Marktentwicklung: Glycerin (CN 1520) — 2015–2025
Einleitung
Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union (EU) mit dem Produkt Glycerin (CN 1520) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten umfassen den Handel mit nicht-EU-Ländern und zeigen signifikante Veränderungen in Volumen, Handelsstruktur und Marktbedingungen. Die EU hat sich von einem starken Nettoexporteur zu einem noch stärker exportorientierten Markt entwickelt, begleitet von einer enormen Steigerung der heimischen Produktion.
1. Eindrucksvolles Wachstum von Exportvolumen und Produktionskapazität
Der Glycerinhandel der EU verzeichnete zwischen 2015 und 2025 ein deutliches Wachstum, sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen. Die Expansion der Exporte war jedoch weitaus dynamischer.
- Exporte: Der Wert der EU-Exporte stieg von 41,3 Mio. EUR im Jahr 2015 auf 139,6 Mio. EUR im Jahr 2025 (+238,3 %). Das exportierte Volumen erhöhte sich von 183.917 Tonnen auf 314.730 Tonnen (+71,1 %). Die durchschnittlichen Exportpreise verdoppelten sich nahezu (+97,7 %).
- Importe: Die Einfuhren entwickelten sich moderater. Ihr Wert erhöhte sich von 15,9 Mio. EUR auf 40,9 Mio. EUR (+157,9 %), das Volumen von 58.516 Tonnen auf 95.471 Tonnen (+63,2 %).
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Handelsbilanz: Der Überschuss in der Handelsbilanz wuchs von 25,4 Mio. EUR auf 98,7 Mio. EUR (+288,5 %), was die zunehmende Exportstärke der EU unterstreicht (Details zur allgemeinen Übersicht).
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Heimische Produktion: Parallel dazu stieg die EU-Produktion von Glycerin (gemessen in PRODCOM-Daten) massiv an. Die Produktionsmenge vervierfachte sich von 160 Mio. kg (2015) auf 721 Mio. kg (2025) (+350,3 %). Der Produktionswert erreichte im selben Zeitraum 186 Mio. EUR, nach einem Höchststand von 500 Mio. EUR (Produktionsvolumen).
Diese Entwicklung zeigt, dass die EU ihre Stellung als globaler Anbieter von Glycerin massiv ausgebaut hat, getrieben von einer stark wachsenden heimischen Produktionsbasis, vermutlich als Koppelprodukt der Biodieselherstellung.
2. Umstrukturierung der Handelsbeziehungen und ausgeprägte Preisvolatilität
Die geopolitischen und wirtschaftlichen Beziehungen der EU im Glycerinhandel haben sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verschoben. Gleichzeitig waren die Märkte von starken Preisschwankungen geprägt.
- Exportmärkte: China, die Türkei und Indien entwickelten sich zu den wichtigsten Abnehmern der EU. Die Exporte nach China vervierfachten sich auf 48,0 Mio. EUR (+371,2 %), die in die Türkei und nach Indien stiegen sogar um über 1.000 % (Top-Exportpartner nach Wert).
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Importquellen: Auf der Importseite verlagerten sich die Bezugsquellen. Indonesien wurde zum dominanten Lieferanten mit einem Importwert von 23,1 Mio. EUR im Jahr 2025, einem Anstieg von fast 4.000 % gegenüber 2015. Die Importe aus den USA und dem Vereinigten Königreich verloren hingegen stark an Bedeutung (Top-Importpartner nach Wert).
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Preisschocks und Volatilität: Die Daten weisen mehrere signifikante Preisschocks aus. Besonders auffällig waren extreme Preissteigerungen bei EU-Exporten nach Indien (2021, +184 %) und bei Importen aus dem Vereinigten Königreich (2022, +72 %) sowie aus Argentinien (2021, +178 %) (Erkannte Schockereignisse). Diese Schocks führten zu einer hohen Volatilität (gemessen am Variationskoeffizienten) bei mehreren Handelspartnern, was auf eine gewisse Anfälligkeit der Lieferketten hinweist.
3. Zunehmende Autarkie und geografische Konzentration des Handels
Trotz des wachsenden Handelsvolumens hat die EU ihre Unabhängigkeit im Glycerinsektor gefestigt. Gleichzeitig zeigt sich eine geografische Konzentration auf wenige Schlüsselländer.
- Nettoimportabhängigkeit: Die EU war im gesamten Zeitraum Nettoexporteur. Die negative Nettoimportabhängigkeit schwankte, lag 2025 jedoch bei -18,4 %, was eine leichte Abnahme der starken Exportorientierung gegenüber dem Tiefpunkt von -48,5 % darstellt (Nettoimportabhängigkeit).
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Handelsintensität: Die Handelsintensität (Anteil des Handels an der Produktion) stieg von 33 % auf 39 %, was bedeutet, dass ein größerer Teil der gewachsenen Produktion auf den Weltmarkt gebracht wird (Handelsintensität).
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Geografische Konzentration der Exporte: Die Exporte konzentrierten sich 2025 stark auf wenige Länder. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Exporte lag bei 1.963, was auf einen moderat konzentrierten Markt hindeutet. In der EU selbst sind es vor allem Spanien, Deutschland und Frankreich, die den Großteil der Exporte tätigen. Spanien allein exportierte 2025 für 45,1 Mio. EUR (Top-Exporteure innerhalb der EU).
Schluss
Zusammenfassend entwickelte sich der EU-Glycerinmarkt (CN 1520) zwischen 2015 und 2025 zu einem stark exportorientierten Sektor. Das massive Wachstum der heimischen Produktion, vermutlich als Koppelprodukt der Bioenergiegewinnung, bildete die Grundlage dafür, dass die EU ihre Exporte deutlich ausweiten und einen hohen Handelsüberschuss erwirtschaften konnte. Die Handelsbeziehungen haben sich dynamisch verlagert, mit Asien und der Türkei als neuen Wachstumsmärkten. Der Markt war jedoch durch gelegentliche extreme Preisschocks und eine gewisse Konzentration der Handelsströme gekennzeichnet. Die steigende Handelsintensität bei gleichzeitig gesunkener, aber immer noch deutlicher Nettoexportposition unterstreicht die gewachsene globale Bedeutung der EU als Glycerinlieferant.