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Marktentwicklung: Roggen (CN 1002) — 2015–2025

Einleitung

Der EU-Außenhandel mit Roggen (KN-Code 1002) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Geprägt von geopolitischen Umbrüchen — insbesondere dem russischen Überfall auf die Ukraine und den daraus folgenden Sanktionen — vollzog sich ein tiefgreifender Strukturwandel bei den Importen, während die Exporte trotz rückläufiger Volumina durch deutliche Preissteigerungen an Wert verloren, aber an Widerstandsfähigkeit zeigen. Der CN-Code 1002 umfasst zwei Unterpositionen: Saatroggen (100210) und sonstigen Roggen (100290), wobei letzterer mengen- und wertmäßig dominiert. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Handelsdynamiken im Zeitraum 2015–2025 auf Grundlage der verfügbaren EU-Handelsdaten für CN 1002.


1. Strukturwandel der EU-Roggenimporte: Von russischer Dominanz zu vollständigem Rückgang

Der dramatische Einbruch der Importe

Die EU-Roggenimporte haben im Betrachtungszeitraum einen außergewöhnlichen Zusammenbruch erlebt. Der importierte Wert sank von 17,0 Mio. EUR (2015) auf nur noch 268.207 EUR (2025), was einem Rückgang von 98,4 % entspricht. Mengenmäßig fielen die Einfuhren von 120.704 Tonnen auf lediglich 747 Tonnen (−99,4 %). Die Importpreise stiegen im selben Zeitraum von 141 EUR/t auf 359 EUR/t (+154,9 %), was jedoch die eingebrochenen Volumina nicht kompensieren kann.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 16.985.759 268.207 −98,4 %
Importmenge (t) 120.704 747 −99,4 %
Importpreis (EUR/t) 141 359 +154,9 %

Quelle: Allgemeiner Überblick

Russische Dominanz und ihr Ende

Russland war 2015 mit 15,5 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste EU-Importpartner für Roggen und dominierte die Einfuhren mit einem Anteil von rund 91 % am Importwert. Die russischen Lieferungen unterlagen dabei erheblichen Schwankungen: 2018 erreichten sie mit 31,6 Mio. EUR einen Spitzenwert, bevor sie 2020 auf nur 47 EUR einbrachen — ein erstes Anzeichen für die beginnende Entkopplung. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung in den Jahren 2021–2024 (unter anderem über Umwege) sank der russische Anteil 2025 auf praktisch null (423 EUR). Dieser vollständige Rückgang (−100 %) spiegelt die Wirkung der EU-Sanktionen wider, die nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 schrittweise verschärft wurden.

Importpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Russische Föderation 15.466.623 423 −100,0 %
Ukraine 1.425.565 1.715.831 +20,4 %
Vereinigtes Königreich 80.697 82.816 +2,6 %
Belarus 924.137 26.606 −97,1 %
Kasachstan 87 1.925.715 n. a.
Serbien 9.142 66.585 +628,3 %
Moldau 9.435 97.205 +930,3 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert

Neue Importquellen: Ukraine, Kasachstan und Balkanländer

Als Reaktion auf den Wegfall russischer Lieferungen diversifizierten die EU-Importeure ihre Bezugsquellen. Ukraine steigerte seine Exporte in die EU von 1,4 Mio. EUR (2015) auf 1,7 Mio. EUR (2025), wenngleich die Ukraine-Lieferungen ebenfalls stark schwankten — 2022 erreichten sie mit 20,2 Mio. EUR ihren Höhepunkt, als Ersatz für die ausgefallenen russischen Mengen. Kasachstan entwickelte sich von einem vernachlässigbaren Lieferanten (87 EUR in 2015) zu einem bedeutenden Partner (1,9 Mio. EUR in 2025). Auch Serbien (+628 %) und Moldau (+930 %) gewannen als Lieferanten an Bedeutung, blieben aber in absoluten Zahlen deutlich kleiner.

Die Marktkonzentration der Importe, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI), sank von 8.362 auf 2.999 (−64,1 %), was die zunehmende Diversifizierung der Importquellen bestätigt. Ein HHI von unter 2.500 gilt als Zeichen eines wettbewerblichen Marktes — die EU nähert sich diesem Schwellenwert an.

Schwankungsanfälligkeit der Importstruktur

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die verbleibenden Importpartner teils erheblichen Schwankungen unterliegen. Die Ukraine weist einen Variationskoeffizienten (CV) von 1,24 auf, Belarus von 1,46, und der neue Partner Kanada sogar von 2,73 — ein Hinweis darauf, dass die neuen Handelsbeziehungen noch nicht die Stabilität der einstigen russischen Lieferungen erreicht haben. Lediglich Russland hatte vor den Sanktionen einen niedrigeren CV von 0,81, was auf relativ gleichmäßige Liefermengen hindeutete.

Quelle: Volatilitätsanalyse


2. EU-Roggenexporte: Sinkende Volumina bei steigenden Preisen

Mengenrückgang, Preisanstieg, relativer Werterhalt

Die EU-Exporte von Roggen verloren im Betrachtungszeitraum deutlich an Volumen: von 157.642 Tonnen (2015) auf 69.143 Tonnen (2025), ein Rückgang um 56,1 %. Der Exportwert sank moderater, von 30,5 Mio. EUR auf 23,6 Mio. EUR (−22,6 %), weil die durchschnittlichen Exportpreise im selben Zeitraum von 193 EUR/t auf 341 EUR/t stiegen (+76,4 %). Der Preisanstieg konnte also den mengenmäßigen Rückgang teilweise, aber nicht vollständig kompensieren.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 30.468.976 23.574.285 −22,6 %
Exportmenge (t) 157.642 69.143 −56,1 %
Exportpreis (EUR/t) 193 341 +76,4 %

Quelle: Allgemeiner Überblick

Verlauf der Exportmengen: Zwischenhoch 2019 und erneuter Einbruch

Betrachtet man die jährliche Entwicklung der Exportmenge von Roggen (100290), zeigt sich ein wellenförmiger Verlauf. Nach einem Rückgang von 154.047 t (2015) auf 91.039 t (2017) stiegen die Exporte 2019 auf einen Spitzenwert von 277.931 t. Dieser Anstieg fiel in eine Phase hoher globaler Getreidenachfrage. In den Folgejahren pendelten die Volumina zwischen 114.808 t (2021) und 178.997 t (2024), bevor 2025 ein erneuter, markanter Einbruch auf 62.570 t folgte — das niedrigste Niveau im gesamten Betrachtungszeitraum.

Jahr Exportmenge 100290 (t) Exportpreis 100290 (EUR/t)
2015 154.047 175
2016 121.959 167
2017 91.039 175
2018 94.716 192
2019 277.931 190
2020 211.335 173
2021 114.808 191
2022 139.258 231
2023 161.616 269
2024 178.997 211
2025 62.570 251

Quelle: Produktsegmentvergleich

Wichtigste Exportmärkte: USA und Japan als Dauerkunden

Die wichtigsten Abnehmer von EU-Roggen blieben über den gesamten Zeitraum die Vereinigten Staaten und Japan. Die USA importierten EU-Roggen im Wert von 10,2 Mio. EUR (2025), nach einem Höchststand von 35,2 Mio. EUR — ein Rückgang um 52,4 %. Japan nahm Roggen im Wert von 2,5 Mio. EUR ab (−42,8 % gegenüber 2015). Das Vereinigte Königreich als drittgrößter Abnehmer konnte seine Importe aus der EU hingegen von 1,7 Mio. EUR auf 3,2 Mio. EUR steigern (+83,5 %), was teilweise auf die Neuordnung der Handelsbeziehungen nach dem Brexit zurückzuführen sein dürfte. Israel verzeichnete mit einem Anstieg von 60.964 EUR auf 667.969 EUR (+996 %) das stärkste prozentuale Wachstum unter den wichtigsten Exportzielen.

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigte Staaten 21.397.901 10.184.354 −52,4 %
Japan 4.307.971 2.463.876 −42,8 %
Russische Föderation 46.516 530 −98,9 %
Vereinigtes Königreich 1.727.995 3.170.431 +83,5 %
Norwegen 1.076.604 1.272.495 +18,2 %
Israel 60.964 667.969 +995,7 %
Kanada 184.050 327.166 +77,8 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert

Die Rolle der EU-Mitgliedstaaten bei Ausfuhren

Innerhalb der EU waren Deutschland (11,6 Mio. EUR), Schweden (8,5 Mio. EUR) und Polen (1,5 Mio. EUR) die wichtigsten Exportländer im Jahr 2025. Deutschland und Schweden verloren gegenüber 2015 leicht an Anteilen (−27,1 % bzw. −3,8 %), während Dänemark einen dramatischen Rückgang von 1,2 Mio. EUR auf 68.157 EUR (−94,5 %) erlitt. Ungarn hingegen konnte seine Exporte von 129.471 EUR auf 864.988 EUR steigern (+568 %).

Quelle: EU-Reporter nach Exportwert


3. Geopolitische Schocks und Preisvolatilität als prägende Kräfte

Erkannte Schockereignisse

Die Volatilitätsanalyse identifiziert drei signifikante Schockereignisse im untersuchten Zeitraum, die allesamt einen geopolitischen Hintergrund aufweisen:

Schock Typ Richtung Zeitpunkt Abnormalität Preissprung Wertanteil
Russland Preis Exporte 2021 1.672,5 +1.908 % 6,6 %
Russland Preis Importe 2020 277,7 +475 % 75,6 %
Japan Preis Exporte 2022 13,7 +69 % 15,2 %

Quelle: Schockanalyse

Der Importpreisschock bei russischem Roggen (2020) ist besonders aufschlussreich: Während die Importmenge aus Russland 2020 auf praktisch null einbrach (lediglich 47 EUR Handelswert), stieg der Durchschnittspreis sprunghaft an. Dies ist ein typisches Muster für den Zusammenbruch eines Handelsvolumens bei gleichzeitiger Verzerrung der Restposten. Der Exportpreisschock bei Russland (2021) mit einer Abnormalität von 1.672,5 zeigt eine extreme Preisabweichung bei den Restexporten in ein politisch zunehmend gespanntes Umfeld — noch vor der Invasion 2022. Der Japan-Schock (2022) korrespondiert mit dem globalen Getreidepreisschock infolge des Ukraine-Krieges, als die internationalen Agrarmärkte massiv unter Druck gerieten.

Generelle Preisentwicklung: Agrarboom und Normalisierung

Die durchschnittlichen Exportpreise für Roggen (100290) stiegen von 175 EUR/t (2015) auf einen Spitzenwert von 269 EUR/t (2023), bevor sie 2024 auf 211 EUR/t und 2025 wieder auf 251 EUR/t schwankten. Die Importpreise folgten einem noch volatileren Muster: von 140 EUR/t (2015) über 368 EUR/t (2020, bei extrem geringem Volumen) und 267 EUR/t (2022) bis hin zu 242 EUR/t (2025). Der Preisanstieg ab 2022 ist im Kontext des globalen Agrarpreisbooms zu sehen, der durch Lieferkettenstörungen, Energiekostensteigerungen und den Ukraine-Krieg ausgelöst wurde.

Handelsbilanz: Vom schwankenden zum stabilen Überschuss

Die EU-Roggenhandelsbilanz entwickelte sich von einem Überschuss von 13,5 Mio. EUR (2015) über ein Defizit von −14,4 Mio. EUR (2018, dem Jahr der höchsten russischen Importe) zu einem Überschuss von 23,3 Mio. EUR (2025). Der kräftige Rückgang der Importe bei gleichzeitig moderaterem Exportrückgang hat die EU somit von einem gelegentlichen Nettoimporteur zu einem klaren Nettoexporteur gemacht. Die Importkonzentration (HHI) sank um 64 %, die Exportkonzentration um 54 % — beides Zeichen einer breiteren Streuung der Handelsbeziehungen.

Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass innerhalb der EU eine klare geografische Konzentration des Roggenexports besteht. Die baltischen Staaten und Polen weisen die höchste Spezialisierung auf:

Mitgliedstaat RSCA RCA Anteil am EU-Roggenexport
Lettland 0,91 20,61 6,9 %
Polen 0,75 7,00 46,5 %
Litauen 0,62 4,21 2,6 %
Estland 0,55 3,48 1,2 %
Deutschland 0,09 1,20 25,4 %

Polen und Deutschland zusammen stellen damit rund 72 % des gesamten EU-Roggenexports. Demgegenüber sind südeuropäische Länder wie Portugal (RSCA: −0,98), Griechenland (−0,98) und Slowenien (−1,00) beim Roggenexport kaum aktiv.


Schlussfolgerung

Der EU-Roggenmarkt hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Die dominierende Entwicklung ist der praktisch vollständige Wegfall der Importe, die von 120.704 Tonnen auf 747 Tonnen kollabierten. Der Auslöser war die geopolitische Abkehr von Russland als Hauptlieferant — ein Prozess, der sich schon 2020 andeutete und sich nach 2022 durch Sanktionen beschleunigte. Neue Handelspartner wie Kasachstan und die Ukraine konnten die russischen Mengen nur teilweise und mit deutlich höherer Volatilität ersetzen. Auf der Exportseite blieb die EU trotz eines mengenmäßigen Rückgangs um 56 % ein relevanter Akteur, gestützt durch deutliche Preissteigerungen (+76 %) und eine Konzentration auf bewährte Märkte wie die USA und Japan. Die Handelsbilanz entwickelte sich durch den Importrückgang zu einem strukturellen Überschuss. Die Schockereignisse der Jahre 2020–2022 unterstreichen, wie eng die Roggenmärkte mit geopolitischen Entwicklungen verflochten sind. Für die kommende Jahre wird die weitere Entwicklung der EU-Kornhandelsbeziehungen — insbesondere mit der Ukraine und Zentralasien — entscheidend dafür sein, ob die erreichte Importdiversifizierung stabil bleibt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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