Live-Daten erkunden

Marktentwicklung: Phosphortrisulfid (CN 2813) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarifcode 2813 umfasst Sulfide der Nichtmetalle und handelsübliches Phosphortrisulfid. Es handelt sich um eine Sammelposition, die zwei Unterpositionen vereint: 281310 (Kohlenstoffdisulfid) und 281390 (übrige Sulfide der Nichtmetalle einschließlich Phosphortrisulfid). Der analysierte Zeitraum von 2015 bis 2025 war durch drei zentrale Entwicklungen geprägt: einen starken Rückgang der Importvolumina, eine geopolitisch bedingte Neuausrichtung der Lieferketten und eine bemerkenswerte Konsolidierung der Exportstruktur. Die EU wandelte sich dabei von einem Nettoimporteur mit einer Importabhängigkeit von 15,8 % (2015) zu einem weitgehend ausgeglichenen Handelspartner (−0,2 % im letzten Jahr der Zeitreihe).


1. Strukturwandel der EU-Importe: Von der russischen Abhängigkeit zur Diversifizierung

1.1 Dramatischer Rückgang der Importmengen

Die EU-Importe von CN 2813 verloren über den Beobachtungszeitraum rund zwei Drittel ihres Volumens: Die Importmenge sank von 21.523 t (2015) auf 7.436 t (2025), ein Rückgang von 65,4 %. Der Importwert verringerte sich im selben Zeitraum lediglich um 5,2 % — von 8,6 Mio. EUR auf 8,2 Mio. EUR —, was auf einen massiven Preisanstieg hindeutet. Der durchschnittliche Importpreis stieg von 399 EUR/t auf 1.096 EUR/t (+174,5 %). Die EU importierte also zwar deutlich weniger Menge, zahlte aber in absoluten Zahlen kaum weniger als zu Beginn des Zeitraums.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importmenge (t) 21.523 7.436 −65,4 %
Importwert (EUR) 8.597.569 8.152.562 −5,2 %
Importpreis (EUR/t) 399 1.096 +174,5 %

Die Unterpositionsdaten zeigen, dass der Rückgang fast ausschließlich den Bereich 281310 (Kohlenstoffdisulfid) betrifft. Dessen Importmenge fiel von 21.504 t (2015) auf 7.357 t (2025), während die Position 281390 mit lediglich 20–80 t pro Jahr ohnehin nur eine marginale Rolle bei den Mengen spielt. Die Position 281390 ist jedoch bei den Werten erheblich relevanter, da die Preise pro Tonne hier mit 2.700–58.600 EUR/t deutlich über denen von 281310 liegen (348–913 EUR/t).

1.2 Russlands Dominanz schwindet — neue Akteure treten auf

Russland war zu Beginn des Zeitraums der mit Abstand wichtigste Importpartner der EU mit einem Importwert von 7,3 Mio. EUR im Jahr 2015. Bis 2025 sank dieser Wert auf 4,2 Mio. EUR (−41,9 %). Angesichts des weit stärkeren Rückgangs der Gesamtimportmenge (−65,4 %) blieb Russlands relativer Anteil zwar hoch, doch die geopolitischen Ereignisse ab 2022 und die damit verbundenen Sanktionen dürften diese Entwicklung erheblich beschleunigt haben.

Gleichzeitig gewannen zuvor unbedeutende Lieferanten stark an Bedeutung:

Partner Importwert 2015 (EUR) Importwert 2025 (EUR) Veränderung
Russland 7.261.515 4.217.775 −41,9 %
Vereinigtes Königreich 268.122 530.580 +97,9 %
China 4.202 131.362 +3.026 %
Indonesien 106.394 366.291 +244 %
USA 14.101 941.467 +6.577 %
Japan 2.514 17.494 +596 %

Die USA und China verzeichneten die mit Abstand stärksten prozentualen Zuwächse, wenngleich die absoluten Werte insbesondere bei China noch deutlich unter dem russischen Niveau liegen. Der Importkonzentrationsindex (HHI für Importwerte) sank von 7.291 auf 3.633 (−50,2 %), was die zunehmende Diversifizierung der Importquanten bestätigt.

1.3 Verschiebungen innerhalb der EU-Mitgliedstaaten

Auf der Importseite innerhalb der EU sind bemerkenswerte Verschiebungen erkennbar. Österreich, das 2015 mit 1,9 Mio. EUR zu den größten Importeuren gehörte, brach auf 94.000 EUR ein (−95,2 %). Ebenso sanken die Importe Frankreichs (−79,9 %) und der Slowakei (−94,4 %). Demgegenüber stiegen Belgiens Importe um 443 % auf 2,4 Mio. EUR, Spanien gewann 94 % und Bulgarien 38 %.

Diese Verschiebung deutet auf eine Verlagerung der europäischen Handelsströme hin: Belgien, das als wichtiger Logistik- und Chemiestandort fungiert, scheint eine zunehmend zentrale Rolle als Import-Drehscheibe einzunehmen, während die traditionellen österreichischen und französischen Importe stark rückläufig sind — möglicherweise bedingt durch veränderte Produktionsstandorte oder Lieferkettenumstrukturierungen.


2. Exportkonsolidierung: Weniger Volumen, höhere Werte, neue EU-Exporteure

2.1 Mengenrückgang bei steigendem Exportwert

Die EU-Exporte folgten einem gegenläufigen Muster zu den Importen: Das Volumen sank von 6.165 t auf 5.280 t (−14,4 %), doch der Wert stieg von 4,0 Mio. EUR auf 5,4 Mio. EUR (+35,7 %). Der durchschnittliche Exportpreis erhöhte sich von 645 EUR/t auf 1.029 EUR/t (+59,7 %).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportmenge (t) 6.165 5.280 −14,4 %
Exportwert (EUR) 4.005.561 5.434.137 +35,7 %
Exportpreis (EUR/t) 645 1.029 +59,7 %

Die EU-Handelsbilanz verbesserte sich im selben Zeitraum von −4,6 Mio. EUR auf −2,7 Mio. EUR (+40,8 %), wobei die Netto-Importabhängigkeit von 15,8 % nahezu auf null sank (−0,2 %). Die EU hat damit ihre Position im Wesentlichen ausgeglichen.

2.2 Israel und Serbien als Hauptabnehmer — traditionelle Märkte schrumpfen

Auf der Exportpartnerseite zeigt sich eine deutliche Konzentration der EU-Exporte auf wenige Zielmärkte. Israel entwickelte sich zum wichtigsten Exportpartner mit einem Wert von 2,5 Mio. EUR (+147 % gegenüber 2015) und einem Anteil von 34,9 % am gesamten Exportwert. Serbien stieg von 148.000 EUR auf 884.000 EUR (+497 %) und machte 11,3 % aus. Das Vereinigte Königreich blieb relativ stabil bei 1,1 Mio. EUR (−19 %).

Demgegenüber verloren mehrere traditionelle Märkte stark an Bedeutung:

Exportpartner 2015 (EUR) 2025 (EUR) Veränderung
Israel 1.027.803 2.541.307 +147 %
Vereinigtes Königreich 1.399.761 1.135.235 −19 %
Serbien 147.924 883.695 +497 %
Indonesien 455.366 67.723 −85 %
Japan 431.449 82.133 −81 %
Kolumbien 26.248 4.506 −83 %
Südafrika 257.013 32.230 −88 %

Israel ist dabei der einzige Partner mit moderater Volatilität (Variationskoeffizient 0,37), während die Exporte nach Indonesien, Japan, Kolumbien und Südafrika hochgradig instabil waren — ein Hinweis auf sporadische, vermutlich projektbasierte Lieferbeziehungen.

2.3 Innerhalb der EU: Frankreich und Slowenien als neue Exportmächte

Deutschland war 2015 mit 3,4 Mio. EUR der größte EU-Exporteur von CN 2813, verlor jedoch 54,5 % und sank auf 1,6 Mio. EUR. Gleichzeitig stiegen Slowenien (+7.447 % auf 2,7 Mio. EUR) und Frankreich (+13.198 % auf 577.000 EUR) zu signifikanten Exporteuren auf. Frankreich weist zudem im Jahr 2025 den höchsten Revealed Symmetric Comparative Advantage (RSCA) aller EU-Länder auf (0,76), gefolgt von Deutschland (0,26). Der Export-HHI stieg von 2.158 auf 3.400 (+57,6 %), was eine zunehmende Konzentration der Exporte auf wenige EU-Länder anzeigt.

Spanien hingegen, 2015 noch ein relevanter Exporteur mit 255.000 EUR, brach auf 16.000 EUR ein (−94 %). Die Niederlande verloren 98 % ihres Exportwerts.


3. Geopolitische Schocks und Preisdruck: Die Zäsur von 2022

3.1 Massive Preisschocks bei den Exporten im Jahr 2022

Die Schockanalyse identifiziert das Jahr 2022 als Epizentrum der Handelsstörungen. Drei signifikante Preisschocks bei den Exporten wurden erkannt:

Schockereignis Abnormalität Preissprung Anteil am Exportwert
Exporte in das Vereinigte Königreich 34,7 +69,0 % 38,8 %
Exporte nach Serbien 13,0 +84,0 % 11,3 %
Exporte nach Israel 10,0 +70,3 % 34,9 %

Diese drei Märkte repräsentierten zusammen rund 85 % des EU-Exportwerts. Der Preisanstieg von 69–84 % innerhalb eines Jahres ist ungewöhnlich und deutet auf eine Kombination aus erhöhten Energiekosten (als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine) und Engpässen in der globalen Lieferkette hin. Die Volatilitätsanalyse zeigt, dass die Exporte nach Kolumbien (CV 2,26), Brasilien (CV 2,33) und in die Schweiz (CV 2,35) die höchste Schwankungsbreite aufwiesen, während die Exporte in das Vereinigte Königreich (CV 0,20) und Israel (CV 0,37) die geringste Volatilität zeigten.

3.2 Importpreise als Spiegel der geopolitischen Lage

Auch auf der Importseite sind die Preisentwicklungen aufschlussreich. Der durchschnittliche Importpreis stieg von 399 EUR/t (2015) auf 1.096 EUR/t (2025), wobei der Höhepunkt mit 1.402 EUR/t im Jahr 2023 erreicht wurde — also ein Jahr nach den Exportpreisschocks. Die Verzögerung lässt sich dadurch erklären, dass die EU zunächst von den gestiegenen Weltmarktpreisen profitierte (Exporte), bevor die erhöhten Beschaffungskosten bei den Importen durchschlugen.

Die Importpartner mit der höchsten Volatilität waren China (CV 2,76), die USA (CV 2,36) und Japan (CV 2,13), wohingegen Russland (CV 0,51) und Indonesien (CV 0,51) die stabilsten Importbeziehungen aufwiesen. Die hohe Volatilität bei China und den USA spiegelt wahrscheinlich den episodischen Charakter der Handelsbeziehungen wider — diese Partner wurden erst in den letzten Jahren relevant und schwanken daher in relativen Zahlen stärker.

3.3 Produktionsentwicklung: Mengenrückgang bei Wertsteigerung

Die EU-Produktion von CN 2813 sank mengenmäßig um 11,5 % (von 137.756 t auf 121.853 t in Kilogramm), doch der Produktionswert stieg um 28,4 % (von 69,5 Mio. EUR auf 89,3 Mio. EUR). Dieses Muster — weniger Volumen bei höherem Wert — ist konsistent mit der allgemeinen Preisentwicklung und deutet auf eine Verknappung der Rohstoffe oder gestiegene Energiekosten in der Produktion hin. Der Salienz-Indikator bestätigt, dass die Handelsintensität (Export- und Importanteil an der Produktion) das dominierende Merkmal dieses Marktes darstellt: Sie sank von 24,4 % auf 11,8 %, was auf eine zunehmende regionale Selbstversorgung innerhalb der EU hindeutet.


Schlussfolgerung

Der Markt für CN 2813 durchlebte zwischen 2015 und 2025 eine fundamentale Transformation. Die EU reduzierte ihre Importabhängigkeit erheblich und diversifizierte ihre Lieferantenbasis — weg von der russischen Dominanz, hin zu einer breiteren Palette von Quellen. Gleichzeitig konsolidierte sich die Exportstruktur: Wenige EU-Länder (allen voran Slowenien und Frankreich) gewannen an Bedeutung, während traditionelle Exporteure wie Deutschland und Spanien Marktanteile verloren.

Die Zäsur des Jahres 2022, verursacht durch den Ukraine-Krieg und seine Folgen für Energie- und Rohstoffmärkte, führte zu den beobachtbaren Preissprüngen von 69–84 % bei den EU-Exporten. Diese Schocks wirkten sich jedoch nicht nachhaltig destabilisierend aus: Die Handelsbilanz verbesserte sich kontinuierlich, und die Netto-Importabhängigkeit fiel nahezu auf null.

Die Preisentwicklung — mit Steigerungen von 60–175 % sowohl bei Exporten als auch bei Importen — deutet darauf hin, dass es sich um einen globalen Phänomen handelt, das nicht nur den EU-Markt betrifft. Für die Zukunft ist zu beobachten, ob die Diversifizierung der Importquellen anhält und ob die neuen EU-Exporteure (Slowenien, Frankreich) ihre Position festigen können.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Wenn Sie Beratung zur europäischen Handelspolitik benötigen oder Vertretung für Ihre Interessen in Brüssel, kontaktieren Sie mich bitte unter support@tradedashboard.eu. Sie finden meinen Lebenslauf unter dieser Adresse.