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Marktentwicklung: Schrauben (CN 731819) — 2015–2025

Einführung

Der Zollcode 731819 erfasst Befestigungselemente und Befestigungsvorrichtungen mit Gewinde aus Eisen oder Stahl, soweit sie nicht anderweitig klassifiziert sind. Damit handelt es sich um eine Restposition innerhalb der Warengruppe 7318, die ein breites Spektrum industrieller Standardbefestiger umfasst — von Maschinenschrauben über Gewindestangen bis hin zu speziellen Befestigungsvorrichtungen. Der Zeitraum 2015 bis 2025 war für diesen Markt von tiefgreifenden Veränderungen geprägt: Pandemie-bedingte Lieferkettenunterbrechungen, der Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Sanktionen, steigende Energiekosten sowie geopolitische Neuausrichtungen haben die Handelsströme nachhaltig beeinflusst.

Im Folgenden wird die Marktentwicklung anhand von EU-Handelsdaten mit Drittländern analysiert. Die Produktübersicht dient als Ausgangspunkt für die Analyse.


1. Preisangetriebenes Wachstum: Steigende Werte bei stagnierenden Volumina

Exporte: Plus 56 % im Wert, Minus 9 % in der Menge

Die EU-Exporte von Befestigungselementen (CN 731819) entwickelten sich im Betrachtungszeitraum widersprüchlich: Während der Exportwert von 307 Mio. € (2015) auf 480 Mio. € (2025) stieg — ein Zuwachs von 56,2 % —, sank das Exportvolumen gleichzeitig von 35.000 Tonnen auf 31.900 Tonnen (−8,8 %). Die Erklärung liegt in der drastischen Preisentwicklung: Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 8.767 €/t auf 15.015 €/t (+71,3 %). Die europäische Befestigungsindustrie hat sich demnach in Richtung höherwertiger Produkte verschoben — ein Trend, der auch in der Produktionsentwicklung sichtbar wird: Die Produktionsmenge fiel von 408,7 Mio. kg auf 238,0 Mio. kg (−41,8 %), während der Produktionswert von 728 Mio. € auf 1.195 Mio. € (+64,2 %) anstieg.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. €) 307,1 479,6 +56,2 %
Exportmenge (t) 34.992 31.905 −8,8 %
Exportpreis (€/t) 8.767 15.015 +71,3 %

Importe: Mengen- und Wertwachstum parallel

Auf der Importseite verlief die Entwicklung anders: Sowohl der Importwert (von 348 Mio. € auf 494 Mio. €, +41,9 %) als auch die Importmenge (von 75.377 t auf 97.685 t, +29,6 %) stiegen an. Der Importpreis erhöhte sich moderat von 4.617 €/t auf 5.058 €/t (+9,5 %). Die Preisdynamik der Importe blieb damit weit hinter jener der Exporte zurück — ein Indiz dafür, dass die EU verstärkt preisgünstige Standardbefestiger importiert, während die eigene Produktion auf hochwertige Spezialbefestiger ausgerichtet wird.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. €) 348,2 494,2 +41,9 %
Importmenge (t) 75.377 97.685 +29,6 %
Importpreis (€/t) 4.617 5.058 +9,5 %

Handelsbilanz: Deutliche Verbesserung, aber weiterhin leicht negativ

Die Handelsbilanz war zu Beginn des Zeitraums mit −41 Mio. € deutlich negativ und erreichte ihren Tiefpunkt 2021 mit −108 Mio. €. Bis 2025 verbesserte sie sich jedoch erheblich auf −15 Mio. € (+64,5 %). In einzelnen Jahren (z. B. 2022) war die Bilanz sogar leicht positiv (+4,5 Mio. €). Die Netto-Importabhängigkeit sank von 7,0 % auf 0,6 % — die EU ist für dieses Produktsegment heute nahezu autark.


2. Importkonzentration und europäische Wertschöpfung: Strukturelle Verschiebungen

China als dominierender, aber zunehmend konzentrierter Lieferant

Der Herkunftsindex (HHI) der EU-Importe nach Wert stieg im Betrachtungszeitraum von 1.609 auf 2.065 (+28,4 %). Die Konzentration nahm damit deutlich zu — die EU bezieht ihre Importe aus zunehmend weniger Herkunftsländern. Haupttreiber dieser Entwicklung ist China: Mit einem Importwert von 192 Mio. € im Jahr 2025 (gegenüber 99 Mio. € in 2015, +94,6 %) entfielen auf China rund 39 % aller EU-Importe. In Spitzenjahren (2022) lag der chinesische Anteil mit 239 Mio. € sogar noch höher.

Herkunftsland Import 2015 (Mio. €) Import 2025 (Mio. €) Veränderung
China 98,7 192,2 +94,6 %
Liechtenstein 34,7 45,1 +30,1 %
Vereinigtes Königreich 38,8 34,2 −11,8 %
Taiwan 31,7 30,0 −5,6 %
Türkei 13,8 27,5 +99,7 %
Indien 9,4 22,1 +135,8 %
Schweiz 25,2 21,5 −14,7 %

Quelle: Top-Handelspartner

Besonders bemerkenswert ist das starke Wachstum der Importe aus der Türkei (+99,7 %) und aus Indien (+135,8 %). Diese Länder könnten als Alternative zu chinesischen Lieferungen an Bedeutung gewinnen, insbesondere vor dem Hintergrund der EU-Handelsspannungen mit China und der Diskussion um Lieferkettenresilienz.

Spezialisierung: Deutschland als europäischer Anker

Die Spezialisierungsanalyse zeigt, dass Deutschland mit einem RSCA-Index von 0,23 und einem Anteil von 34,1 % an der gesamten EU-Produktion (nach Wert) der mit Abstand wichtigste Hersteller ist, gefolgt von Italien (RSCA 0,22, 12,5 % Produktionsanteil) und Österreich (RSCA 0,42, 8,1 %). Deutschland ist gleichzeitig der größte Exporteur (219 Mio. € in 2025, +66,6 %) und Importeur (122 Mio. € in 2025, +66,4 %), was auf seine Rolle als zentraler Umschlagplatz innerhalb der europäischen Befestigungsmittelindustrie hindeutet.

EU-Mitgliedstaat Exporte 2025 (Mio. €) Importe 2025 (Mio. €) RSCA
Deutschland 219,0 122,3 0,234
Italien 61,6 42,1 0,219
Frankreich 57,1 55,6
Polen 21,0 26,4
Österreich 10,2 66,4 0,420

Exportkonzentration: Gegenteiliger Trend — Diversifizierung

Während die Importquellen konzentrierter wurden, diversifizierten sich die Exportmärkte leicht: Der HHI der Exporte sank von 760 auf 649 (−14,6 %). Die EU exportiert in ein breiteres Länderportfolio, was die Konzentrationsanalyse bestätigt. Die Exportquote stieg dabei von 13,1 % auf 41,3 % (+214,3 %), was die zunehmende Exportorientierung der europäischen Branche unterstreicht.


3. Geopolitische Umorientierung: Russland-Rückgang, Nahost- und Amerika-Zuwächse

Russland: Zusammenbruch der Exporte nach 2022

Ein markantes Ereignis der Periode ist der Einbruch der EU-Exporte in die Russische Föderation: Von 13,7 Mio. € (2015) auf 4,1 Mio. € (2025), ein Rückgang von 70,4 %. Der Koeffizient der Variation (CV = 0,45) zeigt zudem eine hohe Volatilität. Der Rückgang ist unmittelbar auf die nach dem Angriffskrieg gegen die Ukraine verhängten EU-Sanktionen zurückzuführen. Befestigungselemente fallen zwar nicht unmittelbar unter die Dual-Use-Güterlisten, doch die allgemeine Handelsrestriktion und freiwillige Rückzüge europäischer Unternehmen haben den Handel stark eingeschränkt.

USA, Schweiz und Türkei als Wachstumsmärkte

Dem gegenüber stehen starke Exportsteigerungen in andere Märkte: Die USA (+46,9 % auf 64,8 Mio. €), die Schweiz (+78,4 % auf 36,4 Mio. €), die Türkei (+114,3 % auf 36,1 Mio. €) und Mexiko (+136,4 % auf 20,0 Mio. €) entwickelten sich zu den dynamischsten Absatzmärkten. Die Volatilitätsanalyse zeigt dabei, dass Exporte in die USA relativ volatil sind (CV = 0,34), während jene in die Schweiz und die Türkei stabiler verlaufen (CV 0,10 bzw. 0,14).

Zielland Export 2015 (Mio. €) Export 2025 (Mio. €) Veränderung Volatilität (CV)
USA 44,1 64,8 +46,9 % 0,34
China 39,3 51,5 +31,0 % 0,16
Vereinigtes Königreich 44,7 52,5 +17,6 % 0,12
Schweiz 20,4 36,4 +78,4 % 0,10
Türkei 16,8 36,1 +114,3 % 0,14
Russland 13,7 4,1 −70,4 % 0,45
Mexiko 8,5 20,0 +136,4 % 0,23

Quelle: Top-Exportpartner

Vereinigtes Königreich: Brexit als Dämpfer

Die Handelsbeziehungen mit dem Vereinigtem Königreich entwickelten sich gedämpft: Die EU-Exporte stiegen zwar leicht (von 44,7 Mio. € auf 52,5 Mio. €, +17,6 %), doch die Importe sanken von 38,8 Mio. € auf 34,2 Mio. € (−11,8 %). Die Volatilität der Importe aus dem VK ist mit einem CV von 0,58 die höchste aller Partnerländer — ein Hinweis auf die durch den Brexit verursachten Handelsreibungen und regulatorischen Unsicherheiten.

Preispreisschocks: Israel und Marokko

Die Schockanalyse identifiziert zwei bemerkenswerte Preisschocks bei EU-Exporten: 2022 trat ein abnormaler Preisanstieg (+73,9 %) bei Exporten nach Israel auf, und 2019 ein solcher nach Marokko (+79,7 %). Beide Ereignisse dürften auf einzelne Großaufträge oder Lieferverträge zurückzuführen sein, da der Wertanteil dieser Märkte am Gesamtexport mit 0,9 % bzw. 1,8 % gering bleibt.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Befestigungselemente (CN 731819) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt, ohne dabei sein Volumen wesentlich zu verändern. Der Gesamthandel wuchs im Wert erheblich, getrieben vor allem durch eine massive Preissteigerung im Exportsegment (+71 %). Die europäische Industrie produziert dabei weniger Menge, aber mehr Wert — ein klares Signal für eine Verschiebung hin zu höherwertigen Spezialbefestigern.

Auf der Importseite hat sich die Abhängigkeit von China als Hauptlieferant weiter verfestigt, was die Importkonzentration erhöhte. Gleichzeitig hat die EU ihre Exportmärkte diversifiziert und ihre Netto-Importabhängigkeit von 7 % auf nahezu Null reduziert. Geopolitische Ereignisse — allen voran die Sanktionen gegen Russland und der Brexit — haben die Handelsströme nachhaltig umgeleitet, während Wachstumsmärkte in Nordamerika und der Türkei an Bedeutung gewonnen haben. Insgesamt zeigt sich ein Markt, der trotz eines ausgeglichenen Handelsbilanzbildes strukturellen Herausforderungen gegenübersteht: insbesondere der Frage, wie die EU die Abhängigkeit von einzelnen Importquellen reduzieren kann, ohne die eigene Wettbewerbsfähigkeit im Segment der Hochwertprodukte zu gefährden.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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