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Marktentwicklung: Rohre und Hohlprofile, geschweißt, mit kreisförmigem Querschnitt, aus Eisen oder nichtlegiertem Stahl (ausg. Rohre mit kreisförmigem inneren und äußeren Querschnitt und einem äußerem Durchmesser von > 406,4 mm sowie Rohre von der für Öl oder Gasfernleitungen oder von der für das Fördern von Öl oder Gas verwendeten Art) (CN 730630) — 2015–2025

Einleitung

Dieser Marktbericht analysiert die Handelsentwicklung der Europäischen Union im Segment geschweißter Stahlrohre mit kreisförmigem Querschnitt (KN-Code 730630) im Zeitraum 2015 bis 2025. Das Produkt umfasst unter anderem Präzisionsstahlrohre, Gewinderohre sowie Standardrohre mit Durchmessern bis 406,4 mm und findet breite Anwendung im Bauwesen, in der Industrieinstallation sowie im Maschinenbau. Der Bericht stützt sich auf verfügbare EU-Handelsdaten für den Gesamtzeitraum und beleuchtet die wesentlichen Dynamiken in den Handelsströmen, Preisentwicklungen und Marktstrukturen.


1. Preisanstieg statt Mengenwachstum: Der strukturelle Wandel im EU-Außenhandel

1.1 Exportwert gestiegen, Exportmengen geschrumpft

Die EU-Exporte von CN 730630 stiegen im betrachteten Zeitraum nominal um 31,9 % — von 383 Mio. € (2015) auf 505 Mio. € (2025). Gleichzeitig sank die exportierte Menge um 20,2 % — von 303.176 t auf 242.019 t. Dieses scheinbare Paradoxon erklärt sich durch einen massiven Preisanstieg: Die durchschnittlichen Exportpreise erhöhten sich um 62,4 %, von 1.264 €/t auf 2.052 €/t. Der Höchstwert wurde 2022 mit 2.237 €/t erreicht.

Kennzahl 2015 2020 (Covid) 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Exportwert (Mio. €) 383 344 692 505 +31,9 %
Exportmenge (t) 303.176 266.103 303.692 242.019 −20,2 %
Exportpreis (€/t) 1.264 1.293 2.237 2.052 +62,4 %

(Datenquelle: Gesamtübersicht)

1.2 Importe wachsen mengenmäßig stärker als exportseitig

Auf der Importseite lag der Wert 2025 bei 572 Mio. € (+33,6 % gegenüber 2015). Im Gegensatz zu den Exporten stieg hier auch die Menge deutlich an — von 498.815 t auf 629.242 t (+26,1 %). Die Importpreise entwickelten sich mit lediglich +5,9 % (von 857 €/t auf 908 €/t) weitaus moderater als die Exportpreise. Dies deutet darauf hin, dass die EU zunehmend preisgünstigere Rohre aus Drittländern bezieht, während die eigenen Exporte in höhere Preissegmente wandern — etwa in Präzisionsstahlrohre.

Kennzahl 2015 2020 (Covid) 2022 (Peak) 2025 Veränderung 2015→2025
Importwert (Mio. €) 428 428 873 572 +33,6 %
Importmenge (t) 498.815 539.924 628.036 629.242 +26,1 %
Importpreis (€/t) 857 793 1.381 908 +5,9 %

1.3 Handelsbilanz: Vom Defizit nahe an die Parität

Die EU verzeichnete 2015 ein Handelsdefizit von −44 Mio. € im Segment CN 730630. Bis 2022 verschärfte sich das Defizit auf −245 Mio. €, bevor es sich 2025 auf −66 Mio. € erholte. Die Nettoimportabhängigkeit sank von +7,9 % (2015) auf −1,1 % (2024), was bedeutet, dass die EU 2024 erstmals annähernd ausgeglichen war. Die Exportquote stieg dabei von 10,6 % auf 17,1 % — ein deutliches Signal für die gestiegene Wettbewerbsfähigkeit der EU in hochwertigen Segmenten.


2. Umbruch bei den Handelspartnern: Türkei und Indien gewinnen, die Schweiz verliert

2.1 Türkei als dominierender Importeur der EU

Die Türkei war über den gesamten Zeitraum der mit Abstand wichtigste Lieferant von CN 730630 an die EU. Die Importe aus der Türkei verdoppelten sich nahezu — von 146 Mio. € (2015) auf 277 Mio. € (2025), was einem Anteil von rund 49 % der EU-Importe im Jahr 2025 entspricht. Mengenmäßig stiegen die Lieferungen von 208.872 t auf 326.129 t. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 2.354 (2015) auf 2.802 (2025) — ein Anstieg um 19,1 %, der die zunehmende Konzentration auf wenige Lieferländer widerspiegelt.

Importpartner 2015 (Mio. €) 2025 (Mio. €) Veränderung Anteil 2025
Türkei 146 277 +89,7 % ~49 %
Indien 39 97 +148,2 % ~17 %
Vereinigtes Königreich 32 57 +75,4 % ~10 %
Nordmazedonien 12 26 +126,0 % ~5 %
Schweiz 136 11 −91,9 % ~2 %

(Datenquelle: Handelspartner)

2.2 Dramatischer Rückgang der Schweizer Rohre-Exporte in die EU

Besonders auffällig ist der Zusammenbruch der Importe aus der Schweiz: Von 136 Mio. € (2015) auf lediglich 11 Mio. € (2025) — ein Rückgang um 91,9 %. Mengenmäßig sanken die Lieferungen von 107.378 t auf nur noch 5.001 t. Die Schweiz war 2015 noch der zweitgrößte Lieferant der EU und ist 2025 in der Rangliste weit abgerutscht. Der Variationskoeffizient (CV) der Schweizer Importmengen liegt bei 0,55 — der höchste Wert unter den wichtigsten Partnern —, was die extreme Volatilität dieser Handelsbeziehung unterstreicht.

2.3 Indien als zweiter Wachstumsmotor der Importseite

Indien stieg vom fünftgrößten zum zweitgrößten Lieferanten auf: Die Importe wuchsen von 39 Mio. € auf 97 Mio. € (+148,2 %), die Mengen von 57.778 t auf 105.165 t. Mit einem CV von nur 0,18 bei den Mengen zeigt sich Indien als stabiler, stetig wachsender Zulieferer.

2.4 Russland: Sanktionsbedingter Handelsausfall

Importe aus der Russischen Förderration waren 2018–2021 mit 16.000–20.000 t pro Jahr noch signifikant. Nach Beginn des Ukraine-Konflikts 2022 sanken die Mengen auf 7.631 t, 2023 auf praktisch null (21 t), und ab 2024 liegen keine Daten mehr vor. Der vollständige Wegfall dieses Handelsflusses trug zur Neuausrichtung der Importquellen bei.

2.5 Exportpartner: Vereinigtes Königreich stabil, USA volatil

Die wichtigsten Exportmärkte der EU blieben über den Zeitraum relativ konstant. Das Vereinigte Königreich war mit 99 Mio. € (2025) der größte Abnehmer — stabil über den gesamten Zeitraum. Die USA schwankten stark: von 51 Mio. € (2015) über 124 Mio. € (2022) auf 48 Mio. € (2025), mit dem höchsten CV aller Exportpartner (0,38). Die Ausfuhren nach China kollabierten von 21 Mio. € (2015) auf 4 Mio. € (2025) — ein Rückgang um 82 %.


3. Preisschocks 2021–2022 und die segmentale Neuaufteilung des Marktes

3.1 Covid-19-Einbruch 2020 und V-förmige Erholung

Das Jahr 2020 markierte den tiefsten Punkt im betrachteten Zeitraum. Die EU-Exporte fielen auf 344 Mio. € und die Exportmengen auf 266.103 t — beides die niedrigsten Werte des Zeitraums. Die EU-Produktion sank 2020 auf 4.123 Mio. kg (von 5.424 Mio. kg im Rekordjahr 2019). Bereits 2021 folgte eine starke Erholung, die sich 2022 — getrieben durch extreme Preissteigerungen — zu einem Rekordjahr in Wertgrößen entwickelte.

3.2 Massive Preisschocks 2021–2022 bei Schlüsselpartnern

Im Zeitraum 2021–2022 wurden bei mehreren Handelspartnern signifikante Preisschocks identifiziert:

Schock-Ereignis Typ Richtung Preisänderung Zeitpunkt Abnormalität
China Preis Export +93,1 % 2022 31,6
Nordmazedonien Preis Import +69,6 % 2021 21,4
Serbien Preis Export +54,4 % 2021 12,1
Brasilien Preis Export +51,3 % 2017 4,8

Die Preisschocks bei den Importen aus Nordmazedonien trafen 2021: Die Preise stiegen von durchschnittlich 588 €/t (Baseline 2019–2020) auf 997 €/t (+69,6 %), sanken in den Folgejahren nur langsam und lagen 2022–2023 noch bei 985 €/t. Die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich zeigten einen Preisanstieg um 41 % auf 1.238 €/t (2021), gefolgt von einem weiteren Anstieg auf 1.445 €/t (2022). Diese Schocks spiegeln den globalen Stahlpreisboom 2021–2022 wider, der durch Energiekostensteigerungen, Lieferkettenengpässe und Nachholeffekte nach der Pandemie getrieben war.

3.3 Die EU-Produktion: Stabile Mengen, schwankende Werte

Die EU-Produktionsmengen schwankten zwischen 3.376 Mio. kg (2021, pandemiebedingt) und 5.424 Mio. kg (2019). 2024 lag die Produktion bei 3.677 Mio. kg. Die Produktionswerte erreichten 2022 einen Spitzenwert von geschätzt 6.050 Mio. €, was dem globalen Preisboom entspricht, bevor sie 2024 auf 4.360 Mio. € zurückgingen.

Italien ist der mit Abstand wichtigste Produzent und Exporteur innerhalb der EU: Mit einem RCA-Wert von 4,56 und einem RSCA von 0,64 weist Italien die höchste Spezialisierung in diesem Segment auf. Auf Italien entfallen 36,5 % der gesamten EU-Produktion, aber nur 8,0 % der EU-Gesamtausfuhren — was auf eine starke binnenorientierte Verarbeitungskette hindeutet. Die EU-Länder mit den nächsthöchsten Spezialisierungswerten sind Bulgarien (RCA 3,57), Litauen (3,25), Lettland (2,78) und Portugal (2,60).

3.4 Segmentverschiebung: Präzisionsstahlrohre treten in Erscheinung

Ab 2022 erscheinen erstmals Daten für zwei neue Unterpositionen: Präzisionsstahlrohre, kaltgezogen/kaltgewalzt (CN 73063012) und sonstige Präzisionsstahlrohre (CN 73063018). Diese Segmente machten in den Importen 2022 zusammen 203 Mio. € (ca. 23 % der Gesamtimporte) aus, fielen aber bis 2025 auf 180 Mio. € (ca. 31 %). Die Importpreise dieser Segmente liegen deutlich über dem Gesamtdurchschnitt — bei 1.528–1.947 €/t (kaltgezogen) bzw. 1.088–1.589 €/t (sonstige) im Vergleich zu 758–1.174 €/t für Standardrohre ≤ 168,3 mm.

3.5 Importländer innerhalb der EU: Deutschland verliert, Osteuropa gewinnt

Deutschland war 2015 mit 151 Mio. € der größte EU-Importeur von Drittlandsrohren, sank aber bis 2025 auf 81 Mio. € (−46,8 %). Im Gegenzug stiegen die Importe nach Rumänien von 25 Mio. € auf 73 Mio. € (+191,7 %) und nach Polen von 19 Mio. € auf 50 Mio. € (+158,2 %). Italien blieb als zweitgrößter Importeur relativ stabil (+38,3 %). Diese Verschiebung spiegelt die Verlagerung der verarbeitenden Industrie und der Bauaktivitäten in Mittel- und Osteuropa wider.


Schlussfolgerung

Der EU-Markt für geschweißte Stahlrohre (CN 730630) hat sich im Zeitraum 2015–2025 erheblich transformiert. Drei zentrale Trends dominieren:

  1. Preisgetriebene Wertschöpfung statt Mengenwachstum: Die EU exportiert zwar weniger Tonnen, erzielt aber höhere Werte — ein Indiz für eine Wanderung in hochwertigere Produktsegmente (Präzisionsrohre). Gleichzeitig importiert die EU mengenmäßig mehr Standardrohre zu moderaten Preisen.

  2. Geopolitische Neuausrichtung der Handelsströme: Der Sanktionsbedingte Wegfall russischer Lieferungen, der Zusammenbruch der Schweizer Exporte in die EU sowie das Aufstiegen der Türkei und Indiens als dominante Lieferanten haben die Importlandschaft grundlegend verändert. Die zunehmende Konzentration (HHI-Anstieg um 19 %) birgt allerdings ein Diversifizierungsrisiko.

  3. Marktstruktur im Wandel: Osteuäische EU-Mitgliedstaaten gewinnen sowohl als Absatzmärkte als auch als Importeure an Bedeutung, während Deutschland und traditionelle Industrieländer an Gewicht verlieren. Die EU hat sich 2024 erstmals vom Nettoimporteur zum annähernd ausgeglichenen Markt entwickelt — ein struktureller Wandel, der sich angesichts der steigenden Exportquote (von 10,6 % auf 17,1 %) fortsetzen dürfte.

Erstellt am 2026-08-05. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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