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Marktentwicklung: Trockenfrüchte (CN 0813) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Bereich der getrockneten Früchte (Zolltarifnummer CN 0813) über den Zeitraum 2015 bis 2025. Die Warengruppe umfasst getrocknete Aprikosen, Pflaumen, Äpfel, Pfirsiche, Birnen, Papaya-Früchte, Tamarinden sowie Mischungen getrockneter Früchte und genießbarer Schalenfrüchte. Der untersuchte Zeitraum deckt eine Dekade ab, die von der Erholung nach der Finanzkrise, der COVID-19-Pandemie, dem Brexit und erheblichen geopolitischen Spannungen geprägt war.

Die EU ist in diesem Segment ein starker Nettoimporteur. Der Handelsbilanzsaldo lag 2025 bei rund −380 Mio. EUR — eine Verschlechterung um 44 % gegenüber dem Ausgangswert von −264 Mio. EUR im Jahr 2015. Gleichzeitig stiegen die Importpreise spürbar, während sich die Lieferantenstruktur erheblich verschoben hat. Die folgenden drei Abschnitte beleuchten die zentralen Dynamiken dieses Marktes.


I. Wachsende Importabhängigkeit bei stagnierenden Mengen — Die EU als Strukturmarkt für Trockenfrüchte

Die Importwerte stiegen deutlich stärker als die Importmengen

Im Zeitraum 2015–2025 erhöhte sich der Importwert der EU von Drittländern um 23,2 % — von 426,7 Mio. EUR auf 525,7 Mio. EUR. Die importierte Menge blieb hingegen mit einem Plus von lediglich 3,8 % (von 99.516 t auf 103.295 t) nahezu stabil. Dieses Gefälle erklärt sich vor allem durch einen deutlichen Preisanstieg: der durchschnittliche Importpreis stieg von 4.287 EUR/t auf 5.089 EUR/t (+18,7 %). Die EU bezieht also mengenmäßig weitgehend die gleichen Volumina, zahlt dafür aber erheblich mehr.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert 426,7 Mio. EUR 525,7 Mio. EUR +23,2 %
Importmenge 99.516 t 103.295 t +3,8 %
Importpreis 4.287 EUR/t 5.089 EUR/t +18,7 %
Nettoimportquote 84,5 % 82,0 % −2,9 %-Pkt.

Die Exporte verloren sowohl an Volumen als auch an Bedeutung

Während die Importe expandierten, verloren die EU-Ausfuhren in Drittländer deutlich an Dynamik. Der Exportwert sank von 162,5 Mio. EUR auf 145,4 Mio. EUR (−10,5 %), und die exportierte Menge fiel sogar um 32,6 % — von 27.254 t auf lediglich 18.366 t. Allerdings stieg der durchschnittliche Exportpreis um 32,8 % (von 5.962 EUR/t auf 7.917 EUR/t), was darauf hindeutet, dass die EU zunehmend hochwertigere oder verarbeitete Trockenfrüchte exportiert und sich aus dem Mengengeschäft zurückzieht.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 162,5 Mio. EUR 145,4 Mio. EUR −10,5 %
Exportmenge 27.254 t 18.366 t −32,6 %
Exportpreis 5.962 EUR/t 7.917 EUR/t +32,8 %

Der Handelsbilanzdefizit hat sich um fast die Hälfte ausgeweitet

Aus der divergierenden Entwicklung von Importen und Exporten resultierte eine erhebliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits: von −264 Mio. EUR (2015) auf −380 Mio. EUR (2025), ein Anstieg um 43,9 %. Die Nettoimportquote verblieb dabei auf hohem Niveau (zwischen 79,7 % und 84,5 %). Die EU ist und bleibt in diesem Segment auf Drittlandimporte angewiesen. Die Exportneigung sank im selben Zeitraum von 156,7 % auf 109,6 %, was die These einer zunehmenden Binnenmarktorientierung unterstreicht.

Innerhalb der EU dominiert Deutschland als Importeur und Exporteur

Bei den EU-Mitgliedstaaten war Deutschland der größte Importeur mit einem Anstieg von 125,7 Mio. EUR auf 192,9 Mio. EUR (+53,4 %). Deutschland war auch der größte Exporteur (58,7 Mio. EUR, +17,4 %). Polen vergrößerte seinen Importanteil deutlich (+41,5 %), während Italien und die Niederlande sowohl bei Importen als auch bei Exporten an Boden verloren.

EU-Mitgliedstaat Importe 2015 Importe 2025 Veränderung
Deutschland 125,7 Mio. EUR 192,9 Mio. EUR +53,4 %
Niederlande 58,0 Mio. EUR 39,9 Mio. EUR −31,3 %
Frankreich 45,3 Mio. EUR 41,0 Mio. EUR −9,4 %
Polen 35,9 Mio. EUR 50,8 Mio. EUR +41,5 %
Italien 46,0 Mio. EUR 32,8 Mio. EUR −28,7 %

II. Tektonische Verschiebungen bei den Handelspartnern — Neue Lieferanten, Brexit-Effekte und Preisschocks

Serbien und Moldawien stiegen zu bedeutenden Lieferanten auf

Die dynamischste Entwicklung bei den EU-Importen zeigte sich bei zwei westbalkanischen bzw. osteuropäischen Partnern: Serbien vergrößerte seine Lieferungen von 6,7 Mio. EUR auf 52,4 Mio. EUR (+682,1 %), Moldawien von 3,9 Mio. EUR auf 14,2 Mio. EUR (+265,9 %). Beide Länder profitierten von geografischer Nähe, günstigen Produktionskosten sowie der EU-Handelspräferenzpolitik. Serbien entwickelte sich damit vom Nischenlieferanten zum fünftgrößten Importpartner der EU.

Die USA verloren als Importeur erheblich an Bedeutung

Im Gegensatz dazu verloren die Vereinigten Staaten als Lieferant stark an Boden: von 67,5 Mio. EUR (2015) auf 20,4 Mio. EUR (2025), ein Rückgang von 69,8 %. Dieser Einbruch könnte mit Handelsstreitigkeiten und Zollerhöhungen im Kontext der transatlantischen Handelspolitik zusammenhängen. Die USA waren 2015 noch der drittgrößte Lieferant der EU; 2025 sind sie auf den vierten Platz abgerutscht.

Der Brexit führte zu einem dramatischen Rückgang der EU-Exporte in das Vereinigte Königreich

Der mit Abstand wichtigste Exportmarkt der EU für Trockenfrüchte war 2015 das Vereinigte Königreich mit 93,9 Mio. EUR (57,8 % aller Drittlandexporte). 2025 sank der Wert auf 53,1 Mio. EUR (−43,4 %). Obwohl das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und dem UK zollfreien Warenverkehr ermöglicht, dürften nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Zollformalitäten und regulatorische Divergenz nach dem Austritt die Handelsströme nachhaltig beeinträchtigt haben. Das UK machte 2025 noch 36,5 % der EU-Drittlandexporte aus.

Die Schweiz und Nordeuropa kompensierten teilweise den Brexit-Verlust

Gegenläufig dazu stiegen die Exporte in die Schweiz um 104,4 % (von 15,2 Mio. EUR auf 31,1 Mio. EUR), in die USA um 45,1 % (von 7,3 Mio. EUR auf 10,6 Mio. EUR) und nach Norwegen um 88,7 % (von 4,0 Mio. EUR auf 7,5 Mio. EUR). Diese Märkte konnten jedoch das UK-Defizit nur teilweise ausgleichen.

Preisschocks in einzelnen Handelsbeziehungen zeigen Anfälligkeit der Lieferketten

Die Volatilitätsanalyse identifizierte mehrere bemerkenswerte Preisschocks:

Schock Land Richtung Zeitpunkt Preisänderung
Preis Norwegen Exporte 2018 +202 %
Preis Argentinien Importe 2021 +49,4 %
Preis China Exporte 2023 +225 %

Besonders auffällig ist der extreme Preisanstieg bei den Exporten nach China im Jahr 2023 (+225 %), der auf eine Verschiebung hin zu hochwertigen Produkten oder eine Angebotsverknappung bei bestimmten Sorten hindeuten könnte. Der argentinische Preisschock von 2021 könnte mit der Pandemie und Ernteausfällen zusammenhängen.

Die Importkonzentration blieb moderat, die Exportkonzentration nahm deutlich ab

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) bei den Importen sank leicht von 1.816 auf 1.633 (−10,1 %), was auf eine moderate Diversifizierung der Bezugsquellen hindeutet. Deutlicher war der Rückgang bei den Exporten: von 3.507 auf 1.935 (−44,8 %). Das bedeutet, dass die EU-Ausfuhren sich auf deutlich mehr Märkte verteilten als zu Beginn des Zeitraums — ein Effekt, der teilweise auf die Abkehr vom stark UK-dominierten Exportmuster nach dem Brexit zurückzuführen ist.


III. Preisanstieg über alle Segmente — Strukturelle Verschiebung der Produktmischung

Die EU-Produktion stieg sowohl mengen- als auch wertmäßig deutlich

Parallel zur Handelsentwicklung vergrößerte sich die inländische Produktion der EU erheblich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 101.722 t 168.990 t +66,1 %
Produktionswert 450,4 Mio. EUR 921,7 Mio. EUR +104,6 %

Der Produktionswert stieg damit rund doppelt so stark wie die Menge, was einen erheblichen Anstieg des inländischen Preisniveaus widerspiegelt. Trotz des Produktionswachstums blieb die EU-Nettoimportquote auf hohem Niveau, da auch der Binnenkonsum und die Verarbeitungsnachfrage stiegen.

Getrocknete Pflaumen blieben das mengenmäßig größte Importsegment

Bei den Importen nach Produktsegmenten dominierten getrocknete Pflaumen (CN 081320) mengenmäßig mit 46.997 t im Jahr 2025, leicht unter dem Niveau von 2015 (49.827 t). Der Importpreis für Pflaumen lag 2025 bei 3.267 EUR/t und damit unter dem Durchschnitt aller Trockenfrüchte.

Getrocknete Aprikosen verloren mengenmäßig an Boden, blieben aber wertvoll

Getrocknete Aprikosen (CN 081310) als zweites wichtiges Segment verzeichneten mengenmäßig einen Rückgang von 21.946 t auf 23.919 t (die Mengenentwicklung war mit Schwankungen verbunden, der Höchststand lag 2021 bei 30.831 t). Der Importpreis für Aprikosen war deutlich höher als der Pflaumenpreis (5.280 EUR/t vs. 3.267 EUR/t), was die Premiumposition dieses Produkts unterstreicht.

Sonstige getrocknete Früchte verzeichneten den stärksten Preisanstieg

Das Segment „Sonstige getrocknete Früchte" (CN 081340), das getrocknete Pfirsiche, Birnen, Papaya und andere Früchte umfasst, erlebte den dramatischsten Preisanstieg: von 6.837 EUR/t (2015) auf 10.335 EUR/t (2025), ein Plus von 51,2 %. Die Importmenge stieg von 15.647 t auf 19.717 t (+26,0 %). Der Importwert verdoppelte sich nahezu auf 203,8 Mio. EUR, was dieses Segment 2025 zum wertmäßig größten Importsegment machte.

Die Mischungen getrockneter Früchte verloren an Bedeutung

Das Segment der Mischungen getrockneter Früchte und Schalenfrüchte (CN 081350) verlor sowohl mengenmäßig (von 2.488 t auf 1.257 t, −49,5 %) als auch wertmäßig (von 13,2 Mio. EUR auf 10,7 Mio. EUR, −19,3 %). Der Importpreis stieg jedoch um 60,0 % auf 8.477 EUR/t, was darauf hindeutet, dass sich die Nachfrage auf hochwertigere Mischungen konzentrierte.

Getrocknete Äpfel blieben mengen- und preisstabil

Getrocknete Äpfel (CN 081330) stellten mengenmäßig das kleinste individuelle Segment dar (11.405 t Importe 2025), mit relativ stabiler Preisentwicklung (2.751 EUR/t, +1,8 % gegenüber 2015). Die wertmäßige Bedeutung blieb mit 31,4 Mio. EUR moderat.

Zusammenfassende Übersicht der Importsegmente 2025

Segment Menge (t) Wert (Mio. EUR) Preis (EUR/t)
Pflaumen (081320) 46.997 153,5 3.267
Sonstige Früchte (081340) 19.717 203,8 10.335
Aprikosen (081310) 23.919 126,3 5.280
Äpfel (081330) 11.405 31,4 2.751
Mischungen (081350) 1.257 10,7 8.477

Schlussfolgerung

Der EU-Markt für getrocknete Früchte (CN 0813) durchlief zwischen 2015 und 2025 eine Phase tiefgreifender struktureller Veränderung. Die zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Erstens hat sich die EU-Importabhängigkeit trotz leicht rückläufiger Nettoimportquote (von 84,5 % auf 82,0 %) in absoluten Zahlen vertieft. Der Handelsbilanzdefizit wuchs um 44 % auf 380 Mio. EUR, da die Importwerte stiegen, während die Exporte schrumpften.

Zweitens vollzog sich eine bemerkenswerte Verschiebung der Handelsströme. Neue Lieferanten wie Serbien (+682 %) und Moldawien (+266 %) gewannen erheblich an Marktanteilen, während traditionelle Partner wie die USA (−70 %) an Bedeutung verloren. Der Brexit verursachte einen nachhaltigen Rückgang der EU-Ausfuhren in das Vereinigte Königreich (−43 %), der durch Wachstum in der Schweiz und Nordeuropa nur teilweise kompensiert werden konnte.

Drittens war der gesamte Markt von einem erheblichen Preisauftrieb geprägt. Die Importpreise stiegen um 19 %, die Exportpreise um 33 %, und die EU-Inlandsproduktion verzeichnete eine Verdopplung des Produktionswerts bei nur 66 % Mengenwachstum. Diese Preisentwicklung spiegelt globale Angebotsengpässe, Inflationseffekte und eine Verschiebung hin zu hochwertigeren Produktvarianten wider.

Die EU bleibt ein strukturell importabhängiger Markt für Trockenfrüchte, dessen Handelsbilanz sich im Betrachtungszeitraum merklich verschlechtert hat. Die zunehmende Diversifizierung der Lieferanten und Exportmärkte bietet zwar gewisse Resilienz gegen einzelne Lieferkettenunterbrechungen, die grundsätzliche Abhängigkeit von Drittlandimporten — insbesondere aus der Türkei (150 Mio. EUR), Chile (108 Mio. EUR) und China (80 Mio. EUR) — bleibt jedoch bestehen.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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