Marktentwicklung: Futtermittel (CN 23099096) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode 23099096 erfasst Futtermittelzubereitungen, die weder Stärke, Glucose, Glucosesirup, Maltodextrin, Maltodextrinsirup noch Milcherzeugnisse enthalten — mit Ausnahmen wie Hunde- und Katzenfutter für den Einzelverkauf, Fischsolubles sowie bestimmte Rückstände. Genaue Produktdefinition
Dieser Warenbereich umfasst hochspezialisierte Futtermittelzusätze und -zubereitungen für die Nutztierhaltung — insbesondere für Schweine, Rinder, Geflügel und Heimtiere (außer Hunde-/Katzenfutter im Einzelverkauf). Er bildet eine bedeutende Schnittstelle zwischen der europäischen Agrarindustrie und dem globalen Markt für Tierernährung.
Im Zeitraum 2015–2025 entwickelte sich die EU in diesem Segment zu einem starken Nettoexporteur mit einem Handelsüberschuss von 1,17 Mrd. EUR im Jahr 2015, der bis 2025 auf rund 1,96 Mrd. EUR anwuchs. Gleichzeitig stiegen sowohl Exporte (+66,8 %) als auch Importe (+65,5 %) in Wertausdruck erheblich. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Marktdynamiken und ordnet sie in drei zentrale Themenfelder ein.
1. Starker Exportsektor mit steigender Wertschöpfung
Die EU ist ein dominanter Nettoexporteur von Futtermittelzubereitungen
Der Handelsüberschuss der EU im Bereich CN 23099096 betrug 2015 bereits 1,17 Mrd. EUR und wuchs bis 2025 auf 1,96 Mrd. EUR — ein Plus von 67,0 %. Die Exporte überstiegen die Importe um ein Vielfaches: Während die EU-Ausfuhren 2025 einen Wert von 2,29 Mrd. EUR erreichten (erster Wert 2015: 1,38 Mrd. EUR), beliefen sich die Einfuhren auf lediglich 335 Mio. EUR (2015: 203 Mio. EUR).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. EUR) | 1,38 | 2,29 | +66,8 % |
| Exportvolumen (Mio. t) | 1,08 | 1,35 | +25,3 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 1.272 | 1.694 | +33,1 % |
| Handelsüberschuss (Mrd. EUR) | 1,17 | 1,96 | +67,0 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
Preisanstieg treibt den Exportwert stärker als das Volumen
Bemerkenswert ist, dass der Anstieg des Exportwerts (+66,8 %) wesentlich stärker ausfiel als der des Volumens (+25,3 %). Die Exportpreise stiegen von durchschnittlich 1.272 EUR/t (2015) auf 1.694 EUR/t (2025), was einem Plus von 33,1 % entspricht. Das Preisminimum lag bei 1.189 EUR/t, das Maximum bei 1.720 EUR/t. Dies deutet auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten oder auf allgemeine Kostensteigerungen in der Futtermittelbranche hin — möglicherweise begünstigt durch die Rohstoffpreisentwicklung nach der COVID-19-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022.
Frankreich, Niederlande und Belgien sind die EU-Exportmotor
Die führenden EU-Exportländer sind drei Kernläder der westeuropäischen Futtermittelindustrie:
| Rang | Land | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Frankreich | 276,0 | 441,6 | +60,0 % |
| 2 | Niederlande | 255,1 | 343,7 | +34,7 % |
| 3 | Belgien | 219,7 | 297,7 | +35,5 % |
| 4 | Deutschland | 121,4 | 200,3 | +65,1 % |
| 5 | Spanien | 109,7 | 231,8 | +111,4 % |
| 6 | Italien | 71,5 | 226,9 | +217,5 % |
| 7 | Bulgarien | 35,9 | 131,2 | +265,3 % |
Quelle: Top-Reporters nach Wert
Besonders auffällig ist das Wachstum bei Italien (+217,5 %) und Bulgarien (+265,3 %), die ihre Exporte in diesem Segment überproportional ausbauten. Spanien (+111,4 %) und Deutschland (+65,1 %) folgen mit ebenfalls starkem Wachstum. Diese Dynamik spiegelt die Verlagerung der europäischen Futtermittelproduktion in südöstliche Richtung wider.
Bestimmte Zielländer entwickeln sich zu Wachstumsmärkten
Bei den Exportzielen zeigt sich eine bemerkenswerte Diversifizierung:
| Partnerland | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Saudi-Arabien | 45,6 | 114,5 | +151,1 % |
| USA | 127,1 | 227,0 | +78,6 % |
| Philippinen | 29,9 | 53,5 | +78,8 % |
| China | 37,8 | 61,9 | +63,5 % |
| Vietnam | 32,2 | 43,7 | +35,8 % |
| Vereinigtes Königreich | 83,6 | 138,3 | +65,4 % |
| Russische Föderation | 138,1 | 80,9 | −41,4 % |
Quelle: Top-Partner nach Wert
Saudi-Arabien entwickelte sich mit einem Plus von 151,1 % zum dynamischsten Wachstumsmarkt. Die USA bleiben mit Abstand der größte einzelne Exportmarkt (227 Mio. EUR). Demgegenüber sanken die Exporte in die Russische Föderation um 41,4 % — ein Zusammenhang, der vermutlich mit den Sanktionen seit 2022 und der geopolitischen Neuorientierung zusammenhängt.
2. Zunehmende Importdiversifizierung und steigende Einfuhrvolumina
Die Importvolumina wachsen überproportional
Während der Importwert um 65,5 % stieg (von 203 Mio. EUR auf 335 Mio. EUR), nahm das Importvolumen sogar um 85,8 % zu — von 148.926 t auf 276.767 t. Gleichzeitig sanken die Importpreise um 10,9 % (von 1.361 EUR/t auf 1.212 EUR/t). Diese inverse Preis-Mengen-Dynamik legt nahe, dass die EU verstärkt auf günstigere Importquellen zurückgreift — möglicherweise bedingt durch den Wettbewerbsdruck auf dem globalen Futtermittelmarkt.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 203 | 335 | +65,5 % |
| Importvolumen (t) | 148.926 | 276.767 | +85,8 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.361 | 1.212 | −10,9 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
Der Herfindahl-Hirschman-Index zeigt sinkende Konzentration bei Importen
Die Importkonzentration, gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) nach Wert, sank von 3.681 (2015) auf 2.250 (2025) — ein Rückgang um 38,9 %. Auch nach Volumen sank der HHI von 3.760 auf 2.059 (−45,2 %). Werte über 2.500 gelten als „mäßig konzentriert"; die Annäherung an 2.500 deutet auf eine zunehmende Diversifizierung der Importquellen hin.
| Index | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| HHI Importe (Wert) | 3.681 | 2.250 | −38,9 % |
| HHI Importe (Volumen) | 3.760 | 2.059 | −45,2 % |
| HHI Exporte (Wert) | 366 | 299 | −18,3 % |
| HHI Exporte (Volumen) | 327 | 305 | −6,7 % |
Quelle: Konzentrationsanalyse
Die Exportkonzentration blieb dagegen vergleichsweise stabil und niedrig (HHI um 300), was die breite Streuung der EU-Exporte über zahlreiche Zielländer bestätigt.
Neue Importpartner gewinnen stark an Bedeutung
Neben dem traditionell wichtigsten Importpartner Vereinigtes Königreich (Importwert 2025: 140 Mio. EUR, +20,5 %) sind es vor allem neue Lieferanten, die die Diversifizierung vorantreiben:
| Partnerland | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Indonesien | 1,4 | 25,2 | +1.755 % |
| Russische Föderation | 0,9 | 8,3 | +803 % |
| Norwegen | 1,0 | 5,7 | +479 % |
| Serbien | 1,5 | 9,2 | +508 % |
| China | 28,3 | 58,9 | +108 % |
| USA | 25,2 | 31,1 | +23 % |
Quelle: Top-Partner nach Wert
Indonesien verfünfzehnfachte seine Exporte in die EU nahezu (von 1,4 Mio. EUR auf 25,2 Mio. EUR). Die Russische Föderation (von 0,9 auf 8,3 Mio. EUR) und Serbien (von 1,5 auf 9,2 Mio. EUR) wuchsen ebenfalls dreistellig. Diese Verschiebung spiegelt die Globalisierung der Futtermittel-Lieferketten wider.
Die Volatilität variiert stark zwischen den Handelspartnern
Die Variationskoeffizienten (CV) der Importe zeigen erhebliche Unterschiede in der Stabilität der Handelsbeziehungen:
| Partnerland | CV (Importe) | Bewertung |
|---|---|---|
| Ukraine | 1,10 | Sehr hoch |
| Indonesien | 0,86 | Hoch |
| Russische Föderation | 0,79 | Hoch |
| Vietnam | 0,73 | Hoch |
| Brasilien | 0,66 | Mittel |
| China | 0,58 | Mittel |
| Vereinigtes Königreich | 0,17 | Niedrig |
| USA | 0,21 | Niedrig |
Quelle: Volatilitätsanalyse
Die hohen CV-Werte bei Importen aus der Ukraine (1,10), Indonesien (0,86) und Russland (0,79) spiegeln die politischen und logistischen Unsicherheiten dieser Handelsbeziehungen wider. Demgegenüber stehen das Vereinigtes Königreich und die USA als besonders stabile Importpartner.
3. Produktionsboom und sich verändernde binnenländische Strukturen
Die EU-Produktion von Futtermittelzubereitungen hat sich vervielfacht
Die EU-Produktion im Segment CN 23099096 wuchs im Zeitraum 2015–2025 außerordentlich stark — und zwar sowohl in der Menge als auch im Wert:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (Mrd. kg) | 48,4 | 147,1 | +204,1 % |
| Produktionswert (Mrd. EUR) | 12,8 | 59,5 | +365,7 % |
Quelle: Produktionsvolumen
Der Produktionswert stieg mit +365,7 % deutlich stärker als die Menge (+204,1 %), was auf eine signifikante Wertsteigerung der produzierten Güter hindeutet — sei es durch Qualitätsverbesserungen, steigende Inputkosten oder eine Verschiebung hin zu höherwertigen Spezialfuttermitteln. Die maximale Produktionsmenge wurde mit 179,6 Mrd. kg erreicht, der maximale Produktionswert mit 67,2 Mrd. EUR.
Spezialisierungsmuster innerhalb der EU variieren erheblich
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index) für 2025 zeigt deutliche Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten:
Am stärksten spezialisiert:
| Land | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion | Anteil an EU-Exporten |
|---|---|---|---|---|
| Griechenland | 0,51 | 3,12 | 2,1 % | 0,7 % |
| Lettland | 0,48 | 2,81 | 0,9 % | 0,3 % |
| Zypern | 0,45 | 2,61 | 0,1 % | 0,03 % |
| Dänemark | 0,44 | 2,54 | 4,4 % | 1,7 % |
| Bulgarien | 0,41 | 2,41 | 1,5 % | 0,6 % |
Am wenigsten spezialisiert:
| Land | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion | Anteil an EU-Exporten |
|---|---|---|---|---|
| Rumänien | −0,77 | 0,13 | 0,2 % | 1,7 % |
| Slowakei | −0,75 | 0,15 | 0,3 % | 2,1 % |
| Estland | −0,67 | 0,20 | 0,1 % | 0,3 % |
| Irland | −0,60 | 0,25 | 0,5 % | 2,1 % |
| Schweden | −0,58 | 0,27 | 0,6 % | 2,4 % |
Quelle: Spezialisierungsanalyse
Auffällig ist, dass Griechenland mit einem RCA von 3,12 am stärksten spezialisiert ist, aber nur 2,1 % der EU-Produktion und 0,7 % der Exporte ausmacht. Umgekehrt sind Rumänien und Slowakei trotz negativer Spezialisierung signifikante Exporteure (je ca. 2 % der EU-Exporte), was auf Re-Exporte oder die Verarbeitung importierter Rohstoffe hindeuten könnte. Dänemark vereint hingegen eine hohe Spezialisierung mit einem substanziellen Produktionsanteil (4,4 %).
Preis-Schocks treten sporadisch, aber mit hoher Intensität auf
Die Analyse von Preisschocks identifiziert drei bemerkenswerte Ereignisse im Beobachtungszeitraum:
| Land | Typ | Richtung | Zeitpunkt | Abnormalität | Preisverschiebung | Anteil am Gesamtwert |
|---|---|---|---|---|---|---|
| VAE | Preis | Exporte | 2017 | 20,3 | +210 % | 1,0 % |
| Russische Föderation | Preis | Importe | 2018 | 12,3 | +131 % | 2,2 % |
| Philippinen | Preis | Exporte | 2022 | 9,8 | +160 % | 3,3 % |
Quelle: Angebots-Schocks
Der Preisschock bei Exporten in die Vereinigten Arabischen Emirate (2017) mit einer Abnormalität von 20,3 und einer Preisverschiebung von +210 % ist der intensivste. Der russische Importpreisschock (2018, +131 %) könnte mit der Umstellung auf neue Lieferanten oder Qualitätsanforderungen zusammenhängen. Der philippinische Schock (2022) fällt in die Phase der globalen Rohstoffpreiserhöhungen nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Futtermittelzubereitungen (CN 23099096) hat sich im Zeitraum 2015–2025 als dynamischer und wachsender Sektor erwiesen. Die zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
-
Exportdominanz mit steigender Wertschöpfung: Die EU ist ein starker Nettoexporteur mit einem Handelsüberschuss von fast 2 Mrd. EUR (2025). Das Wachstum wurde sowohl durch steigende Volumina als auch durch höhere Preise getrieben. Neue Märkte wie Saudi-Arabien und Südostasien gewinnen zunehmend an Bedeutung, während Russland als Exportmarkt an Relevanz verliert.
-
Importdiversifizierung als Resilienzstrategie: Die Importseite zeigt eine deutliche Diversifizierung (HHI-Rückgang um 39 %), gepaart mit einem überproportionalen Anstieg der Importvolumina. Neue Lieferanten aus Asien (Indonesien) und Osteuropa (Serbien) ergänzen traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich. Die gleichzeitig sinkenden Importpreise deuten auf einen wettbewerbsintensiven Markt hin.
-
Produktionsboom und binnenregionale Verschiebungen: Die EU-Produktion hat sich im Wert mehr als vervierfacht, was auf eine strukturelle Expansion des gesamten Sektors hindeutet. Gleichzeitig verschiebt sich die Exportspezialisierung: Länder wie Italien, Bulgarien und Spanien gewinnen stark an Gewicht, während traditionelle Zentren wie Frankreich und die Niederlande zwar absolut wachsen, aber relativ an Bedeutung verlieren.
Die beobachteten Preisschocks — insbesondere bei Exporten in die VAE und die Philippinen sowie bei Importen aus Russland — unterstreichen die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Marktbeobachtung, um Lieferkettenrisiken frühzeitig zu erkennen. Insgesamt zeigt sich ein Sektor, der von Globalisierung, Qualitätsaufwertung und geopolitischen Neuausrichtungen gleichermaßen geprägt wird.