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Marktentwicklung: Eisen- und Stahlwaren (CN 732690) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 732690 erfasst als Restposition diverse Waren aus Eisen oder Stahl, die nicht unter spezifischere Unterpositionen fallen — darunter Paletten, Leitern, Dachentlüfter, Rollen für Kabel sowie geschmiedete und gesinterte Erzeugnisse. Diese heterogene Produktgruppe bildet einen bedeutenden Teil des EU-Außenhandels mit Eisen- und Stahlwaren. Der vorliegende Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Veränderungen, geografischen Verschiebungen und Preis- sowie Mengendynamiken. (Gesamtübersicht)


1. Stärkeres Importwachstum verwandelt das Handelsbilanzgleichgewicht

1.1 Exporte und Importe folgen divergierenden Wachstumspfaden

Im Zeitraum 2015–2025 wuchsen sowohl die Exporte als auch die Importe der EU in dieser Warengruppe erheblich, allerdings mit deutlich unterschiedlichen Wachstumsraten. Die Ausfuhren stiegen von 4,74 Mrd. € auf 7,72 Mrd. € (+62,9 %), während die Einfuhren von 3,56 Mrd. € auf 6,58 Mrd. € zunahmen (+85,1 %). Die Importe haben damit in Relation deutlich stärker zugelegt als die Exporte.

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mrd. €) 4,74 7,72 +62,9 %
Importwert (Mrd. €) 3,56 6,58 +85,1 %
Handelsbilanz (Mrd. €) +1,19 +1,14 −3,7 %
Exportmenge (t) 1.017.389 1.276.090 +25,4 %
Importmenge (t) 937.330 1.621.808 +73,0 %

Die Handelsentwicklung zeigt, dass die EU trotz des stärkeren Importwachstums über den gesamten Zeitraum hinweg einen positiven Handelsüberschuss beibehalten konnte — von 1,19 Mrd. € (2015) auf 1,14 Mrd. € (2025). Allerdings war dieser Überschuss nicht konstant: Im Jahr 2022 sank er temporär auf −151 Mio. €, als die Importe mit 7,18 Mrd. € ihren Höchststand erreichten, bevor er sich 2023–2025 wieder erholte. Der Höchstwert des Überschusses lag 2018 bei 1,46 Mrd. €.

1.2 Preisdynamik kompensierte Mengenunterschiede

Ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung des Handelsüberschusses trotz überproportionalen Importwachstums war die Preisentwicklung. Die Exportpreise stiegen im Durchschnitt von 4.659 €/t auf 6.050 €/t (+29,9 %), während die Importpreise nur von 3.793 €/t auf 4.057 €/t anstiegen (+7,0 %). Die EU exportierte demnach tendenziell höherwertige, verarbeitete Erzeugnisse zu deutlich höheren Stückpreisen, während die Importe preisgünstiger blieben. Die Exportpreise erreichten 2023 mit 6.149 €/t ihren Spitzenwert, die Importpreise lagen 2022 mit 4.505 €/t am höchsten.

Preis (€/t) 2015 2019 2022 2025 Δ 2015→2025
Exportpreis 4.659 5.292 5.967 6.050 +29,9 %
Importpreis 3.793 3.738 4.505 4.057 +7,0 %

1.3 Pandemie- und Nachkrisen-Erholung verlief asymmetrisch

Das Jahr 2020 markierte einen deutlichen Einbruch: Die Exporte sanken auf 5,48 Mrd. € und die Importmenge fiel auf 1,19 Mio. Tonnen. Die Erholung verlief jedoch asymmetrisch: Die Importe schossen 2021–2022 besonders stark nach oben (Preis- und Mengeneffekt), während die Exporte moderater, aber stetig wuchsen. Ab 2023 stabilisierten sich die Einfuhren auf einem höheren Niveau, während die Ausfuhren 2024 mit 7,81 Mrd. € ihren Höchstwert erreichten.


2. China dominiert die EU-Einfuhren, während sich die Konzentration verschärft

2.1 China als mit Abstand wichtigster Importpartner

Die geografische Struktur der EU-Importe wird von China dominiert. Im Jahr 2015 beliefen sich die chinesischen Lieferungen auf 1,35 Mrd. € und stiegen bis 2022 auf 3,39 Mrd. € — einem Anteil von rund 47 % am Gesamtimportwert in jenem Jahr. Bis 2025 lag der Wert bei 3,00 Mrd. € (+122,1 % gegenüber 2015). China war damit durchgehend der wichtigste Herkunftsland der EU-Einfuhren in dieser Warengruppe.

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung
China 1.352 3.002 +122,1 %
Türkiye 314 786 +150,0 %
Vereinigtes Königreich 308 516 +67,7 %
Indien 108 246 +127,9 %
USA 391 595 +52,1 %
Südkorea 136 158 +15,7 %
Serbien 40 120 +201,2 %

(Top-Partner)

2.2 Türkiye und Serbien als dynamische Wachstumsmärkte

Neben China verzeichneten auch Türkiye (+150,0 %) und Serbien (+201,2 %) überdurchschnittliche Wachstumsraten bei den EU-Importen. Türkiye entwickelte sich von 314 Mio. € (2015) auf 786 Mio. € (2025) zum zweitgrößten Lieferanten der EU. Serbien wuchs von einem relativ kleinen Basiswert (40 Mio. €) auf 120 Mio. € — ein Indikator für die zunehmende Integration der westbalkanischen Wirtschaft in die europäischen Lieferketten.

2.3 Russische Lieferungen brachen nach 2022 vollständig ein

Deutlich sichtbar ist der Zusammenbruch der Importe aus der Russischen Föderation: Von 23.844 Tonnen (2015) und einem Höhepunkt 2018 mit 32.051 Tonnen sanken die Lieferungen nach 2022 auf lediglich 158 Tonnen (2025) — ein Rückgang von über 99 %. Dies spiegelt die Sanktionsmaßnahmen der EU im Kontext des Ukraine-Konflikts wider. (Volatilität und Schocks)

2.4 Wachsende Konzentration der Importstruktur

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importe nach Wert stieg von 1.882 (2015) auf 2.457 (2025) — eine Zunahme um 30,5 %. Nach Mengen lag der HHI bei 3.548 im Jahr 2025 (Anstieg um 41,6 %). Damit hat sich die Importkonzentration signifikant erhöht, was die EU in Bezug auf China als Hauptlieferanten verwundbarer macht. Die Exportstruktur blieb dagegen deutlich diversifizierter: Der Export-HHI lag bei lediglich 812 (2025), was eine breite Streuung über viele Abnehmerländer widerspiegelt.

(Konzentrationsanalyse)

2.5 Die USA als wichtigstes Exportziel der EU

Auf der Exportseite sind die USA mit Abstand der größte Abnehmer: Die Ausfuhren stiegen von 802 Mio. € (2015) auf 1,51 Mrd. € (+88,1 %). Damit entfielen 2025 rund 19,5 % der EU-Exporte in diese Warengruppe auf die Vereinigten Staaten. Die Schweiz (660 Mio. €), das Vereinigte Königreich (899 Mio. €) und die Türkei (531 Mio. €) folgen auf den Plätzen zwei bis vier. (Top-Exporter)


3. Struktureller Wandel in der Produktion, Spezialisierung und Produktsegmentierung

3.1 EU-Produktion: Mengenrückgang trotz Wertsteigerung

Die EU-Produktion von CN 732690 zeigt ein ambivalentes Bild. Die Produktionsmengen lagen 2024 bei 654.500 Tonnen und damit leicht unter dem Niveau von 2003 (669.238 Tonnen). Der Höchstwert wurde 2021 mit 965.500 Tonnen erreicht — ein Anstieg, der vermutlich mit der post-pandemischen Nachholeffekt und dem globalen Rohstoffboom zusammenhing. Die Produktionswerte stiegen nominal stark an, was jedoch primär auf Inflation und Preissteigerungen in der Stahlbranche zurückzuführen ist. (Produktionsvolumina)

3.2 Spezialisierungsmuster innerhalb der EU variieren stark

Die Analyse der Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Die am stärksten spezialisierten Länder im Jahr 2025 waren:

Land RSCA RCA Produktionsanteil
Dänemark 0,415 2,42 4,2 %
Estland 0,316 1,92 0,7 %
Kroatien 0,302 1,86 0,8 %
Österreich 0,270 1,74 5,7 %
Slowakei 0,263 1,71 3,6 %

(Spezialisierungsanalyse)

Besonders bemerkenswert ist Dänemark, dessen Exporte in dieser Warengruppe von 150 Mio. € (2015) auf 517 Mio. € (2025) stiegen — ein Zuwachs von 244 %. Deutschland ist mit einem Produktionsanteil von 21,1 % und einem nahezu ausgeglichenen RSCA (−0,001) der größte Produzent, weist jedoch keine besondere Spezialisierung auf.

3.3 Die Unterposition 73269098 dominiert Import- und Exportstruktur

Die Produktsegmentierung zeigt, dass die allgemeine Restposition „Waren aus Eisen oder Stahl, a.n.g." (73269098) sowohl bei Importen als auch bei Exporten mit großem Abstand dominiert. Sie machte 2025 rund 80 % des Importwerts (5,26 Mrd. €) und 74 % des Exportwerts (5,69 Mrd. €) aus.

Unterposition Importwert 2025 (Mio. €) Exportwert 2025 (Mio. €)
73269098 – Waren a.n.g. 5.260 5.691
73269040 – Paletten 781 937
73269092 – Freiformgeschmiedet 158 476
73269094 – Gesenkgeschmiedet 157 284
73269030 – Leitern/Trittschemel 71 n/a
73269050 – Rollen/Trommeln 63 144
73269060 – Dachentlüfter/Bauartikel 59 96

3.4 Preispremium bei geschmiedeten Erzeugnissen

Auffällig ist der hohe Preisunterschied bei den geschmiedeten Produkten. Freiformgeschmiedete Waren (73269092) wurden 2025 zu einem Exportpreis von 10.842 €/t exportiert, aber nur zu 4.445 €/t importiert — ein Preispremium von mehr als 140 %. Dies deutet auf eine starke Wertschöpfungskomponente bei EU-Exporten hin. Ähnlich verhielt es sich bei gesenkgeschmiedeten Waren (73269094), wo der Exportpreis (8.812 €/t) mehr als doppelt so hoch lag wie der Importpreis (3.961 €/t). Diese Preisunterschiede erklären, warum die EU trotz geringerer Exportmengen einen positiven Handelsüberschuss erzielt.

3.5 Preis- und Mengenschocks 2022 als Wendepunkt

Die Analyse der Schock-Ereignisse identifiziert 2022 als zentrales Schockjahr. Bei den Importen aus Indien wurde ein abnormaler Preisanstieg von 17,6 % (Abnormalitäts-Score: 20,4) festgestellt; die Importpreise kletterten von 3.756 €/t (2021) auf 4.392 €/t (2022). China verzeichnete einen Preisanstieg von 29,1 % von 2021 auf 2022 (von 3.418 auf 4.167 €/t). Auf der Exportseite schockten die Kanada-Preise um 45,4 % nach oben — ein Effekt, der sich in den Folgejahren fortsetzte. Diese Schocks spiegeln die globalen Stahlpreis- und Lieferkettenprobleme wider, die durch den Ukraine-Konflikt, Energiekostensteigerungen und Nachholeffekte nach der Pandemie ausgelöst wurden.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit CN 732690 zeigt über den Zeitraum 2015–2025 drei wesentliche Trends: Erstens hat das stärkere Importwachstum (+85 %) gegenüber dem Exportwachstum (+63 %) den positiven Handelsüberschuss der EU leicht geschmälert, wenngleich dieser aufgrund höherer Exportpreise erhalten blieb. Zweitens hat sich die Importabhängigkeit von China weiter vertieft — mit einem Anstieg des HHI um 30 % ist die EU anfälliger für Lieferunterbrechungen aus einem einzelnen Herkunftsland geworden. Drittens zeigt die EU eine klare Positionierung in der höheren Wertschöpfungskette: Die Exportpreise liegen insbesondere bei geschmiedeten Produkten um ein Vielfaches über den Importpreisen, was auf eine Spezialisierung in veredelten und technisch anspruchsvolleren Erzeugnissen hindeutet. Die Schocks des Jahres 2022 — sowohl preislich als auch geopolitisch — haben die Marktstruktur nachhaltig verändert, insbesondere durch den fast vollständigen Wegfall russischer Lieferungen. Für die Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit der EU in diesem Segment wird entscheidend sein, ob die Diversifizierung der Importquellen gelingt und das Preispremium bei hochwertigen Exporten aufrechterhalten werden kann.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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