Marktentwicklung: Sonstige Waren aus Eisen oder Stahl (CN 7326) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode 7326 umfasst als Restposition eine breite Palette von Waren aus Eisen oder Stahl, die nicht anderweitig in der Kategorie 73 erfasst sind — von Mahlkugeln über Drahtwaren bis hin zu diversen geschmiedeten und weiterbearbeiteten Erzeugnissen. Die Position ist residual definiert (Produktübersicht) und bildet damit ein heterogenes, aber handelsvolumenmäßig bedeutsames Segment ab: Im Jahr 2025 beliefen sich die EU-Ausfuhren in Nicht-EU-Länder auf rund 8,35 Mrd. EUR und die Einfuhren auf rund 7,26 Mrd. EUR. Der vorliegende Bericht analysiert die Entwicklungen im Zeitraum 2015–2025 und beleuchtet drei zentrale Dynamiken: das divergierende Wachstum von Exporten und Importen, die geografische Verschiebung der Handelspartnerstruktur sowie die zugrunde liegenden Preis- und Schockdynamiken.
1. Divergierende Wachstumspfade: Einfuhren wachsen deutlich stärker als Ausfuhren
Der Handelsüberschuss ist über den gesamten Zeitraum geschrumpft
Die EU verzeichnete im Jahr 2015 einen bilateralen Handelsüberschuss bei CN 7326 von rund 1.553 Mio. EUR (Gesamtübersicht). Bis 2025 schrumpfte dieser auf rund 1.091 Mio. EUR — ein Rückgang von 29,7 %. In einem Jahr (vermutlich 2022, als die Einfuhren mit 7.962 Mio. EUR ihren Höchststand erreichten) wurde sogar ein leichtes Defizit von −54 Mio. EUR verzeichnet. Der Nettoimportabhängigkeit-Indikator bestätigt dies: Er schwankte zwischen −14,6 % (starker Nettoexporteur) und +0,4 % (leichter Nettoimporteur) und lag 2025 bei −7,6 %.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Ausfuhren (Wert, Mio. EUR) | 5.599 | 8.349 | +49,1 % |
| Einfuhren (Wert, Mio. EUR) | 4.046 | 7.258 | +79,4 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | +1.553 | +1.091 | −29,7 % |
Mengenwachstum und Preisentwicklung verlaufen asymmetrisch
Hinter dem unterschiedlichen Wertwachstum verbergen sich grundverschiedene Mengen- und Preistrajektorien. Die EU-Ausfuhren wuchsen mengenmäßig lediglich um 9,8 % (von 1,305 Mio. t auf 1,432 Mio. t), dafür stieg der Durchschnittspreis um 35,9 % (von 4.291 EUR/t auf 5.831 EUR/t). Die Einfuhren hingegen verzeichneten ein mengenmäßiges Wachstum von 68,6 % (von 1,112 Mio. t auf 1,874 Mio. t), bei einem moderaten Preisanstieg von nur 6,4 % (von 3.639 EUR/t auf 3.873 EUR/t).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis (EUR/t) | 4.291 | 5.831 | +35,9 % |
| Importpreis (EUR/t) | 3.639 | 3.873 | +6,4 % |
| Exportmenge (t) | 1.304.588 | 1.431.812 | +9,8 % |
| Importmenge (t) | 1.111.571 | 1.873.951 | +68,6 % |
Diese Asymmetrie deutet darauf hin, dass die EU ihre Ausfuhrposition zunehmend über höhere Wertschöpfung und Qualitätsprodukte verteidigt, während die Importe vor allem mengengetrieben wachsen — ein Muster, das auf verstärkten Wettbewerbsdruck insbesondere aus kostengünstigen Produktionsstandorten hindeutet.
Die EU-Produktion zeigt ein extremes Wert-Mengen-Gefälle
Die EU-Produktionsdaten offenbaren ein bemerkenswertes Phänomen: Die Produktionsmenge stieg von 1.343 Mio. kg auf 1.850 Mio. kg (+37,8 %), während der Produktionswert von 3.292 Mio. EUR auf 20.182 Mio. EUR explodierte (+513,1 %). Dieser extreme Wertanstieg bei moderatem Mengenwachstum dürfte sowohl auf Preissteigerungen bei den verwendeten Rohstoffen (Stahlpreiszyklen) als auch auf eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produkten innerhalb der Position 7326 zurückzuführen sein.
2. Geografische Umstrukturierung: China dominiert die Importseite, die Konzentration nimmt zu
China ist der mit Abstand wichtigste Importpartner und gewinnt weiter an Gewicht
Auf der Importseite hat sich die Bedeutung Chinas im Betrachtungszeitraum nahezu verdoppelt: Die Einfuhren aus China stiegen von 1.561 Mio. EUR auf 3.359 Mio. EUR (+115,2 %), wobei der Höchstwert im Jahr 2022 mit 3.774 Mio. EUR erreicht wurde (Partnerübersicht). China machte 2025 rund 46 % aller Einfuhren aus. Die zweitwichtigste Importquelle, die Türkei, verzeichnete sogar ein Wachstum von 138,9 % (von 343 Mio. EUR auf 820 Mio. EUR).
| Importpartner | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 1.561 | 3.359 | +115,2 % |
| Türkei | 343 | 820 | +138,9 % |
| Vereinigtes Königreich | 358 | 544 | +51,8 % |
| Indien | 136 | 282 | +107,1 % |
| USA | 419 | 659 | +57,5 % |
| Südkorea | 150 | 168 | +11,7 % |
| Ukraine | 29 | 58 | +97,3 % |
Die Exportseite ist breiter diversifiziert und stabiler
Die Exportpartner zeigen eine deutlich gleichmäßigere Verteilung. Die USA sind der größte Abnehmer (1.610 Mio. EUR, +62,1 %), gefolgt vom Vereinigten Königreich (982 Mio. EUR, +29,7 %) und der Türkei (551 Mio. EUR, +105,5 %). Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bestätigt diese strukturelle Asymmetrie: Während der Export-HHI mit einem Wert von 797 im Jahr 2025 auf eine gut diversifizierte Ausfuhrstruktur hinweist, stieg der Import-HHI von 1.911 auf 2.499 (+30,8 %) — ein Wert, der auf eine zunehmende Konzentration und damit potenzielle Abhängigkeit weniger Lieferanten hindeutet.
Deutschland bleibt der zentrale EU-Akteur, Polen und Dänemark gewinnen an Bedeutung
Innerhalb der EU ist Deutschland sowohl größter Importeur (1.782 Mio. EUR, +67,3 %) als auch größter Exporteur (2.225 Mio. EUR, +40,1 %) (Länderspezifische Übersicht). Auffällig ist das Wachstum Polens auf der Importseite (+117,1 %), was auf die zunehmende Rolle des Landes als Produktions- und Logistikstandort in der europäischen Wertschöpfungskette hindeuten könnte. Auf der Exportseite sticht Dänemark mit einem Anstieg von 242,1 % (von 159 Mio. EUR auf 546 Mio. EUR) besonders hervor. Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass insbesondere Kroatien (RSCA: 0,40), Dänemark (0,38) und Estland (0,37) eine überdurchschnittliche Spezialisierung in diesem Segment aufweisen, während Zypern, Irland und Malta praktisch nicht in diesem Bereich exportieren.
3. Preiszyklen, Handelsschocks und steigende Verflechtung
Die Preisunterschiede zwischen Import und Export haben sich deutlich vergrößert
Der Exportpreis stieg von 4.291 EUR/t auf 5.831 EUR/t, der Importpreis lediglich von 3.639 EUR/t auf 3.873 EUR/t. Die Preisschere hat sich damit von 652 EUR/t (2015) auf 1.958 EUR/t (2025) verbreitert. Dies unterstreicht die Positionierung der EU als Anbieter von hochwertigeren Produkten innerhalb dieses Segmentes, birgt aber auch das Risiko, dass preissensitive Absatzmärkte zunehmend von günstigeren Importen verdrängt werden.
Spezifische Handelsschocks zeigen Verletzlichkeiten auf
Die Schockerkennung identifiziert drei bemerkenswerte Ereignisse:
| Schock | Land | Typ | Jahr | Verschiebung | Abnormalität |
|---|---|---|---|---|---|
| Export-Preisschock | Marokko | Preis | 2020 | −29,5 % | 16,6 |
| Export-Preisschock | Vereinigtes Königreich | Preis | 2018 | +20,1 % | 7,8 |
| Import-Preisschock | Indien | Preis | 2022 | +21,5 % | 6,2 |
Der Marokko-Schock (2020) fiel in die COVID-19-Pandemie und dürfte mit dem Einbruch der Nachfrage zusammenhängen. Der Preisschock bei den Exporten in das Vereinigte Königreich (2018) könnte mit der Unsicherheit im Vorfeld des Brexits in Verbindung stehen. Der Indien-Import-Schock (2022) korrespondiert mit der globalen Stahlpreis-Hochphase nach dem russischen Überfall auf die Ukraine. Die Volatilitätsanalyse zeigt zudem, dass die Russische Föderation sowohl auf Import- (CV: 0,69) als auch auf Exportseite (CV: 0,55) die höchste Schwankungsintensität aufweist — ein Spiegelbild der Sanktionsdynamik seit 2022.
Die Segmentstruktur zeigt tektonische Verschiebungen im Unterkapitel der geschmiedeten Erzeugnisse
Die Produktaufschlüsselung nach Unterpositionen offenbart eine bemerkenswerte Entwicklung:
| Unterposition | Beschreibung | Imp. 2015 (t) | Imp. 2025 (t) | Exp. 2015 (t) | Exp. 2025 (t) |
|---|---|---|---|---|---|
| 732690 | Sonstige (nicht geschmiedet, nicht Draht) | 937.331 | 1.621.809 | 1.017.389 | 1.276.091 |
| 732620 | Drahtwaren | 90.782 | 129.227 | 122.076 | 94.426 |
| 732619 | Geschmiedet, nicht weiterbearbeitet (a.n.g.) | 72.350 | 69.321 | 80.389 | 29.991 |
| 732611 | Mahlkugeln | 11.108 | 53.594 | 70.169 | 21.385 |
Besonders auffällig ist der Zusammenbruch der EU-Exporte bei den geschmiedeten Erzeugnissen (732619): Die Ausfuhren sanken mengenmäßig um 63 % und im Wert von 448 Mio. EUR auf 155 Mio. EUR (−65 %). Parallel dazu explodierten die Einfuhren von Mahlkugeln (732611) mengenmäßig um 382 % (von 11.108 t auf 53.594 t) und im Wert um 307 %. Dies deutet auf eine klare Verlagerung der Wertschöpfung in diesem Segment weg von der EU hin zu kostengünstigeren Produzenten hin — ein struktureller Wettbewerbsverlust, der über den Gesamtmarktzahlen zunächst nicht sichtbar wird.
Die Handelsintensität und Exportneigung der EU haben sich mehr als verdoppelt
Der Handelsintensitätsindikator stieg von 24,8 % auf 56,8 % (+129,6 %), und die Exportneigung von 17,6 % auf 41,8 % (+137,2 %). Dies zeigt, dass die EU bei diesem Produkt zunehmend in den Welthandel eingebunden ist — sowohl als Käufer als auch als Verkäufer. Die steigende Verflechtung erhöht die Exposure gegenüber globalen Marktschwankungen und geopolitischen Ereignissen, untermauert aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der EU auf der Exportseite.
Fazit
Die Marktentwicklung von CN 7326 im Zeitraum 2015–2025 ist durch drei übergreifende Trends gekennzeichnet:
Erstens hat sich die EU trotz eines weiterhin bestehenden Handelsüberschusses (1.091 Mio. EUR im Jahr 2025) in eine defensivere Position manövriert. Die Einfuhren wuchsen mengenmäßig fast siebenmal so stark wie die Ausfuhren (+68,6 % vs. +9,8 %), getrieben vor allem durch China und die Türkei.
Zweitens konzentrieren sich die Importe zunehmend auf wenige Lieferanten — der HHI stieg um 31 % auf 2.499 —, während die Exporte breit diversifiziert bleiben. Diese Asymmetrie birgt das Risiko einer einseitigen Abhängigkeit, insbesondere von chinesischen Lieferungen, die 2025 nahezu die Hälfte aller Einfuhren ausmachten.
Drittens vollzieht sich innerhalb der Position 7326 ein subtiler Strukturwandel: Während die EU auf der Exportseite zu höherwertigen, preisintensiveren Produkten tendiert (Durchschnittspreis +36 %), gehen insbesondere im Segment der geschmiedeten Erzeugnisse Marktanteile verloren. Die Mahlkugelimporte stiegen um 382 %, die Exporte geschmiedeter Waren sanken um 63 %. Diese Segmentverschiebungen werden durch die aggregierten Gesamtzahlen kaschiert, verdienen aber besondere Aufmerksamkeit in der industriepolitischen Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlverarbeitung.