Marktentwicklung: Keramikziergegenstände (CN 6913) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 6913 umfasst Statuetten und andere Ziergegenstände aus keramischen Stoffen, soweit sie nicht anderweitig genannt sind. Er gliedert sich in zwei Unterpositionen: Porzellanwaren (CN 691310) und Erzeugnisse aus anderen keramischen Stoffen (CN 691390). Der Markt für diese Produkte weist eine ausgeprägte Handelsorientierung auf: Die Handelsintensität lag im gesamten Beobachtungszeitraum bei über 76 % und erreichte zuletzt 86,1 %. Die EU ist dabei Nettoimporteur: Sowohl der Warenwert als auch die Mengen der Einfuhren liegen deutlich über den Ausfuhren, und das Handelsdefizit hat sich zwischen 2015 und 2025 von rund −143 Mio. EUR auf −211 Mio. EUR vertieft. Im Folgenden werden die wichtigsten Marktdynamiken in drei Themenbereichen analysiert.
1. Stetes Wachstum bei divergierenden Preisentwicklungen von Im- und Exporten
Die EU-Importe sind stärker gewachsen als die Exporte
Im Zeitraum 2015–2025 stiegen die EU-Importe von 303 Mio. EUR auf 422 Mio. EUR (+39,3 %), während die Menge von 123.722 t auf 144.225 t zunahm (+16,6 %). Die EU-Exporte entwickelten sich im Wert von 161 Mio. EUR auf 211 Mio. EUR (+31,7 %), mengenmäßig sogar stärker von 25.323 t auf 35.473 t (+40,1 %). Das Handelsdefizit hat sich damit um 47,9 % vertieft.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (Mio. EUR) | 303,0 | 422,2 | +39,3 % |
| Importmenge (t) | 123.722 | 144.225 | +16,6 % |
| Exportwert (Mio. EUR) | 160,5 | 211,4 | +31,7 % |
| Exportmenge (t) | 25.323 | 35.473 | +40,1 % |
| Handelsbilanz (Mio. EUR) | −142,5 | −210,7 | −47,9 % |
Die Importpreise sind deutlich gestiegen, die Exportpreise leicht gefallen
Die durchschnittlichen Importpreise stiegen von 2.449 EUR/t auf 2.927 EUR/t (+19,5 %), mit einem Höchstwert von 3.656 EUR/t im Jahr 2022. Die Exportpreise hingegen sanken von 6.338 EUR/t auf 5.959 EUR/t (−6,0 %), wobei sie 2022 ebenfalls ihr Maximum mit 6.613 EUR/t erreichten. Die EU exportiert demnach zu deutlich höheren Stückpreisen als sie importiert — ein Hinweis auf eine höhere Wertschöpfung im Auslandsgeschäft, insbesondere im Porzellansegment.
COVID-19 verursachte einen temporären Einbruch, gefolgt von einer starken Erholung
Das Jahr 2020 markierte den Tiefpunkt der Importe mit nur 100.379 t und 285 Mio. EUR Warenwert — die niedrigsten Werte im gesamten Beobachtungszeitraum. Die Erholung fiel jedoch rasch aus: Bereits 2021 überstiegen die Importe mit 112.728 t und 285 Mio. EUR das Vor-Corona-Niveau von 2019 mengenmäßig, und 2022 wurde mit 128.481 t und 408 Mio. EUR ein Rekordhoch erreicht. Auch die Exporte erholten sich zügig: 2021 wurden mit 43.337 t und 136 Mio. EUR im Non-Porcelain-Segment die höchsten Mengen des gesamten Zeitraums verzeichnet.
Zwei EU-Staaten dominieren Im- und Exporte, doch die Dynamik verschiebt sich
Deutschland ist sowohl größter Importeur (87 Mio. EUR in 2025) als auch größter Exporteur (38 Mio. EUR) innerhalb der EU. Im Ländervergleich fällt jedoch auf, dass sich die Importe stark in die Niederlande (+64,2 %), Frankreich (+78,5 %) und insbesondere Polen (+260,3 %) verlagert haben. Bei den Exporten verzeichneten Portugal (+101,3 %), die Niederlande (+113,3 %) und Frankreich (+95,9 %) die stärksten Zugewinne, während Deutschland (−5,1 %) und Dänemark (−41,2 %) an Boden verloren.
| EU-Staat | Importe 2015 (Mio. EUR) | Importe 2025 (Mio. EUR) | Δ | Exporte 2015 (Mio. EUR) | Exporte 2025 (Mio. EUR) | Δ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 79,9 | 87,3 | +9,2 % | 40,0 | 37,9 | −5,1 % |
| Niederlande | 62,3 | 102,4 | +64,2 % | 8,7 | 18,5 | +113,3 % |
| Italien | 40,7 | 36,5 | −10,2 % | 19,0 | 28,6 | +49,9 % |
| Frankreich | 26,5 | 47,3 | +78,5 % | 15,4 | 30,2 | +95,9 % |
| Polen | 8,2 | 29,6 | +260,3 % | — | — | — |
| Portugal | — | — | — | 13,1 | 26,5 | +101,3 % |
2. China-Dominanz und wachsende Importkonzentration
China dominiert die EU-Einfuhren mit weitem Abstand
China ist mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU bei Keramikziergegenständen. Die Einfuhren aus China stiegen von 226 Mio. EUR (2015) auf 350 Mio. EUR (2025), was einem Plus von 54,6 % entspricht. Im Rekordjahr 2022 lag der Wert sogar bei 432 Mio. EUR. Mit einem Anteil von rund 83 % am EU-Importwert im Jahr 2025 ist die Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen enorm. Der zweitgrößte Partner, Vietnam, liegt mit 35 Mio. EUR weit abgeschlagen.
| Partnerland | Importe 2015 (Mio. EUR) | Importe 2025 (Mio. EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| China | 226,4 | 350,0 | +54,6 % |
| Vietnam | 36,3 | 35,5 | −2,2 % |
| Thailand | 11,7 | 5,8 | −50,1 % |
| Vereinigtes Königreich | 9,0 | 4,9 | −45,8 % |
| Indonesien | 2,1 | 1,7 | −15,4 % |
| Türkei | 1,3 | 3,1 | +137,8 % |
Die Importkonzentration hat spürbar zugenommen
Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 5.755 auf 6.978 (+21,3 %), nach Volumen sogar von 5.037 auf 7.363 (+46,2 %). Werte deutlich über 2.500 gelten als Zeichen hoher Konzentration. Die Zunahme spiegelt die wachsende Dominanz Chinas wider und signalisiert eine erhöhte Verwundbarkeit gegenüber Lieferunterbrechungen oder Preisschocks aus einem einzigen Herkunftsland.
Die Exportseite ist im Vergleich deutlich diversifizierter (HHI von 951 auf 1.202), was auf eine breitere Streuung der Absatzmärkte hindeutet.
Die Netto-Importabhängigkeit der EU hat sich nahezu verdoppelt
Die Netto-Importquote stieg von 19,8 % im Jahr 2015 auf 37,7 % in 2025 — eine Steigerung um 90,3 %. Im Jahr 2022 erreichte sie mit 50,9 % ihren Höchststand. Diese Entwicklung bedeutet, dass der inländische Verbrauch zunehmend durch Importe gedeckt wird, was angesichts der gleichzeitigen Schrumpfung der EU-Produktion (Produktionswert von 358 Mio. EUR auf 298 Mio. EUR, −16,7 %) konsistent ist. Der heimische Markt verliert zugunsten asiatischer, insbesondere chinesischer Hersteller an Bedeutung.
Russland als Exportmarkt ist weitgehend weggebrochen
Die EU-Exporte in die Russische Föderation sind von 7,9 Mio. EUR (2015) auf 1,7 Mio. EUR (2025) eingebrochen (−78,7 %). Der Rückgang dürfte weitgehend mit den nach 2022 verhängten Sanktionen zusammenhängen. Dies steht im Gegensatz zu den stark wachsenden Exporten in das Vereinigte Königreich (+85,3 %), die USA (+62,7 %) und Kanada (+157,9 %), die teilweise als kompensierende Absatzmärkte wirken.
3. Preisschocks, Segmentdynamik und sich wandelnde Spezialisierungsmuster
Im Jahr 2022 traten signifikante Preisschocks auf
Die Schockanalyse identifiziert zwei bemerkenswerte Ereignisse im Jahr 2022:
| Ereignis | Fluss | Abnormalität | Preissprung | Anteil am Wert |
|---|---|---|---|---|
| Schweiz – Preisschock | Exporte | 10,0 | +40,9 % | 18,6 % |
| China – Preisschock | Importe | 3,1 | +36,6 % | 87,3 % |
Der China-Importpreisschock betraf mit einem Wertanteil von 87,3 % nahezu den gesamten EU-Importmarkt und ist wahrscheinlich auf die Energiekrise, gestiegene Transportkosten und Lieferkettenstörungen nach der COVID-19-Pandemie zurückzuführen. Der Schweizer Exportpreisschock ist angesichts der hohen Abnormalität (10,0) besonders auffällig — er könnte mit einer Verschiebung hin zu hochwertigeren Keramikexporten in die Schweiz zusammenhängen.
Non-Porzellan dominiert mengenmäßig, Porzellan erzielt weit höhere Preise
Die Produktsegmentanalyse zeigt eine klare Zweiteilung des Marktes:
| Segment | Importe 2025 (t) | Importpreis 2025 (EUR/t) | Exporte 2025 (t) | Exportpreis 2025 (EUR/t) |
|---|---|---|---|---|
| CN 691390 (Non-Porzellan) | 126.518 | 2.588 | 33.572 | 3.980 |
| CN 691310 (Porzellan) | 17.707 | 5.347 | 1.902 | 40.885 |
Non-Porzellan-Produkte (CN 691390) machen mengenmäßig rund 88 % der EU-Importe aus, werden aber zu deutlich niedrigeren Preisen gehandelt. Porzellan (CN 691310) ist mengenäßig klein, erzielt aber — insbesondere bei EU-Exporten — mit durchschnittlich 40.885 EUR/t einen rund zehnfach höheren Preis als Non-Porzellan. Dies unterstreicht die Position der EU als Anbieter von Premium-Porzellan im Auslandsgeschäft.
Die Exportpreise für Porzellan zeigen eine volatile Entwicklung mit 2022 als Spitzenjahr
Der durchschnittliche Porzellan-Exportpreis stieg von 41.625 EUR/t (2015) auf einen Höchstwert von 65.335 EUR/t (2023) und fiel 2025 wieder auf 40.885 EUR/t — unter das Ausgangsniveau. Die Importpreise für Porzellan hingegen blieben stabiler (5.524 EUR/t in 2015 vs. 5.347 EUR/t in 2025). Die Exportpreisschwankungen bei Porzellan sind vermutlich auf eine Verschiebung der Produktmix-Zusammensetzung (höherwertige vs. günstigere Stücke) und Nachfrageeffekte zurückzuführen, nicht auf fundamentale Kostentreiber.
Portugal und Dänemark sind die am stärksten spezialisierten Exportländer der EU
Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Index, 2025) zeigt:
| Land | RSCA | RCA | Produktanteil an EU-Exporten |
|---|---|---|---|
| Portugal | 0,81 | 9,78 | 13,5 % |
| Dänemark | 0,63 | 4,42 | 7,6 % |
| Niederlande | 0,25 | 1,67 | 24,2 % |
| Österreich | 0,17 | 1,41 | 4,7 % |
| Deutschland | 0,04 | 1,09 | 23,1 % |
Portugal weist mit einem RCA-Wert von 9,78 eine extreme Spezialisierung auf Keramikziergegenstände auf, gefolgt von Dänemark (4,42). Deutschland und die Niederlande haben zwar die größten absoluten Exportanteile, sind aber nur marginal spezialisiert. Am unteren Ende der Skala zeigen Malta, Irland und Kroatien praktisch keine Exportaktivität in diesem Segment.
Schlussfolgerung
Der EU-Markt für Keramikziergegenstände (CN 6913) hat sich zwischen 2015 und 2025 durch drei zentrale Dynamiken geprägt: Erstens haben sowohl Im- als auch Exporte nominal deutlich zugenommen, wobei das Handelsdefizit kontinuierlich gewachsen ist. Zweitens hat sich die Importabhängigkeit von China weiter verfestigt — mit einem Importanteil von über 80 %, steigender Konzentration (HHI) und einer sich verdoppelnden Netto-Importquote. Drittens zeigt sich eine zunehmende Segmentierung: Während der Non-Porzellan-Handel mengenbestimmt und preissensitiv ist, positioniert sich die EU im Porzellanbereich als Premiumexporteur, auch wenn die Exportpreise in jüngster Zeit wieder nachgeben.
Die gestiegene Verwundbarkeit gegenüber Lieferunterbrechungen aus China — verstärkt durch den Preisschock von 2022 und den Rückgang der heimischen Produktion — stellt ein strategisches Risiko dar. Gleichzeitig bieten die stark wachsenden Exporte in das Vereinigte Königreich, die USA und Kanada sowie die zunehmende Spezialisierung südeuropäischer Mitgliedstaaten kompensatorische Perspektiven. Politisch relevant ist zudem der weitgehende Wegfall des russischen Exportmarktes, der die EU-Exportlandschaft nachhaltig umstrukturiert hat.