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Marktentwicklung: Herrenschuhe aus Kunststoff (CN 64029996) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode CN 64029996 erfasst Herrenschuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk oder Kunststoff und Oberteil aus Kunststoff (Innensohlenlänge ≥ 24 cm), ausgenommen Sportschuhe, orthopädische Schuhe, wasserdichte Schuhe der Position 6401 sowie Knöchel bedeckende oder offene Modelle. Im Prodcom-System entspricht dies dem Code 15.20.12.31 (Straßenschuhe mit Oberteil aus Kautschuk oder Kunststoff).

Im Zeitraum 2015 bis 2025 hat der EU-Markt für dieses Produktsegment drei fundamentale Veränderungen erfahren: Erstens ist die Importabhängigkeit der EU weiter gestiegen und das Handelsdefizit hat sich um fast 70 % vertieft. Zweitens haben sich die Importquellen geographisch stark verlagert — weg vom Vereinigten Königreich, hin nach Südostasien. Drittens durchläuft die verbleibende EU-Produktion einen deutlichen Premiumisierungsprozess: weniger Paare werden hergestellt, diese erzielen jedoch deutlich höhere Werte.


1. Wachsende Importabhängigkeit bei sich vertiefendem Handelsdefizit

1.1 Die Importe sind deutlich stärker gestiegen als die Exporte

Im gesamten Betrachtungszeitraum wuchsen die EU-Importe von 474 Mio. EUR auf 771 Mio. EUR (+62,6 %), wobei der Importwert 2025 seinen Höchststand erreichte. Die exportierten Mengen in Paaren blieben dagegen mit einem Rückgang von 5,94 Mio. auf 5,10 Mio. Paar (−14,2 %) unter Druck, wenngleich der Exportwert von 117 Mio. EUR auf 173 Mio. EUR (+47,7 %) stieg. Damit sind die Exporte nach Wert zwar gewachsen, erreichten aber 2025 mit 173 Mio. EUR nicht annähernd ihren Spitzenwert von 257 Mio. EUR, der im Verlauf des Betrachtungszeitraums verzeichnet wurde.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 474,4 771,4 +62,6 %
Importe (Mio. Paar) 61,7 67,6 +9,6 %
Importpreis/Paar (EUR) 7,69 11,41 +48,4 %
Exportwert (Mio. EUR) 117,2 173,1 +47,7 %
Exporte (Mio. Paar) 5,94 5,10 −14,2 %
Exportpreis/Paar (EUR) 19,73 33,97 +72,2 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −357 −598 −67,5 %
Netto-Importabhängigkeit (%) 81,4 89,0 +9,4 Pkt.

Quelle: Trade Dashboard — General Overview

1.2 Die Handelsbilanz hat sich um fast 70 % verschlechtert

Das Handelsbilanzdefizit vertiefte sich von −357 Mio. EUR (2015) auf −598 Mio. EUR (2025) — eine Verschlechterung um 67,5 %. Die Netto-Importabhängigkeit stieg im selben Zeitraum von 81,4 % auf 89,0 % an. Die EU bezieht damit fast neun von zehn Paar Herrenschuhen dieser Art aus Drittländern. Der Höchstwert der Netto-Importabhängigkeit lag bei 92,5 % und wurde ebenfalls im Verlauf des Betrachtungszeitraums erreicht, was die anhaltende Abhängigkeit unterstreicht.

1.3 Steigende Preise auf beiden Seiten des Marktes — Exporte erzielen jedoch deutliche Premiumpreise

Sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite sind die Durchschnittspreise pro Paar erheblich gestiegen. Der Importpreis pro Paar stieg um 48,4 % von 7,69 EUR auf 11,41 EUR. Der Exportpreis pro Paar nahm sogar um 72,2 % zu — von 19,73 EUR auf 33,97 EUR. Damit erzielten EU-exportierte Herrenschuhe 2025 im Durchschnitt das Dreifache des Importpreises (Faktor 3,0), nachdem der Abstand 2015 bei etwa dem 2,6-Fachen lag. Die EU exportiert somit tendenziell hochwertigere, preisintensivere Schuhe und importiert mengenmäßig vor allem günstigere Modelle.

Ein bemerkenswerter Befund ergibt sich auch beim Vergleich von Gewichts- und Paar-Mengen: Die Importe in Tonnen stiegen um 84,2 % (von 43.123 t auf 79.448 t), während die Paarzahl nur um 9,6 % zunahm. Daraus ergibt sich ein Anstieg des durchschnittlichen Gewichts pro Paar von rund 0,70 kg auf 1,18 kg (+68 %), was auf eine Verschiebung hin zu schwereren Schuhtypen oder eine veränderte Produktmischung hindeuten könnte.


2. Geographische Umorientierung der Handelsströme

2.1 Südostasien als neues Zentrum der EU-Schuhimporte

Die gröten Veränderungen auf der Importseite vollzogen sich in Südostasien. Vietnam stieg vom drittgrößten zum zweitgrößten Lieferanten der EU auf und verzeichnete einen Zuwachs von 77 Mio. EUR auf 261 Mio. EUR (+238,5 %). Noch dramatischer fielen die Wachstumsraten bei Bangladesh (+985,3 %: von 1,6 Mio. EUR auf 17,7 Mio. EUR) und Kambodscha (+740,3 %: von 2,6 Mio. EUR auf 21,4 Mio. EUR) aus. Indonesien als langjähriger Zulieferer wuchs ebenfalls um 47,8 % auf 60,5 Mio. EUR.

Herkunftsland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 279,7 350,6 +25,3 %
Vietnam 77,1 260,9 +238,5 %
Indonesien 40,9 60,5 +47,8 %
Kambodscha 2,6 21,4 +740,3 %
Bangladesh 1,6 17,7 +985,3 %
Vereinigtes Königreich 55,0 3,3 −94,0 %
Türkei 3,8 2,9 −23,9 %

Quelle: Trade Dashboard — Top Partner by Value

2.2 Der Brexit-Schock und der Zusammenbruch des UK-Handels

Besonders auffällig ist der Einbruch des Handels mit dem Vereinigten Königreich. Die EU-Importe aus dem UK fielen von 55,0 Mio. EUR auf nur noch 3,3 Mio. EUR (−94,0 %). Als Versorgungsschock wurde dieser Einbruch mit einem abnormality-Wert von 3,0 und einer Verschiebung von −95,4 % im Zeitraum um 2022 detektiert — im Einklang mit der vollständigen Implementierung der Zollvorschriften nach dem Austritt des UK aus dem EU-Binnenmarkt.

Auch auf der Exportseite sanken die EU-Ausfuhren in das UK um 59,3 % (von 63,6 Mio. EUR auf 25,9 Mio. EUR). Das UK war 2015 noch mit Abstand das wichtigste Exportziel der EU für dieses Produkt; 2025 rangierte es nur noch an zweiter Stelle hinter der Türkei. Die Volatilität des UK-Handels war mit einem Variationskoeffizienten von 2,43 (Importe) bzw. 0,62 (Exporte) außergewöhnlich hoch.

2.3 China bleibt dominant, verliert aber relativ an Boden

China blieb auch 2025 der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU mit einem Importwert von 350,6 Mio. EUR. Allerdings betrug das Wachstum über den gesamten Zeitraum lediglich 25,3 % — weit unterhalb des Gesamtwachstums der EU-Importe (+62,6 %). China hat damit seinen relativen Anteil am EU-Importmarkt spürbar eingebüßt. Dieser Trend spiegelt sich auch in der Importkonzentration wider: Der HHI (Herfindahl-Hirschman-Index) für Importe nach Wert sank von 3.956 auf 3.293 (−16,8 %), was auf eine Diversifizierung der Lieferantenstruktur hindeutet.

2.4 Auf der Exportseite ist die Diversifizierung noch deutlicher

Der HHI für Exporte nach Wert fiel sogar um 60,0 % — von 3.145 auf 1.260. Die EU exportierte ihre Herrenschuhe 2025 deutlich breiter gestreut als 2015. Neben dem bereits genannten Rückgang des UK-Handels stiegen die Exporte in die Türkei (+278,0 %: auf 45,6 Mio. EUR), in die Schweiz (+227,2 %: auf 21,3 Mio. EUR), in die Russische Föderation (+294,4 %: auf 7,7 Mio. EUR), in die USA (+98,3 %: auf 14,4 Mio. EUR) und nach Norwegen (+548,6 %: auf 6,8 Mio. EUR) stark an.

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 63,6 25,9 −59,3 %
Türkei 12,1 45,6 +278,0 %
Schweiz 6,5 21,3 +227,2 %
USA 7,3 14,4 +98,3 %
Norwegen 1,0 6,8 +548,6 %
Russische Föderation 1,9 7,7 +294,4 %
Algerien 1,3 1,1 −15,1 %

Quelle: Trade Dashboard — Top Partner by Value

2.5 Belgien und Deutschland dominieren die EU-internen Importströme

Innerhalb der EU sticht Belgien als wichtigster Einfuhrpunkt hervor: Die belgischen Importe verdoppelten sich von 108,8 Mio. EUR auf 217,8 Mio. EUR (+100,2 %). Deutschland stieg von 78,0 Mio. EUR auf 118,3 Mio. EUR (+51,6 %), Italien von 41,1 Mio. EUR auf 92,0 Mio. EUR (+123,7 %). Die Spezialisierung Belgiens (RSCA: 0,65) unterstreicht die Rolle des Landes als zentraler Logistik- und Handelsknoten für Schuhe in der EU.


3. Strukturwandel der EU-Produktion — weniger Paare, höherer Wert

3.1 Die EU-Produktion hat sich zu Premiumsegmenten hin verschoben

Die inländische EU-Produktion zeigt einen bemerkenswerten Strukturwandel. Die produzierte Menge sank von 28,9 Mio. Paar (2015) auf 14,8 Mio. Paar (2025) — ein Rückgang von 48,9 %. Gleichzeitig stieg der Produktionswert von 202 Mio. EUR auf 375 Mio. EUR (+85,8 %). Der durchschnittliche Produktionswert pro Paar erhöhte sich damit von rund 7,0 EUR auf rund 25,4 EUR — ein Anstieg um mehr als das Dreieinhalbfache.

Produktionskennzahl 2015 2025 Veränderung
Menge (Mio. Paar) 28,9 14,8 −48,9 %
Wert (Mio. EUR) 201,9 375,0 +85,8 %
Wert pro Paar (EUR, gerundet) ~7,0 ~25,4 +~263 %

Quelle: Trade Dashboard — Production Volumes

Diese Entwicklung ist charakteristisch für eine Premiumisierung: Die EU produziert weniger, aber deutlich hochwertigere Schuhe. Der durchschnittliche Produktionswert pro Paar (25,4 EUR) nähert sich dem Exportpreis (33,97 EUR) an und liegt weit über dem Importpreis (11,41 EUR), was darauf hindeutet, dass die verbleibende EU-Produktion zunehmend auf gehobene Marktsegmente ausgerichtet ist.

3.2 Frankreich und Polen sind zu bedeutenden Exportmächten aufgestiegen

Innerhalb der EU haben sich die Exportprofile der Mitgliedstaaten erheblich verschoben. Besonders hervorzuheben sind:

EU-Mitgliedstaat 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Italien 17,6 32,6 +85,5 %
Belgien 35,9 38,5 +7,1 %
Frankreich 2,6 33,6 +1.201 %
Polen 0,7 19,0 +2.596 %
Deutschland 17,5 19,3 +9,7 %
Niederlande 27,4 5,3 −80,8 %
Spanien 7,6 10,3 +35,4 %

Quelle: Trade Dashboard — Top Reporters by Value

Frankreich stieg von einem marginalen Exporteur (2,6 Mio. EUR) zum drittgrößten EU-Exporteur (33,6 Mio. EUR) auf — ein Wachstum von über 1.200 %. Polen verzeichnete einen noch extremeren Anstieg von 0,7 Mio. EUR auf 19,0 Mio. EUR (+2.596 %). Beide Länder haben damit die Lücke teilweise geschlossen, die durch den Rückgang der Niederlande (−80,8 %) und des UK-Handels entstanden ist. Italien als traditionelles Schuhland konnte seine Exporte ebenfalls um 85,5 % steigern und blieb der führende EU-Exporteur.

3.3 Exportdiversifizierung spiegelt sich auch in der Spezialisierungsstruktur wider

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Luxemburg (RSCA: 0,66) und Belgien (RSCA: 0,65) die stärkste komparative Spezialisierung bei diesem Produkt aufweisen, gefolgt von Polen (RSCA: 0,09) und der Slowakei (RSCA: 0,05). Auf der anderen Seite des Spektrums weisen Malta (RSCA: −0,99), Irland (RSCA: −0,98) und Finnland (RSCA: −0,94) keinerlei Spezialisierung auf.

Die Exportkonzentration nach Volumen blieb mit einem HHI von 1.618 (2025) relativ stabil (−9,1 % gegenüber 2015). Dies deutet darauf hin, dass die Exportdiversifizierung primär eine Wert- und keine Mengenerscheinung ist — die EU exportiert in mehr Märkte, aber die Mengenkonzentration ist weniger stark zurückgegangen.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Herrenschuhe aus Kunststoff (CN 64029996) hat sich zwischen 2015 und 2025 in drei zentralen Dimensionen gewandelt:

  1. Steigende Abhängigkeit von Drittlandsimporten: Mit einer Netto-Importabhängigkeit von 89 % und einem Handelsbilanzdefizit von 598 Mio. EUR ist die EU in diesem Segment stärker denn je auf Importe angewiesen. Der Importwert stieg um 62,6 %, während die exportierten Mengen sanken.

  2. Geographische Neuausrichtung des Handels: Der Brexit führte zu einem fast vollständigen Zusammenbruch des Schuhhandels mit dem Vereinigten Königreich. Südostasiatische Lieferanten — allen voran Vietnam (+238,5 %), Bangladesh (+985,3 %) und Kambodscha (+740,3 %) — haben die entstandene Lücke gefüllt und ihr Exportvolumen in die EU massiv ausgeweitet. China bleibt zwar dominierend (+25,3 %), hat aber relativ an Bedeutung verloren. Gleichzeitig haben sich die EU-Exportziele diversifiziert (HHI −60 %), mit starken Zugewinnen in die Türkei, die Schweiz und Norwegen.

  3. Premiumisierung der verbleibenden EU-Produktion: Die EU produziert heute fast die Hälfte weniger Paare als 2015 (−48,9 %), aber der Produktionswert hat sich nahezu verdoppelt (+85,8 %). Die Exportpreise pro Paar stiegen um 72,2 % auf fast 34 EUR. Frankreich und Polen sind dabei zu bedeutenden Exportmächten aufgestiegen und kompensieren teilweise die Verluste durch den Rückgang der Niederlande und des Brexit-Effekts.

Insgesamt zeichnet sich das Bild eines Marktes, der sich in Richtung eines „Zwei-Klassen-Systems" entwickelt: Einerseits wachsende, preisgünstige Massenimporte aus Asien, andererseits eine schrumpfende, aber zunehmend hochwertige und exportstarke EU-Produktion. Für die strategische Resilienz der EU-Schuhindustrie bleibt die Frage, ob die Premiumisierung ausreicht, um die steigende Importabhängigkeit langfristig auszugleichen.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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