Marktentwicklung: Schrauben und Bolzen mit Gewinde, aus Eisen oder Stahl, auch mit dazugehörenden Muttern oder Unterlegscheiben (ausg. Schwellenschrauben und andere Holzschrauben, Schraubhaken, Ring- und Ösenschrauben, gewindeformende Schrauben, Schraubnägel sowie Stöpsel, Spunde und dergl., mit Schraubengewinde) (CN 731815) — 2015–2025
Einleitung
Der EU-Außenhandel mit Gewindeschrauben und -bolzen aus Eisen oder Stahl (KN-Code 731815) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert. Der Handelswert stieg sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite deutlich an, wobei die Handelsbilanz jedoch durchaus schwankte. Besonders die Jahre 2021 und 2022 markierten einen Wendepunkt: Ein beispielloser Importanstieg — insbesondere aus China — und der globale Stahlpreisschock führten zu einem historischen Handelsbilanzdefizit. Gleichzeitig verschoben sich die Handelsströme geopolitisch: Die USA wurden zum wichtigsten Exportmarkt, Russland fiel nach Sanktionen als Abnehmer weitgehend weg, und asiatische Lieferanten gewannen auf der Importseite weiter an Gewicht.
Dieser Bericht analysiert die Entwicklung anhand der verfügbaren Jahresdaten von 2015 bis 2025. Dabei werden drei zentrale Dynamiken herausgearbeitet: das preisgetriebene Wachstum bei weitgehend stagnierenden Mengen, die Importkrise von 2022 mit anschließender Erholung sowie die geographische Umstrukturierung der Handelspartner.
1. Preisgetriebenes Wachstum: Steigende Handelswerte trotz moderater Mengenentwicklung
Die EU exportierte 2015 Gewindeschrauben und -bolzen im Wert von rd. 1,85 Mrd. €; bis 2025 stieg dieser Wert um 41,8 % auf rd. 2,62 Mrd. €. Die exportierte Menge blieb hingegen nahezu unverändert (+1,7 % von 316.000 t auf 321.000 t). Dieses Missverhältnis erklärt sich durch einen starken Preisanstieg: Der durchschnittliche Exportpreis kletterte von 5.841 €/t auf 8.145 €/t (+39,4 %). Die EU exportiert also nicht mehr Schrauben, sondern zunehmend hochwertigere Produkte zu höheren Preisen.
1.1 Divergenz zwischen Export- und Importpreisen
Ein zentraler Befund ist die wachsende Preisschere zwischen Exporten und Importen. Während die EU für ihre Ausfuhren im Schnitt 8.145 €/t erzielte, lag der Importpreis bei lediglich 2.981 €/t. Dieses Verhältnis von fast 3:1 deutet auf eine klare Spezialisierung der EU-Industrie auf hochwertige, technisch anspruchsvolle Verbindungselemente hin — etwa hochfeste Bolzen (≥ 800 MPa) oder Spezialschrauben aus nichtrostendem Stahl.
| Kennzahl | 2015 | 2020 | 2022 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|---|---|
| Exportwert (Mrd. €) | 1,85 | 1,96 | 2,43 | 2,62 | +41,8 % |
| Exportmenge (1.000 t) | 316 | 320 | 340 | 321 | +1,7 % |
| Exportpreis (€/t) | 5.841 | 6.121 | 7.141 | 8.145 | +39,4 % |
| Importwert (Mrd. €) | 1,83 | 1,78 | 3,15 | 2,56 | +39,7 % |
| Importmenge (1.000 t) | 637 | 697 | 936 | 858 | +34,6 % |
| Importpreis (€/t) | 2.873 | 2.552 | 3.367 | 2.981 | +3,8 % |
Quelle: Allgemeiner Überblick
1.2 Struktur der Import- und Exportprodukte
Die Produktaufschlüsselung ab 2017 zeigt, dass auf der Importseite „sonstige Bolzen mit Kopf" (73181595) mit rd. 774 Mio. € (2025) das größte Segment darstellt, gefolgt von Außensechskant-Schrauben ≥ 800 MPa (73181588) mit rd. 545 Mio. €. Auf der Exportseite dominieren ebenfalls diese beiden Segmente (1.128 Mio. € bzw. 620 Mio. €), wobei die EU bei den hochfesten, kopflosen Bolzen (73181548) ein starkes Wachstum verzeichnete (+159 % von rd. 38 Mio. € auf rd. 165 Mio. € zwischen 2017 und 2025).
1.3 Produktion und Spezialisierung innerhalb der EU
Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass innerhalb der EU drei Länder eine besonders starke Spezialisierung aufweisen:
| Land | RSCA (2025) | Produktionsanteil an EU |
|---|---|---|
| Italien | 0,44 | 20,7 % |
| Deutschland | 0,22 | 33,4 % |
| Slowakei | 0,19 | 3,1 % |
| Frankreich | 0,11 | 9,8 % |
Deutschland dominiert die EU-Produktion mit einem Anteil von rd. 33 %, während Italien die stärkste komparative Spezialisierung (RSCA = 0,44) aufweist. Kleinere Mitgliedstaaten wie Zypern, Irland und Malta haben hingegen praktisch keine relevante Produktion.
2. Die Importwelle von 2022: Stahlpreise, China-Importe und ein historisches Handelsbilanzdefizit
Im Zeitraum 2015–2020 wies die EU bei KN 731815 durchgehend einen Handelsbilanzüberschuss aus — zwischen +17 Mio. € (2015) und +180 Mio. € (2020). Im Jahr 2021 kippte die Bilanz erstmals ins Defizit (−87 Mio. €), und 2022 erreichte sie mit −726 Mio. € einen historischen Tiefpunkt. Ursache war ein beispielloser Anstieg der Importe auf 3,15 Mrd. € — ein Plus von 37 % gegenüber dem Vorjahr und 73 % gegenüber 2015.
2.1 Der globale Stahlpreisschock und seine Auswirkungen
Der Preisschock bei thailändischen Importen illustriert die Marktverwerfungen: Im Jahr 2022 stieg der Importpreis aus Thailand um 31,2 % über den Baseline-Wert, bei gleichzeitig um 44,2 % gestiegener Menge. Die durchschnittliche Abnormalität betrug das 4,1-Fache des erwarteten Wertes. Ähnliche Preisbewegungen waren bei allen asiatischen Lieferanten zu beobachten, was auf den globalen Rohstahlpreisanstieg zurückzuführen ist.
| Jahr | Handelsbilanz (Mio. €) | Importwert (Mrd. €) | Exportwert (Mrd. €) |
|---|---|---|---|
| 2015 | +17 | 1,83 | 1,85 |
| 2018 | +49 | 2,14 | 2,18 |
| 2020 | +180 | 1,78 | 1,96 |
| 2021 | −87 | 2,30 | 2,21 |
| 2022 | −726 | 3,15 | 2,43 |
| 2023 | −36 | 2,59 | 2,55 |
| 2024 | +231 | 2,43 | 2,66 |
| 2025 | +62 | 2,56 | 2,62 |
Quelle: Allgemeiner Überblick
2.2 China als Haupttreiber des Importbooms
Der Importanstieg war im Wesentlichen auf China zurückzuführen. Die EU-Importe aus China stiegen von 144 Mio. € (2015) auf einen Spitzenwert von 826 Mio. € (2022) — eine Steigerung von 473 %. China wurde damit zum mit Abstand wichtigsten Lieferanten der EU, obwohl die Importe 2025 wieder auf 622 Mio. € zurückgingen.
| Herkunftsland | 2015 (Mio. €) | 2022 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung 2015→2025 |
|---|---|---|---|---|
| China | 144 | 826 | 622 | +331 % |
| Taiwan | 328 | 543 | 346 | +6 % |
| Indien | 172 | 250 | 173 | +1 % |
| Türkei | 104 | 310 | 266 | +156 % |
| Vietnam | 85 | 149 | 128 | +51 % |
| Thailand | 65 | 99 | 88 | +34 % |
| Südkorea | 84 | 137 | 109 | +30 % |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
2.3 Zunehmende Konzentration der Importquellen
Die Herfindahl-Hirschman-Indizes (HHI) bestätigen die zunehmende Konzentration der Importe. Der HHI-Wert (nach Wert) stieg von 952 (2015) auf 1.182 (2025), nachdem er 2022 mit 1.322 sogar noch höher lag. Der Mengen-HHI stieg sogar von 1.152 auf 2.057 — ein deutliches Zeichen dafür, dass China nicht nur mengen- und wertmäßig, sondern auch in der Handelsvolumen-Konzentration dominant geworden ist.
Auf der Exportseite verlief die Entwicklung gegensätzlich: Der HHI sank von 1.006 auf 906, was auf eine Diversifizierung der Exportmärkte hindeutet.
2.4 Erholung ab 2023
Nach dem Krisenjahr 2022 normalisierte sich der Markt rasch. Die Importe sanken 2023 auf 2,59 Mrd. € und die Handelsbilanz verbesserte sich auf nur noch −36 Mio. €. Im Folgejahr 2024 kehrte die EU sogar in den Überschussbereich zurück (+231 Mio. €), bevor sich die Bilanz 2025 bei +62 Mio. € einpendelte. Die Netto-Importabhängigkeit lag 2022 bei +11,5 % (Defizit), sank 2023 auf +0,6 % und kehrte 2024 mit −4,3 % wieder in den Überschussbereich zurück.
3. Geopolitische Umorientierung: Amerika als Absatzmarkt, Asien als Lieferant
Die Analyse der Handelspartner zeigt eine tiefgreifende geographische Umstrukturierung, die sowohl geopolitische (Sanktionen gegen Russland) als auch wirtschaftliche (Wettbewerbsfähigkeit asiatischer Hersteller) Ursachen hat.
3.1 Die USA als wichtigster Exportmarkt der EU
Die EU-Exporte in die USA entwickelten sich zum stärksten Wachstumsmotor. Von 294 Mio. € (2015) stiegen sie auf 551 Mio. € (2025) — ein Plus von 87 %. Die USA lösten damit China als wichtigstes Exportziel der EU ab. Gleichzeitig gingen die EU-Exporte nach China von 372 Mio. € auf 335 Mio. € zurück (−10 %).
| Exportziel | 2015 (Mio. €) | 2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA | 294 | 551 | +87 % |
| Vereinigtes Königreich | 268 | 309 | +15 % |
| China | 372 | 335 | −10 % |
| Türkei | 86 | 149 | +73 % |
| Brasilien | 74 | 119 | +61 % |
| Mexiko | 61 | 137 | +125 % |
| Schweiz | 104 | 136 | +30 % |
Quelle: Top-Handelspartner nach Wert
Besonders bemerkenswert ist das Wachstum der Exporte nach Lateinamerika: Mexiko (+125 %) und Brasilien (+61 %) entwickelten sich zu bedeutenden Abnehmern, was auf die vertiefte wirtschaftliche Integration der EU mit diesen Märkten hindeuten kann.
3.2 Zusammenbruch des Russland-Handels durch Sanktionen
Die dramatischste Veränderung betraf Russland. Die EU exportierte 2021 noch rd. 19.854 t Gewindeschrauben und -bolzen nach Russland. Nach dem Beginn des Ukraine-Konflikts und der Verhängung von EU-Sanktionen brachen die Exporte ein: auf 6.688 t (2022), 3.500 t (2023), 2.387 t (2024) und schließlich 1.038 t (2025). Mit einem Variationskoeffizienten von 0,62 war Russland der bei Weitem volatilste Exportpartner — ein direktes Spiegelbild des abrupten Handelsabbruchs.
3.3 Die Türkei als bilateral wachsender Partner
Die Türkei sticht als einziger Partner hervor, der auf beiden Seiten des Handels stark wuchs. Die EU-Importe aus der Türkei stiegen von 104 Mio. € auf 266 Mio. € (+156 %), während die Exporte von 86 Mio. € auf 149 Mio. € zulegten (+73 %). Dies deutet auf eine zunehmend verflochtene Wertschöpfungskette im Bereich Gewindeschrauben zwischen der EU und der Türkei hin, möglicherweise begünstigt durch die Zollunion und geographische Nähe.
3.4 Volatilitätsrisiken im asiatischen Import
Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass unter den wichtigsten Importquellen die USA-Importe (CV 0,33) und China-Importe (CV 0,30) am stärksten schwankten. Südkorea (CV 0,10) und die Schweiz (CV 0,11) bildeten die stabilsten Importpartner. Auf Exportseite war neben Russland auch Marokko (CV 0,45) auffällig volatil, was auf das rasante Exportwachstum in dieses Land (von 3.152 t auf 8.740 t) zurückzuführen ist.
Fazit
Der EU-Außenhandel mit Gewindeschrauben und -bolzen (KN 731815) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt:
-
Preisdominiertes Wachstum: Die EU exportiert zwar mengenmäßig kaum mehr als 2015, erzielt aber deutlich höhere Preise (+39 %). Die Preisschere zwischen Exporten (8.145 €/t) und Importen (2.981 €/t) unterstreicht die Position der EU-Industrie im Hochwertsegment.
-
Krisenresilienz nach dem Schock von 2022: Das Importdefizit von 726 Mio. € im Krisenjahr 2022 — getrieben durch chinesische Importe und globale Stahlpreisspitzen — war vorübergehend. Die Handelsbilanz erholte sich innerhalb von zwei Jahren und kehrte 2024 in den Überschussbereich (+231 Mio. €) zurück.
-
Geopolitische Neuausrichtung: Die Exportmärkte haben sich zugunsten der Amerikas und der Türkei diversifiziert, während Russland als Exportmarkt praktisch verschwunden ist. Auf der Importseite hat China seine Dominanz trotz der Korrektur 2023–2025 weiter ausgebaut, was die Konzentration der EU-Importquellen erhöht hat. Dies birgt strategische Abhängigkeitsrisiken, die angesichts geopolitischer Spannungen und möglicher Handelskonflikte an Relevanz gewinnen dürften.