Marktentwicklung: Hunde- und Katzenfutter (CN 23091051) — 2015–2025
Einleitung
Der EU-Markt für Hunde- und Katzenfutter (Zolltarifnummer 23091051) hat sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich dynamisiert. Die Europäische Union ist in diesem Segment ein bedeutender Nettoexporteur, und die Handelsstruktur zeigt drei zentrale Entwicklungen: ein überwiegend preisgetriebenes Exportwachstum, gravierende Verschiebungen bei den Handelspartnern sowie eine zunehmende Exportorientierung der EU insgesamt. Der Gesamtüberblick zeigt, dass sich der Exportwert von rd. 520 Mio. EUR (2015) auf rd. 811 Mio. EUR (2025) erhöhte (+55,9 %), während die exportierte Menge nur um 5,3 % stieg. Die EU-Produktion verzeichnete im selben Zeitraum ein Wachstum von rd. 5,7 Mrd. kg auf rd. 10,1 Mrd. kg (+78,2 %) bei einem Anstieg des Produktionswerts von rd. 5,0 Mrd. EUR auf rd. 16,5 Mrd. EUR (+228,3 %).
1. Preisgetriebenes Wachstum: Der EU-Außenhandel expandiert im Wert deutlich stärker als im Volumen
Die zentrale Erkenntnis des gesamten Betrachtungszeitraums ist ein asymmetrisches Wachstumsmuster: Sowohl bei Exporten als auch bei Importen übersteigt die Wertentwicklung die Mengenentwicklung bei Weitem.
1.1 Exporte: +55,9 % im Wert, aber nur +5,3 % in der Menge
Die EU exportierte im Jahr 2015 insgesamt 343.597 Tonnen im Wert von 520 Mio. EUR. Im Jahr 2025 betrug die exportierte Menge 361.885 Tonnen bei einem Wert von 811 Mio. EUR. Die Handelsentwicklung zeigt, dass die durchschnittlichen Exportpreise von 1.514 EUR/t (2015) auf 2.241 EUR/t (2025) anstiegen (+48,0 %). Der Exportwert erreichte seinen Höchststand mit rd. 811 Mio. EUR im Jahr 2025, die Menge hingegen bereits 2020 mit rd. 389.137 Tonnen.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportvolumen (t) | 343.597 | 361.885 | +5,3 % |
| Exportwert (EUR) | 520.236.197 | 811.056.424 | +55,9 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 1.514 | 2.241 | +48,0 % |
1.2 Importe: Gleiches Muster, geringere Größenordnung
Bei den Importen spiegelt sich dasselbe Muster wider. Der Importwert stieg von 93 Mio. EUR (2015) auf 133 Mio. EUR (2025, +42,3 %), die Menge von 49.882 Tonnen auf 52.030 Tonnen (+4,3 %). Die Importpreise lagen durchweg über den Exportpreisen (1.870 EUR/t vs. 1.514 EUR/t im Jahr 2015; 2.550 EUR/t vs. 2.241 EUR/t im Jahr 2025), was auf qualitativ hochwertigere Importprodukte oder höhere Herkunftskosten schließen lässt.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importvolumen (t) | 49.882 | 52.030 | +4,3 % |
| Importwert (EUR) | 93.255.545 | 132.661.962 | +42,3 % |
| Importpreis (EUR/t) | 1.870 | 2.550 | +36,4 % |
1.3 Positive Handelsbilanz wächst deutlich aus
Dank des überproportionalen Exportwachstums vergrößerte sich der Handelsbilanzüberschuss von rd. 427 Mio. EUR (2015) auf rd. 678 Mio. EUR (2025, +58,9 %). Die Netto-Importabhängigkeit lag durchgehend im negativen Bereich (d. h. die EU ist Nettoexporteur) und verstärkte sich von −6,5 % auf −15,3 % — ein Zeichen für eine wachsende Autonomie des Sektors.
2. Geopolitische Umbrüche prägen die Handelspartnerlandschaft
Hinter den aggregierten Werten verbergen sich tiefgreifende Verschiebungen in der geografischen Struktur der Handelsströme, die sowohl durch geopolitische Ereignisse als auch durch strukturelle Marktveränderungen erklärt werden können.
2.1 Das Vereinigte Königreich als dominierender Handelspartner
Das Vereinigte Königreich ist sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite der mit Abstand wichtigste Partner der EU. Die EU-Exporte in das Vereinigte Königreich stiegen von rd. 160 Mio. EUR auf rd. 332 Mio. EUR (+107,7 %) und machten 2025 über 40 % des gesamten EU-Exportwerts aus. Auch bei den Importen war das Vereinigte Königreich mit rd. 76 Mio. EUR (2025) der größte Lieferant — ein Wert, der weitgehend stabil blieb (+8,1 % seit 2015). Die Importkonzentration (HHI) sank dennoch von 5.864 auf 3.949 (−32,7 %), was eine Diversifizierung der Importquellen widerspiegelt.
2.2 Russland: Kollaps der Exporte nach 2022
Der dramatischste Einbruch betraf die Exporte in die Russische Föderation: von rd. 41 Mio. EUR (2015) auf lediglich rd. 1,5 Mio. EUR (2025, −96,4 %). Die Höchstmarke lag 2019 bei rd. 54 Mio. EUR. Dieser Zusammenbruch ist eindeutig auf die nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verhängten Sanktionen zurückzuführen und hat die Gesamtexportentwicklung trotz des starken Wachstums bei anderen Partnern spürbar gebremst.
2.3 Neue und wachsende Absatzmärkte
Den Rückgang bei Russland kompensierten erhebliche Zuwächse bei anderen Partnern:
| Partnerland | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Ukraine | 10,0 | 38,4 | +285,0 % |
| Australien | 21,1 | 40,6 | +92,0 % |
| Norwegen | 38,6 | 59,1 | +53,0 % |
| Schweiz | 39,3 | 49,6 | +26,1 % |
| Japan | 86,0 | 52,3 | −39,2 % |
Die Exportpartneranalyse zeigt, dass die Ukraine sich von einem Nischenmarkt zu einem bedeutenden Absatzmarkt entwickelte — ein bemerkenswerter Trend, der trotz (oder gerade wegen) des Krieges anhält. Japan hingegen verlor an Bedeutung (−39,2 %), was auf einen Rückgang der Nachfrage oder zunehmende Wettbewerbsdrücke aus anderen Regionen hindeuten kann.
2.4 Neuauftretende Importquellen: Serbien, China und die Türkei
Auf der Importseite stachen drei Länder mit außergewöhnlichem Wachstum hervor:
| Partnerland | Importwert 2015 (Mio. EUR) | Importwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Serbien | 7,1 | 30,3 | +324,9 % |
| China | 1,9 | 13,5 | +598,9 % |
| Türkei | 0,003 | 2,3 | +92.315 % |
Die Volatilitätsanalyse bestätigt, dass diese neuen Handelsbeziehungen mit einer hohen Schwankungsbreite einhergehen (Variationskoeffizient: Türkei 0,74; China 0,72). Gleichzeitig sanken die Importe aus den USA (−78,9 %) und Kanada (−27,6 %), was auf eine Verschiebung der Beschaffungsstrategie hin zu kostengünstigeren Produzenten in Südosteuropa und Asien hindeutet.
3. Zunehmende Exportorientierung und regionale Spezialisierung innerhalb der EU
Die EU-Haustierfutterindustrie hat sich im Betrachtungszeitraum deutlich stärker auf den Export ausgerichtet, wobei sich die Produktions- und Exportkapazitäten zunehmend auf einige wenige Mitgliedstaaten konzentrieren.
3.1 Steigende Handelsintensität und Exportneigung
Die Exportneigung stieg von 13,0 % (2015) auf 23,4 % (2025, +80,6 %), und die Handelsintensität erhöhte sich von 18,6 % auf 30,5 % (+63,9 %). Das bedeutet, dass ein wachsender Anteil der EU-Produktion auf Drittmärkte gerichtet wird. Angesichts eines Produktionswachstums von rd. 5,0 Mrd. EUR auf rd. 16,5 Mrd. EUR (+228,3 %) ist dies bemerkenswert: Trotz einer rasch expandierenden Binnenproduktion wächst der Exportanteil.
3.2 Deutschland und die mittel- und osteuropäischen Länder als Exportwachstumstreiber
Die EU-Mitgliedstaatenanalyse zeigt ein differenziertes Bild der innerstaatlichen Exportentwicklung:
| Mitgliedstaat | Exportwert 2015 (Mio. EUR) | Exportwert 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 73,6 | 161,4 | +119,3 % |
| Polen | 25,4 | 57,4 | +125,9 % |
| Tschechien | 41,5 | 82,7 | +99,1 % |
| Ungarn | 51,4 | 95,3 | +85,5 % |
| Frankreich | 96,6 | 136,3 | +41,0 % |
| Niederlande | 133,4 | 128,5 | −3,7 % |
| Belgien | 55,3 | 19,7 | −64,4 % |
Deutschland verdoppelte seine Exporte beinahe und wurde damit 2025 zum zweitgrößten EU-Exporteur nach den Niederlanden, die ihren absoluten Führungsplatz mit leicht rückläufigem Wert behaupteten. Besonders auffällig ist das Wachstum in Mittel- und Osteuropa: Polen (+125,9 %), Tschechien (+99,1 %) und Ungarn (+85,5 %) verzeichneten überdurchschnittliche Zuwächse.
3.3 Spezialisierungsmuster bestätigen den osteuropäischen Trend
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA) für 2025 zeigt, dass Ungarn (RSCA 0,53), Tschechien (0,37) und Polen (0,26) die am stärksten auf dieses Produkt spezialisierten EU-Länder sind. Diese Länder haben eine überdurchschnittliche Komparativvorteile im Bereich Hunde- und Katzenfutter aufgebaut, was sich in ihren hohen RCA-Werten (Ungarn: 3,25; Tschechien: 2,16; Polen: 1,71) niederschlägt.
Im Gegensatz dazu weisen Länder wie Portugal (RSCA −0,99), Bulgarien (−0,99) und Irland (−0,99) keinerlei Spezialisierung auf. Die Niederlande (RSCA 0,16) und Deutschland (0,13) sind zwar große Exporteure, aber relativ weniger spezialisiert — ihre Rolle basiert eher auf der Größe der Produktionsbasis als auf einer überproportionalen Konzentration auf dieses Segment.
Belgiens Exporteinbruch (−64,4 %) steht in auffälligem Gegensatz zum allgemeinen Trend und könnte auf eine Verlagerung der Produktions- oder Handelsaktivitäten innerhalb der EU oder auf einen Wettbewerbsverlust hindeuten.
3.4 Zunehmende Exportkonzentration bei abnehmender Importkonzentration
Während die Importkonzentration (HHI) von 5.864 auf 3.949 sank (−32,7 %) — also eine breitere Streuung der Importquellen signalisiert —, stieg die Exportkonzentration von 1.451 auf 1.899 (+30,9 %). Dies bedeutet, dass die EU-Ausfuhren zunehmend auf wenige Hauptmärkte (allen voran das Vereinigte Königreich) konzentriert sind, während die Importe aus einer wachsenden Zahl von Herkunftsländern stammen.
Fazit
Der EU-Markt für Hunde- und Katzenfutter (CN 23091051) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert:
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Preisgetriebenes Wachstum: Das starke Anstieg des Handelswerts (+56 % bei Exporten, +42 % bei Importen) beruht vor allem auf Preissteigerungen (+48 % bzw. +36 %), nicht auf Mengenwachstum. Dies spiegelt steigende Produktionskosten, Inflation und möglicherweise eine Premiumisierung des Segments wider.
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Geopolitische Neuausrichtung: Der Zusammenbruch der Exporte nach Russland (−96 %) und das rasanante Wachstum neuer Märkte wie der Ukraine (+285 %) sowie neuer Importquellen wie Serbien (+325 %) und China (+599 %) zeigen, wie stark geopolitische Ereignisse die Handelsströme umformen. Das Vereinigte Königreich blieb trotz des Brexits der unangefochtene Hauptpartner.
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Zunehmende Exportorientierung und regionale Spezialisierung: Die EU ist ein wachsender Nettoexporteur mit steigender Exportneigung (23,4 %). Mittel- und osteuropäische Länder — insbesondere Ungarn, Tschechien und Polen — haben sich als spezialisierte Exporteure etabliert, während traditionelle Märkte wie Japan und Belgien an Bedeutung verloren.
Insgesamt zeigt die Entwicklung, dass die EU-Haustierfutterindustrie eine zunehmend exportgetriebene Branche ist, die allerdings durch eine wachsende Abhängigkeit von wenigen Schlüsselmärkten (vor allem dem Vereinigten Königreich) und durch anhaltende Preisdynamiken gekennzeichnet ist.