Marktentwicklung: Sonstige Schuhe (CN 6405) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Marktentwicklung für den Zolltarif 6405 der Europäischen Union im Zeitraum von 2015 bis 2025. Die Position CN 6405 ist eine Sammelkategorie für verschiedene Schuhtypen, die nicht in spezifischere Gruppen wie wasserdichte Schuhe (6401), Lederschuhe (6403) oder textile Schuhe (6404) fallen. Dazu zählen unter anderem Schuhe mit Sohlen aus Kautschuk/Kunststoff und Oberteilen aus anderen Materialien, Schuhe mit Ledersohlen und nicht-textilen Oberteilen sowie Schuhe mit Sohlen aus Holz, Kork oder anderen pflanzlichen Stoffen. Der Analysezeitraum von zehn Jahren umfasst bedeutende globale Ereignisse wie Handelskonflikte und die COVID-19-Pandemie, die den Markt geprägt haben. Der Fokus liegt auf der Beschreibung und Interpretation der Handelsströme zwischen der EU und Drittländern.
Die Analyse basiert auf drei zentralen Entwicklungen: erstens einer zunehmenden Importabhängigkeit der EU bei gleichzeitigem Rückgang der Exporte; zweitens signifikanten Verschiebungen in den Handelspartner- und Produktsegmentstrukturen; und drittens erkennbaren Volatilitäten und Schocks in spezifischen Handelsbeziehungen.
1. Zunehmende Importabhängigkeit trotz rückläufiger EU-Produktion
Die EU weist im Segment der sonstigen Schuhe (CN 6405) eine zunehmende Handelsdefizitentwicklung auf. Diese wird durch einen starken Rückgang der heimischen Produktion bei gleichzeitig relativ stabilen, importgetriebenen Konsum bedingt. Die Handelsbilanz verschlechterte sich zwischen 2015 und 2025 erheblich.
Die Handelsbilanz verschärft sich drastisch
Das Handelsbilanzdefizit für CN 6405 ist im betrachteten Zeitraum von einem Überschuss bzw. geringem Defizit zu einem deutlichen Minus gewachsen. Die Gesamtübersicht zeigt, dass sich der Saldo von -23,1 Mio. EUR (2015) auf -98,2 Mio. EUR (2025) verschlechterte. Dies entspricht einem Rückgang von über 325 %. Die treibende Kraft hierfür ist der divergierende Trend von Importen und Exporten.
| Jahr | Importe (Mio. EUR) | Exporte (Mio. EUR) | Saldo (Mio. EUR) |
|---|---|---|---|
| 2015 | 342,4 | 319,4 | -23,1 |
| 2019 | 367,4 | 377,2 | 9,8 |
| 2020 | 258,4 | 256,0 | -2,4 |
| 2021 | 355,3 | 354,5 | -0,8 |
| 2025 | 358,9 | 260,7 | -98,2 |
Die EU-Produktion von Sonstigen Schuhen ist eingebrochen
Parallel zur Handelsbilanzentwicklung ist die inländische Produktion innerhalb der EU massiv zurückgegangen. Die Daten zur Produktionsmenge zeigen einen Rückgang der Produktionsmenge von 139,6 Mio. Paaren im Jahr 2015 auf lediglich 32,3 Mio. Paare im Jahr 2025. Dies entspricht einem Rückgang von 76,9 %. Der Produktionswert sank von 794 Mio. EUR auf 444 Mio. EUR (-44,0 %). Dies deutet auf eine erhebliche Verlagerung der Schuhproduktion außerhalb der EU hin.
Die Nettoimportabhängigkeit hat sich vervierfacht
Ein direktes Maß für die wachsende externe Abhängigkeit ist die Nettoimportabhängigkeit, die den Überschuss der Importe über Exporte als Anteil des inländischen Verbrauchs (Produktion + Importe - Exporte) darstellt. Die Nettoimportabhängigkeit stieg von 7,1 % im Jahr 2015 auf 29,8 % im Jahr 2025, was einer Steigerung von 323 % entspricht. Im Jahr 2022 erreichte der Wert sogar 33,8 %. Dies belegt, dass der EU-Markt für diese Schuhkategorie zunehmend auf Lieferungen aus Drittländern angewiesen ist.
2. Strukturelle Verschiebungen bei Handelspartnern und Produktsegmenten
Neben der gesamtheitlichen Bilanzentwicklung zeigen sich gravierende Veränderungen in der geografischen und produktbezogenen Struktur des Handels. Traditionelle Partner verlieren an Bedeutung, während neue Zulieferländer an Bedeutung gewinnen. Die Nachfrage konzentriert sich zudem stärker auf bestimmte Warenunterpositionen.
China dominiert die Importe, während das Vereinigte Königreich an Bedeutung verliert
Die Top-Importpartner nach Wert zeigen eine klare Konzentration. China ist mit Abstand der wichtigste Lieferant mit Importen in Höhe von 205,5 Mio. EUR im Jahr 2025 (2015: 191,4 Mio. EUR, +7,4 %). Der bedeutendste Wandel betrifft jedoch das Vereinigte Königreich. Dessen Exporte in die EU sind von 73,7 Mio. EUR (2015) auf 7,3 Mio. EUR (2025) eingebrochen (-90,0 %). Dies ist höchstwahrscheinlich eine direkte Folge des Brexit. Im Gegenzug sind Importe aus Ländern wie Vietnam (+104,7 %), Bosnien und Herzegovina (+390,8 %) und Albanien (+1.578,5 %) stark gestiegen.
| Partnerland | 2015 (Mio. EUR) | 2025 (Mio. EUR) | Veränderung (%) |
|---|---|---|---|
| China | 191,4 | 205,5 | +7,4 |
| UK | 73,7 | 7,3 | -90,0 |
| Vietnam | 26,5 | 54,1 | +104,7 |
| Bosnien & Herz. | 1,9 | 9,2 | +390,8 |
| Albanien | 0,4 | 6,1 | +1.578,5 |
Im Export dominiert weiterhin Italien, jedoch mit starkem Rückgang
Die Top-Exportpartner nach Wert zeigen, dass Italien der wichtigste Exporteur innerhalb der EU für diese Schuhkategorie ist, gefolgt von Frankreich und Spanien. Die italienischen Exporte sind jedoch von 133,6 Mio. EUR (2015) auf 87,9 Mio. EUR (2025) gesunken (-34,2 %). Für Exporte in Drittländer sind das Vereinigte Königreich (44,4 Mio. EUR), die USA (53,3 Mio. EUR) und die Schweiz (24,1 Mio. EUR) die wichtigsten Zielmärkte. Auffallend ist der starke Anstieg der Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate (+84,2 %).
Die Warenunterposition 640520 (textile Oberteile) ist das größte Importsegment
Die Produktsegmentaufschlüsselung nach Warenunterpositionen zeigt die Binnendynamik. Mit weitem Abstand größter Importposten ist die Position 640520 (Schuhe mit Oberteil aus Spinnstoffen), die 2025 einen Importwert von 186,8 Mio. EUR hatte. Der Importwert von 640590 (alle anderen sonstigen Schuhe) belief sich auf 145,1 Mio. EUR, wobei hier der Wert gegenüber 2015 (104,3 Mio. EUR) gestiegen ist. Die Position 640510 (Schuhe mit Oberteil aus Leder) ist mit 27,0 Mio. EUR der kleinste der drei Importe. Im Export dominiert ebenfalls 640590 (174,8 Mio. EUR), gefolgt von 640510 (47,9 Mio. EUR) und 640520 (37,9 Mio. EUR).
3. Schwankungen, Schocks und regionale Spezialisierung
Der Handel mit Sonstigen Schuhen weist eine beachtliche Volatilität auf, die sich in ungleichmäßigen Preis- und Mengenentwicklungen zeigt. Darüber hinaus zeigt die Analyse der komparativen Vorteile innerhalb der EU eine klare regionale Spezialisierung.
Hohe Volatilität in den Handelsströmen mit bestimmten Partnern
Die Volatilitätsanalyse anhand des Variationskoeffizienten (CV) zeigt, dass die Handelsströme mit einigen Partnern sehr schwankend sind. Besonders volatile Importbeziehungen bestehen nach Kambodscha (CV: 1,54) und Albanien (CV: 0,66). Bei den Exporten sind die Ströme nach Algerien (CV: 1,72) und Ceuta (CV: 1,26) hochgradig volatil. Dies kann auf saisonale Muster, politische Instabilität oder sich ändernde Handelsrouten zurückzuführen sein.
Erkennbare Preis-Schocks im Export
Die Analyse der Versorgungsschocks identifiziert mehrere extreme Preisereignisse im Export. Ein besonders auffälliger Schock ist der massive Preisanstieg bei Exporten nach Ceuta im Jahr 2020 (+189,2 %). Ein weiterer Schock betraf Nigeria im Jahr 2022 (+245,7 %). Obwohl der Wertanteil dieser Handelsströme gering ist, deuten sie auf extreme und kurzfristige Preisanomalien in Nischenmärkten hin.
Italien, Portugal und Rumänien sind exportseitig am stärksten spezialisiert
Die Analyse der komparativen Vorteile (RSCA) innerhalb der EU für 2025 zeigt eine klare regionale Arbeitsteilung. Portugal (RSCA: 0,60) und Italien (RSCA: 0,47) weisen die höchste Spezialisierung im Export von Sonstigen Schuhen auf. Italien ist sowohl absolut als auch relativ ein zentraler Produzent und Exporteur. Im Gegensatz dazu sind Länder wie Irland (RSCA: -0,92) und Malta (RSCA: -0,89) in diesem Segment stark unspezialisiert, was bedeutet, dass ihr Handel mit diesen Waren im Vergleich zum EU-Durchschnitt unterproportional ist.
Schlussfolgerung
Die Marktentwicklung für Sonstige Schuhe (CN 6405) in der EU zwischen 2015 und 2025 ist von zwei gegenläufigen Haupttrends geprägt: einerseits einer massiven Abnahme der inländischen Produktion und Exporte, andererseits einer Zunahme der Importe, insbesondere aus Asien und Osteuropa. Dies hat zu einer Vervierfachung der Nettoimportabhängigkeit geführt. Die Handelsstruktur unterliegt zudem gravierenden Veränderungen; der Brexit hat die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich fundamental verändert, während neue Lieferketten nach Südosteuropa (Bosnien, Albanien) und Asien (Vietnam) entstanden sind.
Diese Entwicklungen deuten auf eine fortgesetzte globale Verlagerung der Schuhproduktion und eine zunehmende Spezialisierung innerhalb der EU hin. Während einige südeuropäische Länder ihre komparativen Vorteile im Export halten, ist der EU-Markt insgesamt abhängiger von Importen geworden. Die identifizierten Volatilitäten und Schocks in spezifischen Handelsbeziehungen unterstreichen die Notwendigkeit für eine diversifizierte Beschaffungsstrategie der europäischen Händler und Marken. Die Zukunft des Marktes wird maßgeblich davon abhängen, wie sich die Produktionskosten, Handelspolitik und Nachfragetrends in den kommenden Jahren entwickeln.