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Marktentwicklung: Reis (CN 1006) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit Reis (KN-Code 1006) im Zeitraum 2015 bis 2025. Der Code 1006 umfasst Rohreis (Paddy-Reis, 100610), geschälten Reis (Cargo-/Braunreis, 100620), halb- oder vollständig geschliffenen Reis (100630) sowie Bruchreis (100640). Die Analyse zeigt drei zentrale Entwicklungen: eine stark zunehmende Importabhängigkeit der EU, eine geografische Verschiebung der Lieferantenstruktur sowie erhebliche Preissteigerungen und geopolitische Versorgungsrisiken.


1. Zunehmende Importabhängigkeit: Strukturelle Verschiebung im EU-Reishandel

1.1. Importe stiegen doppelt so stark wie Exporte

Der EU-Reishandel hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich zugunsten der Importe verschoben. Der Importwert stieg um 105,9 % — von 898 Mio. EUR auf 1.849 Mio. EUR —, während die Importmenge um 67,3 % von 1,50 Mio. t auf 2,50 Mio. t zunahm. Im gleichen Zeitraum stieg der Exportwert lediglich um 19,0 % (von 339 Mio. EUR auf 403 Mio. EUR), während die Exportmenge sogar um 18,5 % sank (von 451.000 t auf 368.000 t).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 898 Mio. EUR 1.849 Mio. EUR +105,9 %
Importmenge 1,50 Mio. t 2,50 Mio. t +67,3 %
Exportwert 339 Mio. EUR 403 Mio. EUR +19,0 %
Exportmenge 451.000 t 368.000 t −18,5 %

1.2. Das Handelsdefizit hat sich mehr als verdoppelt

Infolge dieser Asymmetrie vergrößerte sich das Handelsbilanzdefizit von −560 Mio. EUR im Jahr 2015 auf −1.446 Mio. EUR im Jahr 2025 — eine Verschlechterung um 158,4 %. Der Tiefstwert im gesamten Zeitraum betrug −1.528 Mio. EUR. Parallel dazu stieg die Netto-Importabhängigkeit von 6,3 % auf 31,3 % — ein Anstieg um 400 %. Ebenso verdoppelte sich die Handelsintensität von 22,3 % auf 44,7 %, was zeigt, dass der Reismarkt der EU heute deutlich stärker in den Welthandel eingebunden ist als noch vor zehn Jahren.

1.3. Inlandsproduktion rückläufig trotz steigender Produktionswerte

Die EU-Produktionsmenge sank von 3,05 Mrd. kg auf 2,59 Mrd. kg (−15,1 %), während der Produktionswert um 64,1 % stieg (von 2,06 Mrd. EUR auf 3,38 Mrd. EUR). Dies deutet auf erhebliche Preissteigerungen bei inländischem Reis hin. Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Italien mit einem RCA-Wert von 3,88 der mit Abstand wichtigste Reisproduzent der EU ist (31 % der Produktionsmenge), gefolgt von Griechenland (RCA 3,24) und Bulgarien (RCA 3,06).


2. Geografische Diversifizierung: Asien dominiert die Einfuhr, neue Märkte bei der Ausfuhr

2.1. Indien zum wichtigsten Lieferanten aufgestiegen — Myanmar und Uruguay mit dreistelligem Wachstum

Bei den Importen hat sich die Führungsrolle Indiens weiter gefestigt: von 183 Mio. EUR (2015) auf 431 Mio. EUR (2025), ein Plus von 135,7 %. Myanmar verzeichnete das stärkste absolute Wachstum (+277,5 %) und stieg von 66 Mio. EUR auf 248 Mio. EUR. Uruguay entwickelte sich vom Nischenlieferanten (14 Mio. EUR) zum bedeutenden Partner (113 Mio. EUR, +710,2 %). Pakistan (+130,6 %) und Kambodscha (+57,1 %) bleiben wichtige Zulieferer. Thailand als traditioneller Exporteur wuchs moderat (+22,2 %), während Guyana praktisch stagnierte (−1,8 %).

Lieferant 2015 2025 Veränderung
Indien 183 Mio. EUR 431 Mio. EUR +135,7 %
Pakistan 114 Mio. EUR 263 Mio. EUR +130,6 %
Myanmar 66 Mio. EUR 248 Mio. EUR +277,5 %
Kambodscha 165 Mio. EUR 259 Mio. EUR +57,1 %
Thailand 177 Mio. EUR 217 Mio. EUR +22,2 %
Uruguay 14 Mio. EUR 113 Mio. EUR +710,2 %
Guyana 56 Mio. EUR 55 Mio. EUR −1,8 %

2.2. Exporte bleiben auf das Vereinigte Königreich fokussiert, Wachstum in der Schweiz und in Jordanien

Das Vereinigte Königreich blieb mit 145 Mio. EUR (2025) der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU — leicht unter dem Niveau von 2015 (149 Mio. EUR, −2,6 %). Die Schweiz verzeichnete ein starkes Wachstum auf 46 Mio. EUR (+70,8 %), Jordanien stieg von 5 Mio. EUR auf 20 Mio. EUR (+272,0 %). Deutliche Rückgänge gab es bei Syrien (−66,0 %) und dem Libanon (−80,6 %), was auf die dortigen Konfliktsituationen zurückzuführen sein dürfte.

Abnehmer 2015 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 149 Mio. EUR 145 Mio. EUR −2,6 %
Türkei 43 Mio. EUR 53 Mio. EUR +24,2 %
Schweiz 27 Mio. EUR 46 Mio. EUR +70,8 %
Jordanien 5 Mio. EUR 20 Mio. EUR +272,0 %
Vereinigte Staaten 18 Mio. EUR 23 Mio. EUR +25,9 %

2.3. Konzentrationsgrad: Importe diversifiziert, Exporte zunehmend breiter gestreut

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bei den Importen lag mit 1.344 (2025) auf moderatem Niveau (leicht rückläufig gegenüber 1.435 im Jahr 2015, −6,3 %), was eine relativ diversifizierte Bezugsstruktur widerspiegelt. Bei den Exporten sank der HHI deutlich von 2.247 auf 1.713 (−23,7 %), was darauf hindeutet, dass die EU ihre Reisexporte zunehmend auf mehr Märkte verteilt. Innerhalb der EU waren 2025 Belgien (306 Mio. EUR), die Niederlande (283 Mio. EUR) und Frankreich (259 Mio. EUR) die größten Importeure, während Italien (188 Mio. EUR) mit großem Abstand der führende Exporteur war. Auffällig ist der starke Anstieg der spanischen Importe (+369,7 %) und des portugiesischen Exports (+182,8 %).


3. Preisentwicklung, Segmentverschiebungen und geopolitische Versorgungsrisiken

3.1. Importpreise um 23 % gestiegen, Exportpreise um 46 %

Die durchschnittlichen Importpreise stiegen von 601 EUR/t auf 740 EUR/t (+23,1 %), wobei das Maximum mit 787 EUR/t im Zeitraum erreicht wurde. Noch deutlicher war der Anstieg bei den Exportpreisen: von 751 EUR/t auf 1.097 EUR/t (+46,1 %). Der Höchstwert der Exportpreise lag bei 1.269 EUR/t. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend hochwertigeren, verarbeiteten Reis exportiert, während sie mengenmäßig günstigeren Reis importiert.

3.2. Geschliffener Reis dominiert den Import; Bruchreis spielt mengenmäßig eine bedeutende Rolle

Die Produktsegmentanalyse zeigt, dass geschliffener Reis (100630) mit 1,18 Mio. t (rund 47 % der Importmenge) die größte Importkategorie darstellt, gefolgt von geschältem Reis (100620, 795.000 t, rund 32 %) und Bruchreis (100640, 474.000 t, rund 19 %). Rohreis (100610) ist mit nur 47.000 t mengenmäßig unbedeutend. Bei den Exporten dominiert geschliffener Reis noch stärker (271.000 t, rund 74 % der Exportmenge). Die Importpreise für geschliffenen Reis stiegen von 727 EUR/t auf 891 EUR/t (+22,5 %), für geschälten Reis von 603 EUR/t auf 729 EUR/t (+21,0 %) und für Bruchreis von 346 EUR/t auf 411 EUR/t (+18,9 %).

Segment Importmenge 2025 Anteil Preis 2015 Preis 2025 Δ Preis
Geschliffener Reis (100630) 1.184.000 t 47 % 727 EUR/t 891 EUR/t +22,5 %
Geschälter Reis (100620) 795.000 t 32 % 603 EUR/t 729 EUR/t +21,0 %
Bruchreis (100640) 474.000 t 19 % 346 EUR/t 411 EUR/t +18,9 %
Rohreis (100610) 47.000 t 2 % 334 EUR/t 413 EUR/t +23,6 %

3.3. Identifizierte Lieferantenschocks: Indien 2022 und Syrien 2023

Die Analyse der Handelsvolatilität zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Handelspartnern. Bei den Importen weisen Argentinien (CV 0,83), China (0,89) und Paraguay (0,89) die höchste Volatilität auf, während Thailand (0,06) besonders stabile Lieferungen zeigt. Bei den Exporten ist die Volatilität in Krisenländern wie Libyen (1,19), dem Libanon (0,79) und Syrien (0,71) am höchsten.

Zwei signifikante Lieferantenschocks wurden identifiziert:

  • Indien, 2022 (Preisschock): Ein abnormaler Preisanstieg von 33 % bei einem Abnormalitätsindex von 14,2. Dies korrespondiert mit dem Exportverbot für Nicht-Basmati-Reis, das Indien im September 2022 verhängte. Indien machte 2022 rund 18,6 % der EU-Importe aus.

  • Syrien, 2023 (Preisschock): Ein abnormaler Preisanstieg von 74,8 % bei einem Abnormalitätsindex von 6,0. Der Anteil Syriens an den EU-Exporten betrug 2023 nur 2,4 %, doch der Schock verdeutlicht die Handelsrisiken in Konfliktregionen.


Fazit

Der EU-Reishandel hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental gewandelt. Die EU ist von einer nahezu ausgeglichenen Handelsbilanz (Netto-Importabhängigkeit 6,3 %) zu einem erheblichen Nettoimporteur geworden (31,3 %). Verursacht wurde dies durch einen Rückgang der inländischen Produktionsmengen (−15,1 %) bei gleichzeitig stark steigendem Importvolumen (+67,3 %). Die Lieferantenstruktur blieb dabei relativ diversifiziert (HHI 1.344), mit Indien als dominantem Partner und einem bemerkenswerten Aufstieg Myanmars und Uruguays. Gleichzeitig sind die Preise sowohl bei Importen (+23 %) als auch bei Exporten (+46 %) deutlich gestiegen — ein Hinweis auf globale Preisdruck und eine qualitative Aufwertung der EU-Ausfuhren. Die identifizierten Preisschocks — insbesondere der indische Reisexportstopp 2022 — unterstreichen die geopolitische Verwundbarkeit der EU-Versorgung mit einem Grundnahrungsmittel. Für die Zukunft stellen die Abhängigkeit von asiatischen Lieferanten, die rückläufige europäische Produktion und die Zunahme von Exportrestriktionen in wichtigen Herkunftsländern die zentralen Risikofaktoren dar.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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