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Marktentwicklung: Textilschuhe (CN 6404) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 6404 umfasst Schuhe mit Laufsohlen aus Kautschuk, Kunststoff, Leder oder rekonstituiertem Leder und Oberteil aus Spinnstoffen, ausgenommen Spielzeugschuhe. Er gliedert sich in drei Unterpositionen: Sportschuhe (640411), sonstige Schuhe mit Kunststoff-/Kautschuksohlen (640419) sowie Schuhe mit Leder-/rekonstituierten Ledersohlen (640420). Der Zeitraum 2015–2025 war von tiefgreifenden geopolitischen und wirtschaftlichen Umbrüchen geprägt — von der Brexit-Abwicklung über COVID-19 bis hin zu Lieferkettenverlagerungen in Südostasien. Dieser Bericht analysiert die Handelsströme der EU mit Drittländern und identifiziert die wesentlichen Dynamiken im Import, Export und in der Binnenproduktion.


1. Kräftiges Wertwachstum bei divergierenden Mengenverläufen

Der EU-Außenhandel wuchs nominal deutlich — doch Importe und Exporte folgten unterschiedlichen Pfaden

Die Einfuhren stiegen im Wert von 4,8 Mrd. € (2015) auf 7,7 Mrd. € (2025), was einem Plus von 60,5 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2022 mit 8,9 Mrd. € erreicht. Die Ausfuhren verzeichneten mit einem Anstieg von 1,4 Mrd. € auf 3,2 Mrd. € sogar ein Plus von 124,7 %. Dennoch blieb die Handelsbilanz durchgehend negativ und verschlechterte sich von −3,3 Mrd. € auf −4,4 Mrd. € (−33,0 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mrd. €) 4,77 7,66 +60,5 %
Exportwert (Mrd. €) 1,43 3,21 +124,7 %
Handelsbilanz (Mrd. €) −3,34 −4,45 −33,0 %
Importmenge (t) 333.025 495.427 +48,8 %
Exportmenge (t) 37.386 41.034 +9,8 %

Die Mengenentwicklung zeigt ein asymmetrisches Bild

Während die Importmenge in Tonnen um fast die Hälfte zunahm, stagnierte die Exportmenge bei rund 37.000–41.000 Tonnen. Der starke Exportwertanstieg ist somit überwiegend auf gestiegene Stückpreise zurückzuführen — die EU exportierte nicht wesentlich mehr Schuhe, aber deutlich teurere. Im Importbereich wuchsen sowohl Wert als auch Menge, wenngleich der Wert stärker als die Menge stieg.

Die Schuhpaarzahlen bestätigen das Muster der Preisanhebung

In supplementary units (Paaren) betrug der Exportrückgang −2,6 % (von 59,6 Mio. auf 58,0 Mio. Paar), bei einem Export-Stückpreisplus von 130,6 % (von 24,0 €/Paar auf 55,3 €/Paar). Die Importe stiegen in Paaren um 11,8 % (von 675,8 Mio. auf 755,5 Mio. Paar), der Import-Stückpreis legte um 43,1 % zu (von 7,1 €/Paar auf 10,1 €/Paar). Der EU-Markt importierte also mengenmäßig moderat mehr, zahlte aber pro Paar deutlich mehr — ein Hinweis sowohl auf Inflation als auch auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produktsegmenten.


2. Vietnam überholt China — tektonische Verschiebungen bei den Handelspartnern

Vietnam wurde zum wichtigsten EU-Lieferanten und überflügelte China

Im Importranking nach Werten vollzog sich eine der bemerkenswertesten Verschiebungen des gesamten Zeitraums: China, 2015 mit 2,5 Mrd. € noch unangefochtener Marktführer, wuchs lediglich um 8,2 % auf 2,7 Mrd. €. Vietnam hingegen mehrte seinen Importwert von 1,2 Mrd. € auf 3,2 Mrd. € — ein Plus von 166,4 %. Damit wurde Vietnam 2025 zum größten Einzellieferanten der EU in dieser Produktgruppe.

Lieferant 2015 (Mrd. €) 2025 (Mrd. €) Veränderung
China 2,47 2,67 +8,2 %
Vietnam 1,21 3,24 +166,4 %
Indonesien 0,39 0,61 +55,1 %
Kambodscha 0,12 0,24 +103,6 %
Bangladesch 0,06 0,17 +204,5 %
Myanmar 0,006 0,12 +1.955,6 %

Südostasiatische Länder gewannen massiv Marktanteile — die „China Plus One"-Strategie greift

Neben Vietnam verzeichneten auch Indonesien (+55,1 %), Kambodscha (+103,6 %), Bangladesch (+204,5 %) und insbesondere Myanmar (+1.955,6 %) dramatische Zuwächse. Diese Entwicklung spiegelt die globale Diversifizierungsstrategie westlicher Marken und Händler wider: Produktionskapazitäten werden aus China ab- und in andere ASEAN-Staaten sowie nach Süd- und Südostasien verlagert — angetrieben durch Kostenvorteile, Handelspräferenzabkommen (z. B. EBA-Regime für Kambodscha und Myanmar) und geopolitische Risikostreuung.

Großbritannien als Importquelle brach nach dem Brexit ein

Großbritannien verlor als EU-Importpartner 60,1 % seines Werts (von 278 Mio. € auf 111 Mio. €). Diese Entwicklung ist eine direkte Folge des Brexit: Durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus dem EU-Binnenmarkt wurden Zollformalitäten und Ursprungsregeln wirksam, die den bilateralen Handel verteuerten. Der hohe Variationskoeffizient (CV = 1,36) bei den UK-Importen unterstreicht die damit verbundene Volatilität.

Im Export diversifizierte die EU ihre Zielmärkte stark

Auf der Exportseite zeigen sich ebenfalls Umwälzungen. Großbritannien blieb zwar der größte Exportmarkt, verlor aber 32,5 % (von 706 Mio. € auf 477 Mio. €). Demgegenüber stiegen die Exporte in die USA um 419,8 % (auf 480 Mio. €), nach China um 704,0 % (auf 235 Mio. €) und in die Schweiz um 343,7 % (auf 537 Mio. €). Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) der Exportkonzentration fiel von 2.673 auf 946 — ein erheblich diversifiziertes Exportportfolio.


3. Preisdruck, Produktionsrückgang und wachsende Importabhängigkeit

Die EU-Produktion fiel mengenmäßig dramatisch — die Wertschöpfung stieg jedoch

Die inländische Produktion sank in Paaren von 114,8 Mio. (2015) auf 65,2 Mio. (2025), ein Rückgang von 43,2 %. Der Tiefpunkt wurde mit 53,8 Mio. Paar erreicht. Gleichzeitig stieg der Produktionswert von 610 Mio. € auf 1,27 Mrd. € (+107,6 %). Dies deutet auf eine klare Polarisierung hin: Die EU produziert weniger Paare, dafür in höherpreisigen Segmenten — eine Entwicklung, die mit der Spezialisierung auf Premium- und Markenschuhe korrespondiert.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mio. Paar) 114,8 65,2 −43,2 %
Produktionswert (Mio. €) 610 1.267 +107,6 %
Netto-Importabhängigkeit (%) 61,9 73,9 +19,3 %

Die Exportneigung stieg sprunghaft — ein Zeichen für die Integration der EU in globale Wertschöpfungsketten

Die Exportneigung — definiert als Exportwert in Relation zur inländischen Produktion — expl regierte förmlich von 66,1 % auf 243,7 % (+268,5 %). Das bedeutet, dass die EU mittlerweile weit mehr Textilschuhe exportiert, als sie selbst herstellt. Dies ist nur erklärbar durch Re-Exporte, Handelsumschlag (insbesondere über Belgien und die Niederlande) und die Tatsache, dass ein Teil der „EU-Exporte" auf importierte Ware zurückgeht, die in der EU lediglich umverpackt, gelagert oder leicht veredelt wird.

Italien und Frankreich treiben den EU-Export, Polen wächst rasant

Im EU-internen Ranking der Exporteure sticht Italien hervor: Mit einem Plus von 235,8 % (von 337 Mio. € auf 1,13 Mrd. €) festigte Italien seine Rolle als führender EU-Schuheexporteur — konsistent mit der italienischen Spezialisierung auf hochwertige Leder- und Markenschuhe. Frankreich (+362,1 %), Deutschland (+220,0 %) und besonders Polen (+876,9 %) verzeichneten ebenfalls außergewöhnliche Zuwächse. Polens Aufstieg reflektiert die zunehmende Rolle osteuropäischer Länder als Produktions- und Drehkreuzstandorte in der EU-Lieferkette.

Zwei Preis-Schocks sind identifizierbar

Die Analyse anomaler Preisereignisse ergab zwei bemerkenswerte Schocks im Import: Indonesien verzeichnete 2022 einen starken Preisanstieg (Anomalie-Score 44,8, Shift +17,9 %) bei einem Importwertanteil von 10,4 %. China zeigte 2023 einen Preisschock (Anomalie 3,6, Shift +13,5 %) bei einem Importanteil von 50,2 %. Beide Ereignisse stehen im Kontext der globalen Lieferkettenstörungen nach der Pandemie, gestiegener Energie- und Transportkosten sowie der Inflation in den Herkunftsländern.

Die Importkonzentration blieb hoch, auch wenn sie leicht abnahm

Der HHI der Importkonzentration sank von 3.468 auf 3.114 (−10,2 %). Trotz Diversifizierung bleibt die EU-Importseite mit China und Vietnam als dominanten Lieferanten konzentriert — beide Länder deckten 2025 zusammen geschätzt über 75 % des Importwerts ab.


Schlussfolgerung

Die Marktentwicklung von CN 6404 zwischen 2015 und 2025 lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen: Erstens vollzog sich eine geographische Neuausrichtung der Beschaffung — Vietnam löste China als wichtigsten Lieferanten ab, während südostasiatische Volkswirtschaften insgesamt massiv an Bedeutung gewannen. Zweitens entkoppelte sich der Wert vom Volumen: Sowohl bei Importen als auch bei Exporten stiegen die Preise pro Paar deutlich stärker als die Mengen, was auf Inflationseffekte, Qualitätsaufwertung und die Verschiebung hin zu höherwertigen Segmenten hindeutet. Drittens verschärfte sich die strukturelle Abhängigkeit der EU von Importen: Die inländische Produktion halbierte sich mengenmäßig nahezu, die Netto-Importabhängigkeit stieg auf fast 74 %, und die Exporte beruhen zunehmend auf importierten Vorprodukten. Für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Schuhindustrie bedeutet dies, dass die Wertschöpfung zwar im Premiumsegment erhalten bleibt, die strategische Abhängigkeit von wenigen asiatischen Lieferländern jedoch weiter zunimmt.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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