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Marktentwicklung: Damenschuhe (CN 64029998) — 2015–2025

Einleitung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union für den Zolltarifcode 64029998 im Zeitraum 2015 bis 2025. Erfasst werden Schuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk oder Kunststoff und Oberteil aus Kunststoff, mit einer Innensohlenlänge von mindestens 24 cm, die erkennbar für Frauen bestimmt sind — ausgenommen knöchelhohe Modelle, Schuhe mit Riemenblatt, ungeschlossene Varianten sowie Sport-, Haus-, wasserdichte und orthopädische Schuhe.

Der analysierte Zeitraum umfasst elf vollständige Handelsjahre und ermöglicht damit eine belastbare Langzeitbetrachtung. Die Daten zeigen eine Marktentwicklung, die von drei zentralen Dynamiken geprägt ist: einer strukturellen Verlagerung der Importquellen weg von China und dem Vereinigten Königreich hin zu Südostasien, einem deutlichen Trend zur Premiumisierung bei gleichzeitig schrumpfenden Mengen, sowie einer wachsenden Importabhängigkeit der EU bei gleichzeitig rückläufiger inländischer Produktion.

Die Produktdefinition ist im Überblick über Produkt und Warenstruktur nachzuvollziehen.


1. Strukturelle Verschiebung der Importquellen: Von China und dem Brexit zu den ASEAN-Produktionsländern

1.1 China verliert Marktanteile, bleibt aber dominierend

China war und bleibt mit großem Abstand der wichtigste Lieferant von Damenschuhen (CN 64029998) in die EU. Im Jahr 2015 importierte die EU chinesische Waren im Wert von 553,9 Mio. EUR, 2025 lag der Wert bei 582,5 Mio. EUR — ein moderates Wachstum von lediglich 5,2 % über den gesamten Zeitraum. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von unter 0,5 % und markiert einen deutlichen Bedeutungsverlust im Verhältnis zur Gesamtimportentwicklung, die insgesamt +34,8 % betrug.

Partnerland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 553,9 582,5 +5,2 %
Viet Nam 81,3 229,8 +182,6 %
Indonesien 18,4 42,1 +128,6 %
Kambodscha 10,2 18,5 +81,1 %
Myanmar 0,3 23,2 +7.088,9 %

1.2 Südostasiatische Länder als Hauptgewinner der Diversifizierung

Der auffälligste Trend im betrachteten Zeitraum ist der rasanante Aufstieg südostasiatischer Lieferanten. Viet Nam verfünffachte seinen Exportwert in die EU nahezu (von 81,3 Mio. EUR auf 229,8 Mio. EUR, +182,6 %) und ist damit mittlerweile der zweitgrößte Lieferant mit einem Anteil von rund 23 % an den EU-Importen. Indonesien (+128,6 %), Kambodscha (+81,1 %) und insbesondere Myanmar (+7.088,9 %) verzeichneten ebenfalls markante Zuwächse. Myanmar entwickelte sich von einem marginalen Lieferanten (0,3 Mio. EUR) zu einem relevanten Akteur mit 23,2 Mio. EUR Importvolumen.

Diese Verlagerung spiegelt globale Produktionsverschiebungen wider: Schuhhersteller verlagern Kapazitäten aus China in Länder mit niedrigeren Arbeitskosten und teils günstigeren Handelspräferenzen. Die EU-Freihandelsabkommen und das Allgemeine Präferenzsystem (APS) begünstigen diese Entwicklung.

1.3 Der Brexit-Effekt: Dramatischer Rückgang der britischen Lieferungen

Ein Sonderfall ist das Vereinigte Königreich: Die Importe aus dem UK sanken von 38,7 Mio. EUR (2015) auf 6,3 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 83,7 %. Parallel dazu sanken auch die EU-Exporte in das Vereinigte Königreich von 59,8 Mio. EUR auf 43,3 Mio. EUR (−27,6 %). Der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU zum 1. Januar 2021 führte zu Zollformalitäten, Ursprungsregeln und regulatorischen Hürden, die den bilateralen Handel in diesem Segment erheblich belasteten. Die Volatilität der UK-Importe war mit einem Variationskoeffizienten von 1,52 die höchste aller Handelspartner, was auf die starken Schwankungen rund um den Brexit hindeutet.

1.4 Abnehmende Konzentration der Importquellen

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für die Importkonzentration sank im Wert von 5.665 auf 3.986 (−29,6 %). Diese Entwicklung bestätigt die zunehmende Diversifizierung der EU-Importquellen. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten — insbesondere von China — nimmt ab, auch wenn China nach wie vor über 55 % der Importe stellt.

Die Konzen­trationskennzahlen sowie die Handelspartner-Übersicht bieten hierzu vertiefende Einblicke.


2. Premiumisierung und Mengenrückgang: Die Wert-Mengen-Schere

2.1 Importe: Wachstum im Wert, Stagnation bei den Paarzahlen

Die EU-Importe von Damenschuhen (CN 64029998) entwickelten sich im Wert deutlich positiger als in den Mengen. Während der Importwert von 746,8 Mio. EUR (2015) auf 1.006,8 Mio. EUR (2025) stieg (+34,8 %), sank die importierte Menge in Paaren von 139,9 Mio. auf 117,0 Mio. Paar (−16,3 %). Die importierte Masse in Tonnen stieg hingegen leicht an (73.406 t auf 83.990 t, +14,4 %), was auf ein höheres durchschnittliches Gewicht pro Paar hindeuten könnte.

Kennzahl (Importe) 2015 2025 Veränderung
Wert (Mio. EUR) 746,8 1.006,8 +34,8 %
Menge (Mio. Paar) 139,9 117,0 −16,3 %
Masse (t) 73.406 83.990 +14,4 %
Preis pro Paar (EUR) 5,34 8,60 +61,2 %
Preis pro Tonne (EUR) 10.173 11.987 +17,8 %

Der durchschnittliche Importpreis pro Paar stieg von 5,34 EUR auf 8,60 EUR — eine Steigerung von 61,2 %. Dies signalisiert eine klare Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten im Importmix, getrieben sowohl von steigenden Produktionskosten in den Herkunftsländern als auch von einer Verschiebung der Nachfrage zu höherwertigem Schuhwerk.

2.2 Exporte: Deutliche Premiumisierung der EU-Ausfuhren

Noch prononcierter fällt die Wert-Mengen-Schere bei den EU-Exporten aus. Der Exportwert stieg von 217,6 Mio. EUR auf 237,9 Mio. EUR (+9,3 %), während die exportierte Menge in Paaren von 19,8 Mio. auf 11,7 Mio. Paar sank (−40,6 %). Der durchschnittliche Exportpreis pro Paar erhöhte sich von 11,01 EUR auf 20,26 EUR (+84,0 %), der Preis pro Tonne von 18.034 EUR auf 29.968 EUR (+66,2 %).

Kennzahl (Exporte) 2015 2025 Veränderung
Wert (Mio. EUR) 217,6 237,9 +9,3 %
Menge (Mio. Paar) 19,8 11,7 −40,6 %
Masse (t) 12.066 7.936 −34,2 %
Preis pro Paar (EUR) 11,01 20,26 +84,0 %
Preis pro Tonne (EUR) 18.034 29.968 +66,2 %

Die EU exportiert demnach weniger Schuhe, aber zu deutlich höheren Preisen. Dies deutet auf eine Spezialisierung europäischer Hersteller auf hochwertige Nischenprodukte hin — ein Muster, das im europäischen Schuhsektor insgesamt zu beobachten ist. Der Exportpreis pro Paar (20,26 EUR im Jahr 2025) liegt mehr als doppelt so hoch wie der Importpreis (8,60 EUR), was die unterschiedliche Positionierung im Marktsegment verdeutlicht.

2.3 Handelsbilanz: Defizit wächst trotz Exportwertsteigerung

Das Handelsbilanzdefizit der EU in diesem Segment verschärfte sich von −529,2 Mio. EUR (2015) auf −768,9 Mio. EUR (2025), eine Verschlechterung um 45,3 %. Trotz steigender Exportwerte konnte das wachsende Importvolumen nicht kompensiert werden. Die Nettoimportabhängigkeit stieg von 81,4 % auf 89,0 %, d. h. nahezu 90 % des in der EU konsumierten Schuhvolumens in diesem Segment wird importiert.

2.4 Rückläufige inländische Produktion verteuert den Importbedarf

Die EU-Produktion von Damenschuhen dieses Typs halbierte sich nahezu: Die produzierte Menge sank von 28,9 Mio. Paar auf 14,8 Mio. Paar (−48,9 %), während der Produktionswert von 201,9 Mio. EUR auf 375,0 Mio. EUR stieg (+85,8 %). Die Produktionsvolumina zeigen damit ein analoges Muster zu den Handelsdaten: weniger Stück, aber höherwertig. Die europäische Schuhindustrie verlagert sich zunehmend auf premium-positionierte Produkte, während das Volumengeschäft an asiatische Hersteller verloren geht.


3. Regionale Spezialisierung innerhalb der EU und Handelspartner-Volatilität

3.1 Deutschland, Spanien und Italien dominieren den EU-Import

Innerhalb der EU sind Deutschland, Spanien und Italien die drei größten Importländer. Deutschland importierte 2025 Damenschuhe im Wert von 191,5 Mio. EUR (+20,1 % gegenüber 2015), Italien 128,8 Mio. EUR (+59,8 %) und Spanien 132,5 Mio. EUR (+23,9 %). Auffällig ist das Wachstum Belgiens, das seine Importe von 110,5 Mio. EUR auf 181,5 Mio. EUR (+64,3 %) steigerte — vermutlich auch bedingt durch die Rolle des Hafens Antwerpen als europäische Drehscheibe für Schuhimporte.

EU-Mitgliedstaat Importe 2015 (Mio. EUR) Importe 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Deutschland 159,5 191,5 +20,1 %
Belgien 110,5 181,5 +64,3 %
Spanien 106,9 132,5 +23,9 %
Italien 80,6 128,8 +59,8 %
Frankreich 79,2 95,3 +20,3 %
Niederlande 57,1 102,5 +79,7 %
Polen 26,7 48,3 +81,1 %

3.2 Italien und Polen als Exportwachstumstreffer, Deutschland verliert

Auf der Exportseite vollzog sich ein bemerkenswerter Rollenwechsel innerhalb der EU. Italien steigerte seine Exporte von 34,0 Mio. EUR auf 61,8 Mio. EUR (+81,8 %) und überholte Deutschland als größten EU-Exporteur in diesem Segment. Deutschland hingegen verlor mehr als die Hälfte seiner Exporte: von 98,1 Mio. EUR auf 46,1 Mio. EUR (−53,0 %). Polen verzeichnete ein überaus dynamisches Exportwachstum von 2,3 Mio. EUR auf 21,5 Mio. EUR (+817,6 %), was auf den Aufbau polnischer Produktionskapazitäten im mittleren Preissegment hindeutet.

EU-Mitgliedstaat Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 34,0 61,8 +81,8 %
Deutschland 98,1 46,1 −53,0 %
Spanien 31,7 32,6 +3,0 %
Polen 2,3 21,5 +817,6 %
Belgien 20,1 23,9 +18,6 %

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Belgien mit einem RSCA-Index von 0,55 die höchste Spezialisierung aufweist, gefolgt von Luxemburg (0,35), Spanien (0,22) und Polen (0,21). Diese Länder konzentrieren einen überproportionalen Anteil ihrer Schuhexporte auf dieses Segment.

3.3 Schweiz und Türkei als wichtigste Exportziele außerhalb der EU

Die Schweiz entwickelte sich zum wichtigsten Exportziel der EU für Damenschuhe (CN 64029998). Die Ausfuhren stiegen von 19,7 Mio. EUR auf 51,2 Mio. EUR (+159,4 %). Die Türkei verzeichnete ebenfalls ein starkes Exportwachstum von 11,9 Mio. EUR auf 38,3 Mio. EUR (+222,4 %). Das Vereinigte Königreich blieb trotz des Brexit-Rückgangs mit 43,3 Mio. EUR ein bedeutendes Exportziel. Die Exporte in die USA blieben weitgehend stabil (22,8 Mio. EUR auf 22,1 Mio. EUR, −3,1 %).

3.4 Preischocks und Volatilität als Zeichen von Marktinstabilitäten

Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass bestimmte Handelsbeziehungen erheblichen Schwankungen unterliegen. Der Variationskoeffizient der Importe aus dem Vereinigten Königreich lag bei 1,52 — der höchste aller Partner — was den Brexit-Effekt unterstreicht. Bei den Exporten weisen Japan (CV = 1,23) und die Vereinigten Arabischen Emirate (CV = 0,78) die höchste Volatilität auf.

Drei signifikante Preischocks wurden identifiziert:

  • VAE (2023): Ein Preisschock bei EU-Exporten mit einer Anomalie von 163,9 und einer Preisverschiebung von +151,6 %, bei einem Wertanteil von 1,6 % der Gesamtexporte.
  • Algerien (2017): Ein Preisschock bei EU-Exporten mit einer Anomalie von 95,2 und einer Preisverschiebung von +84,0 %.
  • Vereinigtes Königreich (2022): Ein Preisschock bei EU-Exporten mit einer negativen Preisverschiebung von −15,9 %, allerdings bei einem sehr hohen Wertanteil von 27,6 % der Exporte, was die Schwankungen des bilateralen Handels nach dem Brexit widerspiegelt.

Die Volatilitätsübersicht sowie die erkannten Schocks liefern hierzu detaillierte Informationen.


Fazit

Der Markt für Damenschuhe (CN 64029998) in der EU hat sich im Zeitraum 2015–2025 in drei wesentlichen Dimensionen grundlegend verändert:

Erstens vollzog sich eine strukturelle Verlagerung der Importquellen. China verlor trotz absoluter Mengenstabilität erhebliche Marktanteile an südostasiatische Länder, insbesondere Viet Nam (+182,6 %), Indonesien (+128,6 %) und Myanmar (+7.088,9 %). Der Brexit reduzierte den bilateralen Handel mit dem Vereinigten Königreich um mehr als 80 %. Die Importkonzentration sank entsprechend um fast 30 %.

Zweitens kennzeichnet den Markt eine zunehmende Premiumisierung bei schrumpfenden Volumina. Die importierte Paarzahl sank um 16,3 %, während der durchschnittliche Importpreis pro Paar um 61,2 % stieg. Noch deutlicher ist dieser Trend bei den Exporten: 40,6 % weniger Paare bei 84 % höherem Durchschnittspreis. Die EU-Schuhindustrie konzentriert sich auf hochwertigere Produkte, während das Volumengeschäft in asiatische Produktionsländer abwandert.

Drittens verschärfte sich die Importabhängigkeit der EU. Die Nettoimportabhängigkeit stieg von 81,4 % auf 89,0 %, die inländische EU-Produktion halbierte sich nahezu bei der Menge. Das Handelsbilanzdefizit wuchs auf 769 Mio. EUR an. Gleichzeitig zeigen die Handelsintensität (+13,0 %) und die Exportneigung (+150,2 %), dass die EU zunehmend in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist — als Importeur von Mengenschuhen und Exporteur von Premiumschuhen.

Diese Entwicklungen deuten auf einen EU-Schuhmarkt hin, der sich in Richtung eines bifunktionalen Modells entwickelt: großvolumiger Importbedarf, der überwiegend aus Asien gedeckt wird, und eine sich spezialisierende europäische Produktion, die mit weniger Stückzahlen, aber höheren Preisen auf Nischenmärkte setzt.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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