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Marktentwicklung: Gerste (CN 1003) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Zollprodukt 1003 (Gerste) im Zeitraum von Januar 2015 bis Dezember 2025. Auf Basis der verfügbaren Daten werden die wichtigsten Trends bei Exporten, Importen, Handelspartnern, Preisen und Marktstruktur untersucht. Die Analyse konzentriert sich auf die Beschreibung und Interpretation der beobachteten Dynamiken, um ein umfassendes Bild des Marktes zu zeichnen. Die Datenquelle für alle folgenden Darstellungen ist das EU Trade Dashboard.

Rückläufige Handelsvolumina bei gleichzeitiger Verteuerung der Importe

Der Gesamthandel der EU mit Gerste zeigt im Betrachtungszeitraum einen rückläufigen Trend in den Handelsvolumina, wobei sich die Importpreise dabei deutlich stärker verteuerten als die Exportpreise.

Das Handelsvolumen der EU-Exporte ist zwischen 2015 und 2025 um über 12 % gesunken.

Die Exportmenge der EU fiel von 10,22 Mio. Tonnen (2015) auf 8,93 Mio. Tonnen (2025), was einem Rückgang von 12,6 % entspricht. Parallel dazu sank der Exportwert von 1,89 Mrd. EUR auf 1,73 Mrd. EUR (−8,6 %). Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen hingegen um 4,6 % von 185 EUR/t auf 194 EUR/t an. Der Höchstwert für den Exportpreis wurde mit 321 EUR/t im Jahr 2022 erreicht.

Die EU-Importmengen haben sich im selben Zeitraum noch deutlicher reduziert.

Die importierte Menge ging von 1,16 Mio. Tonnen (2015) auf nur noch 0,82 Mio. Tonnen (2025) zurück, was einem Rückgang von 29,6 % entspricht. Der Importwert sank von 208 Mio. EUR auf 193 Mio. EUR (−7,2 %). Die durchschnittlichen Importpreise stiegen dabei besonders stark um 31,7 % von 179 EUR/t auf 236 EUR/t.

Die EU ist ein Nettoexporteur von Gerste, auch wenn der Überschuss leicht rückläufig ist.

Die positive Handelsbilanz der EU bei Gerste fiel von 1,68 Mrd. EUR (2015) auf 1,54 Mrd. EUR (2025) und sank damit um 8,8 %.

Indikator 2015 2025 Veränderung (%)
Exportwert (Mrd. EUR) 1,89 1,73 -8,6
Exportmenge (Mio. t) 10,22 8,93 -12,6
Exportpreis (EUR/t) 185 194 +4,6
Importwert (Mio. EUR) 208 193 -7,2
Importmenge (Mio. t) 1,16 0,82 -29,6
Importpreis (EUR/t) 179 236 +31,7
Handelsbilanz (Mrd. EUR) 1,68 1,54 -8,8

(Datenquelle: Gesamtübersicht)

Strukturelle Verschiebungen bei den Handelspartnern und der Marktstruktur

Der EU-Gerstenmarkt ist durch eine klare regionale Konzentration bei den Exporten gekennzeichnet. Im Zeitraum 2015–2025 haben sich sowohl die Rangfolge der wichtigsten Partner als auch die Marktstruktur merklich verschoben.

Die EU exportiert Gerste primär in den Nahen Osten und Nordafrika (MENA-Region).

Saudi-Arabien war im gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Exportpartner der EU. Der Exportwert in das Königreich lag 2025 bei 375 Mio. EUR, was jedoch einem Rückgang von 30 % gegenüber 2015 entspricht. Die bemerkenswerteste Dynamik zeigt sich bei den nordafrikanischen Partnern: Die Exporte nach Marokko (+520,7 %) und Algerien (+453,2 %) haben sich im Vergleich zu 2015 mehr als versechsfacht. Nach Jordanien stiegen die Exporte um 171,7 % an.

China, einst zweitwichtigster Exportmarkt, hat stark an Bedeutung verloren.

Während die EU 2015 Gersten im Wert von 802 Mio. EUR nach China exportierte, waren es 2025 nur noch 172 Mio. EUR (−78,6 %). Der chinesische Markt wurde damit von Saudi-Arabien, Marokko, Algerien und Jordanien überholt.

Der EU-Importmarkt wird stark vom Vereinigten Königreich dominiert, jedoch mit rückläufigem Trend.

Das Vereinigte Königreich war durchgehend der wichtigste Herkunftsland für EU-Gerstenimporte mit einem Wert von 151 Mio. EUR im Jahr 2025 (−4,2 % vs. 2015). Ukraine und Moldawien folgen auf den Plätzen, wobei die Importe aus der Ukraine seit 2022 starken Schwankungen unterliegen und insgesamt um 34,6 % gesunken sind.

Die Exportkonzentration der EU ist deutlich gesunken, während die Importe konzentrierter geworden sind.

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für den Exportwert fiel von 2654 (2015) auf 1011 (2025), was einer Abnahme der Konzentration um 61,9 % entspricht. Dies spiegelt die Diversifizierung der Exportziele wider. Im Gegensatz dazu stieg der HHI für die Importe von 6016 auf 6289 an (+4,5 %), was auf eine leicht erhöhte Abhängigkeit von wenigen Lieferanten hindeutet.

Top 5 Exportpartner (Wert 2025) Wert (Mio. EUR) Veränderung 2015-2025 (%)
Saudi-Arabien 375,1 -30,2
Marokko 122,7 +520,7
Algerien 122,1 +453,2
Jordanien 179,2 +171,7
Iran 69,4 +39,1
Top 5 Importpartner (Wert 2025) Wert (Mio. EUR) Veränderung 2015-2025 (%)
Vereinigtes Königreich 150,7 -4,2
Ukraine 21,9 -34,6
Moldawien 15,8 +13,2
Serbien 3,9 +37,0
Australien 0,04 +4.240.760,0*

*Anstieg von einem sehr niedrigen Basiswert.

(Datenquelle: Handelspartner)

Innerhalb der EU sind Frankreich und Rumänien die dominantesten Exportländer für Gerste.

Frankreich war 2025 mit einem Exportwert von 718 Mio. EUR der größte EU-Exporteur, gefolgt von Rumänien (505 Mio. EUR) und Deutschland (277 Mio. EUR). Rumänien hat seine Position mit einem Plus von 76 % gegenüber 2015 erheblich ausgebaut.

(Datenquelle: EU-Mitgliedstaaten)

Erhöhte Preisspitzen und Volatilität, ausgelöst durch den Ukraine-Krieg

Die Preisentwicklung im EU-Gerstenhandel ist durch eine Phase besonderer Volatilität und extreme Preisspitzen im Jahr 2022 gekennzeichnet, die eng mit globalen geopolitischen Ereignissen verknüpft sind.

Die durchschnittlichen Handelspreise stiegen 2022 sprunghaft an und erreichten historische Höchststände.

Sowohl die Export- als auch die Importpreise erreichten 2022 ihren Höchstwert im gesamten Betrachtungszeitraum. Der durchschnittliche Exportpreis verdoppelte sich beinahe von 209 EUR/t (2021) auf 320 EUR/t (2022). Die Importpreise stiegen sogar von 230 EUR/t auf 328 EUR/t. Dieser Preisschock ist ein direktes Ergebnis des durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ausgelösten globalen Getreideschocks.

Besonders betroffen von den Preisschocks waren die Exportmärkte im Nahen Osten.

Das markanteste Preisschock-Event war der Preisanstieg bei EU-Exporten nach Jordanien im Jahr 2022. Die Exportpreise stiegen um 97,4 % sprunghaft an, was als extremer Schock (Abnormalität: 7,9) eingestuft wurde. Ähnliche, wenn auch etwas weniger extreme, Preissteigerungen wurden bei Exporten nach Tunesien (+76,1 %) und Saudi-Arabien (+68,5 %) im selben Jahr verzeichnet.

Schock-Event (Exporte 2022) Partnerland Preisanstieg (%) Anteil am Exportwert (%)
Preis-Schock Jordanien +97,4 6,4
Preis-Schock Tunesien +76,1 6,0
Preis-Schock Saudi-Arabien +68,5 31,3

(Datenquelle: Volatilität & Schocks)

Die Preisvolatilität variiert stark zwischen den Handelspartnern.

Bezogen auf die gesamte Periode 2015–2025 weisen Handelsbeziehungen mit Ländern wie Argentinien (Koeffizient der Variation (CV): 3,19) oder der Türkei (CV: 2,81) bei den Importen eine sehr hohe Volatilität auf. Bei den Exporten ist die Volatilität für Partner wie Libyen (CV: 0,83) und die Türkei (CV: 0,84) hoch. Im Vergleich dazu waren die Handelspreise mit dem Vereinigten Königreich sowohl bei Exporten (CV: 0,36) als auch bei Importen (CV: 0,24) deutlich stabiler.

(Datenquelle: Volatilitätsanalyse)

Fazit

Der EU-Markt für Gerste (CN 1003) durchlief zwischen 2015 und 2025 einen Strukturwandel. Zwar ist die EU weiterhin ein Nettoexporteur, doch sowohl Export- als auch Importvolumina sind rückläufig, was auf langfristige Anpassungen in Produktion und Nachfrage hindeuten kann. Die bedeutendsten Entwicklungen sind:

  1. Geopolitisch bedingte Preisschocks: Der Ukraine-Krieg verursachte 2022 extreme Preissteigerungen, die besonders die Handelspartner im Nahen Osten trafen.
  2. Diversifizierung der Exportziele: Die EU hat ihre Exporte stärker in Richtung Nordafrika und Jordanien umgelenkt, während die Abhängigkeit von China stark abnahm.
  3. Regionale Verschiebungen innerhalb der EU: Rumänien hat sich als wichtiger Exporteur neben dem traditionellen Führer Frankreich etabliert.

Insgesamt zeigt der Markt eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit an äußere Schocks, führt aber auch zu einer neuen Unsicherheit in Bezug auf Preis- und Lieferstabilität, insbesondere in Zeiten geopolitischer Spannungen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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