Marktentwicklung: Futtermittel (CN 230990) — 2015–2025
Einleitung
Der CN-Code 230990 erfasst Zubereitungen von der zur Fütterung verwendeten Art, mit Ausnahme von Hunde- und Katzenfutter in Aufmachungen für den Einzelverkauf. Die Position umfasst ein breites Produktspektrum — von Maisstärke-Rückständen und Rübenschnitzeln über stärke- oder milchhaltige Vormischungen bis hin zu sonstigen Futtermittelzubereitungen. Der Produktvergleich zeigt, dass es sich bei 230990 um eine Sammelposition handelt, die zahlreiche Unterpositionen bündelt.
Im analysierten Zeitraum von 2015 bis 2025 entwickelte sich der EU-Außenhandel mit diesem Produktsegment überwiegend dynamisch. Die EU stellte sich als klarer Nettoexporteur heraus, wobei sowohl Exporte als auch Importe — getrieben von Preis- und Mengeneffekten — erheblich wuchsen. Gleichzeitig veränderten sich die Handelspartnerstrukturen teils drastisch, geopolitische Ereignisse hinterließen deutliche Spuren. Der vorliegende Bericht beleuchtet die wesentlichen Trends und ihre Ursachen.
1. Steigende Wertschöpfung bei wachsender Handelsbilanz
Die EU als starker Nettoexporteur
Die EU verzeichnete über den gesamten Zeitraum einen deutlichen Handelsüberschuss bei CN 230990. Der Handelsüberschuss stieg von rd. 1,64 Mrd. EUR (2015) auf rd. 3,00 Mrd. EUR (2025), was einem Anstieg von 83,2 % entspricht.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 2.319 Mio. EUR | 4.047 Mio. EUR | +74,5 % |
| Exportmenge | 2.171.000 t | 2.695.000 t | +24,2 % |
| Exportpreis | 1.068 EUR/t | 1.501 EUR/t | +40,5 % |
| Importwert | 681 Mio. EUR | 1.046 Mio. EUR | +53,6 % |
| Importmenge | 987.000 t | 1.210.000 t | +22,6 % |
| Importpreis | 691 EUR/t | 865 EUR/t | +25,3 % |
| Handelsüberschuss | 1.638 Mio. EUR | 3.000 Mio. EUR | +83,2 % |
Preiseffekte übertragen Mengenwachstum
Ein zentrales Ergebnis ist, dass der Anstieg des Exportwerts (+74,5 %) zu einem erheblichen Teil auf Preissteigerungen (+40,5 %) und nicht nur auf Mengenwachstum (+24,2 %) zurückzuführen ist. Auch bei den Importen lag der Preisanstieg (+25,3 %) über dem Mengenwachstum (+22,6 %). Die Futtermittelmärkte waren demnach in den letzten Jahren von einer merklichen Verteuerung gekennzeichnet — ein Trend, der sich insbesondere ab 2021 im Zuge globaler Rohstoffpreisanstiege und Lieferkettenunterbrechungen beschleunigte.
Inländische Produktion als Fundament
Die inländische EU-Produktion stieg im selben Zeitraum von rd. 48,4 Mio. t auf rd. 147,1 Mio. t (+204 %), wertmäßig von rd. 12,8 Mrd. EUR auf rd. 59,5 Mrd. EUR (+366 %). Die EU-Futtermittelindustrie expandierte damit noch deutlich schneller als der Außenhandel, was auf eine starke Inlandsnachfrage und eine Professionalisierung der Branche hindeutet.
2. Strukturwandel der Handelspartner
Importseitig: China und Ukraine als neue Schlüsselpartner
Die Importpartnerstruktur hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. Das auffälligste Wachstum verzeichneten China (+294 % auf 227 Mio. EUR) und Ukraine (+527 % auf 5,4 Mio. EUR). Die Importe aus China erreichten 2022 mit rd. 371 Mio. EUR sogar einen vorläufigen Höhepunkt.
| Partner | Import 2015 (Mio. EUR) | Import 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 309 | 378 | +22,4 % |
| Vereinigte Staaten | 185 | 151 | −18,0 % |
| China | 58 | 227 | +294 % |
| Russische Föderation | 3,0 | 17,7 | +499 % |
| Brasilien | 32 | 37 | +17,5 % |
| Ukraine | 0,9 | 5,4 | +527 % |
| Serbien | 15 | 26 | +77,5 % |
Der Import-HHI sank von 2.907 auf 2.053 (−29,4 %), was eine Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten — insbesondere den USA — nahm zugunsten asiatischer und osteuropäischer Quellen ab.
Exportseitig: Großbritannien als größter Markt, Russland im Rückgang
Bei den Exporten entwickelte sich das Vereinigte Königreich zum mit Abstand wichtigsten Abnehmer (+122 % auf 480 Mio. EUR). Auch die Philippinen (+33 %), China (+88 %), Norwegen (+117 %) und die USA (+108 %) verzeichneten deutliche Zuwächse. Im Gegensatz dazu sanken die EU-Exporte in die Russische Föderation um 48,1 % — von 267 Mio. EUR auf 139 Mio. EUR — ein Trend, der sich ab 2022 im Kontext der geopolitischen Spannungen verschärfte.
| Partner | Export 2015 (Mio. EUR) | Export 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 216 | 480 | +121,9 % |
| Philippinen | 60 | 80 | +33,2 % |
| Russische Föderation | 267 | 139 | −48,1 % |
| China | 70 | 131 | +88,4 % |
| Norwegen | 68 | 148 | +117,4 % |
| Vietnam | 69 | 74 | +7,1 % |
| Vereinigte Staaten | 168 | 350 | +108,2 % |
Konzentration und Spezialisierung innerhalb der EU
Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Dänemark (RSCA: 0,44), die Niederlande (0,28) und Belgien (0,25) die am stärksten spezialisierten Exportländer sind. Diese drei Staaten vereinen zusammen rd. 44 % des EU-Exportvolumens auf sich. Auf der Gegenseite weisen Rumänien, Schweden und Estland eine negative Spezialisierung auf und sind Nettoimporteur dieses Produkts.
3. Volatilität, Preisschocks und Produktsegmentverschiebungen
Hohe Volatilität bei Schlüsselpartnern
Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Schwankungsbreiten bei einzelnen Handelspartnern. Besonders auffällig:
- Importe aus Russland: Variationskoeffizient (CV) von 1,41 — die Importe schwankten zwischen rd. 1,7 Mio. EUR und rd. 93,6 Mio. EUR
- Importe aus Kanada (CV: 1,11) und Malaysia (CV: 0,93) ebenfalls hochvolatil
- Importe aus China (CV: 0,44) und den USA (CV: 0,38) mit moderater Schwankung
- Exporte: Die UK-Exporte (CV: 0,14) waren hingegen sehr stabil, während die Philippinen (CV: 0,47) und Russland (CV: 0,41) höhere Schwankungen aufwiesen
Identifizierte Preisschocks
Die Analyse von Lieferantenschocks identifizierte drei signifikante Ereignisse:
| Ereignis | Land | Zeitpunkt | Preissprung | Abnormalität |
|---|---|---|---|---|
| Export-Preisschock | VAE | 2017 | +89 % | 13,5 |
| Export-Preisschock | Ukraine | 2022 | +25 % | 8,8 |
| Export-Preisschock | Philippinen | 2022 | +135 % | 7,5 |
Der extreme Preissprung bei den Exporten auf die Philippinen 2022 (+135 %) und in die Ukraine (+25 %) korrespondiert mit dem globalen Rohstoffpreisanstieg nach Beginn des Ukraine-Konflikts.
Verschiebung der Produktsegmente
Die Unterpositionsdaten zeigen bemerkenswerte Strukturverschiebungen:
Importseitig:
| Unterposition | Beschreibung | Menge 2015 (t) | Menge 2025 (t) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| 23099031 | Glucose/Stärke/Milch enthaltend | 213.390 | 336.106 | +57,5 % |
| 23099020 | Maisstärke-Rückstände | 392.673 | 148.636 | −62,2 % |
| 23099096 | Sonstige Zubereitungen | 148.926 | 276.767 | +85,9 % |
| 23099091 | Rübenschnitzel | 2.252 | 143.079 | +6.253 % |
| 23099041 | Stärkehaltig (10–30 %), ohne Milch | 97.439 | 114.710 | +17,7 % |
Bemerkenswert ist der extreme Anstieg der Rübenschnitzel-Importe (23099091): von nur 2.252 t (2015) auf rd. 416.000 t (2024) und 143.000 t (2025), mit einem Höchstwert 2023/2024. Gleichzeitig sanken die Maisstärke-Rückstände (23099020) um 62 % — ein Hinweis auf eine Verschiebung bei den Grundstoffen der Futtermittelherstellung.
Exportseitig dominieren die sonstigen Zubereitungen (23099096):
Diese Position machte 2025 rd. 1,35 Mio. t (50 % der Exportmenge) und rd. 2,29 Mrd. EUR (57 % des Exportwerts) aus. Der Exportpreis stieg von 1.272 EUR/t (2015) auf 1.694 EUR/t (2025), was eine Aufwertung des Produktspektrums nahelegt.
Schlussfolgerung
Der EU-Außenhandel mit Futtermittelzubereitungen (CN 230990) zeigte zwischen 2015 und 2025 eine überwiegend positive Entwicklung. Die EU festigte ihre Rolle als Nettoexporteur mit einem wachsenden Handelsüberschuss von 3,0 Mrd. EUR. Der Wertanstieg wurde dabei zu einem erheblichen Teil durch Preissteigerungen getrieben, was auf steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie eine höhere Wertschöpfung im Segment hindeutet.
Die Handelspartnerstruktur unterlag einem deutlichen Wandel: China entwickelte sich zu einem der wichtigsten Importlieferanten, während die Exporte in die Russische Föderation — bedingt durch Sanktionen und geopolitische Spannungen — erheblich zurückgingen. Das Vereinigte Königreich blieb der wichtigste Exportmarkt der EU. Innerhalb der EU zeichnen sich die Niederlande, Deutschland, Frankreich und Belgien als führende Exportländer aus, während Dänemark die stärkste Spezialisierung aufweist.
Auf Produktebene verschob sich die Importzusammensetzung weg von Maisstärke-Rückständen hin zu Rübenschnitzeln und sonstigen Zubereitungen. Die steigende inländische Produktionskapazität (Verdreifachung der Mengen) unterstreicht die Bedeutung der Futtermittelindustrie für den EU-Binnenmarkt. Insgesamt deuten die Daten auf einen reifen, aber dynamischen Markt hin, der sowohl von agrarpolitischen Rahmenbedingungen als auch von globalen Rohstoffmärkten und geopolitischen Entwicklungen geprägt wird.