Marktentwicklung: Futtermittelzubereitungen (CN 2309) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 2309 („Zubereitungen von der zur Fütterung verwendeten Art") umfasst sowohl Hunde- und Katzenfutter in Einzelverkaufsaufmachungen (CN 230910) als auch sonstige Futtermittelzubereitungen wie Vormischungen und Mischfutter für Nutztiere (CN 230990). Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Nicht-EU-Ländern im Zeitraum 2015–2025. Die EU tritt in diesem Markt sowohl als bedeutender Exporteur als auch als Importeur auf. Wie die Daten zeigen, hat sich der Markt in diesem Jahrzehnt erheblich verändert: Exporte haben sich nahezu verdoppelt, das Handelsbilanzplus hat sich mehr als verdoppelt, und die Partnerstruktur hat sich strukturell verschoben. Drei zentrale Dynamiken bestimmen die Analyse: das robuste Exportwachstum bei gleichzeitigem Überschussausbau, gravierende Verschiebungen im Handelspartnergefüge sowie eine markante Preisentwicklung und Segmentdifferenzierung.
1. Robustes Exportwachstum und konsolidierter Handelsüberschuss
Die EU hat im Zeitraum 2015–2025 ihre Exporte von Futtermittelzubereitungen nahezu verdoppelt, während die Importe zwar ebenfalls stiegen, aber in deutlich geringerem Ausmaß. Dies führte zu einer erheblichen Ausweitung des Handelsüberschusses.
1.1 Exporte verdoppelt — Mengen- und Preiswachstum als gleichwertige Treiber
Die EU-Exporte stiegen im Betrachtungszeitraum von einem Wert von €4.037.220.967 im Jahr 2015 auf €8.068.202.594 im Jahr 2025 — ein Zuwachs von 99,8 % nahezu eine Verdoppelung (Übersicht). Dieses Ergebnis beruht auf zwei Komponenten:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (EUR) | 4.037.220.967 | 8.068.202.594 | +99,8 % |
| Exportmenge (t) | 3.398.629 | 4.476.851 | +31,7 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 1.188 | 1.802 | +51,7 % |
Während die exportierte Menge um rund ein Drittel wuchs, stieg der durchschnittliche Exportpreis um mehr als die Hälfte. Die Preiskomponente war somit der dominantere Treiber des Wertwachstums. Der Exportpreis erreichte sein Maximum im Jahr 2022 bei 1.852 EUR/t, was auf die globalen Preissteigerungen nach dem Ausbruch des Ukraine-Konflikts und der Energiekrise zurückzuführen ist, bevor er sich 2023–2025 bei rund 1.800 EUR/t stabilisierte.
1.2 Importwachstum moderater — Preisbereinigung zeigt geringe Mengenausweitung
Auch die Importe wuchsen, aber langsamer als die Exporte:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (EUR) | 1.472.481.324 | 2.702.636.771 | +83,5 % |
| Importmenge (t) | 1.388.117 | 1.718.433 | +23,8 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.061 | 1.573 | +48,3 % |
Die importierte Menge wuchs lediglich um 23,8 %, während der Importpreis um 48,3 % stieg. Der Preisanstieg war somit auch bei den Importen der Haupttreiber des Wertwachstums. Bemerkenswert ist, dass die Importmenge 2022 mit 2.217.639 Tonnen ihren Höchststand erreichte und danach wieder auf 1.718.433 Tonnen im Jahr 2025 zurückging, obwohl der Importwert nur unwesentlich sank. Der Importpreis lag 2025 bei 1.573 EUR/t — nur knapp unter seinem Höchststand.
1.3 Handelsüberschuss mehr als verdoppelt — die EU festigt ihre Nettoexporteur-Position
Der Handelsbilanzüberschuss der EU im Bereich CN 2309 wuchs von €2.564.739.643 im Jahr 2015 auf €5.365.565.823 im Jahr 2025 — eine Steigerung von 109,2 % (Übersicht). Der Überschuss war durchgehend positiv und erreichte 2022 einen vorläufigen Höchstwert von €5.368.960.321. Die Netto-Importabhängigkeit lag 2025 bei −2,97 % (Netto-Importabhängigkeit), was bedeutet, dass die EU in diesem Segment nicht importabhängig, sondern ein Nettoexporteur ist — und diese Position hat sich im Zeitraum noch verstärkt.
2. Strukturelle Verschiebungen im Handelspartnergefüge
Neben dem Gesamtwachstum haben sich die Handelspartnerstrukturen sowohl auf Import- als auch auf Exportseite erheblich verändert. Die Importkonzentration sank deutlich, während neue Akteure an Bedeutung gewannen.
2.1 Importpartner: China als dynamischster Zulieferer mit explosivem Wachstum
Die wichtigsten Importpartner der EU im Bereich CN 2309 haben sich zwischen 2015 und 2025 stark verschoben (Partnerübersicht):
| Partnerland | Importwert 2015 (EUR) | Importwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 619.008.235 | 662.113.229 | +7,0 % |
| Thailand | 134.694.838 | 338.945.377 | +151,6 % |
| China | 125.097.439 | 636.645.364 | +408,9 % |
| Serbien | 24.596.832 | 120.151.424 | +388,5 % |
| Liechtenstein | 12.636.841 | 212.155.804 | +1.578,9 % |
| Vereinigte Staaten | 239.963.601 | 205.192.181 | −14,5 % |
| Russische Föderation | 8.374.527 | 17.831.682 | +112,9 % |
China stellte die mit Abstand dynamischste Entwicklung dar: Die Importe aus China stiegen von €125 Mio. auf €637 Mio. — eine Versechsfachung. China stieg damit vom fünftgrößten zum zweitgrößten Importpartner auf. Liechtenstein verzeichnete prozentual das stärkste Wachstum (+1.579 %), wobei die absoluten Zahlen hier auf einen niedrigeren Ausgangswert zurückgehen. Die USA als drittgrößter Partner verloren hingegen leicht an Bedeutung (−14,5 %).
Ein wesentlicher Treiber dieser Verschiebung war die steigende Nachfrage nach hochwertigen Futtermittelzubereitungen und die gestiegene globale Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Produzenten.
2.2 Importkonzentration deutlich gesunken — Diversifizierung der Bezugsquellen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration nach Wert sank von 2.311 im Jahr 2015 auf 1.510 im Jahr 2025 — ein Rückgang von 34,7 % (Konzentration). Der HHI nach Volumen sank sogar von 2.816 auf 1.644 (−41,6 %). Ein HHI über 2.500 gilt als hoch konzentriert; der Rückgang unter 1.800 deutet auf eine mittlere Konzentration hin. Die EU hat ihre Importe also erheblich diversifiziert und ist weniger von einzelnen Lieferländern abhängig.
2.3 Exportpartner: Vereinigtes Königreich als dominanter Abnehmer — Russland rückläufig
Auf der Exportseite blieb das Vereinigte Königreich der mit Abstand wichtigste Abnehmer (Partnerübersicht):
| Partnerland | Exportwert 2015 (EUR) | Exportwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 951.377.639 | 1.847.701.621 | +94,2 % |
| Schweiz | 186.590.560 | 408.544.121 | +119,0 % |
| Norwegen | 168.186.327 | 344.281.253 | +104,7 % |
| Ukraine | 94.637.793 | 338.343.717 | +257,5 % |
| Japan | 179.294.757 | 212.295.399 | +18,4 % |
| Philippinen | 87.603.089 | 125.052.895 | +42,7 % |
| Russische Föderation | 376.799.343 | 235.698.377 | −37,4 % |
Das Vereinigte Königreich nahm EU-Exporte im Wert von fast €1,85 Mrd. ab — ein Plus von 94,2 %. Besonders auffällig ist das Wachstum der Exporte in die Ukraine (+257,5 %), die Schweiz (+119,0 %) und Norwegen (+104,7 %). Demgegenüber sanken die Exporte in die Russische Föderation um 37,4 % von €377 Mio. auf €236 Mio. — ein Rückgang, der wahrscheinlich mit Sanktionen und geopolitischen Spannungen zusammenhängt. Die Ukraine profitierte als Exportmarkt von der EU-Nähe und dem steigenden Bedarf an Futtermitteln.
Die Exportkonzentration (HHI nach Wert) blieb mit einem Rückgang von 783 auf 712 (−9,0 %) relativ stabil — Exporte waren von jeher stärker diversifiziert als Importe.
2.4 Interne EU-Spezialisierung: Osteuropäische Mitgliedstaaten gewinnen an Bedeutung
Innerhalb der EU zeigt sich ein differenziertes Bild der Spezialisierung im Jahr 2025 (Spezialisierung):
| Mitgliedstaat | RSCA | RCA |
|---|---|---|
| Ungarn | 0,350 | 2,074 |
| Polen | 0,251 | 1,670 |
| Litauen | 0,240 | 1,633 |
| Dänemark | 0,177 | 1,431 |
| Frankreich | 0,161 | 1,385 |
Ungarn, Polen und Litauen weisen die höchsten standardisierten komparativen Kostenvorteile (RSCA) auf. Polen stach besonders hervor: Die Exporte stiegen von €96 Mio. im Jahr 2015 auf €681 Mio. im Jahr 2025 — ein Zuwachs von 611,8 %, der höchste aller EU-Mitgliedstaaten (EU-Reporter). Auch Spanien (+205,8 %) und Deutschland (+96,7 %) verzeichneten erhebliche Exportzuwächse. Frankreich und die Niederlande blieben die absolut größten EU-Exporteure mit €1,46 Mrd. bzw. €1,25 Mrd. im Jahr 2025.
3. Preisdynamik, Segmentverschiebungen und marktinterne Schocks
Die Analyse der Preisentwicklung, der Untergliederung nach Teilprodukten und der identifizierten Handelsschocks liefert ein differenziertes Bild der inneren Marktdynamik.
3.1 Preisniveauanstieg auf breiter Front — Energiekrise als Wendepunkt
Sowohl Export- als auch Importpreise stiegen im Betrachtungszeitraum erheblich (Übersicht):
| Kennzahl | 2015 | 2022 | 2025 | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| Exportpreis (EUR/t) | 1.188 | 1.852 | 1.802 | +51,7 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.061 | 1.527 | 1.573 | +48,3 % |
Das Jahr 2022 markierte den Höhepunkt der Preise, was global mit der Energie- und Rohstoffkrise im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt korreliert. Danach fielen die Exportpreise leicht, während die Importpreise 2025 erneut ihr Maximum erreichten. Der Preisaufschlag der EU-Exporte gegenüber Importen blieb über den gesamten Zeitraum bestehen und lag 2025 bei rund 229 EUR/t — ein Indiz für die höhere Wertschöpfung der europäischen Futtermittelzubereitungen.
3.2 Segmentanalyse: Heimtierfutter (230910) als dynamischeres Teilstück
Die Aufschlüsselung nach den beiden Teilprodukten zeigt markante Unterschiede in Preisniveau und Wachstumsdynamik (Produktvergleich):
Exporte nach Segment:
| Segment | Exportwert 2015 (EUR) | Exportwert 2025 (EUR) | Veränderung | Preis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|
| CN 230990 (sonst. Futtermittel) | 2.319.190.567 | 4.046.564.090 | +74,5 % | 1.501 |
| CN 230910 (Heimtierfutter) | 1.718.030.400 | 4.021.638.505 | +134,0 % | 2.257 |
Importe nach Segment:
| Segment | Importwert 2015 (EUR) | Importwert 2025 (EUR) | Veränderung | Preis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|
| CN 230990 (sonst. Futtermittel) | 681.353.099 | 1.046.412.650 | +53,6 % | 865 |
| CN 230910 (Heimtierfutter) | 791.128.225 | 1.656.224.121 | +109,4 % | 3.255 |
Heimtierfutter (CN 230910) wies durchgehend höhere Preise auf als sonstige Futtermittelzubereitungen (CN 230990). Der Importpreis für CN 230910 lag 2025 bei 3.255 EUR/t — fast das Vierfache des CN-230990-Preises (865 EUR/t). Dies spiegelt die höhere Wertschöpfung im Premium-Heimtierfutter-Segment wider. Auf der Exportseite hat CN 230910 seinen Anteil am Gesamtexportwert von 42,6 % (2015) auf 49,8 % (2025) gesteigert und CN 230990 damit nahezu eingeholt.
3.3 Preis-Schocks: China-Importpreis-Schock 2021 als gravierendstes Ereignis
Die Schockanalyse identifiziert drei signifikante Handelsereignisse im Betrachtungszeitraum (Angebots-Schocks):
| Ereignis | Typ | Richtung | Abnormalität | Preisänderung | Zeitpunkt | Wertanteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| China | Preis-Schock | Importe | 57,0 | +50,8 % | 2021 | 28,3 % |
| Vereinigtes Königreich | Preis-Schock | Importe | 14,6 | +11,2 % | 2020 | 40,7 % |
| VAE | Preis-Schock | Exporte | 11,5 | +58,3 % | 2017 | 1,0 % |
Der Preis-Schock bei Importen aus China im Jahr 2021 war das mit Abstand auffälligste Ereignis (Abnormalität: 57,0). Der durchschnittliche Importpreis aus China stieg 2021 sprunghaft um 50,8 % — vermutlich als Folge von Lieferengpässen, gestiegenen Produktions- und Transportkosten während der COVID-19-Pandemie sowie steigender Rohstoffpreise. Da China einen Anteil von 28,3 % am EU-Importwert hatte, wirkte sich dieser Schock merklich auf das gesamte Importpreisniveau aus. Der Preisschock bei Importen aus dem Vereinigten Königreich (2020, +11,2 %) steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Brexit und den damit verbundenen Handelsreibungen. Die Volatilität der Importe aus der Russischen Föderation war mit einem Variationskoeffizienten von 1,27 die höchste aller Partner — ein Ausdruck der stark schwankenden Handelsbeziehungen (Volatilität).
3.4 Handelsintensität und Exportneigung gestiegen — wachsende globale Verflechtung
Die Handelsintensität der EU im Bereich CN 2309 stieg von 5,5 % (2015) auf 7,1 % (2025), die Exportneigung von 3,7 % auf 5,1 % (Handelsintensität). Gleichzeitig stieg die EU-Produktion von Futtermittelzubereitungen massiv: Die Produktionsmenge wuchs von 54,1 Mrd. kg auf 157,3 Mrd. kg (+190,9 %), der Produktionswert von €17,8 Mrd. auf €76,0 Mrd. (+326,9 %) (Produktionsvolumen). Die EU hat also nicht nur ihre Exporte ausgebaut, sondern auch ihre inländische Produktionsbasis erheblich vergrößert — ein Zeichen für eine wachsende, exportorientierte Futtermittelindustrie.
Schlussfolgerung
Die Analyse des EU-Außenhandels mit Futtermittelzubereitungen (CN 2309) im Zeitraum 2015–2025 zeigt einen robust expandierenden Markt, in dem die EU ihre Position als globaler Nettoexporteur kontinuierlich ausgebaut hat. Der Handelsüberschuss hat sich auf über €5,3 Mrd. mehr als verdoppelt, getrieben vor allem durch Preissteigerungen, aber auch durch ein substantielles Mengenwachstum bei den Exporten.
Drei zentrale Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen:
-
Exportdominanz und Preisführerschaft: Die EU exportiert fast dreimal so viel wie sie importiert (Wertbasis). Der Preisaufschlag europäischer Produkte gegenüber Importen blieb über den gesamten Zeitraum stabil, was auf eine hohe Wertschöpfung und Qualitätsführerschaft hindeutet.
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Dynamische Partnerlandschaft: Die Importpartnerstruktur hat sich grundlegend verschoben — China ist zum zweitgrößten Importeur aufgestiegen, die Importkonzentration ist stark gesunken. Auf der Exportseite sind die Ukraine und die Schweiz als Wachstumsmärkte hervorgetreten, während die Exporte in die Russische Föderation rückläufig sind. Innerhalb der EU haben osteuropäische Mitgliedstaaten wie Polen und Ungarn deutlich an Bedeutung gewonnen.
-
Heimtierfutter als Wachstumsmotor: Das Segment der Heimtierfutter (CN 230910) zeigt eine überproportionale Dynamik — mit höheren Preisen, schnellerem Wertwachstum und einem wachsenden Anteil an den Gesamtexporten. Die identifizierten Preis-Schocks (insbesondere aus China 2021) unterstreichen die Sensibilität des Marktes gegenüber externen Störungen, wenngleich die Diversifizierung der Importquellen die Anfälligkeit insgesamt verringert hat.
Insgesamt weist der Markt für Futtermittelzubereitungen eine positive Grundtendenz auf, wobei die EU sowohl in der Produktion als im Handel als führender globaler Akteur auftritt.