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Marktentwicklung: Tierische Rohstoffe und Abfälle (CN 0507) — 2015–2025

Einleitung

Der Zolltarif CN 0507 umfasst Elfenbein, Schildpatt, Fischbein, Hörner, Geweihe, Hufe, Klauen, Krallen und Schnäbel — roh oder einfach bearbeitet — sowie Mehl und Abfälle daraus. Diese Warengruppe wird in zwei Unterpositionen gegliedert: 050710 (Elfenbein) und 050790 (sonstige tierische Rohstoffe). Der Markt unterlag im Beobachtungszeitraum 2015–2025 tiefgreifenden strukturellen Veränderungen: Die EU verlor einen Großteil ihres Handelsbilanzüberschusses, die geografische Struktur der Exportpartner verschob sich dramatisch, und der Elfenbeinhandel brach nahezu vollständig ein. Im Folgenden werden die zentralen Trends anhand der verfügbaren Daten analysiert.


1. Strukturwandel der Handelsbilanz: Vom deutlichen Überschuss zur Annäherung

1.1 Exportwert halbiert sich, Importwert steigt moderat

Die EU-Exporte in der Warengruppe 0507 fielen von rd. 40,1 Mio. EUR im Jahr 2015 auf rd. 16,7 Mio. EUR im Jahr 2025 — ein Rückgang von 58,4 %. Im selben Zeitraum stiegen die Importe von rd. 10,1 Mio. EUR auf rd. 12,8 Mio. EUR (+26,1 %). Der Handelsbilanzüberschuss schrumpfte dadurch von rd. 30,0 Mio. EUR auf nur noch rd. 3,9 Mio. EUR (−86,9 %).

Indikator 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 40,1 16,7 −58,4 %
Importwert (Mio. EUR) 10,1 12,8 +26,1 %
Handelsbilanz (Mio. EUR) 30,0 3,9 −86,9 %

1.2 Mengenentwicklung steht im Gegensatz zur Wertentwicklung

Bemerkenswert ist die gegenläufige Entwicklung von Wert und Menge bei den Exporten: Während der Exportwert um 58,4 % sank, stieg die exportierte Menge leicht von 1.645 t auf 1.744 t (+6,0 %). Dies ist auf den drastischen Einbruch der Exportpreise um 60,7 % (von rd. 24.365 EUR/t auf rd. 9.565 EUR/t) zurückzuführen. Bei den Importen hingegen blieb die Menge nahezu stabil (rd. 16.585 t → 16.130 t, −2,7 %), doch der durchschnittliche Importpreis stieg um 29,6 % auf rd. 791 EUR/t.

1.3 Sinkende Importabhängigkeit trotz wachsender Importe

Die Netto-Importabhängigkeit verlagerte sich von +24,6 % (2015) auf −6,8 % (2025). Dies bedeutet, dass die EU 2015 noch in gewissem Maße auf Importe angewiesen war, bis 2025 jedoch eine leichte Netto-Exportposition erreichte — wenngleich mit deutlich reduziertem Volumen. Parallel dazu stieg die Exportneigung von 34,5 % auf 49,5 %, was auf eine wachsende Bedeutung des Drittlandexports im Verhältnis zur EU-Produktion hindeutet. Die Handelsintensität verhieb mit rd. 61–65 % über den gesamten Zeitraum auf relativ konstantem Niveau.


2. Geografische Neuausrichtung: Asien verliert, der Westen gewinnt

2.1 Zusammenbruch der Exporte nach Hongkong und Taiwan

Die dramatischste Verschiebung im EU-Exportmarkt vollzog sich bei den asiatischen Destinationen. Hongkong — 2015 mit rd. 20,9 Mio. EUR größter Abnehmer — verzeichnete einen Rückgang um 99,2 % auf nur noch rd. 163.000 EUR. Taiwan sank von rd. 12,5 Mio. EUR auf rd. 2,8 Mio. EUR (−77,8 %). China ging von rd. 3,5 Mio. EUR auf rd. 2,2 Mio. EUR zurück (−37,5 %). Insgesamt bedeutet dies, dass die traditionellen asiatischen Märkte für EU-Exporteure in dieser Warengruppe weitgehend weggebrochen sind.

2.2 Aufstieg nordamerikanischer und europäischer Märkte

Als Gegenbewegung gewannen westliche Märkte stark an Bedeutung:

Zielland 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
USA 357.700 4.997.036 +1.297 %
Vereinigtes Königreich 266.940 2.052.763 +669 %
Kanada 295.906 1.734.374 +486 %
Schweiz 973.282 1.824.760 +87,5 %

Die Exportkonzentration (HHI) bei den Exporten fiel von rd. 3.826 auf rd. 1.743 (−54,4 %). Dies spiegelt die Abkehr von der einseitigen Konzentration auf Hongkong wider und eine deutlich diversifiziertere Exportstruktur.

2.3 Importseite: Indien und Brasilien festigen ihre Position

Auf der Importseite dominieren weiterhin Entwicklungs- und Schwellenländer. Indien stieg von rd. 2,4 Mio. EUR auf rd. 4,0 Mio. EUR (+64,2 %), Brasilien von rd. 2,0 Mio. EUR auf rd. 3,4 Mio. EUR (+70,0 %). Die Importkonzentration (HHI) stieg von rd. 1.247 auf rd. 1.914 (+53,5 %), was auf eine zunehmende Konzentration der Importquellen hindeutet.

2.4 Volatilität: Hohe Schwankungen bei Schlüsselpartnern

Die Volatilitätsanalyse zeigt besonders hohe Schwankungen bei den Exporten: Hongkong (Variationskoeffizient 1,61), Russland (2,57) und Norwegen (2,34) weisen extreme Instabilität auf. Auf der Importseite fällt Kolumbien (0,59) und Bangladesch (0,91) durch hohe Volatilität auf. Drei Preisschocks wurden identifiziert:

Ereignis Typ Zeitpunkt Veränderung
UK-Exportpreis-Schock Preis 2017 +122,5 %
Schweiz-Exportpreis-Schock Preis 2019 +82,2 %
Brasilien-Importpreis-Schock Preis 2022 +71,6 %

2.5 Verschiebung innerhalb der EU-Reporterläder

Innerhalb der EU verschob sich die Import- und Exportaktivität erheblich. Deutschland blieb größter Importeur (rd. 7,6 Mio. EUR → 9,3 Mio. EUR). Italien verfünffachte seine Importe nahezu (+298,5 %), während Spanien seine Importe fast vollständig einstellte (−99,7 %). Bei den Exporten verloren Spanien (−80,8 %), die Slowakei (−93,1 %) und Österreich (−78,4 %) stark an Bedeutung. Ungarn hingegen steigerte seine Exporte um 72,1 % und ist mit einem RSCA-Index von 0,76 das am stärksten spezialisierte EU-Land in dieser Warengruppe.


3. Elfenbeinhandel am Ende: Produktsegment- und Produktionsdynamik

3.1 Der Kollaps des Elfenbeinexports (CN 050710)

Innerhalb der Warengruppe 0507 macht die Unterposition Elfenbein (CN 050710) mengenmäßig nur einen verschwindend geringen Anteil aus. Die EU exportierte 2015 noch rd. 10,0 t Elfenbein im Wert von rd. 4,8 Mio. EUR. Bis 2025 sank die exportierte Menge auf rd. 0,9 t — der Wert brach auf nur noch rd. 5.416 EUR ein. Dies entspricht einem Rückgang von über 99,9 % und spiegelt die seit 2017 verschärften EU-Vorschriften zum Elfenbeinhandel wider (u. a. die EU-Verordnung 2021/175 zur Verschärfung der Ausnahmen vom Elfenbeinhandelsverbot).

3.2 Importe von Elfenbein bleiben marginal

Auch die Elfenbeinimporte bewegen sich auf niedrigem Niveau: Zwischen rd. 3 und 10 t pro Jahr, mit stark schwankenden Preisen (zwischen rd. 48.000 und rd. 136.000 EUR/t). Der Elfenbeinanteil am Gesamtwert der 0507-Importe lag in den letzten Jahren bei lediglich 2–3 %.

3.3 Tierische Rohstoffe (CN 050790) als dominierendes Segment

Die Unterposition 050790 (Hörner, Klauen, Hufe, Krallen etc.) dominiert den Handel mit über 99 % des Volumens. Die Importmengen schwankten zwischen rd. 13.800 t (2018) und rd. 25.800 t (2021), wobei 2021 mit einem deutlichen Spitzenwert auffiel, gefolgt von einer Korrektur. Der durchschnittliche Importpreis stieg von rd. 573 EUR/t (2015) auf einen Höhepunkt von rd. 924 EUR/t (2022), bevor er auf rd. 775 EUR/t (2025) zurückging.

3.4 Stark wachsende EU-Produktion

Die EU-Produktion in dieser Warengruppe verzeichnete ein deutliches Wachstum. Die Produktionsmenge stieg von rd. 1,87 Mrd. kg auf rd. 3,30 Mrd. kg (+76,5 %), der Produktionswert von rd. 204 Mio. EUR auf rd. 600 Mio. EUR (+194,1 %). Dieses kräftige Wachstum erklärt zum Teil, warum die EU trotz gestiegener Importe ihre Netto-Importabhängigkeit reduzieren konnte: Die inländische Erzeugung wuchs deutlich schnelter als der Außenhandel.


Schlussfolgerung

Der EU-Handel mit tierischen Rohstoffen und Abfällen (CN 0507) hat sich zwischen 2015 und 2025 fundamental verändert. Drei zentrale Trends prägen die Entwicklung:

  1. Wertverfall bei Exporten trotz stabiler Mengen: Der dramatische Rückgang der Exportpreise um über 60 % — maßgeblich durch den Rückgang hochwertiger Elfenbeinexporte verursacht — hat den Handelsbilanzüberschuss der EU von 30 Mio. EUR auf unter 4 Mio. EUR schrumpfen lassen.

  2. Geopolitische Neuorientierung: Der Markt vollzog eine bemerkenswerte Verschiebung von asiatischen (Hongkong, Taiwan) hin zu nordamerikanischen und westeuropäischen Abnehmern (USA, Vereinigtes Königreich, Kanada). Dies ist sowohl auf regulatorische Entwicklungen in Asien als auch auf die EU-eigene Verschärfung des Elfenbeinhandels zurückzuführen.

  3. Strukturwandel im Produktspektrum: Der Elfenbeinhandel ist nahezu zum Erliegen gekommen, während das Segment der sonstigen tierischen Rohstoffe (Hörner, Klauen, Hufe) an Bedeutung gewinnt. Die EU-Produktion in diesem Segment wuchs kräftig, was die Handelsposition der EU langfristig stärkt, auch wenn die Exportpreise unter Druck bleiben.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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