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Marktentwicklung: Schrauben und Bolzen (CN 731815) — 2015–2025

Einleitung

Der Markt für Schrauben und Bolzen aus Eisen oder Stahl (KN-Code 731815) ist ein zentrales Segment des europäischen Stahlverarbeitungssektors. Mit einem Exportvolumen von rund 2,6 Mrd. EUR und Importen in ähnlicher Größenordnung im Jahr 2025 ist die EU sowohl bedeutender Produzent als auch bedeutender Abnehmer auf dem Weltmarkt. Der betrachtete Zeitraum 2015–2025 war durch einschneidende Veränderungen geprägt: die Handelsauseinandersetzungen zwischen den USA und China ab 2018, die COVID-19-Pandemie, die Stahlpreisexplosion 2021–2022 sowie geopolitische Spannungen. Dieser Bericht analysiert die wesentlichen Marktdynamiken und ihre treibenden Faktoren.


1. Preistriebenes Wachstum: Steigende Werte bei stagnierenden Exportmengen

Der Exportwert stieg deutlich stärker als die physische Menge

Im Zeitraum 2015–2025 wuchsen die EU-Exporte von Schrauben und Bolzen im Wert um 41,8 % — von 1.847 Mio. EUR auf 2.619 Mio. EUR (Gesamtübersicht). Demgegenüber stieg die exportierte Menge lediglich um 1,7 % — von 316.003 t auf 321.229 t. Die Differenz erklärt sich durch einen Preisanstieg von 39,4 %: Der durchschnittliche Exportpreis kletterte von 5.842 EUR/t (2015) auf 8.146 EUR/t (2025).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 1.847 2.619 +41,8 %
Exportmenge (t) 316.003 321.229 +1,7 %
Exportpreis (EUR/t) 5.842 8.146 +39,4 %

Bei den Importen wuchsen sowohl Menge als auch Wert

Die Importentwicklung zeigt ein anderes Bild. Der Importwert stieg von 1.830 Mio. EUR auf 2.558 Mio. EUR (+39,8 %), die importierte Menge nahm von 636.879 t auf 857.518 t zu (+34,6 %). Der Importpreis hingegen stieg nur moderat um 3,8 % (von 2.873 EUR/t auf 2.982 EUR/t). Dies deutet darauf hin, dass das Importwachstum primär mengengetrieben war, während das Exportwachstum preisgetrieben war.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 1.830 2.558 +39,8 %
Importmenge (t) 636.879 857.518 +34,6 %
Importpreis (EUR/t) 2.873 2.982 +3,8 %

Der EU-Handelsüberschuss schwankte stark

Die Handelsbilanz verlief äußerst volatil. 2015 betrug der Überschuss 17 Mio. EUR. Er schwankte zwischen einem Defizit von -725 Mio. EUR und einem Überschuss von 232 Mio. EUR, bevor er 2025 bei 61 Mio. EUR landete. Die Phase des Defizits fiel zeitlich mit der globalen Stahlpreiskrise 2021–2022 zusammen, als die Importpreise stärker stiegen als die Exportpreise und gleichzeitig die Importmengen sprunghaft zunahmen.

Jahr Saldo (Mio. EUR)
2015 +17
2018 Höhepunkt Überschuss
2020 COVID-Einbruch
2022 Tiefststand Defizit
2025 +61

2. Chinas Aufstieg als dominanter Importeur und die Verschiebung der Handelsströme

China wurde zum mit Abstand wichtigsten Importpartner der EU

Die dynamischste Veränderung im EU-Handel mit Schrauben und Bolzen war der rasannte Anstief der Importe aus China. Diese stiegen von 144 Mio. EUR (2015) auf 622 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 331 % (Partneranalyse). Im Peak-Jahr erreichten die chinesischen Lieferungen sogar 826 Mio. EUR. Damit löste China Taiwan als wichtigsten Importlieferanten ab.

Herkunftsland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 144 622 +331 %
Taiwan 328 346 +6 %
Indien 172 173 +1 %
Türkei 104 266 +156 %
Vietnam 85 128 +51 %
Thailand 65 88 +34 %
Südkorea 84 109 +30 %

Gleichzeitig sanken die EU-Exporte nach China

Während die Importe aus China explodierten, gingen die EU-Exporte nach China im selben Zeitraum um 10 % zurück — von 372 Mio. EUR auf 335 Mio. EUR (Partneranalyse Exporte). China rutschte damit vom wichtigsten Exportziel (2015) auf den zweiten Platz hinter die USA ab. Die EU versorgte China vor allem mit hochwertigen Spezialschrauben; die Zunahme der chinesischen Eigenproduktion dürfte die Nachfrage nach EU-Produkten gedämpft haben.

Die USA wurden zum wichtigsten Exportmarkt

Die Exporte in die USA stiegen von 294 Mio. EUR auf 551 Mio. EUR (+87,4 %). Auch Mexiko (+125 %), Brasilien (+61 %) und die Türkei (+73 %) verzeichneten starkes Wachstum als Abnehmer. Dies spiegelt die Neuorientierung der EU-Exportströme in Richtung westlicher Märkte und Schwellenländer wider — ein Trend, der sich durch die Handelskonflikte der Jahre 2018–2024 noch verstärkt haben dürfte.

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 372 335 −10 %
USA 294 551 +87 %
Vereinigtes Königreich 268 309 +15 %
Türkei 86 149 +73 %
Brasilien 74 119 +61 %
Mexiko 61 137 +125 %
Schweiz 104 136 +30 %

Die Importkonzentration nahm zu

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe stieg von 952 auf 1.182 (+24 %) (Konzentrationsanalyse). Dies bedeutet eine Zunahme der Importkonzentration: China liefert einen wachsenden Anteil der EU-Importe, was die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten erhöht. Gleichzeitig sank der Export-HHI von 1.006 auf 906 (−10 %), was eine Diversifizierung der Exportmärkte anzeigt.

Indikator 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 952 1.182 +24 %
HHI Exporte (Wert) 1.006 906 −10 %

Die Türkei als aufstrebender Partner in beide Richtungen

Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung der Handelsbeziehungen mit der Türkei. Die Importe aus der Türkei stiegen um 156 % (von 104 Mio. EUR auf 266 Mio. EUR), die Exporte in die Türkei um 73 % (von 86 Mio. EUR auf 149 Mio. EUR). Die Türkei ist damit sowohl als Lieferant als auch als Abnehmer deutlich an Bedeutung gewachsen, was auf eine engere Integration der türkischen Stahlverarbeitung in die europäische Lieferkette hindeutet.


3. Europäische Produktion und Spezialisierung: Wer trägt die Wertschöpfung?

Deutschland dominiert den EU-internen Handel

Innerhalb der EU ist Deutschland der mit Abstand größte Akteur: 2025 importierte Deutschland Schrauben und Bolzen im Wert von 774 Mio. EUR (2015: 547 Mio. EUR, +42 %) und exportierte im Wert von 1.227 Mio. EUR (2015: 967 Mio. EUR, +27 %) (Mitgliedstaaten-Analyse). Deutschland vereint damit rund 30 % der EU-Importe und knapp 47 % der EU-Exporte auf sich.

EU-Mitgliedstaat Importe 2025 (Mio. EUR) Exporte 2025 (Mio. EUR)
Deutschland 774 1.227
Italien 229 299
Frankreich 255 325
Niederlande 271 150
Polen 187
Spanien 149 99

Italien und Deutschland weisen die höchste Spezialisierung auf

Gemäß dem RSCA-Index (Revealed Symmetric Comparative Advantage) weisen Italien (RSCA: 0,44) und Deutschland (RSCA: 0,22) die höchste Spezialisierung im Segment Schrauben und Bolzen innerhalb der EU auf. Italien produziert mit einem Anteil von 20,7 % an der EU-Gesamtproduktion und exportiert 8 % der EU-weiten Exporte. Deutschland vereint 33,4 % der Produktion und 21,2 % der Exporte. Slowakei (RSCA: 0,19) und Frankreich (RSCA: 0,11) folgen auf den Plätzen drei und vier.

Land RSCA RCA Produktionsanteil Exportanteil
Italien 0,44 2,58 20,7 % 8,0 %
Deutschland 0,22 1,58 33,4 % 21,2 %
Slowakei 0,19 1,47 3,1 % 2,1 %
Frankreich 0,11 1,26 9,8 % 7,8 %
Spanien −0,01 0,98 5,7 % 5,8 %

Polen zeigt das stärkste Importwachstum innerhalb der EU

Unter den EU-Importeuren verzeichnete Polen mit +108 % das mit Abstand stärkste Wachstum (von 90 Mio. EUR auf 187 Mio. EUR). Dies korreliert mit dem generellen Aufbau von Produktionskapazitäten in Polen — das Land importiert Vorprodukte und Halbfertigwaren für seine wachsende verarbeitende Industrie, insbesondere im Automobil- und Maschinenbau.

Volatilität variiert stark nach Herkunftsland

Die Preisvolatilität (Variationskoeffizient) unterscheidet sich erheblich zwischen den Handelspartnern. Bei den Importen weisen die USA (CV: 0,33) und China (CV: 0,30) die höchste Volatilität auf, während Südkorea (CV: 0,10) und die Schweiz (CV: 0,11) die stabilsten Handelsströme zeigen. Bei den Exporten ist Russland (CV: 0,62) und Marokko (CV: 0,45) am volatilsten — ein Spiegelbild geopolitischer Unsicherheiten. Ein signifikanter Preisschock wurde 2022 bei Importen aus Thailand detektiert (+31,2 % Preisabweichung, Abnormalitäts-Score 4,1), zeitlich korrelierend mit der globalen Stahlpreiskrise.


Fazit

Der EU-Markt für Schrauben und Bolzen (KN 731815) hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verändert — sowohl strukturell als auch in seinen Handelsströmen.

Erstens ist das Wachstum asymmetrisch verlaufen: Exporte wuchsen überwiegend preisgetrieben (Wert +42 %, Menge +2 %), während Importe mengengetrieben expandierten (Wert +40 %, Menge +35 %). Die EU produziert also tendenziell weniger Mengen, dafür zu höheren Preisen — ein Hinweis auf eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Spezialprodukten.

Zweitens hat sich China vom drittgrößten zum mit Abstand wichtigsten Importlieferanten der EU entwickelt (+331 %). Gleichzeitig nahm die Importkonzentration zu, was die Anfälligkeit der EU-Lieferketten erhöht. Die Exportmärkte hingegen haben sich diversifiziert, mit den USA als neuem Hauptabnehmer.

Drittens bleibt die EU insgesamt ein Nettoexporteur — mit einem Überschuss von 61 Mio. EUR im Jahr 2025. Allerdings war dieser Status zeitweise stark gefährdet (Defizit bis -725 Mio. EUR). Die Wertschöpfung konzentriert sich auf wenige Mitgliedstaaten, allen voran Deutschland und Italien, die über die höchste Spezialisierung verfügen.

Die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen, gepaart mit steigender Importkonzentration, stellt die EU vor strategische Herausforderungen in Bezug auf Versorgungssicherheit — ein Thema, das angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen an Relevanz gewinnt.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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