Marktentwicklung: Polyethylenfolien (CN 39201089) — 2015–2025
Einleitung
Der Zolltarifcode 39201089 erfasst nicht-verstärkte, nicht-laminierte Platten, Folien und Streifen aus ungeschäumten Polyethylenpolymeren mit einer Dicke von über 0,125 mm — ein breites Produktspektrum, das von Industriefolien über Verpackungsmaterialien bis hin zu technischen Anwendungen reicht. Innerhalb der übergeordneten Position 3920 (Kunststofffolien und -platten) stellt dieser Code ein Residualprodukt dar, das die dickeren PE-Folien jenseits der 0,125-mm-Schwelle zusammenfasst.
Der vorliegende Bericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025. Die Daten zeigen eine bemerkenswerte Dynamik: Trotz leicht rückläufiger Produktionsvolumina konnte die EU ihre Exporte sowohl in Wert als auch in Menge deutlich steigern und ihren Handelsüberschuss ausbauen. Gleichzeitig haben sich die Handelspartnerstrukturen verschoben, begleitet von außergewöhnlichen Preisschocks in den Jahren 2022 und 2023. Im Folgenden werden diese Entwicklungen in drei zentralen Themenfeldern erläutert.
Überblick über Produkt und Handelsdaten
1. Robuster Exportaufwärtskonsolidierung: Die EU festigt ihre Position als Nettexporteur
Die zentrale Erkenntnis des betrachteten Zeitraums ist ein kontinuierliches Wachstum der EU-Ausfuhren bei gleichzeitig noch stärkerer Expansion der Einfuhren — wobei der Handelsüberschuss dennoch erhalten blieb und sich ausweitete. Die EU hat ihre Stellung als Nettoexporteur von PE-Folien über den gesamten Zeitraum nicht nur gehalten, sondern substanziell gestärkt.
Exporte übersteigen 680 Mio. Euro — mit überproportionalem Preisanstieg
Die EU-Exporte entwickelten sich im Beobachtungszeitraum äußerst dynamisch:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Exportwert (EUR) | 477,9 Mio. | 680,8 Mio. | +42,5 % |
| Exportmenge (t) | 185.082 | 213.420 | +15,3 % |
| Exportpreis (EUR/t) | 2.582 | 3.189 | +23,5 % |
Der Exportwert stieg um 42,5 %, wobei die Mengen nur um 15,3 % zunahmen. Der Differenz erklärt sich durch einen deutlichen Exportpreisanstieg von 2.582 auf 3.189 EUR/t (+23,5 %). Dieser Preisanstieg übertrifft die reine Inflationsentwicklung und deutet auf eine gestiegene Wertschöpfung, steigende Rohstoffkosten oder eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktspezifikationen hin. Der Höchststand des Exportwerts lag bei 752,6 Mio. Euro, der Höchststand der Menge bei 232.410 Tonnen.
Einfuhren wachsen noch schneller — doch das Handelsdefizit bleibt überschaubar
Auch die Importe verzeichneten ein starkes Wachstum, das jenes der Exporte sogar übertraf:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Importwert (EUR) | 264,1 Mio. | 418,9 Mio. | +58,6 % |
| Importmenge (t) | 92.563 | 151.396 | +63,6 % |
| Importpreis (EUR/t) | 2.853 | 2.767 | −3,0 % |
Während die Importpreise leicht sanken (−3,0 %), stiegen die Importmengen um 63,6 % — ein deutlich stärkeres Wachstum als bei den Exporten. Der EU-Handelsbilanzüberschuss betrug dennoch im Jahr 2025 rund 261,8 Mio. Euro, verglichen mit 213,8 Mio. Euro zu Beginn des Zeitraums (+22,5 %). Der Überschuss erreichte seinen Höhepunkt mit 323,5 Mio. Euro, fiel dann jedoch in den letzten Jahren aufgrund des schnelleren Importwachstums etwas zurück.
Nettorelative Importabhängigkeit zeigt zunehmende Autonomie
Die netto-relative Importabhängigkeit lag im gesamten Zeitraum im negativen Bereich — die EU exportiert also stets mehr als sie importiert. Der Wert verschob sich von −4,9 % (2015) auf −10,7 % (2025), was einer Verdopplung der Exportdominanz entspricht. Der niedrigste Wert (höchste Exportabhängigkeit) wurde bei −18,5 % erreicht.
Deutschlands Schlüsselrolle als Exporteur
Innerhalb der EU war Deutschland mit großem Abstand der wichtigste Exporteur von PE-Folien:
| EU-Mitgliedstaat | Exportwert 2015 (EUR) | Exportwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Deutschland | 208,6 Mio. | 221,3 Mio. | +6,1 % |
| Spanien | 49,5 Mio. | 70,3 Mio. | +42,1 % |
| Italien | 36,7 Mio. | 47,7 Mio. | +30,0 % |
| Tschechien | 13,3 Mio. | 71,6 Mio. | +436,6 % |
| Griechenland | 20,9 Mio. | 40,4 Mio. | +93,1 % |
| Belgien | 20,8 Mio. | 44,5 Mio. | +114,1 % |
Deutschland dominierte die EU-Exporte mit 221,3 Mio. Euro im Jahr 2025, was einem moderaten Wachstum von 6,1 % entspricht. Bemerkenswert ist der Aufstieg Tschechiens, dessen Exporte sich mehr als verfünffachten (+436,6 %) — ein Indikator für die Verlagerung von Produktionskapazitäten in mittelosteuropäische Standorte. Spanien und Belgien verdoppelten ihre Exporte nahezu.
2. Geografische Umorientierung: Diversifizierung der Handelspartner und neue Wachstumsmärkte
Die Analyse der Handelspartnerstrukturen offenbart eine signifikante geografische Neuordnung sowohl auf der Import- als auch auf der Exportseite. Traditionelle Partnerschaften bestehen fort, doch neue Handelsrouten haben an Gewicht gewonnen.
Auf der Importseite: China und die Türkei als dynamische Wachstumslieferanten
Die Top-Importpartner zeigen ein differenziertes Bild:
| Partnerland | Importwert 2015 (EUR) | Importwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| USA | 71,1 Mio. | 90,6 Mio. | +27,3 % |
| China | 24,7 Mio. | 72,9 Mio. | +194,6 % |
| Vereinigtes Königreich | 30,8 Mio. | 63,1 Mio. | +105,2 % |
| Türkei | 15,0 Mio. | 39,5 Mio. | +162,9 % |
| Schweiz | 25,9 Mio. | 33,4 Mio. | +28,9 % |
| Saudi-Arabien | 21,2 Mio. | 22,2 Mio. | +4,6 % |
| Ägypten | 1,7 Mio. | 20,4 Mio. | +1.110,4 % |
Die USA blieben mit 90,6 Mio. Euro der größte einzelne Lieferant, doch die prozentual stärksten Zuwächse verzeichneten mit Abstand Ägypten (+1.110,4 %), China (+194,6 %) und die Türkei (+162,9 %). Ägyptens Importe in die EU stiegen von lediglich 1,7 Mio. Euro auf 20,4 Mio. Euro — ein Ausbau petrochemischer Kapazitäten im Nahen Osten und Nordafrika spiegelt sich hier wider. Chinas Importanteil vervierfacht sich nahezu, was auf die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit chinesischer PE-Folienproduzenten hindeutet. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich verdoppelten sich, was teilweise auf die nach-Brexit-Handelsumschichtungen zurückzuführen sein dürfte.
Auf der Exportseite: Marokko und Norwegen als neue Wachstumsmärkte
Die EU-Exportpartner zeigen eine vergleichbare Umorientierung:
| Partnerland | Exportwert 2015 (EUR) | Exportwert 2025 (EUR) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Vereinigtes Königreich | 85,1 Mio. | 104,7 Mio. | +23,0 % |
| USA | 48,0 Mio. | 80,9 Mio. | +68,7 % |
| Marokko | 13,8 Mio. | 44,5 Mio. | +222,7 % |
| Schweiz | 37,9 Mio. | 45,8 Mio. | +20,7 % |
| Norwegen | 22,6 Mio. | 38,5 Mio. | +70,8 % |
| Türkei | 25,8 Mio. | 29,6 Mio. | +14,6 % |
| Mexiko | 15,4 Mio. | 21,3 Mio. | +38,5 % |
Das Vereinigte Königreich blieb mit 104,7 Mio. Euro der wichtigste Exportmarkt. Die stärksten Wachstumsraten verzeichneten Marokko (+222,7 %), Norwegen (+70,8 %) und die USA (+68,7 %). Marokkos Importe aus der EU stiegen von 13,8 Mio. auf 44,5 Mio. Euro — ein möglicher Indikator für die Integration Marokkos in europäische Wertschöpfungsketten, insbesondere im Verpackungs- und Agrarsektor. Die Diversifizierung der Exportmärkte spiegelt sich auch in sinkenden HHI-Konzentrationswerten wider: Der Export-HHI fiel von 641 auf 619 (−3,3 %), was auf eine etwas gleichmäßigere Verteilung der Exportströme hindeutet.
Konzentration auf der Importseite bleibt moderat stabil
Der Import-HHI sank leicht von 1.267 auf 1.240 (−2,1 %), blieb aber im Bereich einer moderaten Konzentration. Bei der Mengenbetrachtung stieg der HHI hingegen von 937 auf 1.033 (+10,3 %), was darauf hindeutet, dass sich die Importmengen stärker auf wenige Lieferanten konzentrieren, auch wenn sich die Werte gleichmäßiger verteilen. Dieses Muster passt zu der Beobachtung, dass einige Lieferanten — insbesondere China und die Türkei — zwar mengenstark, aber zu niedrigeren Preisen liefern.
Rollenverteilung innerhalb der EU: Spezialisierungsmuster
Die Spezialisierungsanalyse für das Jahr 2025 zeigt klare Unterschiede innerhalb der EU:
| Mitgliedstaat | RSCA | RCA | Anteil an EU-Produktion |
|---|---|---|---|
| Griechenland | 0,69 | 5,51 | 3,7 % |
| Litauen | 0,63 | 4,40 | 2,7 % |
| Finnland | 0,59 | 3,90 | 3,9 % |
| Kroatien | 0,48 | 2,83 | 1,2 % |
| Deutschland | 0,26 | 1,71 | 36,1 % |
Griechenland, Litauen und Finnland weisen die höchsten Spezialisierungsindizes auf — sie exportieren PE-Folien proportional deutlich stärker als der EU-Durchschnitt. Deutschland hingegen, obwohl mit 36,1 % an der EU-Produktion und 21,2 % am Gesamthandel dominierend, zeigt einen moderateren Spezialisierungswert (RSCA 0,26), da sein Exportportfolio breiter diversifiziert ist. Auf der anderen Seite des Spektrums stehen Irland (RSCA −0,99), Malta (−0,91) und Schweden (−0,89), die bei diesem Produkt stark importabhängig sind.
3. Produktion unter Druck, Preisvolatilität und geopolitische Schocks
Hinter den aggregierten Wachstumszahlen verbirgt sich ein ambivalentes Bild auf der Produktionsseite, ergänzt durch außergewöhnliche Preisschocks, die den Handel in den Jahren 2022 und 2023 erheblich beeinflussten.
Sinkende Produktionsvolumina bei steigenden Produktionswerten
Die EU-Produktion von PE-Folien (>0,125 mm) verzeichnete im Beobachtungszeitraum einen bemerkenswerten Gegenlauf zwischen Menge und Wert:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Produktionsmenge (t) | 1.088.296 | 953.895 | −12,3 % |
| Produktionswert (EUR) | 1.607 Mio. | 2.432 Mio. | +51,3 % |
Die Produktionsmenge sank um 12,3 %, während der Produktionswert um 51,3 % stieg. Der Tiefpunkt der Mengenproduktion lag bei 769.809 Tonnen, der Höchstwert bei 1.886.007 Tonnen. Diese Diskrepanz zwischen Mengenrückgang und Werterhöhung deutet auf eine signifikante Kosten- und Preissteigerung hin — verursacht durch steigende Rohstoffpreise (Ethylen, Energiekosten), Lieferkettenengpässe und möglicherweise auch eine Verschiebung hin zu höherwertigen Produktspezifikationen.
Zunehmende Handelsintensität und Exportquote
Die Handelsintensität und die Exportquote stiegen im Zeitraum dramatisch an:
| Kennzahl | 2015 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Handelsintensität | 14,6 % | 39,3 % | +169,3 % |
| Exportquote | 10,0 % | 28,1 % | +180,1 % |
Die Exportquote stieg von 10,0 % auf 28,1 % — fast ein Drittel der EU-Produktion wird inzwischen in Drittländer exportiert. Die Handelsintensität (Exporte plus Importe als Anteil der Produktion) verdreifachte sich nahezu. Diese Entwicklung spiegelt die zunehmende Integration des EU-Marktes in globale Wertschöpfungsketten wider und unterstreicht die wachsende Bedeutung des Außenhandels für diesen Industriezweig.
Außergewöhnliche Preisschocks in den Jahren 2022 und 2023
Die Volatilitätsanalyse und die Schockerkennung identifizierten drei bemerkenswerte Ereignisse:
| Schockereignis | Zeitpunkt | Typ | Anomaliewert | Preisverschiebung |
|---|---|---|---|---|
| Russland (Exporte) | 2023 | Preis | 33,4 | +539,4 % |
| Malaysia (Exporte) | 2022 | Preis | 32,0 | +335,0 % |
| USA (Exporte) | 2022 | Preis | 22,8 | +28,1 % |
Der dramatischste Schock betraf die EU-Exporte nach Russland im Jahr 2023: Die Exportpreise stiegen um 539,4 % bei einem Anomaliewert von 33,4. Dies steht in direktem Zusammenhang mit den Sanktionen nach dem russischen Überfall auf die Ukraine — die verbleibenden Handelsströme wurden durch Restriktionen stark verteuert, und die Handelsvolumina brachen ein. Der Koeffizient der Variation (CV) für russische Exporte lag bei 0,73, dem höchsten Wert aller Handelspartner.
Der Schock bei den Exporten nach Malaysia (2022, +335,0 %) korrespondiert mit den globalen Energiepreisspitzen und Lieferkettenstörungen im Gefolge der COVID-19-Pandemie und des Beginns des Ukraine-Kriegs. Der Preisschock bei den USA-Exporten (2022, +28,1 %, Anomaliewert 22,8) bei einem gleichzeitigen Wertanteil von 13,8 % hatte aufgrund der Größe des Marktes ebenfalls spürbare Auswirkungen.
Geringere Volatilität bei Kernhandelspartnern
Die Exportbeziehungen der EU zu ihren wichtigsten Handelspartnern zeichnen sich durch eine bemerkenswerte Stabilität aus. Der Koeffizient der Variation lag für das Vereinigte Königreich bei lediglich 0,073 und für die Schweiz bei 0,071 — beides Indikatoren für sehr stabile Handelsbeziehungen. Türkei (0,077) und Norwegen (0,077) zeigen ebenfalls geringe Schwankungen. Auf der Importseite weisen die Schweiz (CV 0,102) und Saudi-Arabien (CV 0,185) die niedrigsten Volatilitätswerte auf, was auf verlässliche Lieferbeziehungen hindeutet.
Demgegenüber stehen Importpartner mit hoher Volatilität: Ägypten (CV 0,721), Indien (CV 0,653) und Südkorea (CV 0,487) — Lieferanten, deren Handelsströme deutlich stärker schwanken und daher weniger planbar sind.
Fazit
Die Marktentwicklung von Polyethylenfolien (CN 39201089) im Zeitraum 2015 bis 2025 lässt sich in drei Kernbotschaften zusammenfassen:
Erstens hat die EU ihre Position als Nettexporteur substanziell ausgebaut. Trotz eines Importschubs, der die Exporte im Wachstum übertraf, blieb der Handelsüberschuss mit 261,8 Mio. Euro im Jahr 2025 robust. Die Exportquote stieg auf 28,1 %, was die zunehmende internationale Wettbewerbsfähigkeit des Sektors belegt.
Zweitens vollzog sich eine bemerkenswerte geografische Umorientierung. Neue Handelspartner — insbesondere Ägypten, China und die Türkei auf der Importseite sowie Marokko und Norwegen auf der Exportseite — gewannen stark an Bedeutung. Tschechien entwickelte sich innerhalb der EU zum zweitgrößten Exporteur, während Deutschland seine Führungsposition mit 36 % der EU-Produktion hielt.
Drittens zeigen die Daten ein Bild zunehmender Komplexität: Sinkende Produktionsvolumina bei gleichzeitig steigenden Werten deuten auf strukturelle Kostensteigerungen hin. Die geopolitischen Schocks der Jahre 2022 und 2023 — insbesondere die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs — hinterließen deutliche Spuren in den Handelsströmen, während die Kernhandelsbeziehungen zu etablierten Partnern bemerkenswert stabil blieben.
Insgesamt zeigt der Markt für PE-Folien eine bemerkenswerte Resilienz und Anpassungsfähigkeit der EU-Industrie, gepaart mit der Herausforderung, in einem Umfall steigender Rohstoffkosten und geopolitischen Umbrüchen die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.