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Marktentwicklung: Tiermehl (CN 2301) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Bereich Tiermehl und -pellets (Zolltarifnummer 2301) im Zeitraum von 2015 bis 2025. CN 2301 umfasst zwei wesentliche Teilsegmente: Mehl und Pellets von Fleisch bzw. Schlachtnebenerzeugnissen (230110) sowie Mehl und Pellets von Fischen, Krebstieren und Weichtieren (230120). Diese Produkte werden überwiegend als Futtermittelzusatzstoffe verwendet und sind somit für die europäische Landwirtschaft und Aquakultur von strategischer Bedeutung.

Die Produktübersicht zeigt, dass die EU im untersuchten Zeitraum ihre Position als Nettoexporteur kontinuierlich ausgebaut hat, während sich gleichzeitig die Partnerlandschaft, die Produktionsstruktur und die Preisfindung grundlegend veränderten.


1. Vom Nettoimporteur zum starken Nettoexporteur: Strukturwandel der EU-Handelsbilanz

1.1 Die EU verwandelt ihre Handelsposition grundlegend

Die bemerkenswerteste Entwicklung im untersuchten Zeitraum ist der Wandel der EU von einem Nettoimporteur zu einem ausgeprägten Nettoexporteur. Die Netto-Importabhängigkeit lag 2015 bei +29,5 % und sank bis 2025 auf −27,1 % — eine Veränderung von −191,8 %. Im Klartext bedeutet dies: War die EU 2015 noch auf Nettoimporte angewiesen, exportierte sie 2025 deutlich mehr Tiermehl in Drittländer, als sie von dort bezog.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 665,9 863,6 +29,7 %
Exportmenge (t) 1.037.931 1.458.993 +40,6 %
Exportpreis (€/t) 641,6 591,9 −7,7 %
Importwert (Mio. €)) 396,8 507,2 +27,8 %
Importmenge (t) 387.336 411.643 +6,3 %
Importpreis (€/t) 1.024,5 1.232,1 +20,3 %
Handelsbilanz (Mio. €) 269,1 356,4 +32,4 %

Allgemeine Übersicht

1.2 Steigende Exporte bei fallenden Einheitspreisen

Auffällig ist die Gegenläufigkeit von Mengen- und Preisentwicklung im Export. Während die Ausfuhren mengenmäßig um 40,6 % stiegen, sank der durchschnittliche Exportpreis um 7,7 % — von 641,6 €/t auf 591,9 €/t. Dies deutet auf eine zunehmende Wettbewerbsintensität und möglicherweise auf eine verstärkte Verlagerung hin zu günstigeren Fleischmehl-Segmenten hin. Im Importbereich hingegen stiegen die Preise um 20,3 %, was auf eine Verteuerung der hochwertigen Fischmehl-Importe schließen lässt.

1.3 Inländische Produktion als Triebkraft des Strukturwandels

Der Produktionswert stieg im selben Zeitraum von 581,8 Mio. € auf 2,13 Mrd. € — eine Steigerung von 266,1 %. Die Produktionsmenge erhöhte sich von rund 2,03 Mrd. kg auf 3,40 Mrd. kg (+67,4 %). Diese massive Ausweitung der inländischen Kapazitäten erklärt den Überschuss im Handel mit Drittländern und die gestiegene Exportquote von 23,0 % auf 39,4 % (+71,5 %).


2. Geografische Verschiebungen: Neue Handelsmuster und Partnerstrukturen

2.1 Südamerika und Afrika gewinnen als Importquellen an Bedeutung

Die Partneranalyse der Importe zeigt eine deutliche Neuausrichtung der EU-Importquellen:

Partnerland Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Peru 57,0 89,9 +57,7 %
Chile 27,3 69,8 +155,7 %
Südafrika 14,2 64,3 +354,2 %
Marokko 46,3 68,1 +47,0 %
Norwegen 66,7 60,4 −9,5 %
Island 63,9 4,1 −93,6 %
Vereinigtes Königreich 40,8 16,8 −58,8 %

Importe nach Partnerländern

Island verlor als Importpartner fast vollständig an Bedeutung (−93,6 %), was möglicherweise mit Schwankungen in der isländischen Fischverarbeitungsindustrie zusammenhängt. Auch das Vereinigte Königreich verlor nach dem Brexit deutlich an Importvolumen (−58,8 %). Gleichzeitig stiegen südamerikanische und afrikanische Lieferanten stark an: Südafrika (+354,2 %) und Chile (+155,7 %) vergrößerten ihre Exporte in die EU beträchtlich — ein Indiz für die Diversifizierung der europäischen Beschaffungsstrategie.

2.2 Asien wird zum wichtigsten Exportziel der EU

Auf der Exportseite dominieren asiatische Märkte zunehmend. Die Partneranalyse der Exporte zeigt:

Partnerland Exportwert 2015 (Mio. €) Exportwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Norwegen 123,6 258,8 +109,4 %
Thailand 74,9 79,7 +6,4 %
Vietnam 53,6 69,7 +29,9 %
Singapur 1,6 41,6 +2.552,3 %
Philippinen 26,3 39,2 +48,6 %
Vereinigtes Königreich 70,5 77,6 +10,1 %

Exporte nach Partnerländern

Norwegen entwickelte sich mit Abstand zum wichtigsten Exportmarkt (+109,4 % auf 258,8 Mio. €), was mit der dortigen expandierenden Aquakulturindustrie zusammenhängen dürfte. Besonders auffällig ist der exponentielle Anstieg der EU-Exporte nach Singapur (von 1,6 Mio. € auf 41,6 Mio. €), was auf eine Rolle Singapurs als regionales Umverteilungszentrum in Südostasien hindeutet.

2.3 Dänemark festigt seine Rolle als EU-Exportnation Nr. 1

Die Analyse nach EU-Mitgliedstaaten zeigt eine zunehmende Konzentration der Exporte auf wenige Mitgliedstaaten:

Land Exportwert 2015 (Mio. €) Exportwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Dänemark 208,8 330,9 +58,5 %
Deutschland 144,9 110,1 −24,0 %
Frankreich 65,8 81,3 +23,5 %
Italien 42,6 83,2 +95,4 %
Spanien 24,7 78,2 +216,0 %
Niederlande 73,6 43,6 −40,7 %

Exporte nach EU-Mitgliedstaaten

Dänemark dominiert mit 330,9 Mio. € und einem Revealed Comparative Advantage (RCA) von 5,84 — dem höchsten Wert aller EU-Staaten. Deutschland hingegen verlor als Exporteur deutlich (−24,0 %), während Spanien (+216,0 %) und Italien (+95,4 %) stark aufholten. Die südeuropäischen Länder profitieren offenbar von der Nähe zu afrikanischen und südamerikanischen Fischmehllieferanten sowie von ihrer eigenen expandierenden Tierverarbeitungsindustrie.

Auf der Importseite vollzog sich ein ähnlich markanter Wandel: Deutschland reduzierte seine Importe um 49,2 % (von 179,3 Mio. € auf 91,0 Mio. €), während Dänemark seine Importe auf 173,8 Mio. € verdoppelte (+86,8 %) — ein Hinweis auf Dänemarks Rolle als Verarbeitungs- und Re-Export-Hub.


3. Preisschocks, Volatilität und wachsende Konzentrationsrisiken

3.1 Preispreisschocks im Jahr 2022 treffen mehrere Importpartner

Die Analyse von Angebotschocks identifiziert drei signifikante Preisereignisse, die alle im Jahr 2022 stattfanden:

Partnerland Schocktyp Abnormalitäts­score Preisänderung Anteil am Importwert
Neuseeland Preis 10,4 +53,0 % 5,4 %
Peru Preis 6,6 +32,4 % 15,1 %
Färöer-Inseln Preis 6,5 +38,6 % 6,7 %

Angebotschocks

Diese Schocks fielen zeitlich mit den globalen Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Kriegs zusammen, der die Energie- und Transportkosten weltweit in die Höhe trieb. Peru als zweitwichtigster Importpartner der EU war mit einem Preisprung von 32,4 % besonders betroffen. Diese Ereignisse unterstreichen die Anfälligkeit der EU-Importe gegenüber volatilen Weltmarktpreisen.

3.2 Hohe Volatilität bei Drittländer-Importen

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die EU-Importe aus bestimmten Quellen erheblichen Schwankungen unterliegen. Besonders betroffen sind:

  • Mauritanien (Variationskoeffizient: 0,72): Die fischmehlbezogenen Importe schwanken stark, bedingt durch die naturabhängige Fischereiproduktion.
  • Island (VK: 0,70): Der drastische Rückgang der isländischen Lieferungen zeigt sich in der höchsten Volatilität.
  • Vereinigte Staaten (VK: 0,84): Als unregelmäßiger Lieferant mit stark schwankenden Mengen.

Auf der Exportseite ist die Volatilität im Vergleich moderater, was auf stabilere Kundenbeziehungen hindeutet. Allerdings weisen Exporte nach Bangladesch (VK: 0,75), Indonesien (VK: 0,70) und Kambodscha (VK: 0,67) ebenfalls hohe Schwankungen auf — Märkte, die offenbar noch nicht als stabile Abnehmer etabliert sind.

3.3 Wachsende Exportkonzentration birgt strategische Risiken

Die Konzentrationsanalyse (HHI) offenbart einen besorgniserregenden Trend: Während sich die Importseite leicht diversifizierte (HHI-Wert von 1.121 auf 1.061; −5,3 %), konzentrierten sich die Exporte deutlich (HHI von 816 auf 1.248; +53,0 %). Dies bedeutet, dass die EU-Ausfuhren zunehmend von wenigen Abnehmerländern abhängig werden — insbesondere von Norwegen, das mit 258,8 Mio. € fast 30 % des EU-Exportwertes absorbiert.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Import-HHI (Wert) 1.121 1.061 −5,3 %
Export-HHI (Wert) 816 1.248 +53,0 %
Import-HHI (Volumen) 1.229 939 −23,6 %
Export-HHI (Volumen) 1.060 799 −24,6 %

Konzentrationsanalyse

Interessanterweise ist das Volumen bei Exporten weniger konzentriert als der Wert (HHI 799 vs. 1.248), was darauf hindeutet, dass die EU große Mengen an günstigere Fleischmehl an zahlreiche Partner verkauft, während der hochwertige Fischmehlexport sich auf wenige Märkte konzentriert.

3.4 Segmentunterschiede: Fleischmehl dominiert die Ausfuhren, Fischmehl die Einfuhren

Die Produktsegmentanalyse zeigt eine klare arbeitsteilige Struktur:

Exporte nach Segment (2025):

Segment Menge (t) Wert (Mio. €) Preis (€/t)
Fleischmehl (230110) 1.243.033 469,5 377,7
Fischmehl (230120) 215.960 394,1 1.824,9

Importe nach Segment (2025):

Segment Menge (t) Wert (Mio. €) Preis (€/t)
Fischmehl (230120) 304.634 439,8 1.443,8
Fleischmehl (230110) 107.009 67,3 629,4

Die EU exportiert mengenmäßig vor allem Fleischmehl (85,6 % der Exportmenge) zu vergleichsweise niedrigen Preisen (377,7 €/t). Hingegen importiert sie überwiegend Fischmehl (74,0 % der Importmenge) zu deutlich höheren Preisen (1.443,8 €/t). Der Handelsintensitätsindex sank leicht von 53,3 % auf 48,7 % (−8,6 %), was die wachsende Autonomie der EU in diesem Marktsegment unterstreicht.


Schlussfolgerung

Die Handelsentwicklung von Tiermehl (CN 2301) im Zeitraum 2015–2025 lässt sich als eine Geschichte des Strukturwandels zusammenfassen. Die EU hat sich von einem Nettoimporteur mit einer Abhängigkeit von 29,5 % zu einem signifikanten Nettoexporteur mit einem Überschuss von 27,1 % entwickelt. Dieser Wandel wurde durch eine massive Ausweitung der inländischen Produktion (+266,1 % im Wert) ermöglicht, die die EU in die Lage versetzte, insbesondere Fleischmehl in großen Mengen auf Weltmärkte zu exportieren.

Gleichzeitig haben sich die Handelsströme geografisch verschoben: Südamerika und Afrika gewannen als Fischmehl-Lieferanten an Bedeutung, während asiatische Märkte — angeführt von Thailand, Vietnam und dem als Drehkreuz fungierenden Singapur — zu wichtigen Exportzielen avancierten. Dänemark hat sich als zentraler Knotenpunkt in der europäischen Tiermehl-Wertschöpfungskette etabliert und vereint heute die höchsten Exportvolumina mit der stärksten Spezialisierung.

Die größten Risiken liegen in der wachsenden Exportkonzentration (HHI +53 %) und in den Preischocks, die 2022 mehrere Importpartner gleichzeitig trafen. Während die EU ihre Importabhängigkeit erfolgreich reduzieren konnte, bleibt die Beschaffung von hochwertigem Fischmehl — das mit durchschnittlich 1.444 €/t fast viermal so teuer ist wie Fleischmehl — eine strategische Herausforderung, insbesondere angesichts der Volatilität bei Lieferanten wie Peru, Chile und den Färöer-Inseln.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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