Marktentwicklung: Befestigungselemente ohne Gewinde (CN 731829) — 2015–2025
Einleitung
Der Zollcode 731829 erfasst Befestigungselemente und -vorrichtungen ohne Gewinde aus Eisen oder Stahl, die nicht anderweitig genannt sind — ein Residualcode innerhalb der Position 7318 (Schrauben, Bolzen, Muttern und verwandte Waren). Obwohl die Warengruppe weniger sichtbar ist als die gängigen Gewindeelemente, stellt sie einen substanziellen Markt dar, der im Untersuchungszeitraum 2015–2025 tiefgreifende Veränderungen durchlaufen hat. Der EU-Außenhandel mit Drittländern entwickelte sich in dieser Periode nicht nur in Bezug auf Volumen und Wert, sondern vor allem hinsichtlich der Preisstrukturen, der geografischen Handelspartner und der handelspolitischen Abhängigkeiten. Dieser Bericht analysiert die wichtigsten Dynamiken und ordnet sie in einen breiteren wirtschaftlichen Kontext ein.
1. Preisgetriebenes Exportwachstum trotz rückläufiger Mengen
Die auffälligste Entwicklung des untersuchten Zeitraums ist die zunehmende Entkopplung von Wert- und Mengendynamik, insbesondere auf der Exportseite. Während die EU-Exporte in absoluten Zahlen kräftig zulegten, sanken die exportierten Volumina spürbar — ein Phänomen, das auf erhebliche Preissteigerungen zurückzuführen ist.
1.1 Der EU-Exportmarkt: Steigende Werte bei sinkenden Mengen
Die EU-Ausfuhren von Befestigungselementen ohne Gewinde stiegen im Wert von 427,3 Mio. EUR (2015) auf 576,9 Mio. EUR (2025), was einem Plus von 35,0 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2024 mit 589,7 Mio. EUR erreicht. Gleichzeitig ging die exportierte Menge von 36.297 Tonnen auf 31.365 Tonnen zurück (−13,6 %). Der maximale Mengenwert wurde 2017 mit 39.795 Tonnen erreicht, bevor ein anhaltender Rückgang einsetzte.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert | 427,3 Mio. EUR | 576,9 Mio. EUR | +35,0 % |
| Exportmenge | 36.297 t | 31.365 t | −13,6 % |
| Exportpreis | 11.767 EUR/t | 18.373 EUR/t | +56,1 % |
1.2 Steigende Exportpreise als Haupttreiber
Der durchschnittliche Exportpreis stieg im Betrachtungszeitraum von 11.767 EUR/t auf 18.373 EUR/t — ein Anstieg um 56,1 %. Der Mindestpreis lag bei 11.743 EUR/t, der Höchstpreis bei 18.373 EUR/t (2025). Diese Preisentwicklung überkompensierte den Mengenrückgang und führte insgesamt zu einem nominalen Exportwachstum. Mögliche Ursachen sind die Verlagerung hin zu höherwertigen Produkten, gestiegene Stahlpreise sowie Inflationseffekte — insbesondere infolge der Energiepreiskrise ab 2021/2022. Die Preis- und Mengenentwicklung im Handelsüberblick zeigt diese Divergenz besonders deutlich.
1.3 Importe: Wert- und Mengenwachstum verlaufen parallel
Im Gegensatz zu den Exporten entwickelten sich Importwert und -menge in dieselbe Richtung. Die Einfuhren stiegen im Wert von 421,8 Mio. EUR auf 590,4 Mio. EUR (+40,0 %) und in der Menge von 41.919 Tonnen auf 59.657 Tonnen (+42,3 %). Der durchschnittliche Importpreis blieb dabei nahezu stabil bzw. sank leicht von 10.060 EUR/t auf 9.895 EUR/t (−1,6 %). Dies deutet darauf hin, dass der Importmarkt preissensibler blieb und die EU von günstigen Bezugsquellen profitierte — möglicherweise aufgrund stärkerer Wettbewerbsdrucks von Drittanbietern.
| Indikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert | 421,8 Mio. EUR | 590,4 Mio. EUR | +40,0 % |
| Importmenge | 41.919 t | 59.657 t | +42,3 % |
| Importpreis | 10.060 EUR/t | 9.895 EUR/t | −1,6 % |
1.4 Der Handelsbilanzübergang: Vom Nettodefinzit zum Nettoüberschuss und zurück
Die Handelsbilanz der EU durchlief bemerkenswerte Schwankungen. Im Jahr 2015 wies die EU noch einen leichten Überschuss von 5,5 Mio. EUR aus. In den Folgejahren verschlechterte sich die Bilanz jedoch deutlich, mit einem Tiefstwert von −82,4 Mio. EUR. Bis 2025 verbesserte sich die Situation wieder, blieb aber mit −13,5 Mio. EUR weiterhin negativ. Die Handelsbilanz im Zeitverlauf zeigt, dass die EU im Segment der nicht-gewindeten Befestigungselemente ihre Position als Nettoexporteur verloren hat.
2. Geopolitische Umorientierung der Handelsströme
Ein zweiter zentraler Befund betrifft die signifikante Verschiebung der Handelspartner sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite. Neue Akteure gewannen stark an Bedeutung, während traditionelle Beziehungen teils erodierten — ein Muster, das auf geopolitische Verschiebungen und strukturelle Veränderungen in globalen Lieferketten hindeutet.
2.1 China als dominierender Wachstumstreiber bei Importen
China stellte 2025 mit 96,0 Mio. EUR das mit Abstand größte Importvolumen unter den Drittstaaten dar — gegenüber nur 42,1 Mio. EUR im Jahr 2015, was einem Anstieg von 128,0 % entspricht. Der Höchstwert wurde 2024 mit 119,1 Mio. EUR erreicht. China ist damit von einem unter mehreren relevanten Partnern zum unangefochten wichtigsten Importlieferanten der EU aufgestiegen. Diese Entwicklung spiegelt die allgemeine Zunahme der Abhängigkeit der EU von chinesischen Industriegüterexporten wider.
| Partnerland (Importe) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 42,1 Mio. EUR | 96,0 Mio. EUR | +128,0 % |
| Schweiz | 115,4 Mio. EUR | 106,1 Mio. EUR | −8,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 49,2 Mio. EUR | 62,1 Mio. EUR | +26,3 % |
| Taiwan | 28,8 Mio. EUR | 42,1 Mio. EUR | +46,3 % |
| Türkei | 21,5 Mio. EUR | 39,8 Mio. EUR | +85,0 % |
| Indien | 16,9 Mio. EUR | 29,3 Mio. EUR | +72,9 % |
| Bosnien und Herzegowina | 0,7 Mio. EUR | 19,0 Mio. EUR | +2.653,6 % |
2.2 Bosnien und Herzegowina: Der spektakulärste Aufstieg
Die dramatischste Veränderung vollzog sich bei den Importen aus Bosnien und Herzegowina: Von lediglich 688.731 EUR im Jahr 2015 auf 19,0 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Anstieg um 2.653,6 %. Der Höchstwert lag 2022 sogar bei 24,4 Mio. EUR. Diese außergewöhnliche Steigerung ist wahrscheinlich auf die zunehmende Integration des westbalkanischen Landes in europäische Lieferketten, niedrigere Produktionskosten sowie die EU-Nähe und Handelspräferenzen im Rahmen des Stabilisierungs- und Assoziierungsprozesses zurückzuführen. Der Partnerländer-Überblick illustriert diesen außergewöhnlichen Trend.
2.3 Exportseitige Neuorientierung: Von Großbritannien nach Amerika
Auf der Exportseite verschob sich die Nachfrage ebenfalls deutlich. Die Exporte in das Vereinigte Königreich sanken von 53,8 Mio. EUR auf 36,8 Mio. EUR (−31,6 %) — ein Rückgang, der wahrscheinlich mit dem Brexit und den damit verbundenen Handelsbarrieren zusammenhängt. Gleichzeitig stiegen die Exporte nach Mexiko um 103,2 % (von 19,6 Mio. EUR auf 39,8 Mio. EUR), in die USA um 41,2 % (von 62,7 Mio. EUR auf 88,6 Mio. EUR) und nach Brasilien um 49,8 % (von 18,7 Mio. EUR auf 28,0 Mio. EUR). Deutschland blieb mit Abstand der größte EU-Exporteur (292,8 Mio. EUR in 2025), gefolgt von Frankreich (88,6 Mio. EUR) und den Niederlanden (35,9 Mio. EUR). Die Exportpartner-Ländersicht bestätigt diese geografische Diversifizierung der EU-Ausfuhren.
| Partnerland (Exporte) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA | 62,7 Mio. EUR | 88,6 Mio. EUR | +41,2 % |
| China | 62,1 Mio. EUR | 69,7 Mio. EUR | +12,1 % |
| Mexiko | 19,6 Mio. EUR | 39,8 Mio. EUR | +103,2 % |
| Schweiz | 32,9 Mio. EUR | 46,0 Mio. EUR | +39,8 % |
| Türkei | 29,7 Mio. EUR | 35,6 Mio. EUR | +20,2 % |
| Brasilien | 18,7 Mio. EUR | 28,0 Mio. EUR | +49,8 % |
| Vereinigtes Königreich | 53,8 Mio. EUR | 36,8 Mio. EUR | −31,6 % |
2.4 Volatile Handelsbeziehungen als Indikator für Unsicherheit
Die Schwankungsintensität (Variationskoeffizient) variierte erheblich zwischen den Handelspartnern. Besonders volatil waren die Handelsbeziehungen mit der Russischen Föderation (CV 0,72 bei Importen, 0,51 bei Exporten), was angesichts der Sanktionen nach 2022 nachvollziehbar ist. Aber auch die Beziehungen zum Vereinigten Königreich (CV 0,37 Importe, 0,43 Exporte), Kosovo (0,46 Importe) und Norwegen (0,55 Exporte) zeigten hohe Volatilität. Darüber hinaus wurden drei signifikante Preisschocks identifiziert: in den Exporten nach Serbien (2022, Anstieg um 71,2 %), Marokko (2017, +72,9 %) und Indien (2023, +75,8 %). Diese Ereignisse sind im Volatilitäts- und Schock-Dashboard dokumentiert.
3. Sinkende Konzentration und wachsende Exportorientierung der EU
Die dritte zentrale Dynamik betrifft die strukturelle Veränderung des EU-Marktes: Die Herstellerkonzentration nahm ab, die Spezialisierung einzelner Mitgliedstaaten vertiefte sich, und die EU wandelte sich von einer nettoimportabhängigen zu einer zunehmend exportorientierten Volkswirtschaft in diesem Segment.
3.1 Abnehmende Herfkonzentration bei Handelspartnern
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert sank von 1.652 auf 1.342 (−18,8 %), was einer deutlichen Diversifizierung der Importquellen entspricht. Auch die Exportkonzentration verringerte sich von 793 auf 667 (−15,8 %). Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die EU ihre Handelsbeziehungen breiter aufstellt — sowohl bei den Bezugsquellen als auch bei den Absatzmärkten. Ein niedrigerer HHI reduziert die Verwundbarkeit gegenüber einzelnen Partnern und stärkt die Verhandlungsposition der EU. Die Konzentrationsanalyse veranschaulicht diesen Trend über den gesamten Zeitraum.
| Konzentrationsindikator (HHI) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importe (Wert) | 1.652 | 1.342 | −18,8 % |
| Exporte (Wert) | 793 | 667 | −15,8 % |
3.2 Deutschland als Kern des europäischen Produktions- und Exportnetzwerks
Innerhalb der EU ist Deutschland der unangefochtene Marktführer — sowohl bei der Produktion als auch beim Handel. Mit einem RCA-Wert (Revealed Comparative Advantage) von 2,16 und einem RSCA von 0,37 zeigt Deutschland die höchste Spezialisierung aller Mitgliedstaaten. Der deutsche Anteil an der EU-Produktion lag 2025 bei 45,7 %. Weitere spezialisierte Länder waren Österreich (RSCA 0,28), Portugal (0,26) und Slowenien (0,26). Am anderen Ende des Spektrums weisen Zypern (RSCA −0,999), Irland (−0,97) und Griechenland (−0,93) keinerlei relevante Produktionskapazitäten in diesem Segment auf. Die Spezialisierungsanalyse zeigt die komplette Rangliste der EU-Mitgliedstaaten.
| EU-Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Produktionsanteil |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 0,367 | 2,158 | 45,7 % |
| Österreich | 0,281 | 1,783 | 5,9 % |
| Portugal | 0,263 | 1,713 | 2,4 % |
| Slowenien | 0,261 | 1,705 | 1,7 % |
| Bulgarien | 0,054 | 1,114 | 0,7 % |
3.3 Stagnierende Produktion, steigender Produktwert
Die EU-Produktion von Befestigungselementen ohne Gewinde blieb mengenbezogen nahezu stabil: Von 36.248 Tonnen (2015) auf 35.000 Tonnen (2025), was einem leichten Rückgang von 3,4 % entspricht. Der Höchstwert wurde mit 63.000 Tonnen erreicht (vermutlich 2018/2019). Der Produktionswert stieg jedoch von 218,3 Mio. EUR auf 282,2 Mio. EUR (+29,3 %), was einen deutlichen Anstieg der Wertschöpfung pro produzierter Einheit widerspiegelt — im Einklang mit der allgemeinen Preisentwicklung. Die Produktionsvolumina zeigen diesen Trend über den Zeitverlauf.
3.4 Von der Nettoimportabhängigkeit zur Exportstärke
Die Nettoimportabhängigkeit der EU verlief über den gesamten Zeitraum bemerkenswert volatil. Lag sie 2015 noch bei +26,9 % (die EU war also Nettoimporteur), schwankte sie in den Folgejahren stark und erreichte Tiefstwerte von −44,5 % (starker Nettoexportüberschuss). Im Jahr 2025 lag der Wert bei −14,8 %, was bedeutet, dass die EU trotz steigender Importe insgesamt ein Exportüberschuss in diesem Segment erzielt. Die Exportquote (export propensity) gegenüber der heimischen Produktion expl regierte förmlich: von 66,1 % auf 249,9 % (+278,1 %). Dies bedeutet, dass die EU 2025 fast das 2,5-Fache ihrer eigenen Produktion exportierte — ein klares Zeichen für die Rolle als Drehkreuz im globalen Handel mit nicht-gewindeten Befestigungselementen. Die Handelsintensität stieg ebenfalls von 83,3 % auf 144,5 % (+73,5 %). Die Nettoimportabhängigkeit und die Exportquote illustrieren diese strukturelle Transformation.
| Autonomieindikator | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Nettoimportabhängigkeit | +26,9 % | −14,8 % | −155,1 % |
| Handelsintensität | 83,3 % | 144,5 % | +73,5 % |
| Exportquote (relativ zur Produktion) | 66,1 % | 249,9 % | +278,1 % |
Fazit
Der Markt für Befestigungselemente ohne Gewinde (CN 731829) hat sich im Zeitraum 2015–2025 in mehrfacher Hinsicht grundlegend verändert. Zentral lassen sich drei übergreifende Trends zusammenfassen:
Erstens hat sich der europäische Markt zunehmend hin zu einem preisgetriebenen Handelsmodell entwickelt. Die Exportpreise stiegen um über 56 %, während die Mengen sanken — ein Muster, das auf höhere Wertschöpfung, aber auch auf strukturelle Herausforderungen im Wettbewerb mit günstigeren Anbietern hindeutet.
Zweitens vollzog sich eine geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme. China festigte seine Position als wichtigster Importpartner, Bosnien und Herzegowina trat als neuer relevanter Akteur auf, und die Exporte wanderten vom post-Brexit-Vereinigten Königreich verstärkt in Richtung Amerika.
Drittens zeigt die EU eine wachsende Exportorientierung und Handelsoffenheit bei gleichzeitig sinkender Konzentration. Die EU agiert zunehmend als Umschlagplatz und Veredler, was sich in einer Exportquote von nahezu 250 % der eigenen Produktion niederschlägt. Die Abhängigkeit von einzelnen Partnern nimmt ab — ein positives Signal für die Resilienz des Marktes, wenngleich die hohe Volatilität bei bestimmten Handelsbeziehungen (insbesondere mit Russland und dem Vereinigten Königreich) weiterhin Überwachung erfordert.