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Marktentwicklung: Zierkeramik (CN 691390) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarifcode 691390 erfasst Statuetten und andere Ziergegenstände aus keramischen Stoffen (ausgenommen Porzellan). Der Code ist eine Sammelposition, die drei Unterpositionen umfasst: Erzeugnisse aus Steingut oder feinen Erden (69139093), aus anderen keramischen Stoffen (69139098) sowie aus gewöhnlichem Ton (69139010). Dieser Markt ist geprägt von dekorativen und saisonalen Produkten, die überwiegend in Asien produziert und in die EU importiert werden. Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der EU mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 auf Basis von Eurostat-Daten.


1. Wachstum bei anhaltendem Strukturdefizit — eine Marktexpansion mit klaren Grenzen

Der Gesamthandel ist über das Jahrzehnt deutlich gewachsen

Sowohl Importe als auch Exporte der EU haben zwischen 2015 und 2025 spürbar zugenommen. Die Einfuhren stiegen von 220,8 Mio. EUR auf 327,4 Mio. EUR (+48,3 %), die Ausfuhren von 89,0 Mio. EUR auf 133,6 Mio. EUR (+50,2 %). Die durchschnittlichen Importpreise erhöhten sich um 27,6 % (von 2.028 EUR/t auf 2.588 EUR/t), was auf steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktsegmenten hindeutet. Die Exportpreise stiegen moderater um 5,6 % (von 3.770 EUR/t auf 3.980 EUR/t).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importe (Wert, Mio. EUR) 220,8 327,4 +48,3 %
Importe (Menge, t) 108.828 126.518 +16,3 %
Importpreis (EUR/t) 2.028 2.588 +27,6 %
Exporte (Wert, Mio. EUR) 89,0 133,6 +50,2 %
Exporte (Menge, t) 23.605 33.572 +42,2 %
Exportpreis (EUR/t) 3.770 3.980 +5,6 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) −131,8 −193,8 −47,1 %

(Quelle: General Overview)

Das strukturelle Handelsdefizit hat sich trotz Exportwachstums vertieft

Die Handelsbilanz war durchgehend negativ und verschlechterte sich von −131,8 Mio. EUR (2015) auf −193,8 Mio. EUR (2025). Bemerkenswert war der Spitzenwert von −280,7 Mio. EUR im Jahr 2022, der mit der globalen Lieferkettenkrise und dem starken Importpreisanstieg zusammenfiel. Die Nettoimportabhängigkeit lag im Durchschnitt bei rund 42 % und schwankte zwischen 31,9 % (Tiefpunkt 2020, als COVID-19 die Importe dämpfte) und 57,8 % (2022). Dies zeigt, dass die EU in diesem Segment dauerhaft auf Zulieferungen aus Drittländern angewiesen ist und die eigene Produktion den Binnenbedarf nicht decken kann.

Die COVID-19-Pandemie verursachte einen temporären Einbruch — gefolgt von einem starken Rebound

Das Jahr 2020 markierte einen Wendepunkt: Die Importmengen sanken auf 86.827 Tonnen (Minimum des gesamten Zeitraums), die Exportmengen blieben dagegen relativ robust. Ab 2021 folgte jedoch ein deutlicher Erholungseffekt — die Importwerte stiegen auf 284,8 Mio. EUR (+33 % gegenüber 2020), unterstützt durch Nachholeffekte und steigende Preise. Dieses Muster eines pandemiebedingten Einbruchs mit anschließender Überkompensation ist typisch für Konsumgüter mit dekorativem Charakter, die als „Nice-to-have" besonders empfindlich auf Konjunktureinbrüche reagieren.


2. China dominiert die Lieferstruktur — Europa exportiert vor allem in den angelsächsischen Raum

China ist mit großem Abstand der wichtigste Importpartner der EU

Mit einem Importanteil, der im Zeitraum von 167,7 Mio. EUR (2015) auf 278,4 Mio. EUR (2025) anstieg (+66,0 %), dominiert China den EU-Importmarkt für Zierkeramik. Der chinesische Anteil an den gesamten EU-Importen aus Drittländern belief sich 2025 auf rund 85 %. Damit hat sich die Dominanz Chinas im Vergleich zu 2015 noch verstärkt.

Herkunftsland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 167,7 278,4 +66,0 %
Vietnam 27,5 23,5 −14,6 %
Thailand 6,2 3,6 −42,3 %
Indonesien 2,0 1,7 −16,8 %
Türkei 1,1 2,9 +163,1 %
Tunesien 1,3 1,4 +5,3 %
Vereinigtes Königreich 4,2 1,6 −61,9 %

(Quelle: Top Partner)

Südostasiatische Zulieferer verlieren an Bedeutung

Während China zulegte, verloren andere asiatische Lieferanten deutlich: Vietnams Exporte in die EU sanken um 14,6 %, Thailands um 42,3 % und Indonesiens um 16,8 %. Dies könnte auf eine Verlagerung der Produktionskapazitäten innerhalb Asiens nach China zurückzuführen sein, aber auch auf wettbewerbsbedingte Verdrängung im Preissegment. Der Anstieg der Türkei (+163,1 %) deutet darauf hin, dass einige EU-Importeure geografisch nähere Alternativen suchen — ein Muster, das im Kontext der Diskussion um Lieferkettenresilienz an Bedeutung gewinnt.

Die EU exportiert überwiegend in die USA, die Schweiz und das Vereinigte Königreich

Die drei wichtigsten Exportmärkte absorbieren zusammen rund 63 % der EU-Ausfuhren. Das Vereinigte Königreich (+116,4 %) und die USA (+90,8 %) verzeichneten das stärkste Wachstum. Die Schweiz als traditionsstarker Markt für Keramik wuchs moderater (+18,8 %). Bemerkenswert ist der Rückgang der Exporte in die Russische Föderation um 77,7 % — von 3,8 Mio. EUR (2015) auf nur noch 0,8 Mio. EUR (2025) — was vor allem mit den Sanktionen nach 2022 zusammenhängt.

Zielland 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
Vereinigtes Königreich 14,7 31,8 +116,4 %
USA 19,1 36,4 +90,8 %
Schweiz 13,5 16,1 +18,8 %
Norwegen 11,1 7,3 −34,0 %
Kanada 1,2 3,9 +209,2 %
Russische Föderation 3,8 0,8 −77,7 %
Australien 1,8 2,1 +20,1 %

(Quelle: Top Partner)

Innerhalb der EU zeigt sich eine zunehmende Konzentration der Importeure und Exporteure

Bei den Importeuren sind die Niederlande (83,7 Mio. EUR, +68,2 %), Deutschland (60,2 Mio. EUR, +4,7 %) und Italien (28,9 Mio. EUR, +1,1 %) die größten Akteure, gefolgt von Frankreich (30,9 Mio. EUR, +88,0 %) und Polen (27,6 Mio. EUR, +257,6 %). Polens außerordentliches Wachstum spiegelt die Rolle des Landes als Logistikdrehscheibe und aufstrebenden Verbrauchermarkt wider. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 5.939 auf 7.309 (+23,1 %), was eine höhere Konzentration auf wenige Lieferantenländer anzeigt. Bei den Exporten ist Deutschland (22,2 Mio. EUR), Portugal (24,5 Mio. EUR, +101,6 %) und Italien (19,3 Mio. EUR) führend.

(Quelle: Reporter)


3. Produktverschiebung und Spezialisierung — hochwertige Keramik gewinnt gegenüber einfachem Ton

Steingut und feine Erden dominieren sowohl Import- als auch Exportvolumen

Die Segmentanalyse zeigt eine klare Hierarchie innerhalb der drei Unterpositionen. Bei den Importen war 69139093 (Steingut/feine Erden) mit 151,8 Mio. EUR im Jahr 2025 das mit Abstand größte Segment, gefolgt von 69139098 (andere keramische Stoffe, 117,9 Mio. EUR) und 69139010 (gewöhnlicher Ton, 57,6 Mio. EUR). Auffällig ist, dass die Importe aus gewöhnlichem Ton über den gesamten Zeitraum um 42,6 % von 64,4 Mio. EUR auf 57,6 Mio. EUR zurückgingen, während Steingut und „andere Stoffe" stark wachsen.

Unterposition Import 2015 (Mio. EUR) Import 2025 (Mio. EUR) Veränderung
69139093 – Steingut/feine Erden 99,7 151,8 +52,2 %
69139098 – Andere keram. Stoffe 56,6 117,9 +108,2 %
69139010 – Gewöhnlicher Ton 64,4 57,6 −10,5 %

(Quelle: Produktvergleich)

Die EU exportiert zunehmend hochwertigere Keramikprodukte

Auch bei den Exporten zeigt sich eine Verschiebung hin zu höherwertigen Segmenten. Steingut/feine Erden (69139093) wuchs von 33,5 Mio. EUR auf 42,6 Mio. EUR (+27,3 %), während „andere keramische Stoffe" (69139098) von 28,8 Mio. EUR auf 43,2 Mio. EUR (+50,2 %) stiegen. Gewöhnlicher Ton verlor hingegen an Anteil. Die Exportpreise für 69139098 liegen mit durchschnittlich 6.272 EUR/t deutlich über denen der anderen Segmente (3.843 EUR/t für Steingut, 3.065 EUR/t für gewöhnlichen Ton), was auf eine Spezialisierung der EU-Produzenten in Nischenprodukten mit höherer Wertschöpfung hindeutet.

2022 war ein Jahr extremer Preisbewegungen

Das Jahr 2022 markierte einen deutlichen Preisschock im Importbereich: Die durchschnittlichen Importpreise stiegen auf 3.174 EUR/t — den höchsten Wert im gesamten Zeitraum und 46,2 % über dem Vorjahresniveau. Besonders betroffen war der Import von Steingut/feinen Erden, dessen Preis von 2.927 EUR/t (2021) auf 3.663 EUR/t (2022) sprang (+25,1 %). Dieser Preisspiegel deckt sich mit dem globalen Anstieg von Energie- und Transportkosten nach der COVID-19-Pandemie und dem Beginn des Ukraine-Krieges. Die Preise normalisierten sich 2023–2025 wieder teilweise, blieben aber über dem Vor-Pandemie-Niveau.

(Quelle: Volatilität)

Portugal ist der spezialisierte Exporteur Europas

Die Spezialisierungsanalyse (RSCA-Werte) für das Jahr 2025 zeigt, dass Portugal mit einem RCA-Wert von 10,99 und einem RSCA von 0,83 bei Weitem der am stärksten spezialisierte EU-Exporteur in diesem Segment ist. Portugal exportierte 2025 Zierkeramik im Wert von 24,5 Mio. EUR — mehr als Deutschland trotz einer wesentlich kleineren Volkswirtschaft. Dänemark (RCA 4,48) folgt an zweiter Stelle. Gleichzeitig weisen große Volkswirtschaften wie Irland (RCA 0,002) oder Tschechien (RCA 0,106) praktisch keine Spezialisierung auf.

Land RCA (2025) RSCA (2025) Exportanteil am Segment
Portugal 10,99 0,83 15,2 %
Dänemark 4,48 0,63 7,7 %
Niederlande 1,67 0,25 24,3 %
Österreich 1,62 0,24 5,3 %
Polen 1,10 0,05 7,3 %

(Quelle: Spezialisierung)

Die EU-Produktion wächst, bleibt aber unter dem Importbedarf

Der Produktionswert in der EU stieg von 189,3 Mio. EUR (2015) auf 226,2 Mio. EUR (2025, +19,5 %). Im Vergleich dazu lagen die Importe 2025 bei 327,4 Mio. EUR — die inländische Produktion deckt also nur etwa 41 % des Binnenmarkts ab. Der restliche Bedarf wird über Importe gedeckt, was die hohe Nettoimportabhängigkeit erklärt.

(Quelle: Produktion)


Fazit

Der EU-Markt für Zierkeramik (CN 691390) hat zwischen 2015 und 2025 ein deutliches Wachstum erfahren, blieb aber durch drei zentrale Merkmale geprägt: Erstens besteht eine persistente und sich vertiefende Handelsbilanzlücke — die EU importiert rund 2,5-mal so viel Zierkeramik, wie sie exportiert. Zweitens hat sich die Importabhängigkeit von China weiter verfestigt: Mit rund 85 % der Importe ist China der dominierende Lieferant, während südostasiatische Alternativen an Boden verloren. Drittens zeigt sich eine qualitative Aufwertung des Handels — sowohl bei Importen als auch bei Exporten verschiebt sich die Zusammensetzung hin zu hochwertigeren Keramiksorten, während einfache Tonerzeugnisse an Bedeutung verlieren. Die EU-Produzenten konzentrieren sich zunehmend auf Nischenprodukte mit höherer Wertschöpfung, können den Importbedarf des Binnenmarktes aber bei Weitem nicht decken. Insgesamt ist der Markt robust gewachsen, wird aber durch eine hohe Lieferantenkonzentration und Abhängigkeit von geopolitischen Entwicklungen in Fernost geprägt.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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