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Marktentwicklung: Seidenabfälle (CN 5003) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Produkt CN 5003 – „Abfälle von Seide, einschließlich nichtabhaspelbare Kokons, Garnabfälle und Reißspinnstoff“ – im Zeitraum 2015 bis 2025. Als Nebenprodukt der Seidenproduktion ist dieses Segment eng mit der textilen Kreislaufwirtschaft verbunden. Die Daten zeigen einen Markt, der von einem strukturellen Handelsdefizit, einer starken Konzentration auf wenige Partnerländer und unterschiedlichen Schocks geprägt ist. Der folgende Bericht hebt die wichtigsten Dynamiken hervor und interpretiert diese anhand der bereitgestellten Informationen. Mehr Hintergrund zum Produkt finden Sie im Produktüberblick.

I. Das strukturelle Handelsdefizit: Konzentration und Abhängigkeit

Die EU ist bei Seidenabfällen ein Nettoimporteur mit einem ausgeprägten und persistenten Handelsdefizit. Dieses Defizit verringerte sich im Betrachtungszeitraum nur geringfügig.

Die Bilanz bleibt klar negativ

Die Handelsbilanz blieb throughout im negativen Bereich. Das Defizit betrug im letzten Jahr (2025) rund -25,0 Mio. EUR, gegenüber -25,8 Mio. EUR zu Beginn des Zeitraums (2015). Dies entspricht einer leichten Verbesserung um 3,1 %. Die Dominanz der Einfuhren spiegelt wider, dass die EU für die Verwertung ihrer Seidenabfälle auf Drittstaaten, insbesondere in Asien, angewiesen ist.

Importe dominieren den Handel bei sinkenden Mengen

Der EU-Importwert belief sich 2025 auf 26,2 Mio. EUR (2015: 27,8 Mio. EUR, -5,9 %). Parallel dazu sank die importierte Menge von 1.040 Tonnen (2015) auf 777 Tonnen (2025, -25,3 %). Dies führte zu einem deutlichen Anstieg des durchschnittlichen Importpreises um 26,0 % auf 33.702 EUR pro Tonne (2015: 26.745 EUR/t). Dies deutet auf eine mögliche Verknappung des Angebots oder eine Verschiebung hin zu höherwertigen Chargen hin.

Im Gegensatz dazu sind die EU-Exporte sowohl in Wert als auch in Menge marginal und stark rückläufig. Der Exportwert fiel von 2,0 Mio. EUR (2015) auf 1,2 Mio. EUR (2025, -41,1 %), bei einem Rückgang der Menge um 40,9 % auf nur noch 39 Tonnen. Der Exportpreis blieb hingegen mit rund 30.420 EUR/t (2025) nahezu stabil.

Die Importkonzentration nimmt zu

Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) für den Wert der Importe zeigen eine zunehmende Konzentration. Der HHI stieg von 7.419 (2015) auf 7.817 (2025, +5,4 %). Im Mengenmaß war der Anstieg noch deutlicher (+15,0 %). Dies unterstreicht die wachsende Abhängigkeit der EU von einem sehr engen Kreis von Lieferanten. Die Spezialisierung innerhalb der EU ist konzentriert: Deutschland (RSCA: 0,58) und Italien (RSCA: 0,19) sind die mit Abstand am stärksten spezialisierten Importeure, während Länder wie die Niederlande oder die Slowakei trotz teilweise hoher absoluter Importwerte kaum eine eigene Spezialisierung aufweisen.

II. Umverteilung der Handelsströme: Neue Partner und EU-interne Verschiebungen

Während die grundlegenden Ströme relativ stabil blieben, veränderten sich die konkreten Handelsbeziehungen innerhalb des Zeitraums erheblich.

China beherrscht die Einfuhren, Thailand steigt meteoritisch

China war und ist der dominierende Importpartner der EU. Die Einfuhren aus China lagen 2025 bei 23,0 Mio. EUR und damit 88 % aller Importe nach Wert. Dennoch verloren sie über den Zeitraum leicht an Dynamik (-3,0 %). Deutlich überraschender ist die Entwicklung aus Thailand: Die Importe sprangen von einem vernachlässigbaren Wert von 14.161 EUR (2015) auf 237.440 EUR (2025), was einem Anstieg von 1.577 % entspricht. Thailand ist damit zum fünftwichtigsten Importpartner aufgestiegen und signalisiert möglicherweise eine neue Beschaffungsquelle oder Handelsroute. Die Einfuhren aus Indien, dem zweitwichtigsten Partner, sind hingegen um 20,8 % auf 2,9 Mio. EUR (2025) gesunken.

Top-Importpartner (Wert, EUR) 2015 2025 Veränderung
China 23,68 Mio. 22,96 Mio. -3,0 %
India 3,64 Mio. 2,88 Mio. -20,8 %
Thailand 14,2 Tsd. 237,4 Tsd. +1.577 %
United Kingdom 445,1 Tsd. 47,5 Tsd. -89,3 %
Türkiye 31,9 Tsd. 6,6 Tsd. -79,2 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert

EU-Exporte: Rückläufige traditionelle Märkte, neuer Anlauf nach China

Die EU-Exporte von Seidenabfällen sind stark rückläufig und konzentrieren sich auf wenige Märkte. Die Türkei blieb 2025 der größte Exportmarkt mit 597.000 EUR, obwohl die Ausfuhren dorthin um 25,1 % sanken. Dramatisch eingebrochen sind die Exporte in traditionelle Märkte wie die Schweiz (-97,9 %), das Vereinigte Königreich (-97,1 %) und Mexiko (-71,8 %).

Ein Gegenpol zu diesem Trend ist der explosionsartige Anstieg der Exporte nach China: von nur 3.221 EUR (2015) auf 273.693 EUR (2025). Dieser Anstieg um 8.396 % macht China 2025 zum zweitwichtigsten Exportmarkt der EU. Dies könnte auf eine Nachfrage nach spezifischen, in der EU anfallenden Abfallqualitäten durch die chinesische Verarbeitungsindustrie hindeuten. Ebenfalls gestiegen sind die Ausfuhren in die Ukraine (+257 %).

Umverteilung innerhalb der EU

Nicht nur die Drittpartner, auch die Rollen der EU-Mitgliedstaaten haben sich verschoben. Italien und Deutschland bleiben die klaren Import- und Exportzentren, auch wenn ihre Aktivität nachlässt. Der italienische Importanteil (63 % der EU-Importe, 2025) ist enorm. Überraschend ist das rapide Wachstum der Importe in einige kleinere Staaten: Frankreich (+2.311 %), Estland (+6.500 %) und Portugal (+60.804 %) sind von sehr niedrigen Basisniveaus aus zu bedeutenden Einführern geworden. Dies könnte auf verlagerte Lager- oder Handelsfunktionen innerhalb des EU-Binnenmarktes hindeuten.

III. Volatilität und Preisschocks in einem Nischenmarkt

Der Markt für Seidenabfälle ist klein, was ihn anfällig für Preisschwankungen und Schocks macht, die durch außergewöhnliche Liefer- oder Nachfrageereignisse verursacht werden.

Hohe Volatilität bei Lieferanten

Die Volatilität der Importe, gemessen am Variationskoeffizienten (CV), variiert stark zwischen den Partnern. China weist mit einem CV von 0,13 eine relativ niedrige Volatilität auf, was seine Rolle als stabiler Großlieferant bestätigt. Hingegen sind die Handelsströme mit Ländern wie Japan (CV: 1,79), der Türkei (CV: 1,22) oder Singapur (CV: 1,73) hochgradig instabil. Dies spiegelt wahrscheinlich sporadische und mengenmäßig unregelmäßige Transaktionen wider, wie sie für einen Nischenmarkt typisch sind.

Identifizierte Preisschocks bei Exporten

Bei den Exporten haben sich drei signifikante Preisschockereignisse ereignet:

  1. Schweiz 2019: Der stärkste Schock. Die Exportpreise in die Schweiz explodierten im Jahr 2019 um 975 %, mit einer Abnormalität von 142,2. Die Schweiz hatte damals einen Anteil von 16,3 % am EU-Exportwert. Dies weist auf eine extrem hochpreisige, vielleicht einmalige Lieferung hin.
  2. USA 2018: Die Exportpreise in die Vereinigten Staaten stiegen 2018 um 204 % (Abnormalität: 47,3). Die USA hatten 2018 einen Anteil von 17,2 % am Exportwert.
  3. UK 2023: Ein kleinerer Schock trat 2023 im Handel mit dem Vereinigten Königreich auf (+105 % Preissteigerung).

Diese Schocks deuten darauf hin, dass EU-Exporte in diesem Segment nicht von regulären, gleichmäßigen Handelsbeziehungen getrieben werden, sondern von unregelmäßigen, großen und qualitativ besonders spezifischen Transaktionen.

Covid-19 und kurzfristige Erholung

Das Jahr 2020 markiert einen klaren Einbruch bei den Importen sowohl im Wert (Tiefpunkt: 15,1 Mio. EUR) als auch in der Menge (Tiefpunkt: 700 Tonnen). Dies ist sehr wahrscheinlich auf die globalen Lieferkettenunterbrechungen durch die Covid-19-Pandemie zurückzuführen. Der Markt erholte sich 2021 rasch, erreichte aber die Vor-Krisen-Niveaus nicht vollständig, was den strukturellen Rückgang des Handelsvolumens bestätigt.

Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Seidenabfälle (CN 5003) zeichnet sich durch drei Hauptmerkmale aus: 1) Ein tief verwurzeltes und nur leicht schrumpfendes Handelsdefizit, das die Abhängigkeit von Drittland-Verwertungskapazitäten, insbesondere in Asien, offenbart. 2) Eine dynamische Neuausrichtung der Handelsströme: Während China seine Rolle als dominierender Lieferant behauptet, sind neue Akteure wie Thailand auf der Importseite aufgetreten. Auf der Exportseite vollzog sich eine radikale Verschiebung – traditionelle Märkte wie die Schweiz und das Vereinigte Königreich brachen zusammen, während China zum zweitwichtigsten Exportziel der EU aufstieg. 3) Ein kleiner und volatiler Markt, der durch sporadische Preisschocks bei Exporten und eine hohe Konzentration gekennzeichnet ist.

Die Zukunftsentwicklung dieses Marktes wird stark von der globalen Nachfrage nach recyclingfähigen Sekundärrohstoffen und der Fähigkeit der EU, ihre Seidenabfälle effizient zu recyceln oder zu exportieren, abhängen. Die zunehmende Konzentration der Importe birgt dabei ein Lieferrisiko, während das Auftauchen neuer Exportmärkte auf ungenutzte Potenziale hindeuten könnte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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