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Marktentwicklung: Tafeln, Platten, Folien, Filme, Bänder und Streifen, aus ungeschäumten Polymeren des Ethylens, weder verstärkt noch geschichtet "laminiert" oder auf ähnl. Weise mit anderen Stoffen verbunden, ohne Unterlage, unbearbeitet oder nur mit Oberflächenbearbeitung oder nur quadratisch oder rechteckig zugeschnitten (ausg. selbstklebend sowie Bodenbeläge und Wand- und Deckenverkleidungen der Pos. 3918) (CN 392010) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Bericht analysiert die Entwicklung des EU-Außenhandels mit ungeschäumten Polyethylenfolien, -platten und -streifen (Zolltarifnummer 392010) im Zeitraum 2015 bis 2025. Die EU ist bei diesem Produkt seit jeher ein Nettoexporteur, doch das Bild ist vielschichtiger als es die Handelsbilanz auf den ersten Blick vermuten lässt. Die Exportmengen stagnieren, während die Importe sowohl mengen- als auch wertmäßig deutlich zulegen. Gleichzeitig haben geopolitische Ereignisse — insbesondere der Krieg in der Ukraine und die darauffolgenden Sanktionen — die Handelsstruktur nachhaltig verändert. Der vorliegende Bericht beleuchtet die wesentlichen Trends anhand dreier Leitfragen: Wie entwickelten sich die Handelsvolumina und -werte? Wie verschoben sich die Handelspartnerstrukturen? Und welche Schocks und Volatilitäten prägten den Markt?

Details zu den verwendeten Daten und Definitionen sind im Überblick des EU Trade Dashboards abrufbar.


1. Wertwachstum trotz mengenseitiger Stagnation: Die zentrale Rolle von Preis- und Preisverfallseffekten

Der Exportwert wuchs um fast ein Fünftel, während die Exportmenge leicht sank

Über den gesamten Betrachtungszeitraum stieg der EU-Exportwert von 1,82 Mrd. € (2015) auf 2,16 Mrd. € (2025), was einem Plus von 18,4 % entspricht. Der Höchststand wurde 2022 mit 2,46 Mrd. € erreicht, bevor der Wert 2023 wieder auf 2,11 Mrd. € fiel. Demgegenüber bewegte sich die exportierte Menge in einer vergleichsweise engen Bandbreite: von 674.820 Tonnen im Jahr 2015 bis 668.540 Tonnen im Jahr 2025 — ein leichter Rückgang von 0,9 %. Der durchschnittliche Exportpreis stieg im selben Zeitraum von 2.700 €/t auf 3.227 €/t (+19,5 %). Dies zeigt, dass das Exportwachstum im Wesentlichen preisgetrieben war und reale Mengensteigerungen ausblieben.

Kennzahl 2015 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mrd. €) 1,82 2,46 2,16 +18,4 %
Exportmenge (t) 674.820 665.057 668.540 −0,9 %
Exportpreis (€/t) 2.700 3.705 3.227 +19,5 %

Die Importe stiegen sowohl mengen- als auch wertmäßig überproportional

Besonders auffällig ist die Dynamik auf der Importseite. Der Importwert verdichtete sich von 969 Mio. € (2015) auf 1,41 Mrd. € (2025) — ein Anstieg von 46,0 %. Noch deutlicher fiel die Mengendynamik aus: Die importierte Menge stieg von 398.292 Tonnen auf 623.044 Tonnen, was einem Plus von 56,4 % entspricht. Der durchschnittliche Importpreis sank hingegen um 6,7 % von 2.432 €/t auf 2.270 €/t. Die Importe sind also mengengetrieben und werden tendenziell günstiger — ein Hinweis auf wettbewerbsstarke Lieferanten aus Drittländern mit niedrigeren Produktionskosten.

Die Handelsbilanz schrumpfte trotz anhaltendem Überschuss

Die EU blieb throughout den gesamten Zeitraum Nettoexporteur mit einer Netto-Importabhängigkeit von rund −7 %. Der Handelsbilanzüberschuss verringerte sich jedoch von 853 Mio. € (2015) auf 743 Mio. € (2025), ein Rückgang von 12,9 %. Im Tiefpunkt 2020 betrug der Überschuss nur noch 713 Mio. €. Dies spiegelt die asymmetrische Entwicklung wider: Exporte stagnieren mengenmäßig, während Importe stark wachsen.

Die Handelsintensität (Anteil von Im- und Exporten an der EU-Produktion) stieg im selben Zeitraum von 15,7 % auf 27,4 % — ein Zeichen der zunehmenden internationalen Verflechtung der EU bei diesem Produktsegment. Die Exportquote stieg von 11,5 % auf 18,6 %.

Innerhalb der EU dominieren Deutschland, Italien und Spanien die Produktion

Die EU-Inlandsproduktion wuchs von ca. 5,0 Mrd. t (2015) auf ca. 5,0 Mrd. t (2025), wobei der Produktionswert von 10,7 Mrd. € auf 11,4 Mrd. € stieg. Deutschland ist mit einem Anteil von 24,4 % an der EU-Produktion der mit Abstand größte Erzeuger, gefolgt von Italien (9,7 %) und Polen (10,2 %). Die Spezialisierung zeigt, dass Kroatien (RSCA: 0,74), Finnland (0,54) und Griechenland (0,53) die stärkste komparative Spezialisierung bei diesem Produkt aufweisen.


2. Geopolitische Umbrüche und die Verschiebung der Handelspartnerlandschaft

Russland: Vom drittgrößten Exportmarkt zum völligen Bedeutungsverlust

Die dramatischste Veränderung vollzog sich im Handel mit Russland. Die EU exportierte 2015 noch Polyethylenfolien im Wert von 147 Mio. € (56.194 t) nach Russland. Nach dem Beginn des Kriegs in der Ukraine sanken die Exporte 2022 bereits auf 66 Mio. € (19.892 t), und 2023–2025 waren sie praktisch auf null gefallen — 2025 wurden nur noch 29 Tonnen im Wert von 205.280 € exportiert. Der Schock-Rückgang betrug damit −99,9 % mengenmäßig. Gleichzeitig stiegen die verbleibenden Exportpreise auf 7.047 €/t — fast das Dreifache des Basisniveaus. Russland war 2015 mit einem Anteil von 8,1 % am EU-Exportwert der fünftgrößte Abnehmer; dieser Markt ist nun vollständig weggefallen.

Türkei und China: Zwei Importpartner mit starkem Wachstum

Auf der Importseite zeichnen sich zwei diametral entgegengesetzte Entwicklungen ab. Die Türkei, bereits 2015 mit 140 Mio. € der zweitgrößte Lieferant, steigerte ihre Exporte in die EU auf 310 Mio. € (+121 %). Damit ist die Türkei 2025 mit Abstand der wichtigste EU-Importeur. Der mengenmäßige Anstieg war ebenfalls beachtlich: von 56.911 t auf 130.568 t (+129 %).

Noch spektakulärer ist das Wachstum Chinas: Die chinesischen Exporte in die EU vervielfachten sich von 62 Mio. € (24.244 t) auf 173 Mio. € (75.446 t) — ein Plus von 178 % wertmäßig und 211 % mengenmäßig. China stieg damit vom siebtgrößten zum viertgrößten Importlieferanten der EU auf.

Ägypten verzeichnete als Neuling das stärkste relative Wachstum: von nur 3,5 Mio. € (2015) auf 52 Mio. € (2025) — ein Anstieg von 1.369 %. Die Volatilitätsanalyse zeigt allerdings, dass Ägypten mit einem Variationskoeffizienten von 0,81 auch der instabilste Importpartner ist.

Vereinigtes Königreich und USA: Stabile Kernmärkte mit unterschiedlichen Dynamiken

Das Vereinigte Königreich blieb sowohl auf Export- als auch Importseite ein zentraler Partner. Die EU-Exporte dorthin lagen 2025 bei 456 Mio. € — nahezu unverändert gegenüber 2015 (417 Mio. €, +9,4 %). Auf der Importseite beliefen sich die UK-Lieferungen auf 263 Mio. € (+11,2 %). Damit bleibt UK der mit Abstand größte Exportmarkt der EU mit einem Anteil von rund 21 %.

Die USA entwickelten sich zum am stärksten wachsenden traditionellen Exportmarkt: von 158 Mio. € (2015) auf 287 Mio. € (2025), ein Plus von 81,9 %. Mengenmäßig stiegen die Exporte von 39.448 t auf 58.447 t (+48 %). Die USA sind damit 2025 zum drittgrößten Exportmarkt aufgestiegen — noch vor Norwegen, das mit 136 Mio. € relativ stabil blieb (+28,3 %).

Die Konzentration der Handelsbeziehungen blieb moderat

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe sank leicht von 1.254 auf 1.189 (−5,2 %), was eine geringfügige Diversifizierung der Importquellen anzeigt. Der Export-HHI blieb mit 862–865 nahezu unverändert. Beide Werte liegen unterhalb der Schwelle von 1.500, die eine mäßige Konzentration markiert — der Handel ist also vergleichsweise diversifiziert.


3. Preis-Schocks, Sanktionen und Segmentunterschiede

Der globale Rohstoffpreisboom 2021–2022 traf alle Handelspartner

Die Jahre 2021 und 2022 waren durch außergewöhnliche Preisschocks gekennzeichnet, die auf den globalen Rohstoff- und Energiepreisboom im Zuge der Pandemieerholung und des Ukraine-Kriegs zurückzuführen sind. Die EU-Exportpreise erreichten 2022 mit 3.705 €/t einen Spitzenwert — 41 % über dem Niveau von 2015. Auf der Importseite stiegen die Preise weniger stark, was die Wettbewerbsvorteile außereuropäischer Lieferanten (insbesondere aus dem Nahen Osten und Asien) unterstrich.

Mehrere Preisschocks wurden 2022 systematisch identifiziert:

Partner Richtung Preisschock (%) Abnormalität Wertanteil (%)
Russland Exporte +157,2 % 10,1 6,1 %
USA Exporte +38,8 % 4,2 12,1 %
Kanada Exporte +29,7 % 6,1 2,7 %
Tunesien Importe +36,8 % 6,7 3,7 %

Auffällig ist der extreme Preisschock bei den Exporten nach Russland, der jedoch den Ausfall des gesamten Handelsvolumens widerspiegelt und weniger auf reale Preisbildungsmechanismen als auf Sanktionswirkungen zurückzuführen ist.

Dünne Folien dominieren den Import, dicke Folien den Export

Die Produktsegmentanalyse zeigt ein differenziertes Bild je nach Produktuntergruppe:

  • Stretchfolien (CN 39201024): Größtes Importsegment mengenmäßig mit 249.561 t (2025), importiert zu einem Preis von 1.512 €/t. Diese dünne Folie (≤ 0,125 mm, Dichte < 0,94) wird vor allem für Verpackungszwecke genutzt.

  • Dicke Folien (CN 39201089, > 0,125 mm): Größtes Exportsegment mengenmäßig mit 213.420 t (2025) zu einem Preis von 3.189 €/t, aber auch zweitgrößtes Importsegment (151.396 t).

  • Bedruckte PE-Folien (CN 39201025): Sowohl bei Im- als auch Exporten ein relevanter Segment, exportiert zu 3.755 €/t und importiert zu 2.651 €/t — die EU erzielt hier also höhere Preise, was auf Qualitäts- oder Nischenprodukte hindeutet.

  • Synthetischer Papierhalbstoff (CN 39201081): Ein Nischenprodukt mit sinkender Bedeutung; die Importe fielen von 8.310 t (2015) auf 2.148 t (2025).

Das Sanktionsjahr 2022 markierte einen Strukturbruch im Osten

Der russische Markt kollabierte nicht sofort nach Beginn der Invasion 2022, sondern in zwei Phasen: 2022 sanken die Exportmengen bereits von 53.789 t auf 19.892 t (−63 %), bevor sie 2023 auf 32 t einbrachen. Dies deutet auf eine Phase der Vertragsabwicklung und Restbestellungen hin, bevor die Sanktionen vollständig griffen. Die Ukraine als Exportmarkt erholte sich hingegen nach einem Einbruch 2022 (−22 % mengenmäßig) und lag 2025 mit 24.610 t über dem Niveau von 2015.


Schlussfolgerung

Der EU-Außenhandel mit ungeschäumten Polyethylenfolien (CN 392010) befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel. Während die Handelswerte insgesamt gestiegen sind, verbergen sich dahinter gegenläufige Trends: Die EU exportiert mengenäßig nicht mehr als vor zehn Jahren, importiert aber deutlich mehr — und zwar tendenziell günstiger. Die Handelsbilanz schrumpft langsam, bleibt aber positiv.

Die geopolitischen Ereignisse der Jahre 2022 und 2023 haben die Handelslandschaft nachhaltig verändert: Der russische Markt ist als Exportziel praktisch verschwunden, während die Türkei und China als Importlieferanten stark an Bedeutung gewonnen haben. Der globale Rohstoffpreisboom 2021/22 verursachte zwar starke Preisschocks, die sich jedoch 2023/24 weitgehend normalisierten.

Für die Zukunft ist zu beobachten, ob die EU ihre mengenseitige Wettbewerbsfähigkeit im Export halten kann, insbesondere angesichts des wachsenden Preisdrucks durch Importe aus der Türkei und China. Die zunehmende Handelsintensität (von 16 % auf 27 %) zeigt, dass die EU-Industrie bei diesem Produkt immer stärker in globale Wertschöpfungsketten eingebunden ist — mit allen Chancen und Risiken, die dies mit sich bringt.

Erstellt am 2026-08-04. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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