Marktentwicklung: Wasserdichte Schuhe (CN 6401) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarif 6401 erfasst wasserdichte Schuhe mit Laufsohlen und Oberteilen aus Kautschuk oder Kunststoff, bei denen Oberteil und Sohle nicht durch Nähen, Nieten oder ähnliche Verfahren verbunden sind. Die Position umfasst drei Unterpositionen: Knöchelhohe Schuhe (640192), Sicherheitsschuhe mit Metallschutz (640110) sowie übrige Schuhe (640199). Der Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015–2025 und beleuchtet die wichtigsten strukturellen Verschiebungen in Volumen, Wert, Preisniveau und Handelspartnern.
1. Vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur: Die strukturelle Verschiebung des Handelsbilanz
Die Handelsbilanz hat sich trotz gestiegener Exportwerte kontinuierlich verschlechtert
Die EU verzeichnete im Zeitraum 2015–2025 eine bemerkenswerte Entwicklung: Obwohl der Exportwert nominal von €118,3 Mio. auf €134,3 Mio. anstieg (+13,5 %), wuchs der Importwert stärker — von €174,8 Mio. auf €206,8 Mio. (+18,3 %). Die Handelsbilanz verschlechterte sich von einem Defizit von €56,5 Mio. auf €72,5 Mio. (−28,4 %). Der Nettoimportabhängigkeitssatz wandelte sich dabei von −4,8 % (2015) auf +3,7 % (2025) — die EU war 2015 noch ein leichter Nettoexporteur und ist 2025 ein Nettoimporteur.
Die Mengenentwicklung offenbart einen gegensätzlichen Trend bei Importen und Exporten
Besonders auffällig ist die Divergenz bei den physischen Handelsströmen:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exporte (t) | 14.233 | 9.026 | −36,6 % |
| Exporte (Mio. Paar) | 9,57 | 6,57 | −31,4 % |
| Importe (t) | 26.391 | 30.093 | +14,0 % |
| Importe (Mio. Paar) | 28,15 | 34,20 | +21,5 % |
Die EU exportiert sowohl in Tonnen als auch in Paaren deutlich weniger als noch 2015, während die Importe gestiegen sind. Die heimische Produktion bestätigt diesen Trend: Die Produktionsmenge sank von 39,9 Mio. Paar (2015) auf 32,8 Mio. Paar (2025), was einem Rückgang von 17,9 % entspricht. Die Produktionswert stieg jedoch um 150,6 % von €246 Mio. auf €616 Mio. — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produkten.
2. Die Premiumisierung der EU-Exporte: Steigende Preise bei sinkenden Volumina
Die EU exportiert weniger, aber zu deutlich höheren Preisen
Die Preisentwicklung zeigt ein bemerkenswertes Bild: Während die Exportmengen sanken, stieg der durchschnittliche Exportpreis pro Tonne von €8.314 (2015) auf €14.878 (2025) — ein Anstieg von 79,0 %. Der Exportpreis pro Paar erhöhte sich von €12,36 auf €20,45 (+65,4 %). Die Importpreise blieben hingegen weitgehend stabil: der Preis pro Tonne stieg lediglich von €6.624 auf €6.873 (+3,8 %), der Preis pro Paar sank sogar leicht von €6,21 auf €6,03 (−3,0 %).
Dies deutet auf eine Premiumisierung der EU-Exporte hin: Die EU liefert weniger, aber hochwertigere wasserdichte Schuhe ins Ausland und importiert gleichzeitig preisgünstigere Massenware.
Die Unterposition 640110 (Sicherheitsschuhe) durchlebte einen extremen Preisverfall
Die Segmentanalyse zeigt, dass sich die drei Unterpositionen sehr unterschiedlich entwickelten. Besonders dramatisch war die Entwicklung bei den Sicherheitsschuhen mit Metallschutz (640110):
| Unterposition | Importpreis 2015 (€/t) | Importpreis 2025 (€/t) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| 640110 (Sicherheitsschuhe) | 18.166 | 3.863 | −78,7 % |
| 640192 (knöchelhohe Schuhe) | 5.788 | 7.339 | +26,8 % |
| 640199 (übrige Schuhe) | 6.339 | 8.636 | +36,2 % |
Der Importpreis für 640110 fiel von €18.166/t (2015) auf €3.863/t (2025), was auf eine massive Veränderung der Produktmix-Zusammensetzung oder die Verschiebung hin zu leichteren und preisgünstigeren Sicherheitsschuhen hindeuten könnte. Parallel dazu stiegen die Importvolumina dieses Segments in Paaren von 990.000 (2015) auf 4,4 Mio. (2025). Der Exportpreis für 640199 (übrige Schuhe) weist eine extreme Volatilität auf — mit einem anomalen Spitzenwert von €69.464/t im Jahr 2024.
Knöchelhohe Schuhe (640192) dominieren als Volumen und Wertsegment
Die knöchelhohe Variante (640192) ist das dominierende Segment mit 2025 rund 20.097 t Importen und 147,5 Mio. € Importwert — dies entspricht etwa 71 % des gesamten Importwertes. Der Exportpreis in diesem Segment stieg von €6.422/t auf €16.935/t (+163,7 %), was die Premiumisierungthese untermauert.
3. China als dominierender Lieferant, Brexit als Handelsschock und zunehmende regionale Konzentration
China dominiert den Importmarkt, gefolgt von westbalkanischen und türkischen Lieferanten
Die Importpartnerstruktur wird von China dominiert, dessen Lieferungen von €112,7 Mio. auf €141,8 Mio. stiegen (+25,9 %). Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Importe nach Wert stieg von 4.329 auf 4.915 (+13,5 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet. Neben China sind insbesondere der Westbalkan (Bosnien-Herzegowina: +54,7 %, Serbien: +2,7 %) sowie die Türkei (+332,5 %) und Albanien (+440,7 %) als wachsende Lieferanten hervorgetreten.
| Importpartner | 2015 (€ Mio.) | 2025 (€ Mio.) | Veränderung | CV |
|---|---|---|---|---|
| China | 112,7 | 141,8 | +25,9 % | 0,17 |
| Bosnien-Herzegowina | 14,2 | 21,9 | +54,7 % | 0,17 |
| Serbien | 8,0 | 8,2 | +2,7 % | 0,16 |
| Vereinigtes Königreich | 12,5 | 5,6 | −54,8 % | 0,55 |
| Türkei | 1,1 | 4,8 | +332,5 % | 0,35 |
| Albanien | 0,5 | 2,6 | +440,7 % | 0,73 |
| Marokko | 6,3 | 3,8 | −40,1 % | 0,45 |
Der Brexit hat die Handelsströme mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig gestört
Das Vereinigte Königreich zeigt die höchste Volatilität unter den wichtigsten Handelspartnern. Die britischen Importe in die EU sanken von €12,5 Mio. auf €5,6 Mio. (−54,8 %), die EU-Exporte in das Vereinigte Königreich fielen von €36,0 Mio. auf €25,9 Mio. (−28,1 %). Der hohe Variationskoeffizient (CV 0,55 für Importe, 0,29 für Exporte) unterstreicht die anhaltende Unsicherheit in diesem Handelsverhältnis seit dem Brexit.
Die Exporte diversifizieren sich, während gleichzeitig neue Märkte erschlossen werden
Im Gegensatz zu den Importen zeigt der HHI der Exporte eine abnehmende Konzentration (von 1.231 auf 860, −30,1 %). Die wichtigsten Exportmärkte blieben stabil:
| Exportpartner | 2015 (€ Mio.) | 2025 (€ Mio.) | Veränderung | CV |
|---|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 36,0 | 25,9 | −28,1 % | 0,29 |
| Schweiz | 12,0 | 14,3 | +19,3 % | 0,08 |
| USA | 6,3 | 10,6 | +67,5 % | 0,37 |
| Kanada | 7,6 | 11,9 | +56,1 % | 0,38 |
| Norwegen | 8,9 | 11,0 | +23,6 % | 0,13 |
Die Schweiz (CV 0,08) und Norwegen (CV 0,13) sind die stabilsten Exportmärkte, während die USA und Kanada trotz hoher Volatilität signifikante Wachstumsraten verzeichneten. Innerhalb der EU zeigt sich eine interessante Verschiebung: Italien als traditioneller Exporteur verlor an Boden (−40,5 %), während Deutschland seine Exporte mehr als verdreifachte (+153,9 % von €5,8 Mio. auf €14,8 Mio.). Portugal (+24,9 %) bestätigte seine Spezialisierung im Bereich wasserdichter Schuhe (RSCA 0,71).
Fazit
Der EU-Markt für wasserdichte Schuhe (CN 6401) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend transformiert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:
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Strukturelle Handelsverschiebung: Die EU ist von einem leichten Nettoexporteur zu einem Nettoimporteur geworden. Die Importe sind sowohl in Volumen als auch in Wert gestiegen, während die Exportmengen — trotz steigender Werte — rückläufig sind. Die heimische Produktion verliert an Stückzahlen, steigert aber den Wert.
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Premiumisierung: Die EU exportiert weniger Paare, aber zu deutlich höheren Preisen (Exportpreis pro Paar +65,4 %), während die Importpreise weitgehend stabil blieben. Dies deutet auf eine Verlagerung der EU-Produktion hin zu hochwertigen Nischenprodukten und eine zunehmende Abhängigkeit von importierter Massenware.
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Geopolitische Neuordnung: Der Brexit hat die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich nachhaltig gestört. Gleichzeitig sind Lieferanten aus dem Westbalkan (Bosnien-Herzegowina, Serbien) sowie aus der Türkei und Albanien stark gewachsen. China bleibt mit Abstand der wichtigste Importpartner, was die EU-Lieferkette trotz Diversifizierungsbemühungen konzentriert hält. Die Handelsintensität ist von 37,6 % auf 55,0 % gestiegen, was die zunehmende Verflechtung des Sectors mit dem Weltmarkt unterstreicht.