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Marktentwicklung: Hafer (CN 1004) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Außenhandel mit Hafer (CN 1004) hat sich im Zeitraum 2015 bis 2025 erheblich verändert. Die Europäische Union war über den gesamten Zeitraum hinweg grundsätzlich ein Nettoexporteur von Hafer, doch das Handelsbilanzplus schrumpfte von 42,1 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 28,2 Mio. EUR im Jahr 2025 (−33,2 %). Besonders markant war die Krise der Jahre 2022 und 2023, als die EU erstmals ein Handelsbilanzdefizit bei Hafer verzeichnete. Der vorliegende Bericht analysiert die wesentlichen Handelsdynamiken anhand von drei zentralen Entwicklungen.

CN 1004 umfasst zwei Unterpositionen: 100490 (Hafer, ausgenommen Samen zur Aussaat) und 100410 (Hafersamen zur Aussaat). Der überwiegende Teil des Handelsvolumens entfällt auf 100490.


1. Preisanstieg bei sinkenden Exportmengen: Der strukturelle Wandel des EU-Haferexports

Die EU exportiert deutlich weniger Hafer als noch 2015

Das Ausfuhrvolumen der EU ist im Betrachtungszeitraum erheblich gesunken. Ging man 2015 noch knapp 290.000 Tonnen Hafer in Drittländer, waren es 2025 nur noch rund 165.000 Tonnen — ein Rückgang von 43,0 %. Auch der Exportwert fiel von 60,1 Mio. EUR auf 47,2 Mio. EUR (−21,5 %), wobei der Einbruch im Jahr 2023 mit einem Exportvolumen von lediglich 96.550 Tonnen und einem Exportwert von 31,4 Mio. EUR den Tiefpunkt markierte (Gesamtübersicht).

Jahr Exportwert (Mio. EUR) Exportmenge (t) Importwert (Mio. EUR) Importmenge (t) Saldo (Mio. EUR)
2015 60,1 289.912 17,9 83.324 +42,1
2016 32,0 150.831 14,4 52.630 +17,6
2017 39,0 197.697 10,8 31.547 +28,2
2018 37,7 166.366 12,4 43.299 +25,3
2019 36,4 166.581 22,4 92.341 +14,0
2020 39,4 171.841 20,8 79.777 +18,6
2021 34,8 131.381 13,1 38.203 +21,7
2022 65,0 193.385 76,5 230.392 −11,5
2023 31,4 96.550 48,2 143.370 −16,8
2024 38,7 123.443 19,2 55.858 +19,5
2025 47,2 165.121 19,0 68.299 +28,2

Steigende Preise kompensieren den Mengenrückgang nur teilweise

Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 207 EUR/t (2015) auf 286 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 37,8 % entspricht. Im Krisenjahr 2022 erreichte der Exportpreis mit 336 EUR/t seinen Höchststand. Auch die Importpreise folgten einem ähnlichen Trend — von 215 EUR/t (2015) auf 278 EUR/t (2025), +29,2 %. Der Preisanstieg reflektiert die global gestiegenen Getreidepreise, insbesondere nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine im Februar 2022 (Segmentvergleich).

Die Krise von 2022/2023 markierte eine Zäsur

Das Jahr 2022 war in mehrfacher Hinsicht ein Ausnahmejahr: Sowohl Import- als auch Exportwerte erreichten historische Spitzenwerte (76,5 Mio. EUR bzw. 65,0 Mio. EUR), doch die Einfuhren überstiegen die Ausfuhren erstmals deutlich. Im Folgejahr 2023 kollabierte das Exportvolumen auf lediglich 96.550 Tonnen — den niedrigsten Wert im gesamten Zeitraum —, während die Importe mit 143.370 Tonnen noch immer weit über dem Durchschnitt lagen. Das Handelsbilanzdefizit erreichte mit −16,8 Mio. EUR seinen Tiefststand. Erst 2024/2025 normalisierte sich die Situation wieder.


2. Geographische Neuausrichtung: Von traditionellen zu neuen Handelspartnern

Die Exportziele haben sich grundlegend verschoben

Die geographische Struktur der EU-Haferexporte hat sich zwischen 2015 und 2025 stark verändert. Traditionelle Abnehmer wie die USA, das Vereinigte Königreich, Südafrika und Algerien verloren erheblich an Bedeutung, während neue Märkte wie Norwegen und Mexiko hinzukamen (Länderpartner-Übersicht):

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Schweiz 9,9 Mio. 12,1 Mio. +22,1 %
USA 18,5 Mio. 5,3 Mio. −71,4 %
Norwegen 0,97 Mio. 9,5 Mio. +883,9 %
Vereinigtes Königreich 8,7 Mio. 2,3 Mio. −73,6 %
Südafrika 10,5 Mio. ~0 −100 %
Algerien 7,3 Mio. 0,08 Mio. −98,9 %
Mexiko ~0 10,2 Mio. n/a

Die Schweiz entwickelte sich zum stabilsten Exportpartner mit dem niedrigsten Variationskoeffizienten (CV = 0,13) aller bedeutenden Abnehmer. Norwegen verfünffachte seine Importe aus der EU nahezu, und Mexiko wurde von einem praktisch bedeutungslosen Abnehmer zum drittgrößten Exportmarkt. Südafrika und Algerien, die 2015 zusammen fast 18 Mio. EUR ausmachten, verschwanden hingegen fast vollständig.

Großbritannien bleibt wichtigster Importpartner, aber die Bezugsquellen diversifizieren sich

Auch auf der Importseite vollzog sich ein deutlicher Wandel. Das Vereinigte Königreich blieb mit Abstand der wichtigste Herkunftsland, doch sein Anteil schwankte erheblich — von 16,6 Mio. EUR (2015) auf 14,5 Mio. EUR (2025), ein Rückgang um 12,3 %. Gleichzeitig traten neue Lieferanten wie Uruguay (von 54 EUR auf 937.320 EUR), Kanada (von 64.814 EUR auf 729.526 EUR), Serbien (von 148.019 EUR auf 615.890 EUR) und die Ukraine (von 733.687 EUR auf 1.611.855 EUR, +119,7 %) hinzu (Länderpartner-Übersicht).

Schweden und Finnland dominieren die innerhalb der EU gehandelten Ströme

Betrachtet man die EU-Mitgliedstaaten als Exporteure, so zeigt sich, dass Schweden seinen Haferexport in Drittländer von 15,5 Mio. EUR (2015) auf 24,9 Mio. EUR (2025) steigern konnte (+60,3 %) und damit zum größten EU-Exporteur aufstieg. Finnland hingegen verlor seine führende Position drastisch (von 20,9 Mio. EUR auf 3,6 Mio. EUR, −82,8 %). Auf der Importseite stachen Spanien (+170,2 %) und die Niederlande (+266,3 %) als am stärksten wachsende Empfänger hervor (EU-Mitgliedstaaten-Übersicht).


3. Konzentration, Volatilität und Schocks im EU-Haferhandel

Die Importkonzentration hat sich deutlich verringert

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe fiel von 8.553 (2015) auf 5.981 (2025), was einem Rückgang von 30,1 % entspricht. Dies signalisiert eine substantielle Diversifizierung der Importquellen. Die Exportkonzentration war ohnehin geringer und blieb relativ stabil (HHI von 1.932 auf 1.822, −5,7 %) (Konzentrationsanalyse).

Mehrere Handelsströme zeigen hohe Volatilität

Die Volatilität der Handelsströme, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), variiert stark zwischen den Partnern (Volatilitätsanalyse):

Partner (Exporte) CV Partner (Importe) CV
Schweiz 0,13 Ukraine 0,54
Bosnien und Herzegowina 0,36 Island 0,54
Norwegen 0,57 Norwegen 0,63
Vereinigtes Königreich 0,77 Argentinien 0,75
USA 0,77 Vereinigtes Königreich 0,75
Serbien 0,87 Uruguay 0,75
Algerien 1,22 Chile 0,80
Marokko 1,36 Serbien 0,81
Südafrika 1,84 Kanada 1,45
China 2,17 Moldau 1,71
Türkei 3,15 Russische Föderation 1,60

Besonders auffällig: Der Haferexport in die Türkei (CV = 3,15) und nach China (CV = 2,17) sowie die Importe aus Moldau (CV = 1,71) und Russland (CV = 1,60) unterlagen starken Schwankungen. Russland verzeichnete eine Steigerung der Importe von lediglich 1.074 EUR (2015) auf 156.312 EUR (2025), allerdings mit einem Höchstwert von 2,7 Mio. EUR in einem Zwischenjahr.

Preis- und Angebotschocks prägten die Krisenjahre

Das Modul zur Schockerkennung identifizierte drei signifikante Ereignisse (Marktchocks):

Schock Typ Jahr Abnormalität Veränderung Anteil am Exportwert
Schweiz Preis 2022 523,6 +43,1 % 34,9 %
Südafrika Preis 2021 412,2 +5.140,6 % 5,6 %
Südafrika Angebot 2023 16,1 −100 % 5,6 %

Der Preisschock bei den Exporten in die Schweiz (2022) fiel mit dem globalen Getreidepreisschock nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges zusammen — die Schweiz als größter Exportpartner machte 34,9 % des EU-Exportwerts aus. Der extreme Preisanstieg bei Exporten nach Südafrika im Jahr 2021 (+5.140,6 %) deutet auf ein Auslaufen oder eine extreme Verknappung kleiner Handelsvolumina hin, gefolgt von einem vollständigen Ausfall der Lieferungen 2023.

Die baltischen Staaten und Finnland sind am stärksten auf Hafer spezialisiert

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index, 2025) zeigt, dass innerhalb der EU vor allem die nordischen und baltischen Staaten eine hohe komparative Spezialisierung im Haferhandel aufweisen (Spezialisierung):

Stärkste Spezialisierung RSCA RCA Schwächste Spezialisierung RSCA RCA
Finnland 0,94 33,86 Irland −0,99 0,004
Estland 0,88 15,88 Italien −0,96 0,02
Lettland 0,86 12,85 Griechenland −0,95 0,03
Litauen 0,76 7,46 Belgien −0,94 0,03
Schweden 0,67 5,04 Portugal −0,89 0,06

Finnland weist mit einem RCA-Wert von 33,86 eine außergewöhnlich hohe Spezialisierung auf, was den klimatischen Bedingungen und der langen Haferanbautradition in Nordeuropa geschuldet ist. Die süd- und westeuropäischen Staaten (Irland, Italien, Griechenland, Belgien) sind hingegen Nettoimporteure mit negativen RSCA-Werten.


Schlussfolgerung

Der EU-Hafermarkt (CN 1004) hat sich im Zeitraum 2015–2025 von einem komfortablen Nettomarkt mit hohem Exportüberschuss zu einem volatileren Markt mit geringeren Handelsbilanzreserven gewandelt. Drei zentrale Erkentnisse lassen sich zusammenfassen:

  1. Struktureller Rückgang der Exportmengen: Die EU exportiert 2025 etwa 43 % weniger Hafer als 2015. Steigende Preise (nahezu +38 %) kompensieren den Mengenrückgang nur teilweise; der Exportwert liegt weiterhin unter dem Ausgangsniveau.

  2. Geographische Umorientierung: Sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite haben sich die Handelsströme erheblich verschoben. Traditionelle Partner in Afrika und dem Nahen Osten verloren an Bedeutung, während nordeuropäische Märkte und neue Lieferanten in Südamerika und Osteuropa hinzukamen. Die Importkonzentration nahm um 30 % ab.

  3. Nachhaltige Preis- und Angebotsrisiken: Die Krise von 2022/2023 — geprägt durch den Ukraine-Krieg und global gestiegene Getreidepreise — führte zu einem beispiellosen Importanstieg und dem ersten Handelsbilanzdefizit der EU bei Hafer. Die Erholung bis 2025 ist erkennbar, doch die anhaltend hohe Volatilität einzelner Handelsbeziehungen unterstreicht die Anfälligkeit des Marktes für externe Schocks.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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