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Marktentwicklung: Holzteer und Peche (CN 3807) — 2015–2025

Einführung

Der Zolltarif 3807 umfasst ein breites Spektrum an Erzeugnissen der chemischen Industrie auf Basis von Holzteeren, Holzteerölen, Holzkreosot, Holzgeist sowie pflanzlichen Pechen und Kolofonium-Zubereitungen. Diese Produkte finden Anwendungen u. a. in der Papier- und Zellstoffindustrie (Tallöl), im Bauwesen, in der Schifffahrt sowie in der Holzimprägnierung.

Der Markt für CN 3807 hat sich im Zeitraum 2015–2025 fundamental verändert. Während die EU-Importe mengenmäßig rückläufig waren, verzeichneten die EU-Ausfuhren ein außergewöhnliches Wachstum — sowohl im Wert als auch in den Volumina. Diese Entwicklung spiegelt eine Strukturverschiebung wider, die durch geopolitische Ereignisse, Handelsumlenkungen und eine zunehmende Spezialisierung nordeuropäischer Produzenten geprägt ist.

Produktübersicht CN 3807


1. Dramatisches Exportwachstum bei gleichzeitig sinkenden Durchschnittspreisen

1.1 Die EU-Ausfuhren haben sich mehr als vervierfacht

Im Beobachtungszeitraum stiegen die EU-Exporte von CN-3807-Produkten von €3,78 Mio. (2015) auf €17,87 Mio. (2025), was einem Zuwachs von +372,8 % entspricht. Mengenmäßig war das Wachstum noch beeindruckender: von 1.860 Tonnen auf 12.425 Tonnen (+568,1 %). Der Zeitraum 2015–2025 markiert damit eine Verdopplung der Exportanteile an der EU-Produktion — die Exportneigung stieg von 14,1 % auf 19,2 %.

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Exportwert (EUR) 3.779.120 17.867.197 +372,8 %
Exportmenge (t) 1.860 12.425 +568,1 %
Exportpreis (EUR/t) 2.032 1.438 −29,2 %

1.2 Schweden als treibende Kraft des Exportbooms

Hinter dem Gesamtwachstum verbirgt sich ein einzelner dominanter Akteur: Schweden. Der größte EU-Exporteur für CN 3807 steigerte seine Ausfuhren von €535.181 auf €9,89 Mio. — ein Plus von +1.747,7 %. Schweden exportierte damit 2025 über die Hälfte aller EU-Ausfuhren in dieser Zollposition. Der vergleichende Kostenvorteil (RSCA) für Schweden lag 2025 bei 0,81 — ein außerordentlich hoher Wert, der die starke Spezialisierung des Landes in diesem Segment belegt. Auch Finnland (RSCA = 0,93) und Frankreich (RSCA = 0,46) sind bedeutende Produzenten mit nachweislichem Komparativvorteil.

EU-Mitgliedstaat Export 2015 (EUR) Export 2025 (EUR) Veränderung
Schweden 535.181 9.888.714 +1.747,7 %
Deutschland 1.445.228 2.194.311 +51,8 %
Italien 319.162 1.617.252 +406,7 %
Finnland 108.034 1.137.616 +953,0 %
Frankreich 158.112 1.147.851 +626,0 %
Niederlande 195.361 672.852 +244,4 %
Dänemark 131.647 19.778 −85,0 %

Die starke Zunahme der Exportvolumina bei gleichzeitigem Rückgang des durchschnittlichen Exportpreises (von €2.032/t auf €1.438/t) lässt vermuten, dass die EU zunehmend commodity-orientierte Mengenprodukte (z. B. Tallöl-Derivate) exportiert, wo die Preisdynamik schwächer ist.

1.3 Norwegen als Hauptzielmarkt — geopolitische Umorientierung sichtbar

Der auffälligste Partnerwechsel auf der Exportseite betrifft Norwegen: Die EU-Ausfuhren dorthin stiegen von €305.693 auf €9,13 Mio. (+2.885 %). Norwegen wurde damit 2025 zum mit Abstand wichtigsten Exportziel der EU für CN 3807. Dies steht im Einklang mit der zunehmenden Exportkonzentration (HHI): Der HHI-Wert für Exporte verdreifachte sich von 1.065 auf 3.078, was eine deutliche Zunahme der Konzentration auf wenige Zielländer bedeutet.

Exportziel Export 2015 (EUR) Export 2025 (EUR) Veränderung
Norwegen 305.693 9.125.223 +2.885,1 %
Vereinigte Staaten 964.422 1.267.166 +31,4 %
Türkei 414.512 1.653.065 +298,8 %
Vereinigtes Königreich 279.647 851.262 +204,4 %
Südafrika 85.750 187.209 +118,3 %
Brasilien 75.128 43.690 −41,8 %
VA Emirate 23.797 213.887 +798,8 %

Die Erschließung des norwegischen Marktes erfolgte zeitgleich mit dem Rückgang von Exporten nach Brasilien (−41,8 %) und Dänemark (−85,0 %), was auf eine strategische Neuorientierung der EU-Exportströme hindeutet.


2. Importseitige Stabilität bei wachsender Abhängigkeit vom US-Markt

2.1 Mengenrückgang bei leicht steigenden Importwerten

Im Gegensatz zu den Exporten blieben die EU-Importe von CN 3807 über den gesamten Zeitraum vergleichsweise stabil. Der Importwert stieg moderat von €31,65 Mio. auf €33,43 Mio. (+5,6 %), während die eingeführte Menge von 73.211 Tonnen auf 63.260 Tonnen sank (−13,6 %). Der durchschnittliche Importpreis erhöhte sich dagegen um 22,2 % (von €432/t auf €528/t).

Kennzahl 2015 2025 Veränderung
Importwert (EUR) 31.647.867 33.429.814 +5,6 %
Importmenge (t) 73.211 63.260 −13,6 %
Importpreis (EUR/t) 432 528 +22,2 %

Die inverse Entwicklung von Menge und Preis — weniger Volumen, aber höhere Werteinheit — deutet auf Preissteigerungen im Zeitverlauf hin, die möglicherweise durch steigende Rohstoffkosten oder eine Verschiebung zu höherwertigen Produktvarianten bedingt sind.

2.2 Die USA dominieren den EU-Importmarkt mit über 90 % Anteil

Der Importmarkt wird mit großem Abstand von den Vereinigten Staaten dominiert. Die US-Importe stiegen von €29,30 Mio. auf €31,64 Mio. (+8,0 %) und machten 2025 rund 94,6 % aller EU-Importe aus. Der Herfindahl-Hirschman-Index (HHI) für Importe lag durchgehend bei rund 8.600–9.000 — ein Wert, der auf einen hochgradig konzentrierten Markt hinweist.

Importpartner Import 2015 (EUR) Import 2025 (EUR) Veränderung
Vereinigte Staaten 29.301.060 31.639.168 +8,0 %
Russische Föderation 1.070.829 313.818 −70,7 %
China 766.383 746.113 −2,6 %
Vereinigtes Königreich 393.450 226.934 −42,3 %
Malaysia 1.148.242 51 −100,0 %
Türkei 48 225.455
Serbien 69.029 85.232 +23,5 %

2.3 Sanktions- und Brexit-Effekte: Russland, Malaysia und das Vereinigte Königreich

Drei Entwicklungen fallen bei den Importpartnern besonders auf:

  • Russische Föderation: Die EU-Importe sanken um −70,7 % (von €1,07 Mio. auf €313.818). Der starke Rückgang — insbesondere ab 2022 — korreliert mit den EU-Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts. Russland war 2015 noch der zweitwichtigste Importeur, 2025 nur noch auf Rang sechs.

  • Malaysia: Die Importe brachen vollständig ein (von €1,15 Mio. auf €51). Diese Entwicklung ist bemerkenswert, da Malaysia 2015 noch der drittgrößte Lieferant war. Die Ursachen könnten in Lieferkettenverschiebungen oder regulatorischen Änderungen liegen.

  • Vereinigtes Königreich: Nach dem Brexit sanken die Importe um −42,3 % (von €393.450 auf €226.934). Auch die Volatilität der UK-Importe war mit einem Variationskoeffizienten von 0,98 außerordentlich hoch — aufgrund des geringen Niveaus schwanken die absoluten Werte stark.

Demgegenüber etablierte sich die Türkei als neuer Importpartner: von praktisch null (€48) auf €225.455. Ebenso verzeichnete Serbien einen leichten Zuwachs (+23,5 %), was auf eine Diversifizierung der Importquellen in Richtung Südosteuropa hindeutet.


3. Strukturwandel der EU-Produktion und steigende Handelsverflechtung

3.1 EU-Produktion: Mengenrückgang bei steigenden Werten

Die EU-Produktion von CN 3807 verzeichnete im Beobachtungszeitraum einen erheblichen Mengenrückgang: von 250 Mio. kg (2015) auf 120 Mio. kg (2025) — ein Minus von 52 %. Gleichzeitig stieg der Produktionswert von €64,7 Mio. auf €80 Mio. (+23,6 %). Die Divergenz zwischen mengenmäßiger Schrumpfung und wertmäßiger Zunahme lässt auf eine deutliche Steigerung der Produktionspreise oder eine Verschiebung zu höherwertigen Nischenprodukten schließen.

Produktionskennzahl 2015 2025 Veränderung
Produktionsmenge (Mio. kg) 250 120 −52,0 %
Produktionswert (Mio. EUR) 64,7 80,0 +23,6 %
Impliziter Preis (EUR/kg) 0,26 0,67 +157,1 %

3.2 Regionale Spezialisierung: Skandinavien als Kern der EU-Produktion

Die Analyse der Spezialisierungsindizes (RSCA) zeigt eine klare geografische Konzentration: Finnland (RSCA = 0,93) und Schweden (RSCA = 0,81) weisen die höchsten Spezialisierungswerte auf. Zusammen decken diese beiden Länder fast 52 % der EU-Produktion ab (Finnland: 28,7 %, Schweden: 23,3 %). Dies spiegelt die Bedeutung der skandinavischen Forst- und Zellstoffindustrie wider, deren Nebenprodukte (insb. Tallöl) die Rohstoffbasis für CN 3807 bilden.

EU-Mitgliedstaat RSCA (2025) Produktionsanteil
Finnland 0,9325 28,7 %
Schweden 0,8128 23,3 %
Frankreich 0,4590 21,1 %
Spanien 0,4067 13,7 %
Österreich 0,3159 6,3 %

Demgegenüber weisen große Volkswirtschaften wie Italien (RSCA = −0,996), Polen (RSCA = −0,995) und Portugal (RSCA = −1,000) keinerlei Komparativvorteil in diesem Segment auf. Die Produktion in diesen Ländern ist vernachlässigbar.

3.3 Zunehmende Handelsverflechtung trotz Importabhängigkeit

Die Nettoimportabhängigkeit der EU stieg im Zeitraum 2015–2025 von 10,4 % auf 23,8 % — ein Anstieg um +128,7 %. Dies bedeutet, dass die EU heute fast ein Viertel ihres Inlandsverbrauchs durch Importe deckt. Der Höchstwert wurde 2022 mit 40,0 % erreicht, was auf eine außergewöhnliche Nachfrageverschiebung in den Krisenjahren hindeutet. Ebenso erhöhte sich die Handelsintensität von 31,7 % auf 46,3 % (+46,2 %).

Indikator 2015 2022 2025 Veränderung 2015–2025
Nettoimportabhängigkeit (%) 10,4 40,0 23,8 +128,7 %
Handelsintensität (%) 31,7 62,1 46,3 +46,2 %
Exportneigung (%) 14,1 37,4 19,2 +36,2 %

Bemerkenswert ist, dass die Exportneigung — der Anteil der Produktion, der exportiert wird — von 14,1 % auf 19,2 % stieg. Dies unterstreicht die zunehmende Exportorientierung der EU-Hersteller, insbesondere der skandinavischen Produzenten.

3.4 Preisschocks und Volatilität als Spiegel geopolitischen Wandels

Die Volatilitätsanalyse offenbart drei bemerkenswerte Preisschocks:

Schock Typ Richtung Abnormalität Preissprung Zeitpunkt Umsatzanteil
USA Preis Importe 71,6 +82,2 % 2022 100,0 %
VK Preis Exporte 17,4 +325,5 % 2018 9,8 %
Türkei Preis Exporte 5,3 +84,5 % 2023 17,2 %

Der gravierendste Schock betraf den US-Importmarkt im Jahr 2022: Die Preise explodierten um +82,2 %, was als Abnormalitätswert von 71,6 eingestuft wird — ein extremer Ausreißer. Da die USA den EU-Importmarkt dominieren (100 % Umsatzanteil), wirkte sich dieser Schock unmittelbar auf die gesamte EU-Importseite aus. Die zeitliche Korrelation mit dem Beginn des Ukraine-Konflikts legt nahe, dass Lieferkettenunterbrechungen und Energiepreisanstiege diesen Effekt verstärkten.

Auf der Exportseite fiel ein +325,5 %-Preisanstieg nach Großbritannien im Jahr 2018 auf, der jedoch angesichts des geringen Umsatzanteils (9,8 %) begrenzte systemische Auswirkungen hatte. Der Preissprung gegenüber der Türkei im Jahr 2023 (+84,5 %) spiegelt möglicherweise Wechselkurseffekte oder Handelsbarrieren wider.


Schlussfolgerung

Der Markt für CN 3807 hat sich zwischen 2015 und 2025 von einem importdominierten, relativ inaktiven Handelssegment zu einem dynamischen, exportorientierten Markt entwickelt. Die zentrale Erkenntnis ist die Asymmetrie zwischen Export- und Importentwicklung: Während die EU-Ausfuhren um 372 % (Wert) bzw. 568 % (Menge) wuchsen, blieben die Importe mengenmäßig sogar rückläufig. Die EU hat sich damit — insbesondere durch skandinavische Produzenten — zu einem zunehmend relevanten Exporteur von Holzteerderivaten entwickelt.

Gleichwohl bestehen strukturelle Risiken fort: Die Importseite ist nach wie vor hochgradig von den Vereinigten Staaten abhängig (94,6 % Anteil), was die EU gegenüber Handelskonflikten oder Lieferunterbrechungen vulnerabel macht. Der Preisschock von 2022 unterstrich dieses Risiko eindrücklich. Die zunehmende Exportkonzentration auf wenige Zielländer (insb. Norwegen) birgt zudem ein Diversifizierungsrisiko auf der Ausfuhrenseite.

Die regionale Spezialisierung der Produktion in Finnland und Schweden — bedingt durch die dortige Zellstoff- und Forstwirtschaft — wird voraussichtlich auch künftig die Handelsströme prägen. Politisch relevant ist die Entwicklung der Nettoimportabhängigkeit von 10,4 % auf 23,8 %: Angesichts der geopolitischen Spannungen und der Bestrebungen nach strategischer Autonomie könnte die Diversifizierung der Importquellen zunehmend in den Fokus europäischer Handelspolitik rücken.

Erstellt am 2026-08-07. Die Zahlen geben die Eurostat-Daten zum Zeitpunkt der Erstellung wieder und enthalten keine späteren Revisionen.

Automatisch erstellt: Dieser Bericht soll die menschliche Analyse beschleunigen, aber nicht ersetzen.

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