732 +28,4 %

1.3 Steigende Preisspannen deuten auf veränderte Wettbewerbsbedingungen hin

Die Preisdifferenz zwischen Exporten und Importen hat sich über den Zeitraum hinweg vergrößert. Die EU exportierte 2025 zu einem durchschnittlichen Preis von 6.655 EUR/t und importierte zu 4.732 EUR/t. Diese Differenz von rund 1.923 EUR/t (2015: 1.433 EUR/t) könnte auf die Herkunft der Importe zurückzuführen sein – insbesondere auf Niedriglohnländer – und legt nahe, dass Preiswettbewerb ein zentraler Treiber der Importexpansion war.


2. Partnerlandschaft im Wandel: Türkei als dominierender Importeur, China im Rückgang

2.1 Die Türkei hat China als wichtigsten Importpartner abgelöst

Die mit Abstand bemerkenswerteste Verschiebung in der Partnerländerstruktur betrifft die Türkei. Die Importe aus der Türkei stiegen von 54,8 Mio. EUR (2015) auf 338,4 Mio. EUR (2025) – eine Steigerung von 517,8 %. Die Türkei ist damit 2025 mit großem Abstand der wichtigste Importeur von Aluminiumhohlprofilen in die EU und hat China überholt, dessen Importe im selben Zeitraum um 57,4 % sanken (von 60,6 Mio. auf 25,8 Mio. EUR).

Importpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Türkiye 54,8 Mio. 338,4 Mio. +517,8 %
China 60,6 Mio. 25,8 Mio. –57,4 %
Schweiz 58,3 Mio. 102,8 Mio. +76,2 %
Bosnien und Herzegowina 2,2 Mio. 40,4 Mio. +1.719,1 %
Marokko 12,9 Mio. 22,5 Mio. +75,0 %

2.2 Balkan-Länder gewinnen stark an Bedeutung

Neben der Türkei haben auch westbalkanische Staaten erheblich an Marktanteilen gewonnen. Die Importe aus Bosnien und Herzegowina stiegen um 1.719,1 % – von 2,2 Mio. EUR auf 40,4 Mio. EUR. Serbien verzeichnete eine Zunahme von 101,0 % (von 6,3 Mio. auf 12,7 Mio. EUR). Diese Entwicklung spiegelt möglicherweise die zunhmende Integration dieser Länder in europäische Lieferketten sowie die Nutzung von Kostenvorteilen wider.

2.3 Die EU exportiert verstärkt in Drittländer außerhalb Europas

Auf der Exportseite dominieren nach wie vor die Schweiz (118,8 Mio. EUR, +45,1 %) und das Vereinigte Königreich (109,9 Mio. EUR, +57,0 %) als Abnehmer. Auffällig sind jedoch die starken Wachstumsraten bei Exporten in außereuropäische Märkte:

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Mexiko 5,8 Mio. 26,6 Mio. +358,1 %
Serbien 7,1 Mio. 26,5 Mio. +273,9 %
USA 42,7 Mio. 67,6 Mio. +58,5 %
Vereinigtes Königreich 70,0 Mio. 109,9 Mio. +57,0 %

Die Exporte nach Mexiko sind um das 4,6-Fache gestiegen, was auf eine verstärkte Diversifizierung der EU-Absatzmärkte hindeutet.

2.4 Deutschland ist der zentrale Knotenpunkt im EU-internen Handel

Innerhalb der EU ist Deutschland sowohl bei Importen als auch bei Exporten der bedeutendste Mitgliedstaat. Deutschland importierte 2025 Aluminiumhohlprofile im Wert von 205,0 Mio. EUR (+142,0 % gegenüber 2015) und exportierte im Wert von 202,9 Mio. EUR (+22,8 %). Es folgen bei den Importen die Niederlande (52,1 Mio. EUR, +365,9 %), Polen (50,3 Mio. EUR, +509,8 %) und Tschechien (44,9 Mio. EUR, +242,0 %). Diese Konzentration spiegelt die industrielle Basis und die zentrale Rolle Deutschlands in europäischen Aluminiumverarbeitungsketten wider.


3. Marktstruktur, Schocks und Autonomie: Risikofaktoren im Zeitverlauf

3.1 Die Importkonzentration hat sich deutlich erhöht

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration (nach Wert) stieg von 2.095 (2015) auf 2.979 (2025) – eine Zunahme von 42,2 %. Dies liegt vor allem am dominanten Zuwachs der türkischen Lieferungen. Die Exportkonzentration blieb hingegen mit einem HHI von rund 1.161 nahezu unverändert (+0,9 %). Die steigende Importkonzentration birgt das Risiko einer erhöhten Abhängigkeit von wenigen Lieferanten – insbesondere der Türkei.

Indikator 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 2.095 2.979 +42,2 %
HHI Exporte (Wert) 1.151 1.161 +0,9 %
HHI Importe (Volumen) 2.095 3.305 +57,7 %

3.2 Preisschocks im Jahr 2022 spiegeln geopolitische Verwerfungen wider

Das Jahr 2022 war durch signifikante Preisschocks bei den Exporten gekennzeichnet, die im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den daraus resultierenden Energiepreisanstiegen stehen dürften:

Partnerland Abnormalität Preissprung Zeitpunkt
Türkei (Exporte) 22,9 +46,7 % 2022
Russische Föderation (Exporte) 14,7 +36,8 % 2022
Norwegen (Exporte) 12,6 +41,6 % 2022

Die Volatilitätskoeffizienten (CV) bestätigen, dass bestimmte Handelsbeziehungen besonders schwankungsanfällig waren. Bei den Importen weisen die Russische Föderation (CV = 1,45) und Indien (CV = 1,40) die höchsten Schwankungen auf – was teilweise auf Sanktionen und Handelsunterbrechungen zurückzuführen sein dürfte. Bei den Exporten war die Volatilität gegenüber der Schweiz (CV = 0,06) und dem Vereinigten Königreich (CV = 0,12) besonders gering, was auf stabile Handelsbeziehungen hindeutet.

3.3 Die EU-Produktion bleibt weitgehend stabil, wertet sich aber auf

Die inländische Produktion von Aluminiumhohlprofilen in der EU blieb mengenmäßig relativ stabil (2,76 Mrd. kg in 2015 vs. 2,84 Mrd. kg in 2025, +3,0 %), stieg aber im Wert von 9,74 Mrd. EUR auf 13,41 Mrd. EUR (+37,7 %). Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder auf inflationsbedingte Preisanstiege hin, während die physischen Volumen stagnieren.

3.4 Spezialisierungsmuster zeigen klare regionale Schwerpunkte

Gemäß dem RSCA-Indikator (Revealed Symmetric Comparative Advantage) für das Jahr 2025 weisen folgende EU-Mitgliedstaaten die höchste Spezialisierung bei Aluminiumhohlprofilen auf:

Land RSCA RCA Produktanteil
Spanien 0,561 3,56 20,6 %
Österreich 0,500 3,00 9,9 %
Schweden 0,433 2,53 6,1 %
Griechenland 0,418 2,44 1,6 %
Slowenien 0,340 2,03 2,0 %

Spanien und Österreich sind demnach die EU-Länder mit dem stärksten komparativen Vorteil in diesem Segment. Auf der anderen Seite weisen Irland, Estland und Lettland extrem niedrige Spezialisierungswerte auf (RSCA nahe –1).

3.5 Die Nettoimportabhängigkeit ist moderat, aber die Handelsintensität steigt

Die Nettoimportquote lag 2025 bei –1,7 %, was bedeutet, dass die EU in diesem Segment noch leicht netto exportiert (bezogen auf die Produktion). Dies ist jedoch ein deutlicher Rückgang gegenüber 2015 (–3,0 %). Die Handelsintensität stieg von 17,3 % auf 24,4 % (+41,4 %), und die Exportquote erhöhte sich von 10,8 % auf 14,6 % (+35,5 %). Die zunehmende Einbindung in den internationalen Handel birgt sowohl Chancen (Absatzmärkte) als auch Risiken (Externe Abhängigkeiten).


Fazit

Die Entwicklung des EU-Handels mit Aluminiumhohlprofilen (KN 760421) im Zeitraum 2015–2025 ist von einer tiefgreifenden strukturellen Veränderung geprägt. Die EU hat sich vom Nettexporteur zum Nettimporteur gewandelt, wobei die Importe sich nahezu verdreifacht haben. Diese Transformation wird vor allem durch massive Importzuwächse aus der Türkei (+517,8 %) und dem westlichen Balkan getrieben, während die chinesischen Importe deutlich zurückgegangen sind. Gleichzeitig ist die Importkonzentration (HHI) stark angestiegen, was die Abhängigkeit von wenigen Lieferanten erhöht.

Die Preisschocks des Jahres 2022 unterstreichen die Anfälligkeit des Marktes für geopolitische Ereignisse. Obwohl die EU-Produktion mengenmäßig stabil geblieben ist und die Nettoimportabhängigkeit noch moderat ausfällt, deuten die steigende Handelsintensität und die zunehmende Konzentration darauf hin, dass strategische Diversifizierungs- und Resilienzmaßnahmen künftig an Bedeutung gewinnen dürften. Besonders aufmerksam sollte die weitere Entwicklung der türkischen Importe beobachtet werden, die mittlerweile mehr als die Hälfte aller EU-Importe in diesem Segment ausmachen.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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