Marktentwicklung: Ziegel (CN 6904) — 2015–2025
Einleitung
Die vorliegende Analyse untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Drittlandsektor für die Zollposition 6904 (Mauerziegel, Hourdis, Deckenziegel) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine signifante Wertschöpfungsverschiebung: Während die Handelsvolumen in Tonnen bei den Exporten rückläufig waren und bei den Importen moderat stiegen, verzeichneten sowohl Export- als auch Importwerte ein starkes Wachstum. Dieser Trend wird durch einen erheblichen Preisanstieg getrieben. Der EU-Außenhandelsüberschuss blieb trotz steigender Importe erhalten, wenngleich die Abhängigkeit von Importen zunahm.
1. Wertorientierte Expansion trotz Mengenrückgängen
Der Handelswert entwickelte sich über den betrachteten Zeitraum deutlich dynamischer als die physischen Handelsströme. Die EU konnte ihren Exporterlös stark steigern, obwohl sie weniger Ziegel in Tonnen exportierte. Die Importe stiegen sowohl im Wert als auch in der Menge beträchtlich, was zu einer erhöhten Importabhängigkeit führte.
Die Exporte: Steigende Werte bei sinkenden Mengen
Der Gesamtwert der EU-Exporte stieg von 177,3 Mio. EUR (2015) auf 297,5 Mio. EUR (2025), ein Anstieg um 67,8 %. Demgegenüber sank das exportierte Volumen im gleichen Zeitraum um 35,7 % von 1,97 Mio. t auf 1,27 Mio. t. Der Mindestwert wurde 2023 mit 1,04 Mio. t erreicht. Diese gegenläufige Entwicklung führte zu einer Verdopplung der durchschnittlichen Exportpreise, die von 90,0 EUR/t auf 234,7 EUR/t anstiegen (+160,8 %).
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (EUR) | 177.314.715 | 297.488.663 | +67,8 % |
| Exportmenge (t) | 1.970.612 | 1.267.742 | -35,7 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 89,98 | 234,66 | +160,8 % |
(Datenquelle: Allgemeine Übersicht – Handel)
Die Importe: Stärkeres Mengen- und Wertwachstum
Das Wachstum der EU-Importe war noch ausgeprägter. Der Importwert erhöhte sich um 358,5 % von 10,1 Mio. EUR auf 46,3 Mio. EUR. Die importierte Menge verdoppelte sich nahezu von 145.018 t auf 363.209 t (+150,5 %). Auch die Importpreise stiegen, albeit weniger stark als bei Exporten, um 83,2 % von 69,7 EUR/t auf 127,6 EUR/t.
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (EUR) | 10.106.772 | 46.341.290 | +358,5 % |
| Importmenge (t) | 145.018 | 363.209 | +150,5 % |
| Importpreis (EUR/t) | 69,66 | 127,59 | +83,2 % |
(Datenquelle: Allgemeine Übersicht – Handel)
2. Wandel der Handelspartnerlandschaft
Die geografische Struktur des EU-Ziegelhandels hat sich deutlich verschoben. Der Handelsüberschuss wird primär gegenüber dem Vereinigten Königreich (VK) erwirtschaftet. Bei den Importquellen gewannen südosteuropäische Länder wie Serbien und die Türkei stark an Bedeutung, während traditionelle Partner wie Moldawien an Gewicht verloren.
Das VK als dominierender Exportmarkt mit wachsender Bedeutung
Das Vereinigte Königreich war im gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Exportpartner der EU. Seine Bedeutung nahm weiter zu: Der Exportwert stieg von 97,4 Mio. EUR (2015) auf 200,1 Mio. EUR (2025), was einem Zuwachs von 105,4 % entspricht. Im Jahr 2022 erreichte der Wert mit 267,2 Mio. EUR einen vorläufigen Höhepunkt. Dies führte zu einer erhöhten Exportkonzentration, wie der Anstieg des Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte um 39,4 % zeigt.
| Top 3 Exportpartner (nach Wert, 2025) | Wert 2025 (EUR) | Veränderung seit 2015 |
|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 200.128.468 | +105,4 % |
| Nicht spezifizierte Gebiete | 86.126.945 | +345.486 % |
| Schweiz | 15.041.363 | -1,5 % |
(Datenquelle: Top-Partner nach Wert – Exporte)
Südosteuropa als neue Importquelle
Serbien hat sich zum wichtigsten Lieferanten der EU entwickelt. Die Importe aus Serbien stiegen von 5,1 Mio. EUR auf 21,1 Mio. EUR (+316,3 %). Starkes Wachstum verzeichneten auch die Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich (von 2,3 Mio. EUR auf 16,6 Mio. EUR), der Türkei (von 133.079 EUR auf 2,9 Mio. EUR) und der Ukraine (von 120.637 EUR auf 1,1 Mio. EUR). Moldawien verlor hingegen stark an Bedeutung (Rückgang um 73,8 %).
| Top 3 Importpartner (nach Wert, 2025) | Wert 2025 (EUR) | Veränderung seit 2015 |
|---|---|---|
| Serbien | 21.110.189 | +316,3 % |
| Vereinigtes Königreich | 16.564.704 | +631,9 % |
| Türkei | 2.943.043 | +2.111,5 % |
(Datenquelle: Top-Partner nach Wert – Importe)
3. Strukturelle Verschiebungen: Preisdruck und Produktionsrückgang
Hinter dem Wertwachstum stehen fundamentale strukturelle Veränderungen. Neben einem globalen Preisanstieg, der sich in den Handelspreisen widerspiegelt, ist die inländische EU-Produktion von Ziegeln dramatisch gesunken. Dies erhöhte die relative Bedeutung des Handels und verstärkte die preislichen Dynamiken.
Globale Preissteigerungen treiben die Handelswerte an
Die durchschnittlichen Handelspreise stiegen für beide Handelsrichtungen signifikant. Die Exportpreise stiegen deutlich stärker (+160,8 %) als die Importpreise (+83,2 %). Innerhalb der Importe war der Preisanstieg bei „Hourdis und Deckenziegel“ (Unterposition 690490) mit +233 % besonders ausgeprägt, während er bei Mauerziegeln (690410) bei +78 % lag. Dies deutet auf unterschiedliche Angebots- und Nachfragedynamiken in den Produktsegmenten hin. Der bemerkenswerte Preisschock bei Exporten nach Norwegen im Jahr 2021 (Anstieg um 109 %) unterstreicht die volatile Marktlage.
| Durchschnittliche Preise (EUR/t) | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportpreis gesamt | 89,98 | 234,66 | +160,8 % |
| Importpreis gesamt | 69,66 | 127,59 | +83,2 % |
| Importpreis 690410 (Mauerziegel) | 68,68 | 122,10 | +77,8 % |
| Importpreis 690490 (Hourdis etc.) | 71,32 | 239,15 | +235,3 % |
(Datenquelle: Produktsegment-Aufschlüsselung)
Drastischer Rückgang der EU-Produktion
Parallel zum Handelswachstum verzeichnete die EU-eigene Ziegelproduktion einen drastischen Einbruch. Die Produktionsmenge sank um 87,9 % von 5,76 Mrd. Stück (2015) auf 700 Mio. Stück (2025). Der Produktionswert halbierte sich nahezu von 4,95 Mrd. EUR auf 3,09 Mrd. EUR (-37,5 %). Dieser Rückgang ist die zentrale Ursache für die gestiegene Handelsintensität (Zunahme um 588 %), die den Anteil des Handels am Gesamtmarkt beschreibt. Die EU wandelt sich damit von einem Produktions- zu einem zunehmend handelsorientierten Markt für Ziegel.
(Datenquelle: Produktionsvolumen – Menge & Wert)
Fazit
Der EU-Außenhandel mit Ziegeln (CN 6904) durchlief zwischen 2015 und 2025 eine tiefgreifende Transformation. Die wesentliche Dynamik war eine Wertschöpfungsverschiebung: Trotz rückläufiger Exportmengen stiegen die Exporteinnahmen deutlich, getrieben von massiven Preissteigerungen. Die Importe wuchsen sowohl mengen- als auch wertmäßig stark, was die netto-Importabhängigkeit der EU erhöhte, obwohl ein positiver Handelsüberschuss erhalten blieb.
Geographisch verschob sich der Fokus: Das Vereinigte Königreich festigte seine Stellung als Schlüsselmarkt für EU-Exporte, während Lieferanten aus Südosteuropa, insbesondere Serbien, an Bedeutung gewannen. Strukturell ist der Markt durch einen starken Produktionsrückgang in der EU gekennzeichnet, der die Handelsabhängigkeit erhöhte und die Basis für die Preissteigerungen schuf. Die Daten deuten auf einen Markt hin, der preissensitiver und anfälliger für externe Schocks geworden ist, während sich die EU in ihrer Rolle vom großen Produzenten zum großen Handelsakteur mit wachsendem Importbedarf gewandelt hat.