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Marktentwicklung: Spundwanderzeugnisse und Profile aus Eisen oder Stahl (CN 7301) — 2015–2025

Einleitung

Der Warenkorb CN 7301 umfasst zwei Teilprodukte: Spundwanderzeugnisse (CN 730110) sowie durch Schweißen hergestellte Profile (CN 730120) aus Eisen oder Stahl (Scope & Definitions). Diese Produkte werden vor allem im Wasser- und Hafenbau, im Grund- und Tiefbau sowie in der Infrastruktur eingesetzt. Der vorliegende Bericht analysiert den Außenhandel der Europäischen Union mit Drittländern im Zeitraum 2015 bis 2025 und beleuchtet die wichtigsten Trends, Strukturverschiebungen und Risikofaktoren.


1. Struktureller Exportrückgang und schwindender Handelsüberschuss

1.1 Der EU-Export ist in Menge und Wert deutlich geschrumpft

Der Wert der EU-Ausfuhren in den Drittlandhandel fiel im Betrachtungszeitraum von 377,4 Mio. EUR (2015) auf 253,5 Mio. EUR (2025) — ein Rückgang um 32,8 %. Noch deutlicher war der Rückgang bei den exportierten Mengen: von 436.458 Tonnen auf 224.318 Tonnen, was einem Minus von 48,6 % entspricht (Übersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (Mio. EUR) 377,4 253,5 −32,8 %
Exportvolumen (t) 436.458 224.318 −48,6 %
Exportpreis (EUR/t) 865 1.130 +30,7 %

1.2 Steigende Preise konnten den Volumenrückgang nicht ausgleichen

Der durchschnittliche Exportpreis stieg von 865 EUR/t im Jahr 2015 auf 1.130 EUR/t im Jahr 2025 (+30,7 %). Dennoch konnte dieser Preisanstieg den massiven Volumenrückgang nur teilweise kompensieren — der Gesamtexportwert sank trotzdem um fast ein Drittel. Der Preisanstieg spiegelt unter anderem gestiegene Rohstoff- und Energiekosten in der europäischen Stahlindustrie wider, die sich in den Jahren 2021 und 2022 infolge der Energiekrise besonders stark verteuerten.

1.3 Der Handelsüberschuss hat sich halbiert

Die EU erzielte 2015 noch einen Drittlandhandelsüberschuss von 335,4 Mio. EUR. Bis 2025 schrumpfte dieser auf 164,3 Mio. EUR — ein Rückgang um 51,0 %. Die EU bleibt damit im Segment CN 7301 Nettoexporteur, doch der Puffer gegenüber Importen wird zunehmend dünner (Übersicht).


2. Importwachstum und Verschiebung der Handelspartnerschaften

2.1 EU-Importe haben sich mehr als verdreifacht

Während die Exporte schrumpften, stiegen die EU-Importe von Drittländern kräftig an: Der Importwert erhöhte sich von 41,9 Mio. EUR (2015) auf 89,2 Mio. EUR (2025) — ein Plus von 112,7 %. Noch dynamischer war das Mengenwachstum: von 20.712 Tonnen auf 59.693 Tonnen (+188,2 %). Der durchschnittliche Importpreis fiel dabei von 2.024 EUR/t auf 1.494 EUR/t (−26,2 %), was auf günstigere Beschaffungsquellen oder veränderte Produktmixzusammensetzung hindeutet (Übersicht).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (Mio. EUR) 41,9 89,2 +112,7 %
Importvolumen (t) 20.712 59.693 +188,2 %
Importpreis (EUR/t) 2.024 1.494 −26,2 %

2.2 China und die Vereinigten Arabischen Emirate sind zu zentralen Importquellen aufgestiegen

Die Herkunft der EU-Importe hat sich zwischen 2015 und 2025 erheblich verlagert (Top-Partner: Importe):

Importpartner 2015 (Mio. EUR) 2025 (Mio. EUR) Veränderung
China 5,8 27,8 +377,8 %
Vereinigte Arabische Emirate 1,1 10,0 +812,6 %
Schweiz 16,1 28,0 +73,5 %
Vereinigtes Königreich 10,1 14,4 +42,9 %
Norwegen 0,08 0,7 +816,7 %
Nordmazedonien 5,7 2,0 −64,8 %
Russische Föderation 0,1 ~0 −100,0 %

Besonders auffällig ist das Wachstum der chinesischen Importe, die sich von 5,8 Mio. EUR auf 27,8 Mio. EUR fast verfünffachten. China avancierte damit 2025 zum zweitgrößten EU-Importpartner nach der Schweiz. Die VAE verfünffachten ihre Lieferungen an die EU ebenfalls, was auf den Ausbau von Produktions- und Handelskapazitäten in der Golfregion hindeuten könnte. Gleichzeitig brachen die Importe aus Russland nach 2022 vollständig ein — ein deutlicher Effekt der nach dem Überfall auf die Ukraine verhängten Sanktionen.

2.3 Die EU-Exportziele haben sich teilweise verlagert

Auf der Exportseite blieb das Vereinigte Königreich mit 82,4 Mio. EUR der mit Abstand wichtigste Abnehmer (nahezu unverändert gegenüber 2015). Die Exporte in die USA halbierten sich jedoch von 98,0 Mio. EUR auf 49,6 Mio. EUR (−49,4 %), während die Ausfuhren nach Kanada (+158,9 %) und in die Schweiz (+131,4 %) kräftig zulegten. Auch die Lieferungen an Russland sanken um 65,2 % (Top-Partner: Exporte).


3. Produktionsrückgang, Segmentunterschiede und Konzentrationstendenzen

3.1 Die EU-Produktion hat sich mengenmäßig halbiert

Die EU-Produktion von Spundwanderzeugnissen und geschweißten Profilen fiel von 520.000 Tonnen (2015) auf 245.000 Tonnen (2025) — ein Rückgang um 52,9 %. Der Produktionswert stieg dagegen leicht von 170 Mio. EUR auf 208 Mio. EUR (+22,4 %), was auf erheblich höhere Wertschöpfung pro Tonne hindeutet. Die Diskrepanz zwischen sinkender Produktionsmenge und steigendem Produktionswert unterstreicht die zunehmende Konzentration auf höherwertige Produkte und gestiegene Kostenstrukturen (Produktionsvolumen).

3.2 Spundwanderzeugnisse dominieren das Exportvolumen, Profile erzielen höhere Preise

Innerhalb des Warenkorbs CN 7301 zeigen die beiden Teilprodukte unterschiedliche Dynamiken (Produktsegmente):

Exporte nach Teilprodukt (2025):

Segment Volumen (t) Wert (Mio. EUR) Preis (EUR/t)
730110 – Spundwanderzeugnisse 206.040 211,7 1.027
730120 – Geschweißte Profile 18.277 41,9 2.290

Spundwanderzeugnisse (CN 730110) machen mengenmäßig über 90 % der EU-Ausfuhren aus, erzielen aber mit durchschnittlich 1.027 EUR/t deutlich niedrigere Preise als die geschweißten Profile (CN 730120) mit 2.290 EUR/t. Beide Segmente verzeichneten im Betrachtungszeitraum rückläufige Exportmengen; bei Spundwanderzeugnissen fiel das Volumen von 415.929 t auf 206.040 t, bei den Profilen von 20.529 t auf 18.277 t.

Auf der Importseite fällt auf, dass die Einfuhren von Spundwanderzeugnissen stark schwankten (von 9.245 t im Jahr 2015 bis zu einem Höhepunkt von 74.979 t im Jahr 2017), während die Importe geschweißter Profile zwischen 8.947 t und 15.988 t lagen. Der Importpreis für geschweißte Profile lag 2025 bei 4.745 EUR/t — fast dreimal so hoch wie der Exportpreis für Spundwanderzeugnisse, was auf qualitative oder dimensionale Unterschiede hindeuten könnte.

3.3 Luxemburg dominiert die EU-Exporte; die Konzentration nimmt zu

Innerhalb der EU war Luxemburg mit Abstand der größte Exporteur — 2025 entfielen 158,2 Mio. EUR auf das Großherzogtum, was rund 62 % des gesamten EU-Drittlandexports entspricht. Gleichzeitig ist Luxemburg auch das mit Abstand am stärksten spezialisierte Land mit einem RCA-Index von 106,8 (Spezialisierung). Die Konzentration der Exporte nahm zu: Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) nach Wert stieg von 1.259 auf 1.631 (+29,5 %), was auf eine zunehmende Abhängigkeit von wenigen EU-Staaten hindeutet (Konzentration).

Auffällig ist der Bedeutungsverlust Deutschlands: Die deutschen Drittlandexporte brachen von 70,0 Mio. EUR (2015) auf nur noch 4,7 Mio. EUR (2025) ein — ein Rückgang von 93,3 %. Auch die Niederlande (−57,8 %) und Belgien (−43,8 %) verloren als Exporteure an Boden, während Irland (+94,3 %) und Kanada als Zielmarkt an Bedeutung gewannen (EU-Reporters: Exporte).

3.4 Preisvolatilität und einzelne Schockereignisse prägten den Markt

Im Zeitraum 2020–2022 traten mehrere markante Preisschocks im EU-Export auf (Versorgungsschocks):

Zielmarkt Jahr Schocktyp Preissprung Abnormalität
Saudi-Arabien 2020 Preis +1.575,2 % 287,8
Brasilien 2021 Preis +62,5 % 1.225,9
Vereinigte Staaten 2022 Preis +79,0 % 49,1

Diese Schocks fielen in die Phase der globalen Stahlpreisexplosion nach der COVID-19-Pandemie sowie der Energiekrise 2022. Die USA als wichtigstes Exportziel (Wertanteil 25,0 %) waren besonders betroffen. Die Volatilitätskoeffizienten (CV) bei den Importen aus Russland (2,87) und Norwegen (1,95) sowie bei den Exporten nach Israel (1,17) und Saudi-Arabien (1,42) deuten auf anhaltend schwankende Handelsströme hin (Volatilität).


Schlussfolgerung

Der Markt für Spundwanderzeugnisse und geschweißte Profile (CN 7301) hat sich zwischen 2015 und 2025 grundlegend verändert. Die EU ist weiterhin ein Nettoexporteur, doch der einst komfortable Überschuss von 335 Mio. EUR schrumpfte auf 164 Mio. EUR. Die Exportmengen halbierten sich nahezu, während die Importe sich mengenmäßig verdreifachten. Als Haupttreiber dieser Entwicklung lassen sich identifizieren:

  1. Rückgang der EU-Produktion um über 50 % mengenmäßig, gekoppelt mit einer Verschiebung hin zu höherwertiger, aber volumenärmerer Fertigung.
  2. Geopolitische Umbrüche — insbesondere die Sanktionen gegen Russland und die Handelsverschiebungen nach der Pandemie — haben die Importquellen neu sortiert. China und die VAE gewinnen als Lieferanten stark an Bedeutung.
  3. Zunehmende Konzentration der EU-Exporte auf wenige Mitgliedstaaten (allen voran Luxemburg), was die Resilienz des EU-Exportsektors gegenüber einzelnen nationalen Störungen verringert.

Für die europäische Stahlverarbeitungsindustrie ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild: Einerseits steigen die Exportpreise und die Wertschöpfung pro Tonne, andererseits geht das Volumen kontinuierlich zurück und die Abhängigkeit von Importen wächst — ein Trend, der angesichts der strategischen Bedeutung von Spundwandbauteilen in der Infrastrukturpolitik aufmerksam beobachtet werden sollte.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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