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Marktentwicklung: Sojaschrot (CN 2304) — 2015–2025

Einleitung

Sojaschrot (CN 2304) ist ein zentraler Rohstoff für die europäische Futtermittel- und Agrarindustrie. Die Europäische Union ist bei diesem Produkt in hohem Maße auf Importe angewiesen und gleichzeitig ein bedeutender, wenn auch kleiner werdender Exporteur. Der hier betrachtete Zeitraum von 2015 bis 2025 war von tiefgreifenden geopolitischen Umbrüchen, konjunkturellen Schocks und strukturellen Verschiebungen auf der Angebots- und Nachfrageseite geprägt. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Handelsströme, Marktveränderungen und Vulnerabilitäten der EU im Handel mit Sojaschrot auf Basis der verfügbaren Daten des EU Trade Dashboards.


1. Südamerika dominiert, doch die Lieferantenlandschaft verschiebt sich

Brasilien festigt seine Stellung als wichtigster Lieferant

Brasilien war und bleibt der mit Abstand wichtigste Lieferant der EU bei Sojaschrot. Im Zeitraum 2015–2025 stiegen die Importwerte aus Brasilien von 2,94 Mrd. EUR auf 3,50 Mrd. EUR (+19,2 %), mit einem Höchstwert von 4,65 Mrd. EUR. Brasilien hat damit seinen Anteil an den EU-Importen weiter ausgebaut und sich als unverzichtbarer Partner etabliert. Die Partnerstatistik zeigt, dass Brasilien bereits 2025 mit großem Abstand führt.

Argentinien verliert an Boden

Argentinien, 2015 noch der zweitgrößte Lieferant mit 2,76 Mrd. EUR, verlor im gleichen Zeitraum 19,3 % seines Exportwertes an die EU (2025: 2,23 Mrd. EUR). Der Höchstwert lag bei 3,38 Mrd. EUR. Die Kombination aus makroökonomischen Schwierigkeiten Argentiniens, Währungskrisen und einer zunehmenden Verlagerung der Sojaproduktion nach Brasilien dürfte hier eine Rolle spielen.

Ukraine und Indien als neue Akteure

Besonders auffällig ist der Aufstieg neuer Lieferanten. Die Ukraine steigerte ihre Exporte an die EU von lediglich 5,9 Mio. EUR auf 407,7 Mio. EUR — ein Anstieg von 6.850 %. Auch Indien verfünffachte seine Lieferungen von 86,6 Mio. EUR auf 269,2 Mio. EUR (+210,8 %). Diese Dynamik spiegelt sowohl den Ausbau der heimischen Ölsaatverarbeitung in diesen Ländern als auch die Diversifikationsbestrebungen der EU wider.

Langjährige Lieferanten brechen ein

Demgegenüber stehen drastische Rückgänge bei etablierten Partnern:

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Paraguay 321,0 72,5 −77,4 %
Vereinigte Staaten 396,4 81,7 −79,4 %
Russische Föderation 117,3 2,1 −98,2 %

Quelle: Partnerstatistik

Der praktisch vollständige Wegfall russischer Lieferungen (−98,2 %) ist ein klarer geopolitischer Effekt, der mit den Sanktionen nach 2022 zusammenhängt. Der Rückgang US-amerikanischer Lieferungen (−79,4 %) hingegen könnte auf Handelsdiversifizierung, steigende brasilianische Konkurrenzfähigkeit und mögliche Handelsstreitigkeiten zurückzuführen sein.


2. Die EU als Nettoimporteur: Wachsende Abhängigkeit bei sinkender Eigenproduktion

Der Handelsbilanzdefizit bleibt strukturell enorm

Die EU weist bei Sojaschrot über den gesamten Zeitraum ein massives Handelsbilanzdefizit auf. 2015 betrug dieses −6,51 Mrd. EUR, 2025 −6,73 Mrd. EUR. Der Höchstwert lag bei −8,34 Mrd. EUR. Die Übersichtsstatistik verdeutlicht, dass die EU zwar mengenmäßig mehr importiert (18,3 Mio. t → 20,9 Mio. t, +14,1 %), die Importe aber preislich günstiger werden (378 EUR/t → 332 EUR/t, −12,3 %). Der Wert blieb somit nahezu konstant (+0,1 %), obwohl die physikalischen Mengen deutlich stiegen.

Eigenproduktion der EU geht deutlich zurück

Die EU-eigene Produktion von Sojaschrot sank im gleichen Zeitraum erheblich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 8,51 Mrd. kg 5,74 Mrd. kg −32,6 %
Produktionswert 1,84 Mrd. EUR 1,40 Mrd. EUR −24,3 %

Nettoimportabhängigkeit steigt auf über 84 %

Die Nettoimportquote stieg von 66,0 % (2015) auf 84,5 % (2025) — ein Anstieg um 28,0 %. Der Höchstwert lag bei 86,0 %. Parallel dazu stieg die Handelsintensität von 69,3 % auf 87,9 % (+26,9 %). Die EU wird also zunehmend zu einem reinen Importmarkt für Sojaschrot, während die eigene Wertschöpfung schrumpft.

Exporte gehen drastisch zurück

Die EU-Exporte an Drittländer halbierten sich nahezu: Der Wert sank von 412,6 Mio. EUR auf 201,0 Mio. EUR (−51,3 %), die Menge von 930.000 t auf 478.000 t (−48,6 %). Der wichtigste Exportmarkt, das Vereinigte Königreich, verlor nach dem Brexit massiv an Bedeutung (von 272,5 Mio. EUR auf 64,9 Mio. EUR, −76,2 %). Die Reporteranalyse zeigt, dass die Niederlande als größter EU-Exporter besonders betroffen sind (von 287,0 Mio. EUR auf 55,9 Mio. EUR, −80,5 %). Einziger nennenswerter Gewinner bei den Exportmärkten ist die Schweiz (+153,2 % auf 76,2 Mio. EUR).


3. Geopolitische Schocks und Konzentrationsrisiken prägen das Marktbild

Konzentration der Importe nimmt zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg leicht von 3.460 auf 3.650 (+5,5 %). Der Wert signalisiert eine moderate bis hohe Konzentration: Brasilien und Argentinien zusammen deckten zuletzt rund drei Viertel des EU-Importvolumens ab. Gleichzeitig sank die Exportkonzentration erheblich (von 4.477 auf 2.573, −42,5 %), da die EU-Exporte breiter gestreut und insgesamt kleinvolumiger wurden.

Lieferanten mit hoher Volatilität

Die Volatilitätsanalyse zeigt erhebliche Unterschiede in der Stabilität der Handelsbeziehungen. Auffällig sind:

Partner (Importe) Variationskoeffizient (CV)
Ukraine 1,18
Nigeria 0,90
Indien 0,73
Kanada 0,59
USA 0,56

Die Ukraine als stark wachsender Partner ist gleichzeitig der volatilste — ein Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken. Brasilien hingegen zeigt mit einem CV von lediglich 0,15 eine bemerkenswert stabile Handelsdynamik.

Bei den Exporten ist die Volatilität insgesamt höher, insbesondere gegenüber Russland (CV = 1,01), dem Kosovo (CV = 1,00) und Serbien (CV = 0,99).

Ein identifizierter Preisschock: Türkei 2022

Der einzige systematisch erkannte Schock betraf die EU-Exporte in die Türkei im Jahr 2022: Die Preise stiegen um 30,8 % bei einer Abnormalität von 10,3 und einem Exportanteil von 6,3 %. Dieser Schock steht im Zusammenhang mit den globalen Agrarmarktturbulenzen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine und der veränderten Logistik auf dem Schwarzmeer.

Besondere Spezialisierung innerhalb der EU

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass nur wenige EU-Mitgliedstaaten eine nennenswerte komparative Spezialisierung bei Sojaschrot aufweisen. Slowenien (RSCA = 0,81), die Niederlande (RSCA = 0,45) und Lettland (RSCA = 0,42) sind am stärksten spezialisiert, wobei die Niederlande mit einem Produktionsanteil von 38,0 % die wichtigste Rolle spielen. Frankreich hingegen — trotz eines Importvolumens von über 850 Mio. EUR — weist eine negative Spezialisierung auf (RSCA = −0,92), was auf eine reine Konsumentenrolle hindeutet.


Fazit

Der EU-Markt für Sojaschrot (CN 2304) hat sich zwischen 2015 und 2025 in mehrfacher Hinsicht gewandelt. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

  1. Geopolitische Neuordnung: Der Wegfall russischer Lieferungen (−98 % Importe, −99,9 % Exporte) und der drastische Rückgang des Handels mit dem Vereinigten Königreich nach dem Brexit haben die Handelsströme nachhaltig umgeleitet. Brasilien und die Ukraine haben als Gewinner dieser Umstrukturierung profitiert.

  2. Steigende Importabhängigkeit: Die Nettoimportquote stieg auf 84,5 %, während die inländische Produktion um ein Drittel schrumpfte. Die EU ist zunehmend auf externe Lieferanten angewiesen, was strategische Risiken birgt.

  3. Stabile Struktur, aber fragile Details: Obwohl Brasilien als Hauptlieferant eine stabile Handelsbasis bietet (CV = 0,15), sind die neuen, wachsenden Partner wie die Ukraine (CV = 1,18) deutlich volatiler. Die moderate Konzentration der Importe (HHI ~3.650) birgt das Risiko einer zu starken Abhängigkeit von wenigen südamerikanischen Lieferanten.

Die langfristige Sicherung der Versorgung mit Sojaschrot erfordert sowohl Diversifikationsstrategien als auch eine Stärkung der europäischen Eigenproduktion — ein Ziel, das angesichts der rückläufigen inländischen Kapazitäten zunehmend an Dringlichkeit gewinnt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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