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Marktentwicklung: Tierische Nebenprodukte (CN 0511) — 2015–2025

Einleitung

Der Zollcode CN 0511 umfasst „Waren tierischen Ursprungs, a.n.g.; nichtlebende Tiere aller Art, ungenießbar" — eine heterogene Produktkategorie, die Rindersperma (051110), ungenießbare Fisch- und Krebstierprodukte (051191) sowie sonstige nichtlebende Tiere tierischen Ursprungs (051199) einschließt. Diese Waren sind zentrale Bestandteile der globalen Fleisch-, Fisch- und Landwirtschaftswertschöpfungskette und werden sowohl in der Futtermittelproduktion als auch in technischen Anwendungen genutzt.

Der vorliegende Bericht analysiert den EU-Außenhandel mit diesen Produkten im Zeitraum 2015 bis 2025. Er beleuchtet drei zentrale Entwicklungen: den bemerkenswerten Übergang der EU vom Nettimporteur hin zu einer ausgeglichenen Handelsposition, die geografische Verschiebung der wichtigsten Handelspartner sowie die strukturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Produktsegmenten.


1. Vom Nettimporteur zum Selbstversorger: Die EU stärkt ihre Exportposition

Im Beobachtungszeitraum durchlief die EU im Handel mit tierischen Nebenprodukten eine bemerkenswerte Transformation. War die Union 2015 noch deutlich importabhängig, hat sich die Handelsbilanz bis 2025 nahezu ausgeglichen — getrieben vor allem durch ein überproportionales Exportwachstum.

1.1 Exporte verdoppeln sich, Importmengen stagnieren

Die Gesamtentwicklung des Handels zeigt ein asymmetrisches Wachstumsmuster:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert 193,7 Mio. € 380,9 Mio. € +96,7 %
Exportmenge 167.812 t 353.414 t +110,6 %
Importwert 273,9 Mio. € 429,7 Mio. € +56,9 %
Importmenge 570.895 t 536.879 t −6,0 %
Handelsbilanz −80,2 Mio. € −48,7 Mio. € +39,3 %

Die Exporte haben sich nahezu verdoppelt (+96,7 % im Wert), wobei sich die exportierte Menge sogar mehr als verdoppelt hat (+110,6 %). Gleichzeitig sind die Importe zwar im Wert gestiegen (+56,9 %), die eingeführte Menge ist jedoch leicht zurückgegangen (−6,0 %). Das Handelsbilanzdefizit hat sich von 80,2 Mio. € auf 48,7 Mio. € verringert — ein klares Zeichen für die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit der EU in diesem Segment.

1.2 Preisdivergenz: Steigende Importpreise bei leicht sinkenden Exportpreisen

Eine bemerkenswerte Entwicklung zeigt sich bei den Einheitspreisen:

Preisindikator 2015 2025 Veränderung
Exportpreis 1.152 €/t 1.076 €/t −6,6 %
Importpreis 478 €/t 797 €/t +66,8 %

Die Importpreise sind um fast 67 % gestiegen, während die Exportpreise leicht zurückgingen. Dies deutet darauf hin, dass die EU tendenziell günstigere Mengeneinheiten exportiert — vermutlich volumenstarke Nebenprodukte —, während die Importe sich hin zu teureren, spezialisierteren Gütern verlagert haben könnten. Die Preisentwicklung spiegelt zudem die globalen Preissteigerungen bei Agrarrohstoffen ab 2021 wider.

1.3 Von der Importabhängigkeit zur Netto-Exporteur-Position

Der Nettoimportreliance-Indikator dokumentiert den Strukturwandel am deutlichsten:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Nettoimportreliance 32,4 % −5,4 % −116,6 %
Exportneigung 35,3 % 51,4 % +45,5 %
Handelsintensität 64,7 % 66,7 % +3,1 %

Die EU hat sich von einer Importabhängigkeit von 32,4 % zu einer leichten Netto-Exporteur-Position (−5,4 %) entwickelt. Die Exportneigung stieg von 35,3 % auf 51,4 % — ein Zeichen dafür, dass ein wachsender Anteil der EU-Produktion auf Drittmärkte gerichtet wird. Die Handelsintensität blieb mit rund 65–67 % relativ stabil, doch die Verschiebung innerhalb dieser Kennzahl — weg vom Import, hin zum Export — ist strukturell bedeutsam.


2. Handelspartner im Wandel: Neue Strömungen und regionale Verschiebungen

Die Analyse der wichtigsten Handelspartner zeigt eine zunehmende Diversifizierung der Importquellen und eine geografische Erweiterung der Exportmärkte über die traditionellen europäischen Partner hinaus.

2.1 Importpartner: Brasilien und Vietnam als neue Schlüsselakteure

Die traditionellen Importpartner der EU bleiben Norwegen und das Vereinigte Königreich, doch haben sich neue Akteure etabliert:

Partnerland Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Norwegen 56,6 Mio. € 46,4 Mio. € −18,1 %
Vereinigtes Königreich 51,3 Mio. € 52,6 Mio. € +2,6 %
Brasilien 16,5 Mio. € 43,9 Mio. € +165,9 %
Vietnam 6,5 Mio. € 20,5 Mio. € +216,1 %
Schweiz 11,4 Mio. € 13,2 Mio. € +15,1 %
Färöer 5,2 Mio. € 8,3 Mio. € +59,6 %
Island 6,5 Mio. € 3,5 Mio. € −46,0 %

Besonders auffällig sind die starken Zuwächse bei Brasilien (+165,9 %) und Vietnam (+216,1 %). Brasilien als einer der weltgrößten Fleischproduzenten hat seine Lieferungen an die EU signifikant ausgebaut. Vietnam, das vor allem im Bereich der Fischverarbeitung aktiv ist, hat ebenfalls stark zugelegt. Der Import-HHI sank von 1.163 auf 1.042 (−10,4 %), was eine zunehmende Diversifizierung der Importquellen bestätigt. Gleichzeitig sind die norwegischen Importe um 18,1 % und die isländischen sogar um 46,0 % zurückgegangen — möglicherweise bedingt durch veränderte Fangquoten oder Lieferkettenumstrukturierungen.

2.2 Exportmärkte: Norwegen und Ecuador als dynamische Wachstumsmärkte

Auf der Exportseite haben sich die Märkte noch dynamischer entwickelt:

Partnerland Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 37,2 Mio. € 65,0 Mio. € +74,6 %
USA 32,7 Mio. € 60,7 Mio. € +85,3 %
Norwegen 8,0 Mio. € 51,3 Mio. € +537,7 %
Liechtenstein 8,5 Mio. € 23,8 Mio. € +179,7 %
Ecuador 1,7 Mio. € 32,7 Mio. € +1.840,2 %
Chile 6,4 Mio. € 18,4 Mio. € +187,1 %
Vietnam 8,5 Mio. € 16,0 Mio. € +88,0 %

Der spektakulärste Anstieg ist bei Ecuador zu verzeichnen (+1.840,2 %), gefolgt von Norwegen (+537,7 %). Norwegen war gleichzeitig einer der wichtigsten Importpartner — die EU beliefert den norwegischen Markt offenbar zunehmend mit eigenen tierischen Nebenprodukten, während die norwegischen Importe in die EU rückläufig sind. Die Exportkonzentration stieg leicht (HHI von 897 auf 951, +5,9 %), was auf eine gewisse Fokussierung auf die Top-Exportmärkte hindeutet, ohne dass eine übermäßige Abhängigkeit entstanden wäre.

2.3 EU-Binnenakteure: Deutschland, Dänemark und Frankreich als Säulen des Handels

Innerhalb der EU zeigen sich klare Schwerpunkte bei den Handelsakteuren:

Wichtigste Importeure (EU-Mitgliedstaaten):

Land Importwert 2015 Importwert 2025 Veränderung
Deutschland 50,9 Mio. € 79,9 Mio. € +56,9 %
Frankreich 27,9 Mio. € 70,0 Mio. € +150,9 %
Dänemark 61,1 Mio. € 55,0 Mio. € −10,0 %
Niederlande 26,9 Mio. € 47,6 Mio. € +76,9 %
Irland 9,6 Mio. € 27,0 Mio. € +180,4 %

Wichtigste Exporteure (EU-Mitgliedstaaten):

Land Exportwert 2015 Exportwert 2025 Veränderung
Deutschland 48,8 Mio. € 67,8 Mio. € +39,0 %
Dänemark 19,3 Mio. € 66,9 Mio. € +246,3 %
Frankreich 35,5 Mio. € 62,0 Mio. € +74,8 %
Belgien 7,0 Mio. € 32,8 Mio. € +366,2 %
Spanien 9,0 Mio. € 32,3 Mio. € +260,1 %
Polen 5,4 Mio. € 22,9 Mio. € +326,3 %

Besonders hervorzuheben sind die starken Exportwachstumsraten von Belgien (+366,2 %), Polen (+326,3 %) und Spanien (+260,1 %). Dänemark hat seine Exporte sogar mehr als verdreifacht (+246,3 %) und ist damit nach Deutschland zum zweitgrößten Exporteur aufgestiegen. Die Spezialisierungsanalyse bestätigt Dänemark als das am stärksten spezialisierte EU-Land (RSCA: 0,578), gefolgt von Polen (0,289) und den Niederlanden (0,130). Malta und Zypern weisen dagegen keinerlei Spezialisierung auf (RSCA: −1,0 bzw. −0,999).


3. Produktsegmente und Preisentwicklung: Strukturelle Unterschiede im Detail

Die drei Unterpositionen von CN 0511 — Rindersperma (051110), Fischprodukte (051191) und sonstige tierische Nebenprodukte (051199) — zeigen sehr unterschiedliche Handelsmuster, sowohl hinsichtlich der Volumina als auch der Preisentwicklung.

3.1 Segment 051199: Tierische Nebenprodukte als dominantes Segment

Das Segment 051199 (Waren tierischen Ursprungs, ausgenommen Fischprodukte) bildet sowohl bei Importen als auch bei Exporten den größten Anteil:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importmenge 254.374 t 270.694 t +6,4 %
Importwert 115,9 Mio. € 239,7 Mio. € +106,8 %
Importpreis 452 €/t 885 €/t +95,8 %
Exportmenge 144.138 t 237.878 t +65,0 %
Exportwert 140,2 Mio. € 231,5 Mio. € +65,1 %
Exportpreis 972 €/t 971 €/t −0,1 %

Die Importpreise in diesem Segment haben sich nahezu verdoppelt (+95,8 %), während die Exportpreise stabil blieben. Die EU importiert offenbar zunehmend hochwertigere oder knappere tierische Nebenprodukte zu gestiegenen Preisen, exportiert aber zu konstanten Preisen. Mengenmäßig blieben die Importe relativ stabil (+6,4 %), während die Exporte um 65 % stiegen — ein deutlicher Hinweis auf die gewachsene Verarbeitungskapazität der EU.

3.2 Segment 051191: Fischprodukte als dynamischstes Wachstumssegment

Das Segment 051191 (ungenießbare Fisch- und Krebstierprodukte) zeigt die dynamischste Entwicklung im gesamten Zeitraum:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importmenge 316.450 t 266.152 t −15,9 %
Importwert 100,8 Mio. € 96,2 Mio. € −4,6 %
Exportmenge 23.603 t 115.485 t +389,3 %
Exportwert 21,8 Mio. € 111,6 Mio. € +411,2 %

Die Exporte in diesem Segment haben sich nahezu verfünffacht. Dies deutet auf eine zunehmende Verarbeitungskapazität in der EU hin, bei der Fischabfälle und Nebenprodukte aufbereitet und exportiert werden. Die Importe sind hingegen mengenmäßig um 16 % und wertmäßig um 5 % rückläufig — ein mögliches Zeichen für eine Substitution durch inländische Erzeugung. Die EU hat sich in diesem Segment vom Nettoimporteur zum Nettoexporteur entwickelt.

3.3 Segment 051110: Rindersperma als hochspezialisiertes Nischenprodukt

Rindersperma (051110) bildet mengenäßig ein kleines Segment (wenige Dutzend Tonnen), ist aber preislich außergewöhnlich:

Indikator 2015 2025 Veränderung
Importmenge 71 t 33 t −54,3 %
Importwert 57,2 Mio. € 93,8 Mio. € +63,9 %
Importpreis (€/t) 798.486 €/t 2.819.487 €/t +253,1 %
Exportmenge 70 t 51 t −26,6 %
Exportwert 31,7 Mio. € 37,9 Mio. € +19,4 %
Exportpreis (€/t) 448.416 €/t 733.377 €/t +63,5 %

Die Importpreise für Rindersperma sind um über 250 % gestiegen, was auf eine zunehmende Knappheit oder Spezialisierung hinweist. Mengenmäßig sanken sowohl Importe (−54 %) als auch Exporte (−27 %), doch die Werte stiegen deutlich — ein Indikator für extreme Preissteigerungen bei gleichzeitig rückläufigen Volumina. Im Gegensatz dazu zeigt die Gesamtproduktion der EU im Gesamtsegment CN 0511 ein starkes Wachstum: Die Produktionsmenge stieg von 2,18 Mrd. kg (2015) auf 3,52 Mrd. kg (2025, +61,6 %), bei einem Wertanstieg von 240 Mio. € auf 741 Mio. € (+208,4 %).

3.4 Preis-Schocks und Volatilität: Brasilien und Chile im Fokus

Die Volatilitätsanalyse und die erkannten Schockereignisse zeigen, dass der Handel mit einigen Partnern erheblichen Schwankungen unterliegt:

Schock-Ereignis Typ Richtung Zeitpunkt Abnormalität Preisänderung
Chile Preis Export 2022 23,2 +33,6 %
Brasilien Preis Import 2022 13,5 +88,0 %
Vereinigtes Königreich Preis Export 2019 11,6 −37,3 %

Der Preis-Schock bei brasilianischen Importen im Jahr 2022 (Preissteigerung von 88 % bei einem Wertanteil von 20,8 %) fiel zeitlich mit den globalen Lieferkettenstörungen und der Energiekrise zusammen. Gleichzeitig stiegen die Exportpreise nach Chile um 33,6 %. Die Partner mit höchster Volatilität auf der Importseite sind Island (Variationskoeffizient: 0,62), die Färöer (0,73) und Russland (0,61). Auf der Exportseite weisen Thailand (1,04), Norwegen (0,97) und Kambodscha (0,88) die höchsten Schwankungen auf — ein Hinweis darauf, dass die EU-Exportmärkte in einigen Regionen noch nicht ausreichend stabil sind.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit tierischen Nebenprodukten (CN 0511) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend gewandelt. Drei zentrale Ergebnisse stechen hervor:

  1. Strukturelle Wende: Die EU hat sich von einer Importabhängigkeit von 32,4 % zu einer leichten Netto-Exporteur-Position (−5,4 %) entwickelt. Die Exporte haben sich nahezu verdoppelt (+96,7 % im Wert, +110,6 % mengenmäßig), während die Importmengen leicht zurückgingen (−6,0 %). Die Exportneigung stieg auf 51,4 % und ist damit der auffälligste Einzelindikator dieser Transformation.

  2. Geografische Neuorientierung: Neue Handelspartner haben an Bedeutung gewonnen. Brasilien (+166 %) und Vietnam (+216 %) sind auf der Importseite zu Schlüsselakteuren aufgestiegen, während Ecuador (+1.840 %) und Norwegen (+538 %) auf der Exportseite spektakuläre Wachstumsraten verzeichnen. Die Importkonzentration hat sich verringert (HHI −10,4 %), was die EU weniger anfällig für einzelne Lieferanten macht.

  3. Segmentunterschiede und Preisdruck: Das dynamischste Wachstum zeigt das Fischprodukte-Segment (051191), dessen Exporte sich nahezu verfünffacht haben (+389 %). Rindersperma (051110) bleibt mengenäßig klein, hat aber extreme Preissteigerungen erfahren (+253 % bei Importen). Die EU-Produktion ist insgesamt um 61,6 % gewachsen, bei einem Wertzuwachs von 208 % — ein Hinweis auf eine Aufwertung der verarbeiteten tierischen Nebenprodukte und steigende Margen in der Verarbeitungskette.

Insgesamt zeigt der Markt für tierische Nebenprodukte eine bemerkenswerte Resilienz und Anpassungsfähigkeit der EU-Wirtschaft, die trotz globaler Preisschocks und pandemiebedingter Störungen ihre Position im Welthandel erheblich gestärkt hat.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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