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Marktentwicklung: Polypropylenfolien (CN 392020) — 2015–2025

Einführung

Dieser Bericht untersucht die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Zeitraum 2015 bis 2025 für den Zolltarif 392020 — Tafeln, Platten, Folien, Filme, Bänder und Streifen aus ungeschäumten Polymeren des Propylens (nicht verstärkt, nicht laminiert, ohne Unterlage, unbearbeitet oder nur oberflächenbearbeitet). Die Daten umfassen den Außenhandel der EU mit Drittländern, die Produktion innerhalb der EU sowie Kennzahlen zur Marktkonzentration, Verwundbarkeit und Volatilität.

Das Produkt CN 392020 gliedert sich in drei Unterpositionen:

  • 39202021: Biaxial orientierte Folien, Dicke ≤ 0,10 mm
  • 39202029: Andere Folien, Dicke ≤ 0,10 mm (nicht biaxial orientiert)
  • 39202080: Folien und Platten, Dicke > 0,10 mm

Zwischen 2015 und 2025 vollzog sich ein bemerkenswerter Strukturwandel: Die EU verwandelte sich von einem signifikanten Nettoexporteur in einen Markt nahe dem Handelsgleichgewicht. Gleichzeitig verschoben sich die Handelspartner deutlich — geopolitische Ereignisse hinterließen ebenso Spuren wie das kontinuierliche Wachstum der türkischen und chinesischen Exporte in die EU.


1. Vom Überschuss zum Defizit: Der Strukturwandel im EU-Außenhandel

1.1 Die Handelsbilanz kippt erstmals ins Negative

Der fundamentalste Trend im untersuchten Zeitraum ist der Wandel der EU von einer starken Exportnation hin zu einem Markt im Gleichgewicht — mit Tendenz zum Importdefizit.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exporte (Wert) 1,038 Mrd. € 1,067 Mrd. € +2,9 %
Importe (Wert) 814 Mio. € 1,142 Mrd. € +40,3 %
Handelsbilanz +224 Mio. € −75 Mio. € −133,6 %

Während die Exporte nominal nur leicht stiegen (+2,9 %), wuchsen die Importe um 40,3 % — ein Zuwachs von rund 328 Mio. €. Die Handelsbilanz wandelte sich von einem Überschuss von 224 Mio. € (2015) in ein Defizit von 75 Mio. € (2025). Der Netto-Importabhängigkeitssatz verbesserte sich zwar scheinbar von −18,3 % auf −1,6 % — was bedeutet, dass die EU 2015 noch Nettoexporteur war und 2025 nahezu ausgeglichen ist — doch diese Kennzahl verdeckt den entscheidenden Punkt: Der Rückgang des Exportüberschusses ist nicht auf schrumpfende Exporte zurückzuführen, sondern auf das außergewöhnliche Wachstum der Importe.

1.2 Mengen- und Preisentwicklung zeigen gegenläufige Signale

Besonders aufschlussreich ist die Aufteilung in Mengen- und Preiseffekte:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge 327.477 t 305.559 t −6,7 %
Exportpreis 3.168 €/t 3.492 €/t +10,2 %
Importmenge 303.486 t 379.552 t +25,1 %
Importpreis 2.682 €/t 3.010 €/t +12,2 %

Die EU exportierte 2025 weniger Polypropylenfolien als 2015 (−6,7 %), importierte jedoch deutlich mehr (+25,1 %). Die Exportpreise lagen systematisch über den Importpreisen (2025: 3.492 €/t vs. 3.010 €/t), was auf eine Spezialisierung der EU-Produzenten auf höherwertige Produkte hindeutet. Gleichzeitig stiegen beide Preisniveaus — die Importpreise um 12,2 %, die Exportpreise um 10,2 % — was Rohstoffpreissteigerungen und Inflationseffekte widerspiegelt.

1.3 Die Produktion wächst, reicht aber nicht für die Nachfrage

Paradoxerweise wuchs die EU-Produktion im selben Zeitraum beträchtlich:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge 936.778 t 1.443.031 t +54,0 %
Produktionswert 2,249 Mrd. € 4,172 Mrd. € +85,5 %

Die Produktionsmenge stieg um 54 %, der Produktionswert sogar um 85,5 % — was auf steigende Wertschöpfung und/oder höhere Preise hindeutet. Dennoch reichte dieses Wachstum nicht aus, um den steigenden Binnenbedarf zu decken. Dies erklärt den Anstieg der Handelsintensität von 34,7 % (2015) auf 41,6 % (2025) — der Markt wurde also insgesamt offener und internationaler vernetzt.


2. Neue Handelspartner, geopolitische Brüche: Die Neuordnung der Handelsströme

2.1 Türkei und China als dynamischste Importpartner

Die Top-Importpartner der EU verschoben sich zwischen 2015 und 2025 erheblich:

Partnerland Importe 2015 Importe 2025 Veränderung
Türkei 191 Mio. € 368 Mio. € +92,2 %
Vereinigtes Königreich 156 Mio. € 191 Mio. € +22,2 %
Ägypten 52 Mio. € 84 Mio. € +63,9 %
Indien 57 Mio. € 59 Mio. € +3,4 %
China 38 Mio. € 99 Mio. € +162,8 %
Russische Föderation 34 Mio. € 0,1 Mio. € −99,7 %
Schweiz 77 Mio. € 89 Mio. € +15,6 %

Die Türkei wurde mit Abstand zum wichtigsten Importpartner und verdoppelte ihre Exporte in die EU nahezu (von 191 Mio. € auf 368 Mio. €). China verzeichnete mit +162,8 % das prozentual stärkste Wachstum und stieg von 38 Mio. € auf 99 Mio. €. Diese Dynamik spiegelt die Wettbewerbsvorteile türkischer und chinesischer Hersteller wider — günstigere Produktionskosten, zunehmende Kapazitäten und verbesserte Produktqualität.

2.2 Der Zusammenbruch des russischen Handels

Der auffälligste Einbruch betrifft die Russische Föderation: Die EU-Importe aus Russland sanken von 34 Mio. € (2015) auf unter 100.000 € (2025) — ein Rückgang von 99,7 %. Dies ist unmittelbar auf die nach dem Februar 2022 verhängten Sanktionen zurückzuführen. Ebenso drastisch fielen die EU-Exporte nach Russland aus: von 94 Mio. € auf 20 Mio. € (−78,3 %). Russland war 2015 noch der zweitgrößte Exportmarkt der EU; 2025 rangierte es weit abgeschlagen.

2.3 Die Exportseite: USA und Ukraine als Wachstumsmärkte

Auf der Exportseite kompensierten neue Märkte teilweise den russischen Wegfall:

Markt Exporte 2015 Exporte 2025 Veränderung
Vereinigtes Königreich 298 Mio. € 224 Mio. € −24,9 %
Türkei 81 Mio. € 105 Mio. € +30,6 %
Schweiz 84 Mio. € 80 Mio. € −4,0 %
Vereinigte Staaten 59 Mio. € 115 Mio. € +93,3 %
Ukraine 23 Mio. € 63 Mio. € +170,4 %
Russische Föderation 94 Mio. € 20 Mio. € −78,3 %

Die USA (+93,3 %) und die Ukraine (+170,4 %) waren die dynamischsten Wachstumsmärkte. Die Ukraine profitierte möglicherlich von EU-Finanzhilfen und Wiederaufbauprojekten. Der Exportrückgang ins Vereinigte Königreich (−24,9 %) ist teilweise auf Brexit-bedingte Handelsreibungen zurückzuführen, auch wenn das UK weiterhin der mit Abstand größte Exportmarkt blieb.

2.4 Deutschland dominiert, Italien und Spanien wachsen stark

Innerhalb der EU war Deutschland der größte Exporteur und Importeur:

EU-Land Exporte 2025 Importe 2025
Deutschland 363 Mio. € 209 Mio. €
Italien 171 Mio. € 192 Mio. €
Frankreich 75 Mio. € 84 Mio. €
Spanien 48 Mio. € 111 Mio. €
Niederlande 48 Mio. € 78 Mio. €
Polen 51 Mio. € 80 Mio. €

Besonders bemerkenswert: Italiens Importe wuchsen um 60,3 % und Spaniens sogar um 91,9 % — was auf steigende Verpackungsnachfrage in diesen Ländern hindeuten könnte. Portugal und Bulgarien wiederum zeigten die höchste Spezialisierung (RSCA von 0,77 bzw. 0,76), während Deutschland trotz seiner absoluten Größe eine unterproportionale Spezialisierung aufwies — ein Zeichen für eine diversifizierte Industriestruktur.


3. Segmentverschiebungen, Preisschocks und steigende Konzentration

3.1 Dicke Folien (39202080) als Wachstumstreiber

Die Aufschlüsselung nach Unterpositionen zeigt unterschiedliche Dynamiken:

Importe nach Segment:

Segment Menge 2015 Menge 2025 Veränderung
39202021 (biaxial orientiert, ≤ 0,10 mm) 237.356 t 274.602 t +15,7 %
39202080 (> 0,10 mm) 39.103 t 66.451 t +69,9 %
39202029 (andere, ≤ 0,10 mm) 27.027 t 38.484 t +42,4 %

Das Segment der dickeren Folien (> 0,10 mm, CN 39202080) verzeichnete mit +69,9 % das mit Abstand stärkste Mengenwachstum bei Importen. Der Importpreis für dieses Segment lag 2025 bei 3.553 €/t — deutlich über dem der biaxial orientierten Folien (2.799 €/t), was den höheren Materialaufwand und die Spezialanwendungen widerspiegelt. Biaxial orientierte PP-Folien (BOPP) blieben mengenmäßig das dominierende Segment (274.602 t Importe), was ihre zentrale Rolle in der Verpackungsindustrie unterstreicht.

Exporte nach Segment:

Segment Menge 2015 Menge 2025 Veränderung
39202021 (biaxial orientiert, ≤ 0,10 mm) 215.174 t 163.108 t −24,2 %
39202080 (> 0,10 mm) 64.651 t 88.889 t +37,5 %
39202029 (andere, ≤ 0,10 mm) 47.652 t 53.562 t +12,4 %

Die BOPP-Exporte der EU sanken um 24,2 % — ein deutlicher Hinweis darauf, dass die EU bei Standard-BOPP-Folien Marktanteile an Drittländer verliert. Gleichzeitig stiegen die Exporte dickerer Folien (+37,5 %), was auf eine Verschiebung hin zu spezialisierteren, höherwertigen Produkten hindeutet.

3.2 Preisschocks spiegeln Krisen wider

Die Volatilitätsanalyse identifiziert mehrere signifikante Preisschocks:

Schock Jahr Abnormalität Verschiebung
Exportpreis nach Algerien 2021 21,5 σ +29,5 %
Importpreis aus China 2021 14,0 σ +39,3 %
Exportpreis in die Ukraine 2023 9,6 σ −22,4 %

Der Schock bei den Importpreisen aus China (2021, +39,3 %) fiel in die Phase der globalen Lieferkettenkrise nach der COVID-19-Pandemie, als Containerpreise explodierten und Rohstoffknappheit herrschte. Der Exportpreisschock nach Algerien (2021) könnte auf Sonderverträge oder Qualitätssprünge zurückzuführen sein. Der negative Exportpreisschock in die Ukraine (2023, −22,4 %) könnte mit der EU-Unterstützungspolitik und Sonderkonditionen im Kontext des Krieges zusammenhängen.

Besonders volatile Handelsbeziehungen (gemessen am Variationskoeffizienten) bestanden mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (CV = 0,78 bei Importen), der Russischen Föderation (CV = 0,45) und China (CV = 0,43) — allesamt Märkte, die von geopolitischen oder konjunkturellen Schwankungen stark betroffen waren.

3.3 Die Importkonzentration steigt — die Exportkonzentration sinkt

Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) zeigt divergierende Trends:

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
HHI Importe (Wert) 1.206 1.596 +32,3 %
HHI Exporte (Wert) 1.144 837 −26,8 %

Der Import-HHI stieg um 32,3 % — die EU bezieht ihre Polypropylenfolien aus zunehmend weniger Herkunftsländern, mit wachsender Dominanz der Türkei. Ein HHI von 1.596 liegt noch unterhalb der Schwelle für einen stark konzentrierten Markt (2.500), signalisiert aber eine Tendenz zur Konzentration.

Gleichzeitig sank der Export-HHI um 26,8 % — die EU exportiert in ein breiteres Spektrum von Märkten. Diese Diversifizierung der Exportseite ist grundsätzlich positiv für die Resilienz, steht jedoch im Kontrast zur zunehmenden Importabhängigkeit von wenigen Lieferanten.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für Polypropylenfolien (CN 392020) durchlief zwischen 2015 und 2025 einen tiefgreifenden Strukturwandel. Drei zentrale Erkenntnisse prägen das Bild:

  1. Vom Nettoexporteur zum Importeur: Die EU verlor ihre traditionelle Handelsbilanz-Überschussposition. Trotz eines Produktionswachstums von 54 % konnte die heimische Industrie die steigende Nachfrage nicht vollständig bedienen. Die Importe wuchsen um 40,3 % im Wert und 25,1 % in der Menge, während die Exportmengen sanken. Die Handelsbilanz kippte 2025 erstmals ins Negative.

  2. Geopolitische Umwälzung der Partnerlandschaft: Der russische Handel brach fast vollständig zusammen — sowohl bei Importen (−99,7 %) als auch bei Exporten (−78,3 %). Gleichzeitig etablierte sich die Türkei als dominanter Importpartner (+92,2 %), und China (+162,8 %) gewann stark an Bedeutung. Auf der Exportseite kompensierten die USA (+93,3 %) und die Ukraine (+170,4 %) teilweise den russischen Wegfall. Diese Verschiebungen machen die EU verwundbarer gegenüber politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Türkei und China.

  3. Segmentierung und Spezialisierung: Die EU exportierte zunehmend hochwertigere Folien (über 0,10 mm Dicke), verlor aber bei Standard-BOPP-Folien Marktanteile an Drittländer. Der Importmarkt konzentrierte sich stärker auf wenige Herkunftsländer (HHI +32,3 %), während sich der Exportmarkt diversifizierte (HHI −26,8 %). Preisschocks in den Jahren 2021 und 2023 — ausgelöst durch Pandemiefolgen, Lieferkettenkrisen und geopolitische Konflikte — unterstrichen die Verwundbarkeit des Marktes.

Die Steigerung der Handelsintensität von 34,7 % auf 41,6 % zeigt, dass der EU-Markt für Polypropylenfolien trotz wachsender heimischer Produktion enger mit dem Weltmarkt verflochten ist als je zuvor. Für europäische Industriepolitik und Lieferkettenstrategie ergibt sich daraus die Notwendigkeit, sowohl die Wettbewerbsfähigkeit im Standardsegment zu stärken als auch die Importdiversifizierung voranzutreiben, um einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren.

Erstellt am 2026-08-08. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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