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Marktentwicklung: Vierkantrohre (CN 730661) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarifcode 730661 umfasst geschweißte Rohre und Hohlprofile mit quadratischem oder rechteckigem Querschnitt aus Eisen oder Stahl. Diese Produkte werden vorwiegend im Bauwesen, im Maschinenbau und in der Konstruktionsindustrie eingesetzt und bilden damit einen wichtigen Indikator für industrielle und infrastrukturelle Aktivität.

Im Zeitraum von 2015 bis 2025 vollzog sich der EU-Handel mit diesem Produktsegment in drei markanten Phasen: einem schrittweisen Ausbau der Importe, einer geopolitisch bedingten Umstrukturierung der Lieferketten sowie einem extremen Preiszyklus in den Jahren 2021–2022. Die vorliegende Analyse untersucht diese Entwicklungen anhand der verfügbaren Handels- und Produktionsdaten und beleuchtet die zugrundeliegenden Dynamiken.


1. Strukturelles Importwachstum bei sinkender heimischer Produktion

Der EU-Importmarkt wuchs nahezu kontinuierlich

Im gesamten Betrachtungszeitraum verzeichnete die EU ein erhebliches Wachstum der Einfuhren von Vierkantrohren. Das Importvolumen stieg von 627.404 Tonnen im Jahr 2015 auf 977.584 Tonnen im Jahr 2025, was einem Zuwachs von 55,8 % entspricht. Noch deutlicher fiel der Anstieg im Wert aus: Die Importe erhöhten sich von 374,7 Mio. € auf 740,0 Mio. € (+97,5 %). Der durchschnittliche Importpreis stieg dabei von 597 €/t auf 757 €/t (+26,7 %), was darauf hindeutet, dass sowohl Mengenwachstum als auch Preissteigerungen zum Ergebnis beitrugen.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importvolumen (t) 627.404 977.584 +55,8 %
Importwert (€) 374.726.930 740.024.137 +97,5 %
Importpreis (€/t) 597 757 +26,7 %
Exportvolumen (t) 226.952 178.314 −21,4 %
Exportwert (€) 253.703.389 292.067.629 +15,1 %
Exportpreis (€/t) 999 1.541 +54,3 %
Handelsbilanz (€) −121.023.541 −447.956.507 −270,1 %

Quelle: Übersicht – Handelsentwicklung

Die EU-Produktion ging zurück, während die Exporte schrumpften

Parallel zum Importwachstum verlor die heimische EU-Produktion an Volumen. Die erzeugten Mengen sanken von 3.252.118.206 kg (2015) auf 2.982.572.070 kg (2025), ein Rückgang von 8,3 %. Allerdings stieg der Produktionswert im selben Zeitraum um 6,4 % auf 3.166 Mio. € — ein deutlicher Hinweis auf die generelle Verteuerung von Stahlerzeugnissen.

Gleichzeitig schrumpften die EU-Ausfuhren mengenmäßig um 21,4 % (von 226.952 t auf 178.314 t). Der Exportwert stieg dennoch leicht (+15,1 %), weil die Exportpreise überproportional zunahmen (+54,3 % auf 1.541 €/t). Die EU wandelte sich somit von einem mengenorientierten zu einem preisgetriebenen Exporteur — ein Muster, das auf eine Fokussierung auf hochwertigere Qualitätsstufen hindeutet.

Quelle: Produktionsvolumen

Dünne Wände als Wachstumstreiber im Segmentvergleich

Die drei Unterpositionen von CN 730661 entwickelten sich im Importbereich unterschiedlich dynamisch:

Segment Beschreibung Import 2015 (t) Import 2025 (t) Veränderung
73066199 Wanddicke > 2 mm, nicht rostfrei 451.428 692.397 +53,4 %
73066192 Wanddicke ≤ 2 mm, nicht rostfrei 155.018 261.330 +68,6 %
73066110 Nichtrostender Stahl 20.958 23.856 +13,8 %

Quelle: Produktsegmentvergleich

Das Segment der dünnwandigen, nicht rostfreien Profile (73066192) wuchs mit +68,6 % am stärksten und erreichte 2025 ein Importvolumen von 261.330 Tonnen. Die dickwandigen Rohre (73066199) blieben mengenmäßig mit 692.397 Tonnen dominant — sie machten zuletzt rund 71 % des gesamten Importvolumens aus. Der Edelstahlanteil (73066110) blieb mit unter 24.000 Tonnen mengenmäßig marginal, ist aber preislich bedeutsam: Mit durchschnittlich 2.081 €/t (Import, 2025) gegenüber 733 €/t für die Standardvariante (73066199) ist er fast dreimal so teuer.


2. Geopolitische Verwerfungen und Neuaufstellung der Lieferketten

Russlands Rückzug und der Aufstieg der Türkei zum wichtigsten Lieferanten

Die auffälligste Veränderung in der Importstruktur betraf die Herkunftsländer. Die Einfuhren aus Russland brachen von 35,3 Mio. € (2015) auf nur noch 2,2 Mio. € (2025) ein — ein Rückgang von 93,8 %. Zeitgleich etablierte sich die Türkei als dominierender Lieferant: Die Importe aus der Türkei stiegen von 89,9 Mio. € auf 267,0 Mio. € (+197,0 %), was einem Anteil von über 36 % am gesamten Importwert im Jahr 2025 entspricht.

Herkunftsland Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Türkiye 89,9 267,0 +197,0 %
Vereinigtes Königreich 107,8 142,1 +31,8 %
Nordmazedonien 24,9 82,0 +229,1 %
China 14,7 55,4 +277,4 %
Ukraine 20,2 55,8 +176,0 %
Belarus 20,0 31,3 +56,8 %
Russische Föderation 35,3 2,2 −93,8 %

Quelle: Top-Handelspartner nach Wert

Neue und expandierende Zulieferer: Nordmazedonien, China und die Ukraine

Neben der Türkei profitierten insbesondere Nordmazedonien (+229,1 %), China (+277,4 %) und die Ukraine (+176,0 %) von der Neuaufstellung der Lieferketten. Nordmazedonien stieg von 24,9 Mio. € auf 82,0 Mio. € und China von 14,7 Mio. € auf 55,4 Mio. €. Die Zunahme der ukrainischen Exporte in die EU — von 20,2 Mio. € auf 55,8 Mio. € — ist bemerkenswert, insbesondere vor dem Hintergrund des seit 2022 andauernden Krieges und der EU-Handelspräferenzen für die Ukraine.

Diese Diversifizierung führte zu einer leichten Erhöhung der Konzentration auf der Importseite. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe nach Wert stieg von 1.774 (2015) auf 1.953 (2025) — ein Zuwachs von 10,1 %. Obwohl dieser Wert noch unter dem Niveau eines hochkonzentrierten Marktes liegt, signalisiert er eine zunähmende Abhängigkeit von wenigen Schlüssellieferanten, insbesondere der Türkei.

Quelle: Konzentration (HHI)

Umverteilung innerhalb der EU: Osteuropa als Importwachstumsmotor

Auch innerhalb der EU verschob sich die Importaktivität erheblich. Rumänien verfünffachte seine Einfuhren von 37,2 Mio. € auf 169,3 Mio. € (+354,8 %) und wurde damit zum größten EU-Importeur, noch vor Deutschland. Polen verzeichnete einen Anstieg von 24,6 Mio. € auf 92,1 Mio. € (+273,7 %). Deutschland, der zweitgrößte Importeur, verlor hingegen leicht an Bedeutung (−16,7 % auf 55,7 Mio. €).

EU-Mitgliedstaat Importwert 2015 (Mio. €) Importwert 2025 (Mio. €) Veränderung
Rumänien 37,2 169,3 +354,8 %
Deutschland 66,8 55,7 −16,7 %
Polen 24,6 92,1 +273,7 %
Belgien 29,7 42,1 +41,7 %
Niederlande 16,9 32,4 +91,8 %
Irland 17,2 31,5 +83,6 %
Schweden 20,7 17,9 −13,7 %

Quelle: EU-Importmitgliedstaaten nach Wert

Auf der Exportseite blieb Italien mit Abstand der größte EU-Ausführer (99,9 Mio. € in 2025) und deckt mit einem Produktionsanteil von 43,8 % nahezu die Hälfte der EU-Produktion ab. Finnland verzeichnete das stärkste Wachstum (+130,1 % auf 62,3 Mio. €) und stieg zum zweitgrößten Exporteur auf.

Spezialisierungsmuster: Italien und Bulgarien als exportstarke Produzenten

Die Analyse der komparativen Vorteile zeigt ein klares Muster: Italien (RSCA = 0,69, RCA = 5,47) und Bulgarien (RSCA = 0,83, RCA = 10,65) weisen die höchsten Spezialisierungsgrade auf. Bulgarien produziert zwar mengenmäßig weniger als 7 % der EU-Produktion, exportiert aber proportional zu seiner Gesamtwirtschaft außergewöhnlich viel. Am anderen Ende der Skala stehen Irland (RSCA = −1,00) und Malta (RSCA = −0,98), die praktisch keine eigene Produktion haben und vollständig auf Importe angewiesen sind.


3. Preiszyklen, Schocks und qualitative Differenzierung

Der Superzyklus 2021–2022: Historische Preisniveaus

Das Jahr 2022 markierte den Höhepunkt des Handelswerts sowohl bei Importen als auch bei Exporten. Die Importe erreichten mit 922,5 Mio. € ihr Maximum im gesamten Zeitraum, die Exporte mit 416,5 Mio. €. Die Handelsbilanz verschlechterte sich jedoch nicht kontinuierlich: Ihr Tiefpunkt wurde bereits 2021 mit einem Defizit von rund −587 Mio. € erreicht, da die Importpreise damals stärker stiegen als die Exportpreise.

Kennzahl 2020 2021 2022 2025
Importwert (Mio. €) 451 912 922 740
Exportwert (Mio. €) 230 325 417 292
Handelsbilanz (Mio. €) −221 −587 −505 −448
Netto-Importquote (%) 3,3 k.A. k.A. 11,9

Quelle: Übersicht – Handelsentwicklung

Preisschocks und Volatilität nach Partnerländern

Die Schockerkennung identifiziert drei signifikante Preisschocks, die sich alle im Jahr 2021 manifestierten:

Partnerland Handelsstrom Abnormalität Preisänderung Anteil am Handelswert
Vereinigtes Königreich Exporte 58,6 +52,9 % 27,7 %
Nordmazedonien Importe 21,2 +71,4 % 12,3 %
Norwegen Exporte 18,2 +59,3 % 11,9 %

Quelle: Preisschocks

Alle drei Schocks fallen in das Jahr 2021 und spiegeln die globale Stahlpreisexplosion nach der COVID-19-Pandemie wider, die durch Lieferkettenengpässe, Energiekostensteigerungen und die Nachfrageerholung getrieben wurde. Der Exportpreisschock gegenüber dem Vereinigten Königreich ist besonders markant: Mit einer Abnormalität von 58,6 und einem Handelsanteil von 27,7 % betraf er den mit Abstand größten Handelsstrom.

Auf der Volatilitätsseite fallen die Importpartner Russland (CV = 0,49) und China (CV = 0,38) durch hohe Schwankungen auf, was mit Sanktionen bzw. Handelspolitik zusammenhängen dürfte. Bei den Exporten weisen die Ukraine (CV = 0,65) und die Russische Föderation (CV = 0,55) die höchste Volatilität auf.

Qualitative Preisspreizung: Edelstahl als eigenständiges Nischensegment

Die Preisanalyse nach Segment zeigt eine stabile und deutliche qualitative Differenzierung:

Segment Importpreis 2015 (€/t) Importpreis 2022 (€/t) Importpreis 2025 (€/t) Veränderung 2015→2025
73066199 (nicht rostfrei, > 2 mm) 580 1.103 733 +26,4 %
73066192 (nicht rostfrei, ≤ 2 mm) 558 1.061 698 +25,1 %
73066110 (nichtrostend) 1.266 3.236 2.081 +64,3 %

Quelle: Produktsegmentvergleich

Edelstahlrohre (73066110) wurden im Jahr 2022 mit durchschnittlich 3.236 €/t importiert — ein historischer Höchststand, der fast das Dreifache der Standardvariante betrug. Auch nach der Preisnormalisierung blieb der Edelstahlpreis 2025 mit 2.081 €/t rund dreimal so hoch wie bei den nicht rostfreien Varianten. Dieser Preisabstand ist strukturell bedingt durch die Materialkosten und bestätigt die Einordnung des Edelstahlsegments als Premiumnische.

Auf der Exportseite ist die Preisspreizung noch deutlicher: 2025 lagen die Exportpreise bei 1.085 €/t (73066199), 1.270 €/t (73066192) und 3.616 €/t (73066110). Die EU exportiert somit überproportional hochwertige Qualitäten und importiert mengenmäßig vor allem Standardprodukte — ein Muster, das mit den Spezialisierungsmustern Italiens und Portugals als qualitätsorientierte Produzenten übereinstimmt.


Fazit

Der EU-Markt für geschweißte Vierkantrohre (CN 730661) hat sich im Zeitraum 2015–2025 grundlegend verändert. Drei zentrale Entwicklungen prägen das Bild:

Erstens hat sich die EU in diesem Segment zu einem zunehmend importabhängigen Markt entwickelt. Trotz eines Rückgangs der heimischen Produktion um 8,3 % wuchsen die Importe mengenmäßig um fast 56 %. Die Handelsbilanz verschlechterte sich von −121 Mio. € auf −448 Mio. €. Die Netto-Importquote sank zwar leicht auf 11,9 %, doch die Handelsintensität stieg auf 28,0 %, und die Exportquote erhöhte sich auf 10,6 % — ein Hinweis darauf, dass sich die EU-Produzenten auf qualitativ hochwertigere Nischen konzentrieren.

Zweitens haben geopolitische Ereignisse die Lieferketten tiefgreifend umstrukturiert. Der nahezu vollständige Wegfall russischer Lieferungen (−93,8 %) wurde durch den Aufstieg der Türkei (+197,0 %) und neuer Zulieferer wie Nordmazedonien, China und der Ukraine kompensiert. Gleichzeitig verschob sich die Importnachfrage innerhalb der EU nach Osten, mit Rumänien und Polen als neuen Wachstumsmärkten.

Drittens markierte der Preiszyklus 2021–2022 eine Zäsur. Die globale Stahlpreisexplosion trieb die Importwerte auf 922 Mio. € und die Exportwerte auf 416 Mio. € — beides historische Höchstwerte. Obwohl sich die Preise danach normalisierten, blieben sie über dem Vor-Krisen-Niveau. Die qualitative Differenzierung zwischen Edelstahl- und Standardsegmenten verstärkte sich weiter, mit einem Preisverhältnis von etwa 3:1.

Für die kommende Jahre wird die Abhängigkeit von der türkischen Lieferbasis, die strukturelle Überlegenheit der Importnachfrage gegenüber der heimischen Produktion sowie die Preissensibilität gegenüber globalen Rohstoffzyklen die zentralen Einflussfaktoren für diesen Markt bleiben.

Erstellt am 2026-08-09. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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