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Marktentwicklung: Pflanzliche Futtermittel (CN 2308) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarif CN 2308 umfasst Eicheln, Rosskastanien, Trester und andere pflanzliche Stoffe, Abfälle, Rückstände und Nebenerzeugnisse, die zur Fütterung verwendet werden — einschließlich Pellets. Der vorliegende Bericht analysiert den Handel der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wesentlichen strukturellen Verschiebungen in Volumen, Preisbildung, Herkunftsländern und der Eigenversorgung der EU.

Zentrale Kennzahlen im Überblick:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mrd. EUR) 354,9 288,3 −18,8 %
Importvolumen (t) 1.557.508 1.121.012 −28,0 %
Importpreis (EUR/t) 227,84 257,19 +12,9 %
Exportwert (Mio. EUR) 51,1 59,2 +15,9 %
Exportvolumen (t) 153.639 124.940 −18,7 %
Exportpreis (EUR/t) 332,30 473,64 +42,5 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −303,8 −229,1 +24,6 %
Nettoimportquote (%) 72,1 47,6 −34,0 %

Quelle: Gesamtübersicht

Volumeneinbruch und Preisanstieg: Die inverse Dynamik von Mengen und Werten

Die EU-Importe sind mengenmäßig stark geschrumpft

Das wichtigste Strukturmerkmal des untersuchten Zeitraums ist der anhaltende Rückgang der Importvolumina. Von 1.557.508 Tonnen im Jahr 2015 sank die eingeführte Menge auf 1.121.012 Tonnen im Jahr 2025 — ein Rückgang von 28,0 %. Der absolute Tiefpunkt wurde mit 1.076.490 Tonnen erreicht. Parallel dazu sank auch der Importwert von 354,9 Mio. EUR auf 288,3 Mio. EUR (−18,8 %). Allerdings fiel der Wertverlust geringer aus als der Mengenrückgang, was auf steigende Preise hindeutet.

Steigende Preise mildern den Wertverlust

Die durchschnittlichen Importpreise stiegen von 227,84 EUR/t (2015) auf 257,19 EUR/t (2025), was einem Anstieg von 12,9 % entspricht. Der Höchstpreis im Beobachtungszeitraum lag bei 344,27 EUR/t. Auf der Exportseite ist die Preisentwicklung noch deutlicher: Die EU erzielte für ihre Ausfuhren im Schnitt 332,30 EUR/t im Jahr 2015 und 473,64 EUR/t im Jahr 2025 — ein Plus von 42,5 %. Der Höchstwert betrug sogar 667,66 EUR/t. Dies reflektiert eine qualitative Aufwertung der EU-Ausfuhren oder eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktvarianten.

Die Handelsbilanz verbessert sich spürbar

Die EU bleibt in diesem Segment traditionell Nettoimporteur. Die Handelsbilanz war durchgehend negativ, verbesserte sich jedoch deutlich: von −303,8 Mio. EUR (2015) auf −229,1 Mio. EUR (2025), eine Verbesserung um 24,6 %. Der maximale Defizitwert lag bei −370,0 Mio. EUR. Diese Verbesserung resultiert aus dem stärkeren Rückgang der Importe gegenüber den Exporten sowie aus der gestiegenen Wertschöpfung der Ausfuhren.

Geopolitische Verschiebungen: Lateinamerika dominiert, Osteuropa gewinnt

Argentinien bleibt der unangefochtene Hauptlieferant

Die Partneranalyse zeigt, dass Argentinien mit großem Abstand der wichtigste Lieferant der EU ist. Im Jahr 2015 importierte die EU Waren im Wert von 174,4 Mio. EUR aus Argentinien, im Jahr 2025 waren es 165,9 Mio. EUR (−4,8 %). Damit entfielen zuletzt mehr als 57 % des gesamten Importwerts auf ein einziges Land. Der Höchstwert im Beobachtungszeitraum lag bei 281,9 Mio. EUR. Brasilien als zweitwichtigster lateinamerikanischer Partner verlor deutlich: von 39,8 Mio. EUR auf 26,5 Mio. EUR (−33,4 %).

Herkunftsland Importwert 2015 (Mio. EUR) Importwert 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Argentinien 174,4 165,9 −4,8 %
Brasilien 39,8 26,5 −33,4 %
Vereinigtes Königreich 12,9 27,9 +116,0 %
Vereinigte Staaten 24,4 9,7 −60,1 %
Ukraine 0,9 6,9 +688,0 %
Russische Föderation 6,5 4,3 −34,1 %
Vietnam 5,4 0,0 −100,0 %

Die Ukraine als neuer strategischer Partner

Besonders hervorzuheben ist der dramatische Anstieg der Importe aus der Ukraine: von lediglich 873.548 EUR im Jahr 2015 auf 6,9 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Anstieg von 688 %. Der Höchstwert wurde mit 7,0 Mio. EUR erreicht. Diese Entwicklung spiegelt die vertiefte Handelsintegration der Ukraine in den EU-Markt wider, die bereits vor dem Krieg ab 2022 einsetzte und durch die Autonomiehandelsmaßnahmen der EU weiter begünstigt wurde.

Rückgang traditioneller und unbeständiger Partner

Demgegenüber stehen erhebliche Rückgänge bei einigen etablierten Handelspartnern. Die Importe aus den Vereinigten Staaten sanken um 60,1 %, die aus Vietnam sogar um 100 %. Die Russische Föderation verlor 34,1 % — eine Entwicklung, die mit den Sanktionen im Kontext des Ukraine-Konflikts zusammenhängen dürfte. Das Vereinigte Königreich hingegen, das nach dem Brexit als Drittland gezählt wird, steigerte seine Lieferungen an die EU um 116,0 % auf 27,9 Mio. EUR.

Auf der Exportseite: Nahostmärkte gewinnen an Bedeutung

Die wichtigsten Exportziele der EU bleiben das Vereinigte Königreich (26,4 Mio. EUR, +4,3 %) und die Schweiz (4,4 Mio. EUR, −20,3 %). Bemerkenswert ist jedoch das Wachstum bei israelischen (+130,2 %), katarischen (+17.476 %) und libanesischen (+69,4 %) Abnehmern. Israel importierte 2025 Waren im Wert von 3,1 Mio. EUR, Qatar 274.187 EUR. Diese Diversifizierung der Exportmärkte deutet auf eine strategische Neuausrichtung der EU-Ausfuhren hin.

Strukturelle Transformation: Steigende EU-Produktion und sinkende Importabhängigkeit

Die EU-Produktion ist um ein Vielfaches gewachsen

Die Produktionsdaten zeigen eine bemerkenswerte Expansion der europäischen Eigenproduktion. Die Produktionsmenge stieg von 870 Mio. kg (2015) auf 2.460 Mio. kg (2025) — ein Zuwachs von 182,8 %. Der Höchstwert wurde mit 3.000 Mio. kg erreicht. Noch dramatischer ist die Wertentwicklung: von 58 Mio. EUR auf 279 Mio. EUR (+381,0 %), mit einem Spitzenwert von 800 Mio. EUR. Diese Dynamik spiegelt sowohl die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Futtermittelalternativen als auch die verstärkte Verwertung pflanzlicher Nebenerzeugnisse aus der Lebensmittelindustrie wider.

Die Nettoimportquote ist drastisch gesunken

Die Nettoimportquote — der Anteil des Nettos der Drittlandsimporte am Gesamtverbrauch — sank von 72,1 % im Jahr 2015 auf 47,6 % im Jahr 2025 (−34,0 %). Der absolute Tiefpunkt lag bei 30,2 %. Die EU hat sich also innerhalb eines Jahrzehnts von einer stark importabhängigen zu einer deutlich autarkeren Position entwickelt. Gleichzeitig sank die Handelsintensität von 78,5 % auf 62,6 % (−20,2 %), während die Exportneigung leicht von 18,8 % auf 20,8 % (+10,7 %) stieg. Die EU wird somit sowohl weniger import- als auch etwas exportorientierter.

Regionale Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass einige EU-Mitgliedstaaten eine herausragende komparative Spezialisierung im Segment CN 2308 aufweisen:

Land RSCA Produktionsanteil am EU-Gesamt
Rumänien 0,70 9,5 %
Lettland 0,64 1,5 %
Schweden 0,55 8,3 %
Polen 0,31 12,5 %
Niederlande 0,30 26,9 %

Die Niederlande sind mit 26,9 % des EU-Produktionsvolumens der mit Abstand größte Produzent innerhalb der EU, gefolgt von Polen (12,5 %) und Rumänien (9,5 %). Rumänien und Lettland weisen die höchste Spezialisierung auf (RSCA-Werte von 0,70 bzw. 0,64), was auf deren traditionelle Stärken in der Verwertung pflanzlicher Rückstände zurückzuführen sein dürfte. Auf der Gegenseite stehen Länder wie Luxemburg (RSCA −0,98), Irland (−0,96) und Slowenien (−0,93), die praktisch keine nennenswerte Produktion aufweisen.

Importkonzentration steigt, Exportkonzentration sinkt

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.824 auf 3.576 (+26,6 %), was eine zunehmende Konzentration auf wenige Lieferanten signalisiert. Umgekehrt sank der HHI für Exporte von 2.773 auf 2.239 (−19,2 %), was auf eine Diversifizierung der EU-Ausfuhren hindeutet. Die Importseite wird damit anfälliger für Lieferunterbrechungen aus einzelnen Herkunftsländern — ein Risiko, das angesichts der Dominanz Argentiniens (über 57 % der Importe) besonders relevant ist.

Schlussfolgerung

Der europäische Markt für pflanzliche Futtermittel (CN 2308) durchlebt im Zeitraum 2015–2025 eine fundamentale Transformation. Drei zentrale Trends prägen diese Entwicklung:

  1. Mengenrückgang bei steigenden Preisen: Sowohl Import- als auch Exportvolumina sind geschrumpft, während die Preise — insbesondere bei Exporten — deutlich gestiegen sind. Dies deutet auf eine qualitative Aufwertung und eine Verschiebung hin zu höherwertigen Verwendungen hin.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: Argentinien festigt seine Rolle als dominanter Lieferant, während die Ukraine als neuer strategischer Partner aufsteigt. Traditionelle Partner wie die USA und Vietnam verlieren an Bedeutung, und die Importkonzentration nimmt zu.

  3. Steigende Eigenständigkeit: Die EU hat ihre Produktionskapazitäten nahezu verdreifacht und ihre Nettoimportquote von 72 % auf unter 48 % gesenkt. Dies reduziert die Abhängigkeit von Drittländern erheblich, birgt aber angesichts der gleichzeitig gestiegenen Importkonzentration neue Risiken.

Die Kombination aus wachsender Eigenproduktion und Diversifizierung der Exportmärkte positioniert die EU in diesem Segment zunehmend als eigenständigen Marktteilnehmer. Die anhaltende Dominanz Argentiniens auf der Importseite bleibt jedoch ein strukturelles Risiko, das durch die geopolitische Unsicherheit in einigen Lieferländern verstärkt wird.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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