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Marktentwicklung: Schmiedestücke aus Eisen oder Stahl (CN 732619) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode 732619 erfasst Waren aus Eisen oder Stahl, die geschmiedet, jedoch nicht weiterbearbeitet wurden — ausgenommen Mahlkugeln und ähnliche Mahlkörper. Die Position gliedert sich in zwei Unterpositionen: gesenkgeschmiedete (73261990) und freiformgeschmiedete (73261910) Erzeugnisse. Diese Produkte finden breite Anwendung im Maschinenbau, in der Automobilindustrie, im Anlagenbau und in der Energieinfrastruktur.

Der hier untersuchte Zeitraum von 2015 bis 2025 war für den EU-Außenhandel in diesem Segment von tiefgreifenden strukturellen Veränderungen geprägt. Drei zentrale Entwicklungen bestimmen das Bild: Erstens vollzog sich ein beispielloser Wandel vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur. Zweitens verschoben sich die Handelsströme geopolitisch — China gewann erheblich an Bedeutung, während traditionelle Partner wie das Vereinigte Königreich und Russland an Relevanz verloren. Drittens wuchs die EU-Produktion zwar kräftig, doch die Exporte brachen ein, was auf eine zunehmende Binnenorientierung der europäischen Schmiedeindustrie hindeutet.


1. Vom Überschuss zum Defizit — Der strukturelle Wandel der EU-Handelsbilanz

Die Exporte sind innerhalb eines Jahrzehnts um fast zwei Drittel eingebrochen

Der dramatischste Trend im untersuchten Zeitraum ist der anhaltende Niedergang der EU-Ausfuhren. Der Handelsüberblick zeigt einen Rückgang der Exportwerte von 448,2 Mio. € (2015) auf 154,5 Mio. € (2025) — ein Minus von 65,5 %. Mengenmäßig sanken die Ausfuhren von 80.389 Tonnen auf 29.991 Tonnen (−62,7 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 448,2 Mio. € 154,5 Mio. € −65,5 %
Exportmenge 80.389 t 29.991 t −62,7 %
Exportpreis 5.575 €/t 5.149 €/t −7,6 %

Die Daten zeigen, dass der Rückgang nicht linear verlief. Nach einem Einbruch 2016 (−28,6 % gegenüber 2015) erholten sich die Exporte bis 2019 wieder auf 82.844 Tonnen — das Maximum des gesamten Zeitraums. Die COVID-19-Pandemie 2020 verursachte einen erneuten Einbruch auf 63.460 Tonnen. Nach einer partiellen Erholung 2021–2022 folgte der entscheidende Kollaps: Zwischen 2023 und 2024 halbierten sich die Exportmengen nahezu von 58.365 Tonnen auf 29.442 Tonnen und blieben 2025 mit 29.991 Tonnen auf diesem niedrigen Niveau.

Die Importe blieben mengenlich bemerkenswert stabil, verteuerten sich jedoch spürbar

Im Gegensatz zu den Exporten hielten sich die Importe mengenlich relativ stabil: Von 72.350 Tonnen (2015) auf 69.321 Tonnen (2025), lediglich −4,2 %. Der Höchstwert wurde 2017 mit 86.562 Tonnen erreicht. Die Einfuhrwerte stiegen jedoch um 26,7 % von 253,2 Mio. € auf 320,7 Mio. €, was auf einen deutlichen Preisanstieg zurückzuführen ist: Der durchschnittliche Importpreis kletterte von 3.500 €/t auf 4.626 €/t (+32,2 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 253,2 Mio. € 320,7 Mio. € +26,7 %
Importmenge 72.350 t 69.321 t −4,2 %
Importpreis 3.500 €/t 4.626 €/t +32,2 %

Die EU ist 2024 erstmals seit Jahren zum Nettoimporteur geworden

Die divergierenden Entwicklungen bei Aus- und Einfuhren führten zu einer vollständigen Umkehr der Handelsbilanz. 2015 wies die EU noch einen Überschuss von +194,9 Mio. € auf. Nach einem zwischenzeitlichen Tiefpunkt nahe der Nulllinie im Jahr 2017 erholte sich der Saldo 2019 auf +117,5 Mio. €. Ab 2020 verschlechterte er sich jedoch kontinuierlich: 2023 betrug der Überschuss nur noch +43,6 Mio. €, bevor die Handelsbilanz 2024 in ein Defizit von −133,8 Mio. € kippte, das sich 2025 auf −166,2 Mio. € vertiefte.

Die Nettoimportabhängigkeit bestätigt diesen Strukturwandel: Lag sie 2015 bei −40,5 % (die EU exportierte deutlich mehr als sie importierte), so stieg sie bis 2025 auf +6,4 % an — ein historischer Wendepunkt.


2. Geopolitische Neuaufstellung — Verschiebungen bei Handelspartnern und zunehmende Konzentration

China hat seine Stellung als wichtigster EU-Lieferant massiv ausgebaut

Die Länderanalyse der Importseite zeigt eine bemerkenswerte Konzentration auf China. Die Einfuhren aus China stiegen von 61,4 Mio. € (2015) auf 123,9 Mio. € (2025) — ein Plus von 101,8 %. Chinas Anteil an den gesamten EU-Importen wuchs damit von rund 24 % auf nahezu 39 %.

Herkunftsland Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
China 61,4 Mio. € 123,9 Mio. € +101,8 %
Schweiz 19,6 Mio. € 25,0 Mio. € +27,7 %
Indien 21,9 Mio. € 25,0 Mio. € +14,0 %
Türkei 20,6 Mio. € 23,0 Mio. € +11,8 %
Vereinigtes Königreich 41,7 Mio. € 18,0 Mio. € −56,7 %
Südkorea 11,6 Mio. € 8,9 Mio. € −23,6 %
Japan 20,3 Mio. € 10,9 Mio. € −46,6 %

Das Vereinigte Königreich, 2015 noch der zweitwichtigste Lieferant, verlor mehr als die Hälfte seines Exportwerts in die EU — ein Zusammenhang, der mit den durch den Brexit verursachten Handelsreibungen und Zollanwendungen erklärbar ist. Auch Japan und Südkorea verloren erheblich an Boden.

Die EU-Exportmärkte haben sich in alle Richtungen verschlechtert

Die Exportseite zeigt durchweg rückläufige Ströme zu den wichtigsten Abnehmern. Besonders gravierend war der Rückgang bei den drei größten Absatzmärkten:

Zielland Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Vereinigte Staaten 149,9 Mio. € 29,7 Mio. € −80,2 %
Vereinigtes Königreich 81,2 Mio. € 24,4 Mio. € −69,9 %
Russland 15,9 Mio. € 0,03 Mio. € −99,8 %
Schweiz 22,0 Mio. € 7,6 Mio. € −65,5 %
Türkei 10,4 Mio. € 3,8 Mio. € −63,1 %
Norwegen 11,9 Mio. € 7,7 Mio. € −35,4 %
Mexiko 9,4 Mio. € 11,1 Mio. € +17,6 %

Der praktisch vollständige Wegfall der Ausfuhren nach Russland (−99,8 %) ist eindeutig auf die Sanktionen nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine zurückzuführen. Der massive Rückgang in die USA (−80,2 %) könnte mit protektionistischen Maßnahmen und dem Verlust von Wettbewerbsfähigkeit zusammenhängen. Mexiko ist der einzige Markt unter den Top-7, der ein Wachstum verzeichnete (+17,6 %).

Innerhalb der EU haben sich die Import- und Exportprofile der Mitgliedstaaten stark differenziert

Die Mitgliedstaatenanalyse offenbart erhebliche Unterschiede. Bei den Importen stachen Polien (+251,3 %), Spanien (+164,1 %) und die Niederlande (+108,2 %) als am stärksten wachsende Märkte hervor, während Frankreich (−55,0 %) und Rumänien (−59,0 %) deutlich verloren. Deutschland blieb mit +35,8 % moderat wachsend und war 2025 mit 55,2 Mio. € der größte EU-Importeur.

Bei den Exporten hielt Italien seine Führungsposition mit 165,5 Mio. € relativ stabil (+4,9 %), während Frankreichs Ausfuhren um 74,3 % auf 44,9 Mio. € einbrachen. Bemerkenswert war der Aufstieg Dänemarks (+330,7 % auf 12,7 Mio. €) und Spaniens (+46,1 % auf 39,1 Mio. €).

Die Importkonzentration hat stark zugenommen, die Exportkonzentration abgenommen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe (nach Wert) stieg von 1.294 auf 1.994 (+54,0 %). Der Anstieg über die Schwelle von 1.800 signalisiert eine Verschiebung in den Bereich moderater Konzentration — die EU bezieht ihre Schmiedestücke zunehmend aus weniger Herkunftsländern, was die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten erhöht.

HHI-Indikator 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert) 1.294 1.994 +54,0 %
Exporte (Wert) 1.597 906 −43,3 %

Gleichzeitig sank der Export-HHI von 1.597 auf 906 (−43,3 %). Dies bedeutet, dass die verbleibenden EU-Ausfuhren breiter gestreut sind als zuvor — ein Paradoxon, das dadurch erklärt wird, dass die großen Volumina in die USA und das Vereinigte Königreich weggefallen sind und die Restexporte sich auf mehr, aber kleinere Märkte verteilen.


3. Produktionsboom und Exportparadox — Steigende inländische Wertschöpfung bei schwindender internationaler Präsenz

Die EU-Produktion geschmiedeter Stahlerzeugnisse hat sich vervielfacht

Die Produktionsdaten (PRODCOM 25.99.29.22) zeigen ein eindrucksvolles Wachstum der EU-Fertigung. Die Produktionsmenge stieg von 193.228 Tonnen (2015) auf 720.000 Tonnen (2025) — ein Plus von 272,6 %. Noch stärker wuchs der Produktionswert: von 435,2 Mio. € auf 2.089,2 Mio. € (+380,0 %). Der Höchstwert wurde mit 1.044.945 Tonnen bzw. 2.300 Mio. € in einem Zwischenjahr erreicht.

Produktionskennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 193.228 t 720.000 t +272,6 %
Produktionswert 435,2 Mio. € 2.089,2 Mio. € +380,0 %

Die Exportquote ist auf unter 10 % geschrumpft

Trotz des Produktionsbooms sank die Exportneigung dramatisch: von 55,9 % im Jahr 2015 auf nur noch 9,7 % im Jahr 2025 (−82,7 %). Das bedeutet, dass die EU 2015 noch mehr als die Hälfte ihrer Produktion exportierte, 2025 jedoch weniger als ein Zehntel. Parallel dazu sank die Handelsintensität von 65,3 % auf 22,5 % (−65,6 %).

Diese Zahlen deuten auf eine fundamentale Neuausrichtung hin: Die EU-Schmiedeindustrie produziert zunehmend für den Binnenmarkt. Mögliche Treiber sind steigende Nachfrage aus der Energiewende (Windkraft, Netzausbau), dem Infrastrukturprogramm und der Verteidigungsindustrie sowie Lieferketten-Reshoring-Tendenzen.

Die Unterpositionen entwickeln sich gegenläufig — gesenkgeschmiedete Produkte dominieren die Einfuhren

Die Segmentanalyse zeigt ein differenziertes Bild der beiden Unterpositionen:

Importe nach Segment:

Segment Menge 2015 Menge 2025 Veränderung Wert 2015 Wert 2025 Veränderung
73261990 (gesenkgeschmiedet) 46.422 t 50.230 t +8,2 % 169,0 Mio. € 231,2 Mio. € +36,8 %
73261910 (freiformgeschmiedet) 25.929 t 19.057 t −26,5 % 84,3 Mio. € 88,6 Mio. € +5,2 %

Gesenkgeschmiedete Produkte (73261990) dominieren die Einfuhren sowohl mengen- als auch wertmäßig und verzeichneten sogar ein Mengenwachstum. Freiformgeschmiedete Erzeugnisse (73261910) verloren hingegen mengenmäßig deutlich. Die Importpreise beider Segmente stiegen: 73261990 von 3.639 €/t auf 4.602 €/t, 73261910 von 3.250 €/t auf 4.651 €/t.

Exporte nach Segment:

Segment Menge 2015 Menge 2025 Veränderung Wert 2015 Wert 2025 Veränderung
73261990 (gesenkgeschmiedet) 44.005 t 14.035 t −68,1 % 188,8 Mio. € 89,6 Mio. € −52,5 %
73261910 (freiformgeschmiedet) 36.384 t 15.957 t −56,1 % 259,4 Mio. € 65,0 Mio. € −75,0 %

Beide Segmente verzeichneten bei den Exporten dramatische Rückgänge. Besonders auffällig ist der Wertverlust bei freiformgeschmiedeten Erzeugnissen (−75,0 %), obwohl die Mengenreduktion bei gesenkgeschmiedeten Produkten prozentual noch größer war (−68,1 %). Dies spiegelt sich im Preisverfall der Freiformprodukte: Der Exportpreis sank von 7.130 €/t auf 4.070 €/t (−42,9 %), während der Preis für gesenkgeschmiedete Exporte von 4.289 €/t auf 6.377 €/t (+48,7 %) stieg. Die EU exportiert demnach zunehmend hochwertigere gesenkgeschmiedete Teile, verliert aber insgesamt stark an Marktvolumen.

Preis-Schocks haben den Handel an einzelnen Fronten destabilisiert

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere bemerkenswerte Preisschocks:

Ereignis Land Stromrichtung Jahr Preisänderung Anomaliewert
Preisschock Indien Exporte 2020 +183,5 % 50,6
Preisschock Vereinigtes Königreich Importe 2021 +270,4 % 27,8
Preisschock Indien Importe 2022 +27,3 % 24,1

Der stärkste Schock betraf die Exportpreise nach Indien im Jahr 2020 mit einer Anomalie von 50,6 — ein außergewöhnlicher Ausreißer, der vermutlich mit pandemiebedingten Lieferkettenstörungen und Engpässen zusammenhängt. Der Preisanstieg bei Importen aus dem Vereinigten Königreich um 270 % im Jahr 2021 ist ein starkes Signal für die Handelsreibungseffekte des Brexit. Japan (Variationskoeffizient 0,92) und das Vereinigte Königreich (0,66) waren die volatilsten Importpartner, während bei den Exporten Bosnien und Herzegowina (1,36) und Indien (0,75) die höchsten Schwankungen aufwiesen.

Spezialisierung und Wettbewerbsfähigkeit variieren innerhalb der EU stark

Die Spezialisierungsanalyse für 2025 zeigt, dass Estland (RSCA: 0,69), Tschechien (0,66), Litauen (0,55), Spanien (0,53) und Frankreich (0,39) die höchste Spezialisierung im Bereich geschmiedeter Stahlerzeugnisse aufweisen. Am anderen Ende stehen Zypern (RSCA: −1,00), Malta (−1,00) und Irland (−0,96) mit praktisch keiner Produktion in diesem Segment. Deutschland, trotz seiner Rolle als größter Importeur, weist einen negativen Spezialisierungsindex von −0,77 auf — es dominiert in diesem Segment als Nachfrager, nicht als Produzent für den Export.


Fazit

Der EU-Markt für geschmiedete Stahlerzeugnisse (CN 732619) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Die Kernbefunde lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Strukturelle Handelswende: Die EU hat sich von einem Nettoexporteur mit einem Überschuss von 195 Mio. € (2015) zu einem Nettoimporteur mit einem Defizit von 166 Mio. € (2025) gewandelt. Die Exporte fielen um 65,5 %, während die Importe mengenlich stabil blieben und preislich stiegen.

  2. Geopolitische Neuausrichtung: China hat seine Dominanz als Lieferant ausgebaut und deckt nun fast 39 % der EU-Importe ab. Gleichzeitig sind die traditionellen Handelsströme ins Vereinigte Königreich (Brexit), nach Russland (Sanktionen) und in die USA (Wettbewerbsverlust) stark eingebrochen. Die Importkonzentration ist deutlich gestiegen.

  3. Produktionswachstum ohne Exportdividende: Die EU-Produktion vervielfachte sich, doch die Exportquote sank von 56 % auf unter 10 %. Die inländische Schmiedeindustrie produziert zunehmend für den europäischen Markt — möglicherweise getrieben durch Investitionen in erneuerbare Energien, Verteidigung und Infrastruktur.

Die sich abzeichnende höhere Importabhängigkeit bei gleichzeitiger Konzentration weniger Lieferanten stellt die EU vor strategische Herausforderungen. Die Frage der Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schmiedeindustrie wird angesichts geopolitischer Spannungen und der Transformation der Industriebasis an Relevanz gewinnen.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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