Marktentwicklung: Schuhe mit Laufsohlen und Oberteil aus Kautschuk oder Kunststoff (ausg. den Knöchel bedeckend oder mit Oberteil aus Bändern oder Riemen gefertigt und mit der Sohle durch Zapfen zusammengesteckt sowie wasserdichte Schuhe der Pos. 6401, Sportschuhe, orthopädische Schuhe und Schuhe mit Spielzeugcharakter) (CN 640299) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Marktentwicklung der Europäischen Union für Schuhe des Zolltarifcodes CN 640299 im Zeitraum von 2015 bis 2025. Diese Warengruppe umfasst hauptsächlich Alltagsschuhe, Hausschuhe und leichte Schuhe mit Ober- und Sohlen aus Kautschuk oder Kunststoff, schließt jedoch Spezialkategorien wie Sport-, orthopädische oder wasserdichte Schuhe aus. Die Analyse basiert ausschließlich auf den bereitgestellten Handelsdaten und zielt darauf ab, die zentralen Trends, strukturellen Verschiebungen und deren potenzielle Ursachen zu identifizieren.
1. Robustes Wachstum bei divergierenden Preis- und Mengentrends
Der EU-Außenhandel mit CN 640299 verzeichnete im Zeitraum 2015-2025 ein beachtliches Wertwachstum, sowohl bei Aus- als auch bei Einfuhren. Die Dynamik wurde jedoch von einer deutlichen Trennung zwischen Preis- und Mengenentwicklung geprägt, was auf eine Qualitätsoffensive oder Produktverschiebungen innerhalb der Warengruppe hindeuten könnte.
Die Exporte der EU verzeichneten zwischen 2015 und 2025 ein Wertwachstum von 113,7 %, stiegen also von rund 627 Mio. € auf 1,34 Mrd. €. Die exportierte Menge wuchs im selben Zeitraum jedoch nur um 17,6 % von 30.149 auf 35.453 Tonnen. Dieses Muster ergibt sich aus einem starken Anstieg der durchschnittlichen Exportpreise um 81,7 % (von 20.810 €/t auf 37.820 €/t). Die Höchstwerte für Wert (1,50 Mrd. €) und Menge (39.708 t) wurden im Jahr 2022 erreicht, was auf einen vorübergehenden Nachfrageschub nach der Pandemie hindeutet (Detaillierte Handelsentwicklung).
Auch die Einfuhren der EU wuchsen im Betrachtungszeitraum kräftig, jedoch schwächer als die Exporte. Der Importwert stieg um 51,9 % von 2,71 Mrd. € auf 4,12 Mrd. €. Die importierte Menge nahm mit 43,6 % (von 248.265 t auf 356.504 t) ebenfalls deutlich zu. Die durchschnittlichen Importpreise stiegen hingegen nur moderat um 5,8 % (von 10.926 €/t auf 11.560 €/t). Dies kontrastiert stark mit der Exportpreisentwicklung und legt nahe, dass die EU zunehmend höherwertige, preisintensivere Schuhe exportiert, während sie Mengenvolumen zu vergleichsweise niedrigeren Preisen importiert.
Der Handelsbilanzdefizit der EU für CN 640299 vergrößerte sich nominal um 33,4 % auf 2,78 Mrd. € im Jahr 2025. Dies ist eine direkte Folge des überproportionalen Werts der Einfuhren. Dennoch ist die Nettoimportabhängigkeit (als Anteil der heimischen Nachfrage) von 68,2 % im Jahr 2015 auf 79,0 % im Jahr 2025 gestiegen, mit einem Spitzenwert von 89,0 % im Jahr 2010. Dies unterstreicht die anhaltende und sogar zunehmende Abhängigkeit des EU-Marktes von importierten Schuhen dieser Kategorie (Importabhängigkeit).
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 0,63 | 1,34 | +113,7 |
| Exportmenge (t) | 30.149 | 35.453 | +17,6 |
| Importwert (Mrd. €) | 2,71 | 4,12 | +51,9 |
| Importmenge (t) | 248.265 | 356.504 | +43,6 |
| Durchschn. Exportpreis (€/t) | 20.810 | 37.820 | +81,7 |
| Durchschn. Importpreis (€/t) | 10.926 | 11.560 | +5,8 |
2. Tiefgreifende Umstrukturierung der Handelspartnerschaften
Die Zusammensetzung der wichtigsten Handelspartner der EU hat sich zwischen 2015 und 2025 sowohl bei den Importen als auch bei den Exporten stark verändert. Diese Umstrukturierung spiegelt globale Produktionsverschiebungen, geopolitische Entwicklungen wie den Brexit und geografische Diversifizierungsstrategien wider.
Beim Import blieb China mit einem Wert von 2,12 Mrd. € (2025) der dominierende Lieferant. Allerdings stiegen die Einfuhren aus Vietnam mit +153,6 % auf über 1 Mrd. € (2025) am stärksten und festigten seinen Platz als zweitwichtigsten Partner. Ebenso verzeichneten Indonesien (+116,4 %), Kambodscha (+133,9 %) und Bangladesch (+117,0 %) ein massives Wachstum. Diese Dynamik deutet auf eine fortlaufende Verlagerung von Schuhproduktion in kostengünstigere südostasiatische Länder hin. Demgegenüber brachen die Importe aus dem Vereinigten Königreich nach 2020 um 84,4 % ein, was ein deutlicher Effekt des Brexits und der neuen Handelsbarrieren ist (Wichtigste Importpartner).
Beim Export ist der Vereinigte Königreich mit 252,5 Mio. € (2025) nach wie vor der größte Markt, trotz eines leichten Rückgangs nach 2019. Die bemerkenswerteste Dynamik zeigt sich bei den Exporten in die USA, die sich von 51 Mio. € (2015) auf 258 Mio. € (2025) mehr als verfünffachten (+403,0 %). Ebenso außergewöhnlich war das Wachstum der Exporte in die Schweiz (+253,3 %) und in die Türkei (+235,5 %). Die Exporte nach Norwegen vervierfachten sich nahezu (+326,6 %). Diese starke Diversifizierung weg vom UK-Markt hin zu westeuropäischen und transatlantischen Märkten kompensierte den Brexit-Effekt und machte die EU-Exporte widerstandsfähiger (Wichtigste Exportpartner).
| Richtung | Top-Partner 2025 (Wert) | Bedeutendstes Wachstum 2015-2025 |
|---|---|---|
| Importe | China (2,12 Mrd. €), Vietnam (1,03 Mrd. €) | Vietnam (+153,6%), Indonesien (+116,4%) |
| Exporte | UK (252,5 Mio. €), USA (258,5 Mio. €) | USA (+403,0%), Schweiz (+253,3%), Norwegen (+326,6%) |
3. Strukturelle Verschiebungen: Produktion, Konzentration und Volatilität
Hinter den Handelszahlen zeigen sich tiefgreifende strukturelle Veränderungen innerhalb der EU. Dazu gehören ein langfristiger Rückgang der inländischen Produktionsmenge, eine zunehmende Spezialisierung einzelner Mitgliedstaaten sowie eine unterschiedliche Volatilität der Handelsströme, die auf spezifische Schocks hinweist.
Die Produktion von CN 640299-Schuhen in der EU ist langfristig rückläufig. Die Menge fiel von 67,5 Mio. Paaren (2003) auf 52,0 Mio. Paare (2024). Parallel dazu stieg der Produktionswert von 497 Mio. € auf 955 Mio. € an. Die Kombination aus sinkender Menge und steigendem Wert führte zu einer Verdreifachung des durchschnittlichen Produktionspreises von 7,4 €/Paar auf 18,4 €/Paar. Dieses Muster deutet auf eine Abkehr von der Massenproduktion hin zu hochwertigeren, möglicherweise spezialisierteren oder nachhaltigeren Produkten (EU-Produktionsvolumen).
Die Konzentration der Handelsströme (gemessen am Herfindahl-Hirschman-Index, HHI) hat bei den Importen abgenommen (HHI sank von 4.398 auf 3.376), was auf eine Diversifizierung der Lieferantenbasis hindeutet. Bei den Exporten ist die Konzentration ebenfalls gesunken (HHI von 1.717 auf 1.121). Bezüglich der Spezialisierung der EU-Mitgliedstaaten zeigt die Analyse für 2025, dass Belgien (RSCA: 0,40) und Polen (RSCA: 0,20) die höchste komparative Spezialisierung in diesem Produkt aufweisen. Deutschland, Italien und die Niederlande haben zwar große Produktionsanteile, aber nur mittlere Spezialisierungswerte (Spezialisierungskarte).
Die Analyse der Volatilität (Variationskoeffizient der Mengen) zeigt, dass Importe aus dem Vereinigten Königreich (CV: 1,66) und Myanmar (CV: 0,87) am schwankungsanfälligsten waren. Bei den Exporten weisen Handelsströme nach Japan (CV: 0,67) und Serbien (CV: 0,69) die höchste Volatilität auf. Identifizierte Preisschocks umfassen einen anomalen Preisanstieg bei Exporten nach Algerien im Jahr 2017 (+142,9 %) sowie bei Importen aus Vietnam im Jahr 2022 (+26,6 %). Letzterer korreliert mit der globalen Lieferkettenkrise und führte zu einer dauerhaften Neubewertung vietnamesischer Lieferungen (Volatilitätsanalyse).
Fazit
Zwischen 2015 und 2025 hat sich der EU-Markt für Alltagsschuhe aus Kautschuk/Kunststoff (CN 640299) durch drei zentrale Dynamiken verändert. Erstens vollzog sich ein Wachstum im Wert, angetrieben durch stark steigende Exportpreise, während die Mengenentwicklung moderater ausfiel. Zweitens fand eine grundlegende Neuausrichtung der Handelsströme statt: Bei den Importen verlagerte sich der Fokus weiter nach Südostasien, während sich die Exporte erfolgreich von der Abhängigkeit vom UK-Markt lösten und stark in die USA und die Schweiz expandierten. Drittens zeigen strukturelle Indikatoren einen Wandel der EU-Produktion weg von der Masse hin zu mehr Wert sowie eine zunehmende Spezialisierung einzelner Mitgliedstaaten.
Die gestiegene Nettoimportabhängigkeit (79 %) bleibt ein kritischer Aspekt, der die EU-Produzenten unter Druck setzt. Die beobachtete Diversifizierung der Exportmärkte erhöht jedoch die Widerstandsfähigkeit gegenüber regionalen Schocks. Langfristig deutet alles auf eine weitere Polarisierung hin: Einerseits eine wettbewerbsfähige EU-Exportindustrie für hochwertigere Produkte, andererseits ein stark von kostengünstigen, asiatischen Importen geprägter Massenmarkt im Inneren.