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Marktentwicklung: Gewindeformende Schrauben (CN 731814) — 2015–2025

Einführung

Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit gewindeformenden Schrauben aus Eisen oder Stahl (KN-Code 731814) im Zeitraum 2015 bis 2025. Hierbei werden sowohl die Handelsströme mit Drittländern als auch die innereuropäische Produktion und Spezialisierung betrachtet. Der Beobachtungszeitraum umfasst eine Phase bemerkenswerter Preissteigerungen, tektonischer Verschiebungen bei den Importquellen und einer zunehmenden Exportorientierung des EU-Marktes.

Das analysierte Produkt (Übersicht im EU Trade Dashboard) umfasst drei Unterpositionen:

CN-Code Beschreibung
73181410 Gewindeformende Schrauben, aus nicht rostendem Stahl
73181491 Blechschrauben, gewindeformend, aus Eisen oder nichtrostendem Stahl
73181499 Gewindeformende Schrauben, aus Eisen oder nichtrostendem Stahl (ohne Blech- und Holzschrauben)

1. Preisgetriebenes Wachstum trotz mengenmäßiger Stagnation

Das dominante Merkmal der gesamten Beobachtungsperiode ist eine Diskrepanz zwischen stark steigenden Handelswerten und nahezu unveränderten Mengen. Diese Dynamik trat sowohl bei Importen als auch bei Exporten auf und lässt auf systematische Kosteneffekte – etwa durch Energiepreise, Rohstoffkosten oder Lieferkettenverwerfungen – schließen.

Importe: Wert wuchs um 35,7 %, Menge nur um 16,5 %

Die EU-Importe von gewindeformenden Schrauben beliefen sich im Jahr 2015 auf rund 488,7 Mio. EUR bei einem Volumen von 161.967 Tonnen. Im Jahr 2025 betrug der Importwert 663,1 Mio. EUR bei 188.713 Tonnen. Der durchschnittliche Einführpreis stieg damit von 3.017 EUR/t auf 3.514 EUR/t (+16,5 %). Der absolute Höchstwert wurde 2022 mit 975,7 Mio. EUR erreicht, was vor allem auf dramatische Preisspitzen zurückzuführen ist.

Betrachtet man die Segmente, zeigt sich, dass die preisgeführte Dynamik besonders bei den Importen ausfällt:

Segment Menge 2015 (t) Menge 2025 (t) Δ Menge Preis 2015 (EUR/t) Preis 2025 (EUR/t) Δ Preis
73181499 101.184 117.819 +16,4 % 2.578 3.086 +19,7 %
73181491 44.633 50.335 +12,8 % 2.596 3.163 +21,9 %
73181410 16.150 20.525 +27,1 % 6.930 6.829 −1,5 %

(Quelle: Produktvergleich)

Auffällig ist, dass Edelstahl-Schrauben (73181410) zwar die höchsten Einheitspreise aufweisen (ca. 6.900 EUR/t bei Importen), ihre Preise aber über den Zeitraum stabil blieben – ein Hinweis darauf, dass die größten Preissteigerungen bei den Standardqualitäten aus Eisen bzw. nichtrostendem Stahl stattfanden.

Exporte: Wert +40,7 % bei mengenmäßigem Stillstand

Während die Exportmenge über den gesamten Zeitraum praktisch unverändert blieb (40.693 t in 2015 vs. 40.563 t in 2025; −0,3 %), stieg der Exportwert von 243,5 Mio. EUR auf 342,5 Mio. EUR (+40,7 %). Der mittlere Exportpreis erhöhte sich von 5.982 EUR/t auf 8.440 EUR/t (+41,1 %).

Dabei ist bemerkenswert, dass die Exportpreise durchgehend deutlich über den Importpreisen liegen (Faktor ca. 2,4x im Jahr 2025). Dies deutet darauf hin, dass die EU überwiegend höherwertige, spezialisiere gewindeformende Schrauben exportiert und Standardprodukte importiert.

Das Jahr 2022 als Preisschock-Jahr

Sowohl Import- als auch Exportwerte erreichten 2022 historische Maxima. Der Importwert kletterte auf 975,7 Mio. EUR – mehr als doppelt so hoch wie 2015. Die Rohstoff- und Energiekosten der Nach-Corona- und Ukraine-Krisen-Phase spiegelten sich in massiven Preisanstiegen wider. Danach normalisierten sich die Werte: 2023 und 2024 lagen sowohl Import- als auch Exportpreise wieder deutlich unter den 2022-Spitzen.


2. Strukturelle Verschiebung der Importquellen: der Aufstieg Chinas und der Türkei

Die zweite zentrale Erkenntnis betrifft eine gravierende Neuordnung des Importpartnerschaftsgefüges. Während Taiwan seine dominante Stellung behauptete, gewannen insbesondere China und die Türkei dramatisch an Bedeutung – ein Trend, der die Diversifizierungsstrategie der EU auf den Prüfstand stellt.

Taiwan als unangefochtener Marktführer

Taiwan war throughout den gesamten Zeitraum der wichtigste Importpartner der EU für gewindeformende Schrauben. Von 241,7 Mio. EUR in 2015 wuchs der taiwanesische Anteil auf 322,7 Mio. EUR in 2025 (+33,5 %). Der Höchstwert wurde 2022 mit 517,8 Mio. EUR erreicht. Der Variationskoeffizient der taiwanesischen Importe lag mit 0,12 relativ niedrig, was auf eine stabile Handelsbeziehung hindeutet.

China: Der spektakulärste Aufstieg

Kein anderer Partner verzeichnete ein derart explosives Wachstum:

Zeitraum Importe aus China (EUR) Anteil Anstieg
2015 8,2 Mio.
2022 116,0 Mio. Höchstwert
2025 84,3 Mio. +932,7 % vs. 2015

(Quelle: Top-Handelspartner)

Der Anstieg um mehr als 930 % innerhalb eines Jahrzehnts stellt eine der markantesten Verschiebungen im europäischen Schraubenhandel dar. China stieg vom Nischenanbieter zum zweitwichtigsten Importeur auf. Gleichzeitig weisen die chinesischen Importe den höchsten Variationskoeffizienten (0,53) aller großen Partner auf, was auf eine volatile, von politischen Rahmenbedingungen und Zollentwicklungen geprägte Handelsbeziehung schließen lässt.

Die Türkei: Vom Nischenpartner zum Hauptlieferanten

Ähnlich dynamisch entwickelten sich die Importe aus der Türkei. Der türkische Importwert stieg von 7,7 Mio. EUR (2015) auf 52,6 Mio. EUR (2025) – ein Zuwachs von 581,7 %. Der Variationskoeffizient liegt mit 0,41 ebenfalls auf hohem Niveau, was die vergleichsweise kurze Aufbauphase dieser Handelsbeziehung widerspiegelt.

Konzentrations- und Volatilitätsmuster

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank leicht von 2.849 auf 2.759 Konstrationsanalyse. Bei einem HHI-Wert in dieser Größenordnung (oberhalb von 2.500) spricht man von einem mäßig konzentrierten Markt – Taiwan dominiert, aber die Zunahme von China und der Türkei sorgt für eine gewisse Diversifizierung.

Ein signifikanter Preis-Schock wurde 2022 bei den Importen aus Vietnam detektiert: ein abnormaler Preisanstieg von 38,7 % bei einem Abnormalitäts-Score von 10,6 (Analyse von Angebots-Schocks). Dieser Schock korrespondiert mit den globalen Lieferkettenverwerfungen und Energiepreisexplosionen des Jahres 2022.

Russland: Ein Markt bricht weg

Auf der Exportseite ist der dramatischste Rückgang bei den Ausfuhren in die Russische Föderation zu beobachten. Die EU-Exporte sanken von 14,2 Mio. EUR (2015) auf 3,8 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 73,0 %. Dies spiegelt die Sanktionspolitik der EU nach 2022 wider und markiert einen unwiderruflichen Verlust eines einst bedeutenden Absatzmarktes.


3. Gestärkte Eigenproduktion und wachsende Exportorientierung als Puffer gegen Importabhängigkeit

Trotz steigender Importvolumina zeigt sich die EU in diesem Marktsegment zunehmend widerstandsfähiger. Die inländische Produktion wuchs überproportional, die Netto-Importabhängigkeit sank merklich und die Exportquote verdoppelte sich beinahe.

Produktion: Verdopplung des Output in zehn Jahren

Die EU-Produktion von gewindeformenden Schrauben (erfasst über PRODCOM) entwickelte sich eindrucksvoll:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 81.600 t 150.711 t +84,7 %
Produktionswert 314,6 Mio. EUR 798,1 Mio. EUR +153,7 %
Ø Produktionspreis 3.855 EUR/t 5.295 EUR/t +37,4 %

(Quelle: Produktionsvolumen)

Die Produktionsmenge stieg um fast 85 %, der Produktionswert sogar um über 150 %. Dieses überproportionale Wachstum des Werts gegenüber der Menge zeigt, dass die europäische Produktion vermehrt in den Premium- und Spezialbereich aufsteigt – ein Muster, das sich mit den hohen Exportpreisen deckt.

Sinkende Netto-Importabhängigkeit

Die Netto-Importquote (Netto-Importabhängigkeit) sank von 32,7 % (2015) auf 25,7 % (2025), ein Rückgang um 21,2 %. Der Höchstwert wurde mit 47,2 % erreicht. Damit wird die EU in diesem Segment unabhängiger von Drittlandslieferungen – ein bemerkenswerter Trend angesichts des gleichzeitig steigenden Importvolumens.

Exportquote nahezu verdoppelt

Der Exportanteil an der EU-Produktion (Exportquote) stieg von 25,4 % auf 44,9 % (+76,5 %). Die Handelsintensität (Handelsintensität) erhöhte sich von 57,1 % auf 69,3 %.

Diese Metriken zeigen, dass die EU nicht nur kompensierend produziert, sondern sich aktiv als Exporteur am Weltmarkt positioniert.

Spezialisierungsmuster innerhalb der EU

Die Analyse der RCA-Werte (Revealed Comparative Advantage) für 2025 (Spezialisierungsanalyse) zeigt eine klare geografische Konzentration der europäischen Kompetenz:

Land RCA RSCA Anteil Produktion Anteil EU-Gesamtexport
Tschechien 2,98 0,50 14,3 % 4,8 %
Österreich 2,47 0,42 8,2 % 3,3 %
Deutschland 1,89 0,31 39,9 % 21,2 %
Polen 1,02 0,01 6,7 % 6,6 %
Spanien 0,89 −0,06 5,2 % 5,8 %

Deutschland ist mit Abstand der größte Produzent und Exporteur. Die innerdeutschen Exporte beliefen sich 2025 auf 190,1 Mio. EUR (55,5 % aller EU-Exporte). Bundesdeutsche Importe lagen bei 231,8 Mio. EUR, was Deutschland auch zum größten EU-Importeur macht. Tschechien und Österreich weisen trotz kleinerer absoluter Volumina die höchste Spezialisierung auf – ein Hinweis auf mittelständische Nischenproduzenten mit hoher Wettbewerbsfähigkeit.

Top-Zielländer: Vom Nahen Osten zum Atlantik

Zielland Exporte 2015 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR) Δ
Vereinigtes Königreich 56,4 57,8 +2,4 %
Schweiz 31,2 38,9 +24,9 %
USA 20,4 32,1 +57,5 %
China 20,3 27,4 +34,9 %
Türkei 13,2 19,0 +43,9 %

Die USA und die Türkei sind die dynamischsten Exportziele, was auf eine zunehmende transatlantische und östliche Orientierung hindeutet. Das Vereinigte Königreich blieb als größter Einzelmarkt erwartungsgemäß stabil – die engen Lieferketten der Automobilindustrie dürften hier eine Rolle spielen.


Fazit

Der Markt für gewindeformende Schrauben (KN 731814) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

  1. Wertsteigerungen ohne Mengenwachstum: Die Handelswerte stiegen um 35–41 %, während die Mengen weitgehend stagnierten. Die Jahre 2021/2022 markierten eine historische Preisspitze, die sich seither teilweise normalisierte.

  2. Asiatische Neuordnung der Importlandschaft: China (+933 %) und die Türkei (+582 %) avancierten von Nischenlieferanten zu Hauptimportquellen. Taiwan behauptete seine Führungsposition, während die Importvolatilität insgesamt zunahm.

  3. Gestärkte europäische Wertschöpfungskette: Die inländische Produktion wuchs prozentual stärker als die Importe. Die Netto-Importabhängigkeit sank von 33 % auf 26 %, die Exportquote stieg von 25 % auf 45 %. Deutschland, Tschechien und Österreich bilden das industrielle Rückgrat der europäischen Kompetenz in diesem Segment.

Die Zunahme der Handelsintensität bei gleichzeitig sinkender Netto-Importabhängigkeit deutet darauf hin, dass die EU sich in diesem Segment zu einem „Global Player" entwickelt – sie importiert zunehmend, aber exportiert noch stärker. Die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten (Taiwan, China) bleibt jedoch ein potenzielles geopolitisches Risiko, insbesondere angesichts der hohen Volatilität chinesischer Importströme und der angespannten Lage im Indopazifik.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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