Marktentwicklung: Hunde- und Katzenfutter (CN 230910) — 2015–2025
Einführung
Der europäische Markt für Hunde- und Katzenfutter in Einzelverkaufsverpackungen (KN-Code 230910) hat sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich gewandelt. Die EU hat sich von einem bereits exportstarken Akteur zu einem zunehmend dominanten Globalplayer entwickelt: Der Handelsbilanzüberschuss stieg von rund 927 Mio. € im Jahr 2015 auf über 2,365 Mrd. € im Jahr 2025 — eine Steigerung um 155 %. Dieses Wachstum wurde sowohl durch steigende Volumina als auch — und in noch stärkerem Maße — durch Preissteigerungen getrieben. Gleichzeitig vollzog sich eine bemerkenswerte geografische Diversifizierung der Handelspartner, und die EU-Inlandsproduktion erfuhr eine Verdopplung der Mengen. Der vorliegende Bericht analysiert die wichtigsten Trends und deren treibende Kräfte.
1. Dynamisches Wachstum bei stark steigenden Preisen
1.1 Die EU festigt ihre Position als Nettoexporteur
Die EU weist im gesamten Betrachtungszeitraum einen positiven Handelsbilanzsaldo bei CN 230910 auf, der sich kontinuierlich ausgeweitet hat. Die Netto-Importabhängigkeit lag 2015 bei −6,5 % und vertiefte sich bis 2025 auf −15,3 %. Negative Werte bedeuten hier, dass die EU mehr exportiert als importiert — der Markt ist also strukturell ein Nettoexporteur, und diese Eigenschaft hat sich im Zeitverlauf noch verstärkt.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 1.718 Mio. € | 4.022 Mio. € | +134,1 % |
| Importwert | 791 Mio. € | 1.656 Mio. € | +109,3 % |
| Handelsbilanz | +927 Mio. € | +2.365 Mio. € | +155,2 % |
| Netto-Importabhängigkeit | −6,5 % | −15,3 % | −137,5 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
1.2 Preisentwicklung als Haupttreiber des Wertwachstums
Bemerkenswert ist, dass das Wertwachstum im Exportbereich (+134 %) den Mengenanstieg (+45 %) deutlich übertraf. Die durchschnittlichen Exportpreise stiegen von 1.399 €/t auf 2.257 €/t (+61 %). Bei den Importen war das Muster ähnlich: Der Importwert verdoppelte sich nahezu (+109 %), während die Menge nur um 27 % stieg — die Importpreise legten von 1.970 €/t auf 3.255 €/t zu (+65 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportmenge (t) | 1.227.896 | 1.781.870 | +45,1 % |
| Exportpreis (€/t) | 1.399 | 2.257 | +61,3 % |
| Importmenge (t) | 401.513 | 508.770 | +26,7 % |
| Importpreis (€/t) | 1.970 | 3.255 | +65,2 % |
Quelle: Allgemeine Übersicht
1.3 Steigende Handelsintensität und Exportneigung
Die Handelsintensität der EU bei diesem Produkt nahm von 18,6 % (2015) auf 30,5 % (2025) zu, was bedeutet, dass der Außenhandel relativ zur Produktion deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Noch auffälliger ist die Exportneigung: Sie stieg von 13,0 % auf 23,4 % — ein Anstieg um 80,6 %. Die EU produziert also nicht nur mehr Heimtierfutter, sondern vermarktet einen wachsenden Anteil davon auf dem Weltmarkt.
2. Geografische Diversifizierung und sich verschiebende Handelsströme
2.1 Abnehmende Konzentration der Handelspartner
Ein zentrales Strukturmerkmal der vergangenen Dekade ist die zunehmende Diversifizierung der Handelsbeziehungen. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) sank bei den Importen von 2.236 auf 1.596 (−29 %) und bei den Exporten von 2.083 auf 1.378 (−34 %). Dies deutet auf eine Verschiebung von einer konzentrierten zu einer breiter gestreuten Partnerstruktur hin.
2.2 Aufstieg neuer Importlieferanten
Die wichtigsten Importpartner zeigen ein heterogenes Bild:
| Partnerland | Importwert 2015 | Importwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 310 Mio. € | 284 Mio. € | −8,4 % |
| Thailand | 133 Mio. € | 336 Mio. € | +153,0 % |
| China | 67 Mio. € | 409 Mio. € | +506,7 % |
| Liechtenstein | 12 Mio. € | 202 Mio. € | +1.572,3 % |
| Kanada | 62 Mio. € | 136 Mio. € | +121,0 % |
| Serbien | 10 Mio. € | 94 Mio. € | +857,1 % |
| USA | 55 Mio. € | 54 Mio. € | −2,7 % |
Quelle: Top-Partner nach Wert
Deutlich wird: China hat sich vom mittleren Lieferanten (67 Mio. €) zum mit Abstand größten Importeur (409 Mio. €) entwickelt — ein Anstieg um über 500 %. Thailand verdrängte das Vereinigtes Königreich als zweitwichtigsten Lieferanten. Gleichzeitig wuchsen auch Liechtenstein und Serbien stark. Das Vereinigtes Königreich, das 2015 noch mit Abstand größter Importpartner war, verlor hingegen an Boden — ein Umstand, der teils auf den Brexit und die damit verbundenen Handelsreibarrieren zurückzuführen sein dürfte. Die Volatilität der Importströme war bei einigen Partnern bemerkenswert hoch: Die Koeffizienten der Variation lagen bei der Schweiz (1,86), Russland (1,70) und der Türkei (1,08) besonders hoch.
2.3 Exportmärkte: Ukraine und Türkei als dynamische Wachstumsmärkte
Bei den Exporten sticht das Vereinigtes Königreich als mit Abstand größter Abnehmer hervor (1,367 Mrd. € im Jahr 2025, +86 % gegenüber 2015). Die dynamischsten Wachstumsmärkte waren jedoch die Ukraine (+471 % auf 233 Mio. €) und die Türkei (+585 % auf 195 Mio. €). Der Export nach Russland entwickelte sich dagegen leicht rückläufig (−11,4 %), was angesichts der geopolitischen Lage ab 2022 nicht überrascht.
| Partnerland | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 735 Mio. € | 1.367 Mio. € | +86,1 % |
| Schweiz | 139 Mio. € | 309 Mio. € | +121,7 % |
| Ukraine | 41 Mio. € | 233 Mio. € | +471,1 % |
| Türkei | 29 Mio. € | 195 Mio. € | +584,9 % |
| Norwegen | 100 Mio. € | 196 Mio. € | +96,1 % |
| Japan | 151 Mio. € | 169 Mio. € | +11,7 % |
| Russland | 109 Mio. € | 97 Mio. € | −11,4 % |
2.4 Preischocks: Thailand 2022 und das Vereinigte Königreich 2020
Im Bereich der Versorgungsschocks wurden zwei signifikante Ereignisse identifiziert. Der ausgeprägteste Schock betraf die Importpreise aus Thailand im Jahr 2022: Hier war die Anomalität mit 151,4 Punkten außergewöhnlich hoch, und die Preise stiegen gegenüber dem Vorjahr um rund 20 %. Thailand hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Anteil von 19,5 % am EU-Importwert. Dieser Schock ist vor dem Hintergrund der globalen Lieferkettenstörungen und Energiepreissteigerungen nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts zu sehen. Ein zweiter, schwächerer Preisschock trat 2020 bei den Importen aus dem Vereinigten Königreich auf (Anomalität 6,2, Preisanstieg von 31,2 %) — zeitlich korreliert mit dem Brexit und den damit verbundenen Unsicherheiten.
3. Produktionswachstum und zunehmende Spezialisierung innerhalb der EU
3.1 Verdopplung der EU-Produktion
Die EU-Inlandsproduktion von Heimtierfutter in Einzelverkaufsverpackungen wuchs im Betrachtungszeitraum beträchtlich: Die produzierte Menge stieg von rund 5.679 Mio. kg auf 10.118 Mio. kg (+78 %), während der Produktionswert von 5.026 Mio. € auf 16.500 Mio. € anstieg (+228 %). Der Produktionswert wuchs somit fast dreimal so stark wie die Menge — ein klarer Hinweis auf eine Aufwertung der Produkte (Premiumisierungstrend) und/oder allgemeine Kostensteigerungen.
3.2 Polen als Shooting Star der EU-Exportlandschaft
Innerhalb der EU verschoben sich die Kräfteverhältnisse bei den Exporten deutlich. Die führenden Exportländer im Jahr 2025 waren:
| EU-Land | Exportwert 2015 | Exportwert 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Frankreich | 473 Mio. € | 820 Mio. € | +73,5 % |
| Deutschland | 222 Mio. € | 553 Mio. € | +148,9 % |
| Niederlande | 231 Mio. € | 317 Mio. € | +37,4 % |
| Polen | 52 Mio. € | 541 Mio. € | +948,3 % |
| Italien | 106 Mio. € | 278 Mio. € | +163,5 % |
| Irland | 121 Mio. € | 190 Mio. € | +56,8 % |
Quelle: Top-Reporter nach Wert (Exporte)
Polens Exporte vervielfachten sich nahezu (von 52 Mio. € auf 541 Mio. €, +948 %) — das Land stieg vom Ranglistenplatz weit abgeschlagen auf den vierten Platz innerhalb der EU auf. Passend dazu weist Polen auch einen hohen Spezialisierungsindex (RSCA) von 0,40 auf. Noch spezialisierter ist Ungarn (RSCA 0,48), gefolgt von Litauen (0,34) und Tschechien (0,30). Diese osteuropäischen Länder profitieren offenbar von niedrigeren Produktionskosten und der Nähe zu wachsenden Exportmärkten in Osteuropa und Asien.
3.3 Segmentaufschlüsselung: Dominanz stärkehaltiger Produkte
Die Produktsegmentanalyse zeigt, dass die beiden größten Importsegmente „stärke-, glucose- oder maltodextrinhaltig" (23091011) und „mit 10–30 % Stärkeanteil, ohne Milcherzeugnisse" (23091031) zusammen den Großteil der Handelsmengen ausmachen.
| Segment | Importmenge 2015 (t) | Importmenge 2025 (t) | Importpreis 2015 (€/t) | Importpreis 2025 (€/t) |
|---|---|---|---|---|
| 23091011 (Stärke/Glucose enthaltend) | 211.617 | 269.085 | 1.954 | 3.545 |
| 23091031 (10–30 % Stärke) | 92.852 | 118.965 | 1.786 | 3.203 |
| 23091051 (> 30 % Stärke) | 49.882 | 52.030 | 1.870 | 2.550 |
| 23091090 (keine Stärke/Milch) | 44.425 | 68.130 | 2.561 | 2.682 |
| 23091070 (Milch enthaltend, kein Stärke) | 320 | 132 | 1.966 | 12.523 |
Quelle: Produktvergleich
Auffällig ist die extreme Preisentwicklung bei den Nischensegmenten: Das Segment 23091070 (milchhaltig, ohne Stärke) verzeichnete einen Preisanstieg von 1.966 €/t auf 12.523 €/t — eine Versechsfachung. Ähnlich dramatisch entwickelten sich die Preise im Segment 23091019 (≥ 75 % Milcherzeugnisse): von 1.873 €/t auf 13.471 €/t. Diese Entwicklungen deuten auf eine zunehmende Premiumisierung und Spezialisierung in den milchbasierten Nischenprodukten hin, bei denen die Nachfrage das Angebot übersteigt oder die Produktionskosten erheblich gestiegen sind.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Hunde- und Katzenfutter (CN 230910) hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem wachsenden zu einem dynamisch expandierenden und zunehmend komplexen Markt entwickelt. Drei zentrale Erkentnisse lassen sich zusammenfassen:
Erstens: Das Wertwachstum wurde überproportional durch Preissteigerungen getrieben — sowohl bei Exporten als auch bei Importen. Die EU-Inlandsproduktion wuchs mengenmäßig um 78 %, aber preisbereinigt um ein Vielfaches stärker, was auf eine Premiumisierung des Segments und gestiegene Inputkosten hindeutet.
Zweitens: Die geografische Struktur der Handelsbeziehungen hat sich erheblich diversifiziert. Neue Akteure wie China, Thailand, die Ukraine und die Türkei haben an Bedeutung gewonnen, während traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich und Russland an Boden verloren. Innerhalb der EU ist Polen zum führenden Exportwachstumsmarkt aufgestiegen.
Drittens: Trotz der starken Exportposition bleibt der Markt anfällig für Preisschocks, wie die Ereignisse bei thailändischen und britischen Lieferanten zeigen. Die Abhängigkeit von einzelnen Segmenten (insbesondere stärkehaltige Standardprodukte) und die extreme Preisentwicklung in Nischensegmenten (milchbasierte Produkte) werfen Fragen über die zukünftige Stabilität und Diversität des Angebots auf.